Keine Lehren aus den Simpsons

Eine US-Supermarktkette verwandelt einige Filialen in Kwik-E-Marts und verkauft landesweit Produkte wie Buzz Cola, KrustyO’s cereal and Squishees. Natürlich ist das eine Marketing-Kampagne – Anlass ist der Kino-Start des Simpsons-Films.

IMHO ein deutlicher Zeichen des Niedergangs der Simpsons. Denn der Kwik-E-Mart war früher mal eine bissige Parodie auf die Supermarkt-Konzerne. Zur Erinnerung: der Kwik-E-Mart ist nicht nur überteuert, er verkauft im besten Fall ungesunde, oft genug verdorbene Produkte, beutet seine Angestellten aus, besticht Politiker und zeigt selbst Stammkunden sofort an, wenn die einen Artikel aus Versehen eingesteckt haben. Und KrustyO’s cereals sind das sicherste Mittel seine Kinder umzubringen.

Wenn diese Markennamen nun ernsthaft als Werbung gebraucht werden, haben die Simpsons wohl inzwischen den letzten Rest Gesellschaftskritik ausgemerzt bekommen. Der Film wäre eine tolle Gelegenheit gewesen, die Serie zu beenden. Chance verpasst.

PS: Ich habe eben mal bei Pro7 reingeschaut. Nicht mal die Halloween-Specials sind mehr lustig.

RAF und RTL

Medien sind etwas Tolles. Besonders wenn man die kleinen Mechanismen kennt, die einfach unvermeidbar sind. Man drückt auf einen Knopf und schon springt der Teufel aus der Kiste. Obwohl er das immer wieder tut, können sich Kinder über Stunden über den Springteufel amüsieren.

Das funktioniert auch ohne Kisten und Teufel. Ein Beispiel: Man macht geschmacklose RAF-Scherze und schon kommt RTL und berichtet. Tolle Sache, das.

Das Problem: Ich glaube kaum, dass der Trainingsanzug-tragende RTL-Zuschauer zum Kiosk stapfen wird, um dort den Spruch „Gib mal taz!“ abzulassen. Da hat die NRW-Redaktion wohl dem eigenen Kinospot geglaubt.

Bildungspolitische Impulse

In dem Deutsche-Startups-Blog gibt es ein Interview mit dem Studivz-Mitgründer Michael Brehm:

Sie gießen aber auch immer wieder Öl ins Feuer. Zuletzt beispielsweise mit der umstrittenen Werbeaktionen für “schülerVZ“. Knapp drei Millionen rosafarbene Post-Its wurden dabei an Schulwände geklebt.

Wir machen sicherlich auch Dinge, die eine traditionelle und konventionelle Firma nicht machen würde. Aber wir haben versucht durch diese Aktion auch auf Themen hinweisen, die Schülern wirklich am Herzen liegen. Deswegen wollten wir die Werbeaktion mit etwas Politischem verbinden. Alle Schüler wurden aufgerufen, die Post-Its mit Wünschen und Anregungen zu beschriften und zurückzusenden. Wenn wir auf diese Weise kleine Impulse in Richtung Bildungspolitik geben können ist das vielleicht auch nicht ganz verkehrt.

Mal ganz abgesehen davon, dass die ach so veralteten Krawattenträger- und Schreibtisch-Firmen sehr wohl solche Aktionen machen und dafür zurecht abgestraft werden, woraus soll denn der bildungspolitische Impuls bestehen? An wen gibt Studivz denn handbeschriebene und im Zweifel zerknüllte Zettelchen weiter – wenn sie denn überhaupt in der Unternehmenszentrale ankommen?

Sehen wir es mal ganz physikalisch: Ein Impuls benötigt einen Leiter. Und Schülervz hat keinen Draht zur Bildungspolitik. Die Impulse können höchstens in die Marketing-Abteilung führen.

PS: Wenn man um Probleme nicht herumreden will, sollte man sich vielleicht nicht unbedingt mit dem Roten Kreuz vergleichen. Ebay wäre beispielsweise viel passender, auch Siemens wäre wohl eine mögliche Referenz für die Probleme von Studivz gewesen.

Lizenzfreies Getränk einer besseren Welt

Bionade hat einen tollen neuen Werbespruch: Das offizielle Getränk einer besseren Welt.

Tolle Idee: Das erinnert an den ATTAC-Slogan „Eine bessere Welt ist möglich“ – kostet aber nichts. Und zum medialen Großereignis G8-Protest will man sich bei der Biomarkt-Kundschaft sicher auf der Seite der Guten positionieren.

Was ist an Bionade eigentlich so gut für die Welt? So wie ich es verstanden habe, wird es quasi aus den selben Zutaten und in den gleichen Anlagen produziert wie klassisches Bier. Aber da die Bio-Limo in besonderen Flaschen abgefüllt wird, die dann quer durch die Republik transportiert werden müssen, dürfte die Ökobilanz zumindest nicht überragend sein. Normale Bier- oder Perlflaschen können bei einem lokal ansässigen Abfüller weiterverwendet werden.

Sandkasten mit .htaccess

Ich hatte mich schon mal vor einigen Wochen über Fixmbr gewundert. Heute bin ich durch Zufall auf eine andere Episode des akuten Bloggerwahns gestoßen.

Olaf bemerkt dass Fixmbr einen kleinen Werbebanner für ihren Provider platzieren, während sie Werbung bei anderen Bloggern schärfstens verurteilen. Daraus entwickelt sich ein kleiner Flame, bei dem Olaf vornehmlich Links und Zitate beisteuert und Chris von Fixmbr vor allem Beleidigungen. Kommentator Alexander bemerkt plötzlich, dass der Link von Olaf ins Leere führt – nicht weil sich die URL geändert hätte, sondern weil der neue Server von Fixmbr die Anfrage blockt.

fixmbr

Zauberei? Nein, offenbar hat Fixmbr mit der .htaccess-Datei herumgespielt. Klickt man auf den Link man bei Olaf, wird man abgewiesen, drückt man auf Reload, wird die Seite hingegen anstandslos ausgeliefert. Oder für Konsolenfans:

# wget http://www.fixmbr.de –referer=http://fx3.org

führt zum Abweisen des Besuchers und ein einfaches

# wget http://www.fixmbr.de

kommt anstandslos durch den Filter.

Technisch gesehen ist die Erklärung einfach, rein menschlich und sozial erschließt sich mir diese Reaktion nicht – hatte sich Sven doch jovial für das „Ping-Pong-Spielen“ bedankt. Ich muss daher den eingangs erwähnte Bloggerwahn als Arbeitshypothese wählen.

PS:Franztoo hat übrigens die gleiche Strafe ereilt – auch hier ist offenbar unmäßige Kritik der Grund.

Viva-Berufsberatung: Prostituierte

Ariadne ist sauer über die Sexualisierung unserer Kinder

Diese Mädchen können ihre Wirkung weder in vollem Maße einschätzen, noch sinnvoll kontrollieren. Sie sind sich ihrer Stellung in der Welt der Sexualität noch nicht im Geringsten bewusst. Sie mögen aussehen wie süße und knackige Versionen von Frauen, sind aber Kinder in ihrem Geiste, die in eine Welt geworfen wurden, in der das Alter des ersten Males wichtiger ist, als die Note des Realschulabschlusses.

Vor einer Woche hatte ich mal das zweifelhafte Vergnügen im Fitness-Studio das Programm von Viva zu verfolgen. Dort hängen zwei Fernseher rum: links Pro7, rechts Viva. Was ich da am Sonntag zu sehen bekam, würde ich als Berufsberatung für den Kinder-Strich verbuchen. Denn zwischen Tokio-Hotel-Clips und Veet-Werbung bringt Viva Pseudo-Reportagen aus dem Playboy-Reich, so die Serie „The Girls Of The Playboy Mansion“.

Aus der Beschreibung des Senders:

Die Party geht weiter: ‚The Girls Of The Playboy Mansion‘ geht in die zweite Staffel. Noch einmal öffnet VIVA die Pforten des knapp 2.000 Quadratmeter großen Luxusanwesens von Hugh Hefner.

Gezeigt wird das glamouröse Leben des legendären „Playboy“-Gründers und seinen Gespielinnen zwischen Partys, Presseterminen, Freizeit-Action und Fotoshootings. Klar, dass es bei dem ganzen Spaß zwischen den drei Blondinen hin und wieder auch mal Zickenalarm gibt.

Hefs 80. Geburtstag steht an, und die Girls geben sich größte Mühe, das Event zu einem absoluten Highlight zu machen. Außerdem touren Holly, Bridget und Kendra durch Europa und schmeißen heiße Pyjama-Partys für ihre Freunde. Doch noch immer gilt die Hugh Hefner-Regel Nummer eins: Bei Sonnenuntergang ist Schluss mit lustig, und die Damen haben, sofern nicht in Hefners Begleitung, zu Hause zu sein.

Konkret sieht das so aus, dass Plamate-Fotos mit Interviewschnippseln vermischt werden, in denen Silikonwunder vom tollen Leben auf der Playboy Mansion und den Karrieren der Bunnies erzählen, dabei immer wieder der aufs Sympatischste ausgeleuchtete Lustgreis Hugh Hefner. Zwischendurch zieht ein Mädchen mit Barely-legal-Charme in das Haus Hefners ein, und räkelt sich lasziv im Luxusbett. Das Ganze wird präsentiert mit einer rasanten Schnittfolge (fast keine Einstellung über drei Sekunden) und der typischen Playboy-Hochglanz-Optik mit Realitätsweichzeichner. Die Zielgruppe ist – nach den Musik-Clips und Werbespots zu urteilen wahrscheinlich weiblich und unter 15 Jahre alt. Die Bunnies benehmen sich wie verwöhnte Achtjährige, werden als möglichst dumm und oberflächlich inszeniert.

Zum Vergleich: „Manche mögen’s heiß“ wird von deutschen Medienwächtern offenbar als jugendgefährdender eingestuft und daher erst ab 23 Uhr gesendet. Dass diese Pseudo-Doku in Wahrheit eine von Hefner selbst entworfene Dauerwerbesendung ist, sollte nur nebenbei erwähnt werden.

Comedy Central verletzt Persönlichkeitsrechte. Jawohl!

Wat dem een sin Uhl is den annern sin Nachtigall. Ja, es ist wahr: Es gibt nicht nur verschiedene Geschmäcker – manchem gefällt das eine nur deshalb gut, weil es dem anderen bitter aufstößt. Wenn es bei den Spießern verpönt ist, muss es ja gut sein.

Diese Denkweise erklärt wohl diese Werbung auf der deutschen Startseite von Comedy Central:

uhl.jpg

Ich persönlich finde, dass die Verletzung von Persönlichkeitsrechten kein Argument zum Einschalten ist. Aber vielleicht baut man auf die Big-Brother-Zuschauer, die endlich harten Stoff haben wollen. Keine albernen Endemol-Spielchen, sondern echte Enthüllungen, Konfrontation, Demütigung. Es soll ja solche Leute geben.

Peinlich wird es aber, wenn man sich im Volltextarchiv der „Tageszeitung“ – vulgo: die taz – auf die Suche nach dem Zitat macht. Der offenbar einzige Artikel zu Sven Nagels Engagement bei Comedy Central erschien im Kulturteil der taz Nord. Es handelt sich aber nicht um eine entrüstete Rezension. Nein: es ist ein unaufgeregter Bericht über einen Rechtsstreit zwischen einer RTL-Moderatorin und Comedy Central. Ob Nagel nun tatsächlich gegen Persönlichkeitsrechte verstößt, schreibt die taz nicht. Das vollständige Zitat sieht so aus:

Durch einen Sketch des in Kiel geborenen und in Braunschweig zur Szene-Größe gereiften Kabarettisten Sven Nagel hat sie ihre Persönlichkeitsrechte verletzt gesehen – einstweilige Verfügung vom Landgericht Hamburg – und Aus.

Hmmm – also entrüstet sich nicht mal das moderne Spießer-Fachblatt taz über Comedy Central. Das Zitat ist nicht nur verfälscht, sondern schlicht falsch. Noch peinlicher wird es, wenn man weiter liest.

Denn besonders kämpferisch ist der Witzkanal, Mitte Januar mit viel Vorschusslorbeeren gestartet, nicht: Das Prozessrisiko, so die Verlautbarung, sei die Ausstrahlung nicht wert. Man ist eingeknickt.

Vielleicht sollte Comedy Central seine Werbung ergänzen?

Sven Nagel verletzt Persönlichkeitsrechte… solange es den Sender nichts kostet und kein Anwalt zuschaut. Denn dann kneift er.

Readers Edition: mehr Qualität, mehr Relevanz, mehr Werbung?

Vor ein paar Tagen bin ich auf einen unsäglichen Artikel in der Readers Edition gestoßen. Kurzfassung: Ein angeblich dem Wohle der deutschen Softwarelandschaft verpflichteter e.V. empfiehlt „offiziell“ das Produkt des „Verbands-Sicherheitschefs“. Eingestellt wurde der Artikel von Ursula Pidun, die sich dann auch in den Kommentaren äußerte:

Auf interessante Software (insbesondere wenn es auch eine kostenlose Download- bzw. Testmöglichkeit gibt), weisen wir gerne (auch in Form einer Pressemitteilung) hin. Dies gilt ebenso für Spiele, Filme, Theater und Bücher etc.

Heute gibt es Neuigkeiten bei der Readers Edition

Ab sofort sind jetzt Ursula Pidun und Bernhard Fütterer als ‘Chefmoderatoren’ der Readers Edition verantwortlich für noch mehr Qualität, mehr Relevanz und mehr Nutzen.

Jetzt fehlt eigentlich nur noch der Hinweis, wo man seine Pressemitteilungen einreichen kann, die dann die Chefmoderatorin unter ihrem Namen als Bürgerjournalismus veröffentlicht. Ist die Dienstleistung eigentlich kostenlos?

Ach ja: die bisherigen Moderatoren wurden gefeuert und sind gar nicht glücklich darüber.