Schonbezahlt.de und Kommentar-Spam
In den letzten Wochen wurde ich mehrmals auf “Reputationsmanagement” im Internet angesprochen. Mein Ratschlag: Wenn man für seine Firma oder sein Produkt spricht, dann am besten mit offenem Visier: Firmenmitarbeiter sollen klar machen, dass sie Mitarbeiter der Firma sind und eben diese Sichtweise vertreten. In den meisten sozialen Kontexten wird eine solche Offenheit honoriert.
Diesen Ratschlag möchte ich aus aktuellem Anlass wiederholen. Heute morgen schlug bei mir ein Kommentar aus dem Netz der Firma Tobit auf, der sich unter dem fiktiven Namen Frasier Crane recht enthusiastisch zur Seite schonbezahlt.de äußert. Schonbezahlt.de ist eine Seite der Tobit Software AG, die für das Programm ClipInc wirbt und von Tobit schon mal euphemistisch als Aufklärungsinitiative bezeichnet wird.
Nun gut, keine große Sache: ich lösche die Links und schicke eine ermahnende Email an den Kommentar-Autoren. Der bestreitet rundheraus ein Tobit-Mitarbeiter auf Werbe-Mission zu sein liefert dann eine ganz tolle Erklärung, warum er von Tobit-Rechnern für eine Tobit-Seite wirbt:
Tatsächlich bin ich Journalist, der soeben ein Gespräch mit einem Tobit-Mitarbeiter hatte. Der zeigt mir an seinem Rechner das Thema dieses Blogs. Fand ich witzig. Wollte kurz (private Meinung) einen Kommentar abschicken. Hab ich gemacht. Sehe kurz darauf, dass der Kommentar gelöscht/verändert wurde (s.o.). Lasse direkt Dampf ab :-). Fahre zurück zu meinem Arbeitsplatz nach Hause. Sehe die “Erklärung” Host=Tobit. Muss jetzt nochmal schreiben: Bin kein Mitarbeiter von Tobit!
Diese unglaubwürdige Erklärung kann man erst so richtig würdigen, wenn man die lange Reihe von werbenden Kommentaren von Frasier Crane betrachtet.
Ach ja: In der Wikipedia war Tobit auch tätig.
Aber hey, Frasier Crane, die Namenswahl ist doch zu sympathisch. Dem kann man dann doch nicht böse sein. (Kommst du zur Frasier-Nacht @ re:publica, Torsten? ;-) )
Christian: Hab die Serie nie wirklich gesehen. Was plant ihr denn?
… ich gebe es auf. Ist ja auch viel leichter jemanden zum Lügner zu stempeln. Unglaubwürdige Geschichte. Super. Voreilige Schlüsse sind dagegen wohl OK. Die “unglaubwürdige Geschichte” ist die Wahrheit, passt aber nicht ins Bild des Torsten. Jau – ich bekenne mich schuldig, dass ich persönlich die Software nutze, sie zusammen mit der Initiative gut finde und das ab und an in Foren kundtue. Bin halt Fan dieser Aktion und will das Thema unterstützen. Privat. Die Musikindustrie mit ihrer Lobby hat in meinen Augen schon zu viel Schaden angerichtet. Ist aber offensichtlich nicht OK das auch zu sagen und eine Gegeninitiative zu unterstützen – darf man nicht. Das tun nämlich nur Mitarbeiter der Firma, die das ja offenbar nötig hat.
Ich hab keinen Bock mehr auf diese Hexenjagd. Kann ja schreiben, was ich will – die Wahrheit kennt nur der Torsten :-(
Frasier ist übrigens eine geile Serie ;-)
[wieder einmal: Link entfernt - Torsten]
Frasier: Grüße auch den netten Tobit-Mitarbeiter, der Dich bei einem Gespräch eine Stunde lang an seinen Arbeitsrechner lässt und auch nichts dagegen hast, wenn du dort Deine Mails abrufst und beantwortest. Und das wo Dein eigener Rechner doch in unmittelbarer Nähe sein muss – so schnell wie Du die IP gewechselt hast.
Das haben wir vor: http://wevent.org/events/5162-Frasier-Night-re-publica
Ich hab keine Lust mehr, mich zu rechtfertigen. Kann nur sagen, wie es war. Bin mit dem Mitarbeiter befreundet und wohne in Ahaus. Aber glaub von mir aus was du willst. Finde nur deine Einstellung nicht OK. “Ich mach mir meine Welt, widde widde wie sie mir gefällt”, was? Mittlerweile echt uncool. Sagt aber ne Menge über dich aus.
Hallo Frasier, hallo Torsten.
Interessante Debatte habt ihr. Ich habe mir die Links mit den werbenden Kommentaren von Frasier angesehen. Der scheint wirklich von der Sache überzeugt zu sein. Ich konnte darin aber auch keinen Beweis sehen, das er für die Firma Tobit arbeitet (obwohl die den einstellen sollten, wenn er nicht dort arbeitet ;-))
Die Geschichte mit dem Journalisten klingt konstruiert, lieber Frasier. Aber ich will keine Partei ergreifen. Es könnte ja auch stimmen. Im Zweifel zu Gunsten des “Angeklagten”. Was ich in der Debatte jedoch vermisse sind die Fakten. Das sieht ein bisschen aus wie ein Indizienprozeß bei dem Kläger und Richter in einer Person (Torsten) vereinigt sind. Oder hast du noch mehr Fakten Torsten?
Eigentlich ne witzige Geschichte. INhaltlich scheint ihr doch auf einer Linie zu fahren, oder?
N-Bird: Er scheint nicht nur von der Sache überzeugt zu sein, es ist die einzige Sache, die ihn interessiert. Guck Dir die Accounts von unserem Freund “Frasier” an – er schreibt zu keinem anderen Thema und in jedem einzelnen Beitrag taucht eine Tobit-URL auf.
Torsten: Jetzt bin ich mitten drin… :-)
zu Deinem letzten Kommentar: ja und? Wenn das sein Thema ist? Lass ihn doch. Ich finde seine Ambitionen doch ganz okay. Hat er doch auch geschrieben, dass er Fan ist. Ich habe mir die Seite jetzt mal genauer angesehen. Die Software ist doch umsonst und was die dort sonst schreiben klingt auch ziemlich sympatisch.
Lieber Torsten,
die Idee ist sicherlich nicht die einzige Sache, die mich interessiert. Ich lasse nur nicht überall meinen Kommentar ab. Eine etwas breitere Öffentlichkeit für das Thema zu schaffen ist mein Ziel. Deshalb poste ich hin und wieder was zu “diesem Thema” (ich lasse jetzt den Produktnamen mal raus, weil du den ja sowieso wieder entfernen würdest).
Ich engagiere mich dafür, dass die Leute nicht immer weiter von der Musikindustrie in die Irre geführt werden, also dafür, dass die Leute ohne schlechtes Gewissen endlich nutzen, wofür sie schon gezahlt haben. Die von mir immer wieder eingebrachte Internetseite fasst die Fakten nun einmal ganz schön zusammen.
Das Thema interessiert mich persönlich sehr. Bis vor kurzem hatte ich von den Hintergründen auch keine Ahnung. Nun benutze ich auch selbst die Software und bin davon begeistert. Ich kann allerdings nur empfehlen, was ich kenne und das ist nunmal – ja jetzt schreibe ich es nochmal – ClipInc.
N-Bird: Für anonyme “Fans” am Firmenrechner gibt es gewöhnlich nur ein Wort: Spammer. Und Spammen macht selbst sympathischste Firmen mit einem Schlag unsympathisch.
Frasier: Unter Pseudonym kannst Du mir das Blaue vom Himmel erzählen – was Du ja auch tust. Meine Mailadresse ist Dir bekannt. Falls Du mir zum Beispiel Deinen echten Namen verraten willst und für welche Zeitungen Du als Journalist tätig bist.
Man sollte natürlich niemanden verurteilen, nur weil er seine Meinung unter einem merkwürdigen Pseudonym verbreitet, aber wenn das Pseudonym nur im Zusammenhang mit einem einzigen Thema auftaucht, dann ist das gewissermaßen komisch.
Ich will ja Fräsher keinen Tipp geben, aber es wäre doch auch sinnvoll, die Anzahl der Kommentare zu sch…lt.de zu reduzieren und auch zu anderen Themen was zu schreiben, wenn man ernst genommen werden will.
Und ja, hier ist einer Richter und Staatsanwalt zugleich, aber als Admin dieser Seite hat er auch das volle Recht dazu. Wo kämen wir denn hin, wenn es für jedes Blog drei Personen gäbe, von denen zwei jeweils unterschiedliche Positionen einnehmen und der dritte entscheidet?
Aaron: Natürlich hat der Admin das Recht :-)
Ich finde es nur immer schön wenn alles fair und nachvollziehbar bleibt.
Ähm – habe ich irgendwo einen Hammer geschwungen und jemanden für 2 Jahre ins Gefängnis geschickt? Das wäre die Aufgabe eines Richters. Ich habe einige Fakten genannt und daraus einen sehr, sehr naheliegenden Schluss gezogen, den ich dazu sehr zurückhaltend formuliert habe und der anhand der Links einfach nachvollziehbar ist. Das ist Bloggen.
Aber das ist nur meine subjektive Meinung. Der User “Buy valium without prescription” hat mir sicherlich nur einen wertvollen Verbraucherhinweis geben wollen. Er sagt mir zwar nicht wer er ist, aber wer will ihm schon das Gegenteil beweisen?
Aaron: Das Pseudonym selbst ist nicht so merkwürdig. Merkwürdig ist die Häufung von Produktwerbung in Verbindung damit und die Nutzung von Firmen-IPs der beworbenen Firma.
[...] schon im Herbst letzten Jahres über Kommentar-Spam-Versuche bei Heise, Wikipedia und Blogs: Schonbezahlt.de und Kommentar-Spam. von markus um 13:30 | abgelegt in Deutschland, Digital Rights, Musik im Netz, Urheberrecht | [...]
Aaron: Das Pseudonym selbst ist nicht so merkwürdig. Merkwürdig ist die Häufung von Produktwerbung in Verbindung damit und die Nutzung von Firmen-IPs der beworbenen Firma.