Das ist nicht Star Trek

Patton Oswalt ist hierzulande vielleicht am ehesten bekannt als „Spence“ aus der Serie „King Of Queens“. Der liebenswerte Nerd aus der Nachbarschaft, der keine Frau abkriegt, übergewichtig ist und sich aus Verzweiflung von seinen Freunden als der letzte Dreck behandeln und manipulieren lässt. Wer sich Oswalts Standup Comedy ansieht, erlebt eine Überraschung: Der kleine dicke Mann hat es faustdick hinter den Ohren, ist souverän und brilliant. Und er kommt bei Frauen an.

Und doch… Und doch hat er eine Geschichte über sich als Star-Trek-Fan. Sein Physik-Professor hatte in einer Prüfung eine Aufgabe gestellt, in der er Star-Trek-Charaktere benutzte, um seine Schüler zu motivieren. Der junge Patton Oswalt marschierte während der Prüfung nach vorne und korrigierte den Fehler, dass nicht Spock, sondern irgendjemand andere der TOS-Crew die Phaser abfeuert. Er ist halt doch Nerd. Wenn auch nicht die weichgespülte Sitcom-Variante.

Ich bin kein Trekkie. Ich habe „The Next Generation“ als Jugendlicher verschlungen, habe aber absolut kein emotionales Verhältnis zu Kirk, Picard oder gar Deanna Troi. Den neusten Film habe ich nicht gesehen, „Enterprise“ war ein Reinfall und wer glaubt, aus Star Trek Lehren für’s Leben ziehen zu können, hat mein Mitleid sicher.

Und doch… Als ich in den letzten Tagen immer mehr Meldungen in meiner Timeline sah, dass der NSA-General Keith Alexander die Brücke der Enterprise nachgebaut habe, um Parlamentariern zu imponieren und sich immer neue gesetzlichen Vollmachten zu sichern, da dachte ich vor allem eins:

DAS IST NICHT STAR TREK.

DAS IST NICHT DIE ENTERPRISE.

Tatsächlich steht in dem acht Seiten langen Artikel auf Foreign Policy dieser Absatz:

When he was running the Army’s Intelligence and Security Command, Alexander brought many of his future allies down to Fort Belvoir for a tour of his base of operations, a facility known as the Information Dominance Center. It had been designed by a Hollywood set designer to mimic the bridge of the starship Enterprise from Star Trek, complete with chrome panels, computer stations, a huge TV monitor on the forward wall, and doors that made a „whoosh“ sound when they slid open and closed. Lawmakers and other important officials took turns sitting in a leather „captain’s chair“ in the center of the room and watched as Alexander, a lover of science-fiction movies, showed off his data tools on the big screen. „Everybody wanted to sit in the chair at least once to pretend he was Jean-Luc Picard,“ says a retired officer in charge of VIP visits.

Alleine: Wer Star Trek irgendwann mit wachen Augen gesehen hat, könnte sich fragen: Wo waren auf der Enterprise „chrome panels“? Wer dann noch die magische Gabe des Googelns beherrscht, stößt schnell auf die Bilder des Information Dominance Centers (Really? Are you fucking kidding me?).

Es stellt sich heraus: Der Raum in Fort Meade sieht irgendwie spacy oder science fictiony aus. Mit Star Trek hat er aber nichts gemein außer einem großen Bildschirm. Die Captains bei Star Trek saßen nicht alleine vor einem großen Screen, es gab keine Glaswände oder runde Chromlemente, jedes Bedienelement war auf eine typische Art platziert, die absolut nichts mit dem Informations-Showroom der Army (nicht der NSA) zu tun hat. Nicht mal die Farben sind ähnlich oder die Form der Räume. Hätte nicht irgendein ungenannter Angestellter diesen plastischen, aber nun mal falschen Vergleich angebracht — niemand würde in den Fotos Star Trek wiedererkennen. Zumindest niemand, dem ich zutrauen würde, sein Auto auf dem Parkplatz wiederzufinden. Die sehen doch irgendwie alle gleich aus. Sie haben ein Dach.

Den Vogel abgeschossen hat Felix von Leitner, der in der FAZ sogar fantasierte, dass Star Trek eine allzu passende Parabel auf die Machtgelüste der NSA seien. Passenderweise hat die Redaktion bei der Bebilderung Captain Kirk mit Captain Picard verwechselt. Da fällt es nicht so sehr auf, dass Star Trek weder blaue LEDs erfunden hat, noch unkritisch gegenüber der zentralen Staatsgewalt war. In der Tat waren Admiräle und Botschafter in TNG ein Rudel inkompetenter, krimineller oder machtvergessener Idioten. Die Geheimdienste wurden in Star Trek sogar dämonisiert, ein finsterer NSA-Admiral will sich gewiss nicht mit Section 23 31 vergleichen? Oder dem Tal Shiar, der über Leichen geht?

Ich bin kein Trekkie. Wirklich nicht. Dies ist eine Lektion, wie eine Suggestion nicht hinterfragt wird, wie ein popkulturelles Meme unser Wahrnehmung so weit beeinflusst, dass unsere Augen kein Mitspracherecht haben. Ich bin kein Trekkie. Wirklich nicht.

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41 Comments.

  1. ich bin wirklich kein Trekkie, ich weiß nicht wer Deanna Troi ist, oder wer oder was Tal Shiar ist.

    Ich hab Star Trek ein paar Mal beim durchzappen für 5 min gesehen.

    Ich kann sagen: Allein der Stuhl vor der Bildwand erinnert mich an Star Trek; ich finde den Vergleich passend; ich würde genau so vergleichen.

    „Ich habe “The Next Generation” als Jugendlicher verschlungen,“ macht dich in meinen Augen schon zeimlich zu einem Trekkie.

    just my 2cents ;)

    Grüße…

    • Du hast TNG verschlungen und weißt nicht, wer Deanna Troi ist? Ein Tipp: Sie sitzt meist neben dem Captain auf der Brücke. Und der Captain sitzt etwa nicht vor der Bildwand, sondern hinter dem Piloten und einem anderen Crewman. Will er eine ungehinderte Sicht auf den Schirm, muss er aufstehen und nach vorne gehen.

      • Es ist zwar schon alt, aber ich kanns einfach nicht lassen:

        Merkste selber Torsten, das der rick mit “Ich habe “The Next Generation” als Jugendlicher verschlungen,” Deinen eigenen Text zitiert hat?
        Ein Tipp: Ein Zitat ist eine wörtlich übernommene Stelle aus einem anderem Text. Man erkennt es leicht an den Anführungzeichen zu Beginn und Ende des Zitats.

        Und es erinnert eben doch an Star Trek, auch wenn da keine bunten Plastikknöpfe sind.

      • Du hast recht, aus irgendwelchen Gründen habe ich die Anführungszeichen übersehen.

      • Jedenfalls bin ich dadurch mal dazu gekommen ein paar Sachen von Patton Oswalt anzuhören. Merci, hat sich gelohnt

      • Aber gerne doch :-)

        BTW: Viele Comedians sind auf Spotify und dort mit derzeit geringer Werbequote kostenlos anzuhören.

  2. Ich (halber Trekkie) habe auch nicht verstanden wie man bei den Fotos auf Star Trek kommt, aber wenn der Sound wirklich stimmt, dann ist das vielleicht nachvollziehbarer.

    Klar ist die Idee von Fefe etwas weit hergeholt, aber ich würde mal auf TNG beschränkt sagen das sie durchaus plausibel ist. Da gab es wirklich nur ganz ganz selten Machtmißbrauch innerhalb der Sternenflotte. Von Section 31 war da z.B. nie die Rede. Oder wenn, dann wurde es zumindest auch immer als negative Ausnahme gebrandmarkt…

    • Es gab deshalb selten Machtmissbrauch, weil die Enterprise fernab von den Machtstrukuren der Sternenflotte und der Föderation entfernt ist. Deshalb wissen wir auch nichts über den politischen Prozess auf der Erde — daran hatte Gene Roddenberry schlichtweg kein Interesse. Sobald aber ein Admiral mehr als drei Zeilen zu sagen hat, ist die Wahrscheinlichkeit enorm hoch, dass etwas mit ihm nicht stimmt.

      Nicht der Staat wird hier zum Guten stilisiert, sondern der Captain im Felde, an der Frontier. Das klappt vielleicht ganz gut in Bezug auf das Selbstverständnis der CIA, beim NSA versagt diese Metapher aber weitgehend. Andererseits kannst Du jede fiktive Serie nehmen und findest immer Parallelen, die Du ziehen kannst — von Breaking Bad bis hin zu den Simpsons.

  3. Klar, insbesondere in späteren Folgen gibt es immer häufiger Blicke in Abgründe hinter die Kulissen der Sternenflotte. Aber trotzdem ist an von Leitners Kernthese was dran: Dass Star Trek die Erde als Paradies darstellt, das ohne Privatsphäre, Geld und Parlamentarismus funktioniert und nur ab und zu vor Bedrohungen wie den Borg, dem Dominion oder außer Kontrolle geratenen Offizieren mit finsterer Agenda gerettet werden muss.

    • texttheater: Ich kann Dir nicht ganz folgen. Die Serie funktioniert so, dass das Paradies immer wieder bedroht wird? Klar. Aber das ist auch bei der Lindenstraße so.

      Den Punkt, den Fefe machen will, ist aber der: Privatsphäre ist bei Star Trek kein Problem, da die Entscheider immer gut und edel sind. Und aus dem gleichen Grund ist für die NSA-Oberen dieses Problem ebenfalls nicht existent. Was Mumpitz ist, da sich die NSA weder an Star Trek orientiert, noch bei Star Trek dies so kommuniziert wird.

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