StudiVZ-Mitglieder klaglos oder ahnungslos?
Eben ist folgende Meldung hereingeschwappt.
Die breite Masse von Social-Community-Mitglieder hat gegen die Vermarktung ihrer persönlichen Daten nichts einzuwenden. Es war offenbar nur ein Sturm im Wasserglas, den einige Protestanten Ende vergangenen Jahres gegen die neuen AGB bei der Studentencommunity StudiVZ da auslösten. Die Mehrheit der StudiVZ-Mitglieder macht die neuen Werbestrategie jedoch sang- und klanglos mit.
Zur Realitätskontrolle habe ich mich mal bei StudiVZ eingeloggt. Zwar muss man nun die neuen AGB akzeptieren, über die neue Verwendung der persönlichen Daten erfährt der Nutzer erst nach ausgiebiger Lektüre etwas. Und wie man das Ganze abschaltet, steht auch nicht oben in den FAQ, sondern unten, im Kleingedruckten.

Nach 10 Minuten ausführlichen Suchens konnte ich die in erwähnte Option “Einstellungen zur Verwendung meiner Daten” nicht finden. Weder auf der Startseite, nicht im eigenen User-Profil, auch nicht unter dem Punkt “Privatsphäre” oder “Datenschutz”.
Erst Google brachte mich weiter: In dem Blog Suchtwolke habe ich eine Klick-für-Klick-Anleitung zum Auffinden der Werbeeinstellungen gefunden:
1. Einloggen
2. Ganz unten in der Leiste, die mit “Presse” beginnt und mit “Verhaltenskodex” endet, auf “Datenschutz” klicken.
3. Dort dann auf [ Datenschutz-Erklärung ] klicken.
4. Ganz unten auf [ Einstellungen zur Verwendung meiner Daten ] klicken.
5. Alle Häckchen ausstellen und die Sache speichern - fertig.
Sprich: Die Einstell-Möglichkeit wurde gezielt versteckt. Wer die Datenschutzerklärung findet, muss erst zwei Seiten nach unten scrollen um dort den ganz kleinen Link auf die Einstellungs-Seite zu finden.
Das Unternehmen glaubt offenbar nicht daran, den User selbst entscheiden zu lassen und baut darauf, dass die Kommunikation auf der Plattform denkbar schlecht ist. Wäre es anders, hätten sie die Optionen schlichtweg in die Privatsphären-Einstellungen integriert oder wenigstens in den FAQ einen Link auf die Einstellmöglichkeiten gesetzt.
Dass die Strategie funktioniert, ist dennoch deprimierend. Vielleicht auch für die Werbekundschaft - wer auf solche Tricks reinfält, wird nie zum zahlungskräftigen Kunden werden.
Nicht dass ich für dieses personalisierte-Werbung-Zeugs und gegen Datenschutz wäre, aber: Wenn man sich tatsächlich dafür interessiert (was zugegeben nicht wirklich viele machen) und diese ganze Erklärung mal durchliest, die man da bestätigen soll, findet man die Anleitung zum Abschalten auch da. (Ok, ich studiere Jura, mir fällt das vielleicht ein wenig leichter als anderen… ;-) )
Und nachdem ich kundgetan habe, dass ich die Einstellungen geändert habe, sind bei mir viele Anfragen von Freunden gekommen, die wissen wollten wie es geht. Außerdem kursieren auf den Pinnwänden genaue Anleitungen, so wie Du sie im Internet gefunden hast.
Man sieht, wer sich kümmert, wird fündig. Und dass die Betreiber die Wege dahin nicht offensichtlich machen, überrascht nicht wirklich, oder?
Interessant ist auch, dass man in der Twitterbox auf der Profilseite nach “[Name] ist…” in das Textfeld nicht “http://www.studivz.net/optout.php” eingeben kann (also, man kann schon, aber es wir dann nicht öffentlich angezeigt). Man könnte das Zensur nennen.
Geben personalisierte Werbung hab ich ja eigentlich gar nichts. Aber die machen ja mit deinen Daten was se wollen. Man merkt es ja, wenn man sich mit einer frischen neuen E-Mail Adresse bei einer solchen Community anmeldet. Nach ca. 5 Tagen bekommt man schon Spam ohne Ende. Einfach alles “Verarsche” :(
[...] Der Verwendung von Profildaten von Werbezwecken kann man widersprechen. Die Anbieter möchten das aber nicht. Also machen sie es uns nicht so einfach. [...]
[...] Das klingt nicht besonders positiv, meint Ihr? Nun, vorher sah es so aus. [...]