Comedy Central verletzt Persönlichkeitsrechte. Jawohl!

Wat dem een sin Uhl is den annern sin Nachtigall. Ja, es ist wahr: Es gibt nicht nur verschiedene Geschmäcker – manchem gefällt das eine nur deshalb gut, weil es dem anderen bitter aufstößt. Wenn es bei den Spießern verpönt ist, muss es ja gut sein.

Diese Denkweise erklärt wohl diese Werbung auf der deutschen Startseite von Comedy Central:

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Ich persönlich finde, dass die Verletzung von Persönlichkeitsrechten kein Argument zum Einschalten ist. Aber vielleicht baut man auf die Big-Brother-Zuschauer, die endlich harten Stoff haben wollen. Keine albernen Endemol-Spielchen, sondern echte Enthüllungen, Konfrontation, Demütigung. Es soll ja solche Leute geben.

Peinlich wird es aber, wenn man sich im Volltextarchiv der „Tageszeitung“ – vulgo: die taz – auf die Suche nach dem Zitat macht. Der offenbar einzige Artikel zu Sven Nagels Engagement bei Comedy Central erschien im Kulturteil der taz Nord. Es handelt sich aber nicht um eine entrüstete Rezension. Nein: es ist ein unaufgeregter Bericht über einen Rechtsstreit zwischen einer RTL-Moderatorin und Comedy Central. Ob Nagel nun tatsächlich gegen Persönlichkeitsrechte verstößt, schreibt die taz nicht. Das vollständige Zitat sieht so aus:

Durch einen Sketch des in Kiel geborenen und in Braunschweig zur Szene-Größe gereiften Kabarettisten Sven Nagel hat sie ihre Persönlichkeitsrechte verletzt gesehen – einstweilige Verfügung vom Landgericht Hamburg – und Aus.

Hmmm – also entrüstet sich nicht mal das moderne Spießer-Fachblatt taz über Comedy Central. Das Zitat ist nicht nur verfälscht, sondern schlicht falsch. Noch peinlicher wird es, wenn man weiter liest.

Denn besonders kämpferisch ist der Witzkanal, Mitte Januar mit viel Vorschusslorbeeren gestartet, nicht: Das Prozessrisiko, so die Verlautbarung, sei die Ausstrahlung nicht wert. Man ist eingeknickt.

Vielleicht sollte Comedy Central seine Werbung ergänzen?

Sven Nagel verletzt Persönlichkeitsrechte… solange es den Sender nichts kostet und kein Anwalt zuschaut. Denn dann kneift er.

Readers Edition: mehr Qualität, mehr Relevanz, mehr Werbung?

Vor ein paar Tagen bin ich auf einen unsäglichen Artikel in der Readers Edition gestoßen. Kurzfassung: Ein angeblich dem Wohle der deutschen Softwarelandschaft verpflichteter e.V. empfiehlt „offiziell“ das Produkt des „Verbands-Sicherheitschefs“. Eingestellt wurde der Artikel von Ursula Pidun, die sich dann auch in den Kommentaren äußerte:

Auf interessante Software (insbesondere wenn es auch eine kostenlose Download- bzw. Testmöglichkeit gibt), weisen wir gerne (auch in Form einer Pressemitteilung) hin. Dies gilt ebenso für Spiele, Filme, Theater und Bücher etc.

Heute gibt es Neuigkeiten bei der Readers Edition

Ab sofort sind jetzt Ursula Pidun und Bernhard Fütterer als ‘Chefmoderatoren’ der Readers Edition verantwortlich für noch mehr Qualität, mehr Relevanz und mehr Nutzen.

Jetzt fehlt eigentlich nur noch der Hinweis, wo man seine Pressemitteilungen einreichen kann, die dann die Chefmoderatorin unter ihrem Namen als Bürgerjournalismus veröffentlicht. Ist die Dienstleistung eigentlich kostenlos?

Ach ja: die bisherigen Moderatoren wurden gefeuert und sind gar nicht glücklich darüber.

Wikipedia: Kooperation oder Werbung?

Auf allen Wikipedia-Seiten prangt heute das Logo der Hilfsorganisation Virgin Unite. Dahinter steckt die neuste Spendenkampagne der Wikimedia Foundation. Ich hatte im Vorfeld bei Heise darüber berichtet, bei Tim Bartels gibt es eine Zusammenfassung der wichtigsten Fakten.

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Der spannende Moment: obwohl für die Platzierung eines Firmenlogos eine beträchtliche Menge Geld fließt, ist dies keine Werbung – das sagt zumindest die Wikimedia Foundation. Und es steht in der offiziellen FAQ zur Spendenkampagne.

Inwiefern unterscheidet sich die Zusicherung einer Spende von Werbung?

 

Werbung ist die Platzierung eines vom Werbenden erstellten Werbeträgers, wie zum Beispiel in „Kauft die ABC-Ware von XY, denn sie ist die Beste“. Würden wir einzelne Pixel am Kopf unserer Seiten verkaufen und hätten die Unternehmen die freie Wahl, welchen Inhalt sie dort platzieren möchten, dann wäre das Werbung. Dies gehört aber explizit nicht zu den von uns getroffenen Vereinbarungen. Und dies schon alleine deshalb nicht, weil eine solche Vorgehensweise die Steuerfreiheit dieser Transaktionen gefährden würde.

Stattdessen erklären wir uns einverstanden, eine Dankeschön-Notiz für die Verdoppelung von Spenden der Nutzer einzublenden: „Ihre heutigen Spenden werden durch die großzügige Unterstützung von XY verdoppelt.“ Das auf diese Weise gesammelte Geld steht dabei in direktem Verhältnis zur Spendenbereitschaft des Einzelnen für unsere Projekte. Wenn nur wenige Einzelspenden zusammenkommen, wird es auch nur wenig Geld von den jeweiligen Unternehmen geben. Sind die Einzelspender großzügig, werden sich auch die Unternehmen als großzügig erweisen. Es handelt sich also um eine Kooperation in der finanziellen Unterstützung.

Die Präsenz eines Logos und eines Links zur Bezeichnung des Spenders ändert nichts am Wesen der Vereinbarung und der normale Nutzer unserer Websites wird sich damit nicht weiter befassen müssen.

 

Gehen wir mal den Werbecharakter der Sitenotice anhand der verschiedenen Argumente durch.

Gestaltbarkeit der Werbung

Hauptargument ist, dass Virgin Unite die Werbung gar nicht selbst gestalten konnte. Aber ist das wirklich die Haupteigenschaft von Werbung? Schon in der Schülerzeitung haben wir Werbungen relativ frei gestaltet – ein kleines Geschäft, das uns mit ein paar Euro unterstützen wollte, hatte nicht immer eine verwertbare Druckvorlage – also klebt man etwas zusammen aus dem Material, das der Händler mal eben bereitstellen kann

Auch bei professionell vermarkteter Werbung kann der Auftraggeber nicht wirklich frei über das Werbemedium verfügen. Die überaus erfolgreichen Google Ads lassen grade Mal ein paar Zeichen Text zu – oft reicht dies nicht mal zu einer eindeutigen Produktanpreisung wie einem Slogan. Ist es deshalb keine Werbung?

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Keine Produktwerbung

Dieses Argument kommt in der englischen FAQ etwas besser heraus:

 

Advertising is the placement of copy written by the advertiser, i.e., „Buy Joe’s Widgets, they’re the best“.

 

Offenbar sehen die FAQ-Autoren in der konkreten Produktanpreisung ein weiteres zentrales Merkmal von Werbung. Doch ist es das wirklich noch? Gerade Konzerne und Firmengruppen wie eben Virgin schalten in Massenmedien allgemeine Image-Werbung. Wenn der Kunde weiß, dass hinter dem roten Virgin-Logo Qualität und lauter nette Menschen stecken, ist das oft mehr wert, als wenn ein einzelnes Produkt dieses Konzerns breit beworben wird.

Zusammenarbeit statt Bezahlung

Der zweite Absatz der FAQ ist merkwürdig: Hier wird verquast von einer Vereinbarung und einer „Kooperation in der finanziellen Unterstützung“ (im Englischen: „cooperation in financial gift“) erzählt. Ich vermute mal, dass das Argument so läuft: Wikimedia hilft als gemeinnütige Organisation einer anderen Wohltätigkeits-Organisation Spenden einzutreiben. Eine Zusammenarbeit auf Gegenseitigkeit, nichts weiter.

Doch die Kooperation ist ein einfacher Vertrag: Virgin zahlt, Wikimedia liefert eine Gegenleistung. Wie sich der genaue Kaufpreis des Werbeplatzes berechnet, ist keine zentrale Eigenschaft von Werbung. Und dass Wikimedia mehr „kooperiert“ als jeder andere Werbetreibende ist auch nicht ersichtlich. Die Wikipedia-Community wird nicht aufgefordert sich an Projekten von Virgin Unite zu beteiligen, Wikipedia-Admins helfen nicht bei dem Aufbau eines Virgin-Unite-Wikis.

Fazit:
Halten wir fest: Wir sehen auf Wikipedia keine Produktwerbung. Die Sponsoren werden von Jimmy Wales und der Foundation handverlesen und es wird keine Werbebotschaften verbreitet, sondern ein Logo und ein Link. Werbung ist es trotzdem.

4 Liter Bionade

Vorne auf der Bionade-Flasche steht

Biologisches Erfrischungsgetränk
Mit Calcium und Magnesium

Auf der Rückseite erfährt man, dass vier Liter den Tagesbedarf an Calcium decken, für die empfohlene Tagesdosis Magnesium sind gerade Mal drei Liter nötig.

Prost.