Sandkasten mit .htaccess

Ich hatte mich schon mal vor einigen Wochen über Fixmbr gewundert. Heute bin ich durch Zufall auf eine andere Episode des akuten Bloggerwahns gestoßen.

Olaf bemerkt dass Fixmbr einen kleinen Werbebanner für ihren Provider platzieren, während sie Werbung bei anderen Bloggern schärfstens verurteilen. Daraus entwickelt sich ein kleiner Flame, bei dem Olaf vornehmlich Links und Zitate beisteuert und Chris von Fixmbr vor allem Beleidigungen. Kommentator Alexander bemerkt plötzlich, dass der Link von Olaf ins Leere führt – nicht weil sich die URL geändert hätte, sondern weil der neue Server von Fixmbr die Anfrage blockt.

fixmbr

Zauberei? Nein, offenbar hat Fixmbr mit der .htaccess-Datei herumgespielt. Klickt man auf den Link man bei Olaf, wird man abgewiesen, drückt man auf Reload, wird die Seite hingegen anstandslos ausgeliefert. Oder für Konsolenfans:

# wget http://www.fixmbr.de –referer=http://fx3.org

führt zum Abweisen des Besuchers und ein einfaches

# wget http://www.fixmbr.de

kommt anstandslos durch den Filter.

Technisch gesehen ist die Erklärung einfach, rein menschlich und sozial erschließt sich mir diese Reaktion nicht – hatte sich Sven doch jovial für das „Ping-Pong-Spielen“ bedankt. Ich muss daher den eingangs erwähnte Bloggerwahn als Arbeitshypothese wählen.

PS:Franztoo hat übrigens die gleiche Strafe ereilt – auch hier ist offenbar unmäßige Kritik der Grund.

Viva-Berufsberatung: Prostituierte

Ariadne ist sauer über die Sexualisierung unserer Kinder

Diese Mädchen können ihre Wirkung weder in vollem Maße einschätzen, noch sinnvoll kontrollieren. Sie sind sich ihrer Stellung in der Welt der Sexualität noch nicht im Geringsten bewusst. Sie mögen aussehen wie süße und knackige Versionen von Frauen, sind aber Kinder in ihrem Geiste, die in eine Welt geworfen wurden, in der das Alter des ersten Males wichtiger ist, als die Note des Realschulabschlusses.

Vor einer Woche hatte ich mal das zweifelhafte Vergnügen im Fitness-Studio das Programm von Viva zu verfolgen. Dort hängen zwei Fernseher rum: links Pro7, rechts Viva. Was ich da am Sonntag zu sehen bekam, würde ich als Berufsberatung für den Kinder-Strich verbuchen. Denn zwischen Tokio-Hotel-Clips und Veet-Werbung bringt Viva Pseudo-Reportagen aus dem Playboy-Reich, so die Serie „The Girls Of The Playboy Mansion“.

Aus der Beschreibung des Senders:

Die Party geht weiter: ‚The Girls Of The Playboy Mansion‘ geht in die zweite Staffel. Noch einmal öffnet VIVA die Pforten des knapp 2.000 Quadratmeter großen Luxusanwesens von Hugh Hefner.

Gezeigt wird das glamouröse Leben des legendären „Playboy“-Gründers und seinen Gespielinnen zwischen Partys, Presseterminen, Freizeit-Action und Fotoshootings. Klar, dass es bei dem ganzen Spaß zwischen den drei Blondinen hin und wieder auch mal Zickenalarm gibt.

Hefs 80. Geburtstag steht an, und die Girls geben sich größte Mühe, das Event zu einem absoluten Highlight zu machen. Außerdem touren Holly, Bridget und Kendra durch Europa und schmeißen heiße Pyjama-Partys für ihre Freunde. Doch noch immer gilt die Hugh Hefner-Regel Nummer eins: Bei Sonnenuntergang ist Schluss mit lustig, und die Damen haben, sofern nicht in Hefners Begleitung, zu Hause zu sein.

Konkret sieht das so aus, dass Plamate-Fotos mit Interviewschnippseln vermischt werden, in denen Silikonwunder vom tollen Leben auf der Playboy Mansion und den Karrieren der Bunnies erzählen, dabei immer wieder der aufs Sympatischste ausgeleuchtete Lustgreis Hugh Hefner. Zwischendurch zieht ein Mädchen mit Barely-legal-Charme in das Haus Hefners ein, und räkelt sich lasziv im Luxusbett. Das Ganze wird präsentiert mit einer rasanten Schnittfolge (fast keine Einstellung über drei Sekunden) und der typischen Playboy-Hochglanz-Optik mit Realitätsweichzeichner. Die Zielgruppe ist – nach den Musik-Clips und Werbespots zu urteilen wahrscheinlich weiblich und unter 15 Jahre alt. Die Bunnies benehmen sich wie verwöhnte Achtjährige, werden als möglichst dumm und oberflächlich inszeniert.

Zum Vergleich: „Manche mögen’s heiß“ wird von deutschen Medienwächtern offenbar als jugendgefährdender eingestuft und daher erst ab 23 Uhr gesendet. Dass diese Pseudo-Doku in Wahrheit eine von Hefner selbst entworfene Dauerwerbesendung ist, sollte nur nebenbei erwähnt werden.

Comedy Central verletzt Persönlichkeitsrechte. Jawohl!

Wat dem een sin Uhl is den annern sin Nachtigall. Ja, es ist wahr: Es gibt nicht nur verschiedene Geschmäcker – manchem gefällt das eine nur deshalb gut, weil es dem anderen bitter aufstößt. Wenn es bei den Spießern verpönt ist, muss es ja gut sein.

Diese Denkweise erklärt wohl diese Werbung auf der deutschen Startseite von Comedy Central:

uhl.jpg

Ich persönlich finde, dass die Verletzung von Persönlichkeitsrechten kein Argument zum Einschalten ist. Aber vielleicht baut man auf die Big-Brother-Zuschauer, die endlich harten Stoff haben wollen. Keine albernen Endemol-Spielchen, sondern echte Enthüllungen, Konfrontation, Demütigung. Es soll ja solche Leute geben.

Peinlich wird es aber, wenn man sich im Volltextarchiv der „Tageszeitung“ – vulgo: die taz – auf die Suche nach dem Zitat macht. Der offenbar einzige Artikel zu Sven Nagels Engagement bei Comedy Central erschien im Kulturteil der taz Nord. Es handelt sich aber nicht um eine entrüstete Rezension. Nein: es ist ein unaufgeregter Bericht über einen Rechtsstreit zwischen einer RTL-Moderatorin und Comedy Central. Ob Nagel nun tatsächlich gegen Persönlichkeitsrechte verstößt, schreibt die taz nicht. Das vollständige Zitat sieht so aus:

Durch einen Sketch des in Kiel geborenen und in Braunschweig zur Szene-Größe gereiften Kabarettisten Sven Nagel hat sie ihre Persönlichkeitsrechte verletzt gesehen – einstweilige Verfügung vom Landgericht Hamburg – und Aus.

Hmmm – also entrüstet sich nicht mal das moderne Spießer-Fachblatt taz über Comedy Central. Das Zitat ist nicht nur verfälscht, sondern schlicht falsch. Noch peinlicher wird es, wenn man weiter liest.

Denn besonders kämpferisch ist der Witzkanal, Mitte Januar mit viel Vorschusslorbeeren gestartet, nicht: Das Prozessrisiko, so die Verlautbarung, sei die Ausstrahlung nicht wert. Man ist eingeknickt.

Vielleicht sollte Comedy Central seine Werbung ergänzen?

Sven Nagel verletzt Persönlichkeitsrechte… solange es den Sender nichts kostet und kein Anwalt zuschaut. Denn dann kneift er.

Readers Edition: mehr Qualität, mehr Relevanz, mehr Werbung?

Vor ein paar Tagen bin ich auf einen unsäglichen Artikel in der Readers Edition gestoßen. Kurzfassung: Ein angeblich dem Wohle der deutschen Softwarelandschaft verpflichteter e.V. empfiehlt „offiziell“ das Produkt des „Verbands-Sicherheitschefs“. Eingestellt wurde der Artikel von Ursula Pidun, die sich dann auch in den Kommentaren äußerte:

Auf interessante Software (insbesondere wenn es auch eine kostenlose Download- bzw. Testmöglichkeit gibt), weisen wir gerne (auch in Form einer Pressemitteilung) hin. Dies gilt ebenso für Spiele, Filme, Theater und Bücher etc.

Heute gibt es Neuigkeiten bei der Readers Edition

Ab sofort sind jetzt Ursula Pidun und Bernhard Fütterer als ‘Chefmoderatoren’ der Readers Edition verantwortlich für noch mehr Qualität, mehr Relevanz und mehr Nutzen.

Jetzt fehlt eigentlich nur noch der Hinweis, wo man seine Pressemitteilungen einreichen kann, die dann die Chefmoderatorin unter ihrem Namen als Bürgerjournalismus veröffentlicht. Ist die Dienstleistung eigentlich kostenlos?

Ach ja: die bisherigen Moderatoren wurden gefeuert und sind gar nicht glücklich darüber.

Wikipedia: Kooperation oder Werbung?

Auf allen Wikipedia-Seiten prangt heute das Logo der Hilfsorganisation Virgin Unite. Dahinter steckt die neuste Spendenkampagne der Wikimedia Foundation. Ich hatte im Vorfeld bei Heise darüber berichtet, bei Tim Bartels gibt es eine Zusammenfassung der wichtigsten Fakten.

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Der spannende Moment: obwohl für die Platzierung eines Firmenlogos eine beträchtliche Menge Geld fließt, ist dies keine Werbung – das sagt zumindest die Wikimedia Foundation. Und es steht in der offiziellen FAQ zur Spendenkampagne.

Inwiefern unterscheidet sich die Zusicherung einer Spende von Werbung?

 

Werbung ist die Platzierung eines vom Werbenden erstellten Werbeträgers, wie zum Beispiel in „Kauft die ABC-Ware von XY, denn sie ist die Beste“. Würden wir einzelne Pixel am Kopf unserer Seiten verkaufen und hätten die Unternehmen die freie Wahl, welchen Inhalt sie dort platzieren möchten, dann wäre das Werbung. Dies gehört aber explizit nicht zu den von uns getroffenen Vereinbarungen. Und dies schon alleine deshalb nicht, weil eine solche Vorgehensweise die Steuerfreiheit dieser Transaktionen gefährden würde.

Stattdessen erklären wir uns einverstanden, eine Dankeschön-Notiz für die Verdoppelung von Spenden der Nutzer einzublenden: „Ihre heutigen Spenden werden durch die großzügige Unterstützung von XY verdoppelt.“ Das auf diese Weise gesammelte Geld steht dabei in direktem Verhältnis zur Spendenbereitschaft des Einzelnen für unsere Projekte. Wenn nur wenige Einzelspenden zusammenkommen, wird es auch nur wenig Geld von den jeweiligen Unternehmen geben. Sind die Einzelspender großzügig, werden sich auch die Unternehmen als großzügig erweisen. Es handelt sich also um eine Kooperation in der finanziellen Unterstützung.

Die Präsenz eines Logos und eines Links zur Bezeichnung des Spenders ändert nichts am Wesen der Vereinbarung und der normale Nutzer unserer Websites wird sich damit nicht weiter befassen müssen.

 

Gehen wir mal den Werbecharakter der Sitenotice anhand der verschiedenen Argumente durch.

Gestaltbarkeit der Werbung

Hauptargument ist, dass Virgin Unite die Werbung gar nicht selbst gestalten konnte. Aber ist das wirklich die Haupteigenschaft von Werbung? Schon in der Schülerzeitung haben wir Werbungen relativ frei gestaltet – ein kleines Geschäft, das uns mit ein paar Euro unterstützen wollte, hatte nicht immer eine verwertbare Druckvorlage – also klebt man etwas zusammen aus dem Material, das der Händler mal eben bereitstellen kann

Auch bei professionell vermarkteter Werbung kann der Auftraggeber nicht wirklich frei über das Werbemedium verfügen. Die überaus erfolgreichen Google Ads lassen grade Mal ein paar Zeichen Text zu – oft reicht dies nicht mal zu einer eindeutigen Produktanpreisung wie einem Slogan. Ist es deshalb keine Werbung?

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Keine Produktwerbung

Dieses Argument kommt in der englischen FAQ etwas besser heraus:

 

Advertising is the placement of copy written by the advertiser, i.e., „Buy Joe’s Widgets, they’re the best“.

 

Offenbar sehen die FAQ-Autoren in der konkreten Produktanpreisung ein weiteres zentrales Merkmal von Werbung. Doch ist es das wirklich noch? Gerade Konzerne und Firmengruppen wie eben Virgin schalten in Massenmedien allgemeine Image-Werbung. Wenn der Kunde weiß, dass hinter dem roten Virgin-Logo Qualität und lauter nette Menschen stecken, ist das oft mehr wert, als wenn ein einzelnes Produkt dieses Konzerns breit beworben wird.

Zusammenarbeit statt Bezahlung

Der zweite Absatz der FAQ ist merkwürdig: Hier wird verquast von einer Vereinbarung und einer „Kooperation in der finanziellen Unterstützung“ (im Englischen: „cooperation in financial gift“) erzählt. Ich vermute mal, dass das Argument so läuft: Wikimedia hilft als gemeinnütige Organisation einer anderen Wohltätigkeits-Organisation Spenden einzutreiben. Eine Zusammenarbeit auf Gegenseitigkeit, nichts weiter.

Doch die Kooperation ist ein einfacher Vertrag: Virgin zahlt, Wikimedia liefert eine Gegenleistung. Wie sich der genaue Kaufpreis des Werbeplatzes berechnet, ist keine zentrale Eigenschaft von Werbung. Und dass Wikimedia mehr „kooperiert“ als jeder andere Werbetreibende ist auch nicht ersichtlich. Die Wikipedia-Community wird nicht aufgefordert sich an Projekten von Virgin Unite zu beteiligen, Wikipedia-Admins helfen nicht bei dem Aufbau eines Virgin-Unite-Wikis.

Fazit:
Halten wir fest: Wir sehen auf Wikipedia keine Produktwerbung. Die Sponsoren werden von Jimmy Wales und der Foundation handverlesen und es wird keine Werbebotschaften verbreitet, sondern ein Logo und ein Link. Werbung ist es trotzdem.

4 Liter Bionade

Vorne auf der Bionade-Flasche steht

Biologisches Erfrischungsgetränk
Mit Calcium und Magnesium

Auf der Rückseite erfährt man, dass vier Liter den Tagesbedarf an Calcium decken, für die empfohlene Tagesdosis Magnesium sind gerade Mal drei Liter nötig.

Prost.