Die Musikindustrie zeigt den Finger

Eben erreicht mich eine Pressemitteilung:

Der Bundesverband Musikindustrie (BVMI) präsentiert sich ab sofort in neuem Gewand. Zentrale Elemente des komplett überarbeiteten Corporate Designs sind das neu entwickelte Logo und die runderneuerte Website unter www.musikindustrie.de. Übersichtlich gegliedert in die Bereiche Politik, Recht, Kultur, Statistik, Verbraucher, Publikationen, Presse und Über Uns liefert das neue Internetangebot themen- und zielgruppenorientiert eine Fülle von Informationen rund um den deutschen Musikmarkt.

Aha, denke ich und klicke doch schnell einmal dahin. In der Tat: die neue Seite sieht wesentlich besser aus als die alte. Modernes Design, ein animiertes aber nicht zu aufdringliches Logo, dezente Farbgestaltung. Sogar eine kleine Tag-Wolke ist am Fuß der Seite zu finden.

IFPI-Redesign

Und oben der Dauerbrenner des Bundes der Steuerzahler: die Schäm-Dich-Uhr. Ein kleiner Flash-Zähler zeigt an, wie viele illegale Downloads seit Anfang des Jahres 2007 nach Verbandsberechnung über den Internet-Äther gingen. Natürlich nach Verbandsberechnungen. Jede Sekunde springt er um 12 bis 13 Zähler nach oben.

Da HTML auch in Zeiten von Web 2.0 noch nicht verdongelt und verDRMt ist, kann man sich das den Zähler auch separat anzeigen lassen. Dank Flash passt er sich immer optimal der Fenstergröße an:

IFPI- Dowloadzähler

Moment mal, was ist denn das links oben? Auf der Webseite war das doch eben nicht zu sehen? Zoomen wir etwas näher heran.

IFPI- Dowloadzähler

Die Botschaft ist klar: Die Musikindustrie zeigt uns den Finger. Und das nicht mal offen, sondern versteckt.

PS: Der Stinkefinger ist am Dienstag wieder verschwunden.

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30 Comments.

  1. oder der grafiker will der musikindustrie den finger zeigen, so würde ich das eher auslegen :)

  2. In der Tat sehr amüsant. Wenn da der Grafiker / Programmierer mal keinen Stress bekommt – sofern dies eine persönliche Botschaft von ihm ist. :-)

    LG,
    Tobias

  3. Vielleicht ein Fän der besten Bänd der Welt:

    http://www.kaliban.org/stuff/aerzte.gif

  4. Interessant ist ja auch, dass dieser Verein auf ein OpenSource CMS setzt. Das ist immerhin vollkommen DRM frei, wird über das Internet geladen und in der Community entwickelt und erweitert. (oder etwa nicht?)

    Warum sollten die auch ein CMS kaufen, wenn man es doch online umsont kriegt?

  5. Toll! Und im Quelltext steht:
    »This website is powered by TYPO3 – inspiring people to share!«

  6. Nun, der virtuelle Stinkef* ist verschwunden, bleibt der intellektuelle:

    „Die Herausgabe von Daten muss auch im Rahmen eines zivilrechtlichen Auskunftsverfahrens ermöglicht werden, da andernfalls die angestrebte Durchsetzung der Rechte geistigen Eigentums auf zivilrechtlicher Ebene weiterhin erfolglos bliebe.“

  7. Netzfischer: Ja, ich vermute auch, dass der Flash-Designer hier auf Eigeninitiative gehandelt hat.

    genevainformation: Der virtuelle „Effe“ ist noch vorhanden. Einfach dem Link oben folgen.

  8. was seid ihr eigentlich alles für lustige spießer? verteidigt diebstahl mit dem moralischen zeigefinger. dafür einen doppelten stinkefinger.

  9. eigentlich perfekte steilvorlage um mal wieder eine schöne gegenbewegung zu starten. ein counter für alle überflüssigen covernummer/ die sekündlich steigenden einnahmen durch merchandising etc. im gegensatz zu dem, was wohl letztlich bei den künstler ankommen wird/ die steigenden bezüge der top-manager sowie gewinnerträge der großunternhemen/ die hypothetische anzahl an falschparkern in deutschland/ die angenommene zahl an luftblasen in einer wasserflasche…

  10. Moin,

    die hier [gelöscht] geben der Musikindustrie den Finger mit ihrer Software. :-) Ist auch ne Methode: Wir zahlen nicht nochmal.
    Viel Spaß mit dem „Software-Finger“ ;-)

    Frasier

    [URLs gelöscht, hier hat ein Mitarbeiter einer Softwarefirma mal eben Werbung gemacht]

  11. Was soll denn das bitteschön? Ich bin kein „Mitarbeiter einer Firma, der mal eben Werbung gemacht“ hat. Ich finde die Aktion einfach gut. Soviel zum Thema „Meinungsäußerung“. Die Aktion schonbezahlt.de hat durchaus mit diesem Thema zu tun.

    Heißt das, sobald hier einer eine Empfehlung für irgendetwas ausspricht, gehört der gleich zu einer Firma die Werbung machen will? (Wobei die o.g. Aktion nicht einmal ein Produkt verkauft… ts ts ts)

    Mann Mann. Lieber Webmaster, der glaubt, alles zu wissen: Ich finde diese Unterstellung ziemlich sch…. :-(

  12. „Frasier“: WordPress zeigt mir bei jedem Kommentar an, von welchem Host er kommt. Deiner ist von Tobit.

  13. Oh herrje,

    man muss schon wirklich aufpassen, was man macht. Tatsächlich bin ich Journalist, der soeben ein Gespräch mit einem Tobit-Mitarbeiter hatte. Der zeigt mir an seinem Rechner das Thema dieses Blogs. Fand ich witzig. Wollte kurz (private Meinung) einen Kommentar abschicken. Hab ich gemacht. Sehe kurz darauf, dass der Kommentar gelöscht/verändert wurde (s.o.). Lasse direkt Dampf ab :-). Fahre zurück zu meinem Arbeitsplatz nach Hause. Sehe die „Erklärung“ Host=Tobit. Muss jetzt nochmal schreiben: Bin kein Mitarbeiter von Tobit! Das Leben ist nicht immer so einfach, wie es auf den ersten Blick erscheint…
    Welcher Host erscheint eigentlich jetzt bei mir?

    Aber ich kann jetzt wenigstens verstehen, warum du, lieber Torsten, den Verdacht hattest. Nichts für ungut. Die Aktion „schonbezahlt.de“ finde ich übrigens immer noch toll :-)

  14. PS: Die Links zu schonbezahlt.de hab ich mal pauschal herausgenommen. Die Story ist extrem unglaubwürdig – und deshalb glaube ich sie auch nicht.

  15. Bitte lösche doch auch noch die „textlinks“. Man kommt ja echt in Versuchung da mal hinzusurfen. So eine verschwendete Zeit!

    Was für ein Scheißladen

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