Sueddeutsche.de: Petzen reicht nicht

Sueddeutsche.de schränkt die Leserkommentare ein:

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In den vergangenen Monaten ist die Zahl der Nutzerkommentare ständig angestiegen. An Wochentagen werden nun rund 2.000 Kommentare an sueddeutsche.de geschickt. Auch dieser Wert ist zunächst erfreulich, er zeigt das große Interesse unserer Leser am Austausch.

Elementare Voraussetzung jeder Diskussion ist der gegenseitige Respekt und ein fairer Umgang miteinander. Da dies nicht immer eingehalten wurde, haben wir gemeinsam mit den Nutzern eine Nettiquette entwickelt und neue Funktionen – wie das Petzen oder das Bewerten – eingeführt. Außerdem entfernen Mitarbeiter von sueddeutsche.de unangemessene Kommentare.

In letzter Zeit mussten wir allerdings feststellen, dass diese zurückhaltende Moderation nicht mehr genügt. Insbesondere nachts und am Wochenende gehen zuweilen Kommentare online, die mit einer sinnvollen Form von Meinungsäußerung nichts mehr zu tun haben. Wir haben uns deshalb entschlossen, in Zukunft stärker moderierend einzugreifen.

Eine solche intensivere Betreuung erfordert die ständige Präsenz aktiver Moderatoren. Deshalb werden die Kommentarfunktion ab sofort zwischen 19 Uhr abends und 8 Uhr morgens einfrieren. Das bedeutet, dass in dieser Zeit auf sueddeutsche.de keine Kommentare publiziert werden können. Dieser „Freeze“ gilt auch für die Zeit am Wochenende – zwischen Freitag, 19 Uhr, und Montag, 8 Uhr – sowie für Feiertage.

Bitte haben Sie Verständnis für diesen Schritt. Wir hoffen, dass wir damit die Qualität der Diskussionen und damit auch das Niveau einzelner Kommentare deutlich aufwerten.

Die Chefredaktion

Passend dazu rässonniert Bernd Graff über die neuen Idiotae:

Sie zerfleddern – wie es gerne auch wir Zeitungsmenschen tun – jedes Thema. Sie tun dies aber oft anonym und noch öfter von keiner Sachkenntnis getrübt. Sie zetteln Debattenquickies an, pöbeln nach Gutsherrenart und rauschen dann zeternd weiter. Sie erschaffen wenig und machen vieles runter. Diese Diskutanten des Netzes sind der Diskurstod, getrieben von der Lust an Entrüstung.

Haben wir Entrüstung gesagt? Setzen Sie dafür bitte beliebig ein: Sabotage, Verschwörung, Häme, Denunziation, Verächtlichmachung, Hohn, Spott. Ja, wir müssen uns die Kräfte des freien Meinungsmarktes als äußerst destruktiv vorstellen.