Es gibt keine Gesetzeslücke im Fall Edathy

Die Politik funktioniert in der Affäre um Sebastian Edathy grade wie ein Überdruckventil. Wenn kein Spitzenmann der SPD zurücktritt, dann soll eben ein neues Gesetz her!

Der Vorschlag, der derzeit verbreitet wird: Alle kommerziellen Nacktaufnahmen von Kindern sollen verboten werden. Dazu kann ich nur sagen: Nein!

Es ist ein typischer Vorschlag in solchen Situation: Er hätte weder den in diesem Fall betroffenen Kindern geholfen, gleichzeitig würde er viele kriminalisieren, die keinerlei kriminelle Absichten haben.

Wie Gerhard Baum heute morgen im Deutschlandradio ausführte, sind die Kinder, deren Fotos Edathy gekauft hatte, tatsächlich auch missbraucht worden. Und deshalb wurden sie auch identifiziert und sind von ihrem Umfeld getrennt worden. Die jetzige Rechtslage reichte dafür aus. Denn nach jahrelangem Kampf haben es die Kinderschutzverbände tatsächlich geschafft, international weit reichende Gesetze gegen Kindesmissbrauch und die Verbreitung von Bildern zu schaffen.

Nackte Kinder hingegen gehören zu unserem Alltag, deshalb finden sich in unseren Familienalben Bilder von nackten Babies, Kleinkindern, etc. Und jede Zeitung, jeder Fernsehsender hat solche Bilder im Archiv. Ein Familienalbum landet auf dem Flohmarkt? Eine Straftat! Schließt man die vermeintliche „Gesetzeslücke“ müssten die Strafverfolger Tausende von Verfahren gegen Leute einleiten, die niemals zu Kindesmissbrauch beigetragen haben. Denn Gesetze haben keine Fußnote: „Diesen Paragraphen bitte nur auf böse Menschen anwenden“.

Dass Edathy „davonkommt“, sollte niemanden beunruhigen. Seine politische Karriere war schon vor der Durchsuchung faktisch beendet. Eine Geldstrafe, wie sie von dem von der Staatsanwaltschaft bisher vergeblich beschworenen „Graubereich“ vielleicht hätte fällig sein können, hätte keinen erkennbaren Effekt.

Es ist Politikern so vieles verboten, was nicht verboten ist. Er hätte sich auch völlig legal Prostituierte in sein Büro bestellen, in der Bundestags-Raucherzone einen Eigenbedarfs-Joint anzünden, er hätte mit einem Jagdgewehr durch Berlin ziehen können. Alles legal, aber politisch wäre er erledigt gewesen. 

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56 Comments.

  1. Man sehe sich bspw. auch die zahllosen Fotostudios an die aus gewerblichen Gründen Baby-/Kleinkindfotografie anbieten.

  2. Ich habe irgendwo noch Fotobände mit alten schwarzweiß-Werken, u. a. von Wilhelm von Gloeden. Muss ich jetzt ins Gefängnis?

  3. Was haben denn Familienalben auf dem Flohmarkt zu suchen??? Und wer kauft die privaten Bilder anderer Menschen??

    @ Erika: Ein Fotostudio bietet in erster Linie eine DIENSTLEISTUNG an, nämlich das Fotografieren. Die Abzüge oder Jpegs werden ja nachher im Laden nicht jedem x-beliebigen Kunden angeboten, sondern nur an den Auftraggeber. Erkennst du den Unterschied?

    @Sire: ein bissle seltsam sind die Motive mit jungen Menschen von Wilhelm von Gloeden schon. Auch wenn es sich hier um künstlerische Fotografie handelt, ich glaube wenn ein Fotograf das heute machen würde hätte er schon echte Probleme. Aber ich glaube, du bist vor dem Gefängnis sicher.

    • Beim Flohmarkt vor meinem Haus frage ich mich bei der Hälfte der angebotenen Ware, was die da verloren haben. Mein Punkt: Deutsche Gerichte sind erfahrungsgemäß sehr schlecht und obendrein sehr inkonsequent darin, den allgemeinen Sprachgebrauch von „gewerblich“ in ihre Entscheidungen zu übernehmen. Rein technische Dienstleister, über die Bilder versandt würden, wären keineswegs sicher. Sie müssten sicherlich nicht ins Gefängnis, aber ein paar Jahre Gerichtsverfahren sind höchst unerquicklich.

      • Das hat immer noch mit der bei Zivilprozessen üblichen Vorgehensweise zu tun, dass nur DAS Gegenstand einer Verhandlung ist, was auch von den streitenden Parteien vorgebracht wird. Wenn das Thema „gewerblich oder privat“ Gegenstand einer Klage ist, wird es auch behandelt. Wie entschieden wird, hängt natürlich immer vom Einzelfall einer Verhandlung ab und von der „Erschütterung“ von Beweisen und Gegenbeweisen.
        Kein Richter aber darf da mal eben unaufgefordert irgendwie irgendwo was mit „gewerblich“ reininterpretieren, wenn es gar nicht Gegenstand einer Klage ist.
        Das sollte schon doch klar sein.

      • Ich verstehe den Punkt nicht: Ich verstehe den Vorschlag so, dass „gewerblich“ oder „kommerziell“ im Gesetzestext stehen soll. Es ist also auf alle Fälle Gegenstand eines Strafprozesses, der sich auf ein solches neues Gesetz stützen würde.

    • „Was haben denn Familienalben auf dem Flohmarkt zu suchen??? Und wer kauft die privaten Bilder anderer Menschen??“
      Ein Herr Kemmpowski hat seinen ganze Karriere als SChriftsteller darauf aufgebaut, alte Tagebücher und Fotoalben von ihm Unbekannten auszuschlachten.
      Es gibt ähnliche Veröffentlichungen als Buch, im Internet… Das kann sehr historisch interessant sein: die Mode(n) von damals; die Macke, bei Urlaubsfotos von Sehenswürdigkeiten immer die Gattin -oder das eigene kleine Auto- vorne ins Bild zu stellen. Etc.

  4. Ich habe zwar auch Probleme mit der aktuellen Forderung; ganz so klar ist aber nicht, dass hier keine Gesetzeslücke besteht:

    Wie im Beitrag richtig erwähnt wird, wurden die Kinder auch in gewisser Weise missbraucht, wenn nur Nacktbilder von ihnen für kommerzielle Zwecke angefertigt wurden. Wenn jetzt jemand diese „Posing-Bilder“ kauft – insbesondere, wenn diese mit anzüglichen Sprüchen beworben werden – unterstützt der Käufer den Missbrauch. Er finanziert also ganz bewusst den Missbrauch von Kindern. Man kann durchaus darüber nachdenken, so etwas unter Strafe zu stellen.

    Dass das Anfertigen von Nacktbildern nicht mit einer Vergewaltigung gleichzusetzen ist – geschenkt. Auch ist der Kauf von Bildern als „Förderungshandlung“ sicher weniger schlimm als die Handlung selbst – im Kern geht es bei Bildern jeder Art allenfalls um Persönlichkeitsrechtsverletzungen. Schließlich ist ein Verbot von Posingbildern strafrechtlich sicher nicht einfach fassbar, eben weil ganz sauber zwischen verwerflichen Handlungen und gesellschaftlich akzeptierten Handlungen differenziert werden muss. Aber wenn das gelingen sollte: Warum sollte man den Erwerb von Posingbildern nicht einschränken?

    Unabhängig davon: Hätte Edathy sich einen Joint angezündet, hätte er sich vermutlich wegen des Besitzes von Betäubungsmitteln strafbar gemacht, auch wenn der Konsum selber straflos ist; und wer ein Jagdgewehr offen mitten in Berlin führt, wird im Regelfall die ihm aufgrund der Führungsbefugnis zustehenden Befugnisse überschreiten. Zumindest als Jäger ist das führen von Gewehren nur zum Zwecke der Jagd erlaubt (Ich weiß allerdings nicht, ob Edathy überhaupt einen Waffenschein besitzt). Zwei der drei Verhaltensweisen sind rechtlich also höchst problematisch und nicht rein moralische Probleme.

    • Die Rechtslage ist anders: Der Erwerb von „Posingbildern“ ist bereits eingeschränkt, genauer gesagt: verboten. Das BKA sagt — nach den derzeitigen Informationen natürlich — dass die von Edathy gekauften Bilder eben keine Posingbilder waren.

      • Ich korrigiere in dem Fall und beziehe mich auf Nacktbilder. Am Kern meiner Aussage ändert sich allerdings nichts.

      • karpatenhund: An meiner Aussage ändert sich halt auch nichts. Schließe diese vermeintliche Lücke und Du richtest bedeutend mehr Schaden, wenn Kinderschutz das vorrangige Ziel ist. Bereits heute hat die Polizei in Köln Wartezeiten von über einem Jahr bei der Auswertung von vermeintlicher Kinderpornografie.

        PS: Auch Besitz von Marihuana für den Eigenbedarf ist straffrei.

      • Dass der Besitz von Marihuana für den Eigenbedarf in Deutschland straffrei ist, ist schlicht falsch. Richtig ist, dass das Verfahren bei Ersttätern bei geringen Mengen (die übrigens in Deutschland nicht einheitlich festgelegt sind) in Deutschland regelmäßig von der Staatsanwaltschaft ohne Konsequenzen für den Täter eingestellt wird. Verboten ist es trotzdem und es wird in seltenen Einzelfällen auch bis zur Anklage/bis zum Strafbefehl verfolgt. Und wer mehrfach mit geringen Mengen erwischt wird, kann auf eine Einstellung auch nicht mehr hoffen.

      • Stimmt, da habe ich mich wohl geirrt. Er darf sich den Joint anzünden, aber ihn nicht besitzen. Das ist keine vorbildliche Gesetzgebung.

  5. Als Vater dreier Kinder halte ich Nacktbilder nicht für normal, welche die Persönlichkeitsrechte und Würde dieser Menschen verletzten. Natürlich gibt es Bade- und Strandfotos – auf denen sind jedoch keine primären Geschlechtsmerkmale zu erkennen! Wer die Berichte mancher ehemals junger DDR-Bürger kennt, die von den Eltern zu FKK-Ausflügen gedrängt wurden, erkennt, dass auch Kinder ein Recht auf Selbstbestimmung, Würde und Intimsphäre haben.
    Wer also sog. „Posing“-Fotos legitimiert, scheint unter einer Wahrnehmungsstörung zu leiden, die zumindest einen pädophilen Ansatz offenbart. Sammler und Erwerber derselben sollten sich zumindest gefallen lassen, gesellschaftlich erfasst, analysiert und beobachtet zu werden – durch die Ermittlungsbehörden.

    • Wie oben schon mal erwähnt: Posing-Fotos sind bereits illegal. Auch wer seine Kinder an den FKK-Strand zwingt, handelt wahrscheinlich illegal — aber da kenne ich die Vorschriften nicht.

      Dass sie als Vater emotional reagieren ist verständlich — aber deshalb sind sie halt wahrscheinlich ein schlechter Autor für Gesetze, die tatsächlich zum Ziel führen. Edathy hat nach den bisherigen Erkenntnissen gezielt bestellt, was legal ist. Ihn mit neuen Gesetzen davon abhalten zu wollen, ist daher ein Versuch, der im Nichts endet.

      Außerhalb des Falls Edathy mag es Lücken geben. Aber da hätte ich gerne mehr Informationen, bevor Gesetze verabschiedet werden.

    • Sie haben als Vater Fotos von ihren Kindern, auf denen diese unbekleidet sind? Dann rechnen sie mal bald mit einer Hausdurchsuchung, da bei ihnen die Vermutung naheliegt, das sie ihre Kinder auch in eindeutigen Positionen fotografieren oder gar missbrauchen!

    • Wenn ich sowas schon höre „Wer die Berichte mancher ehemals junger DDR-Bürger kennt, die von den Eltern zu FKK-Ausflügen gedrängt wurden“ ich glaube das war und ist vielerort was ganz normales und es fühlte und fühlt sich da niemand gedrängt. Für die Kinder ist das klar am Strand brauch ich keine Klamotten so war es bei mir damals und ich habe mir nun wirklich nichts dabei gedacht oder mich gedrängt gefühlt.

    • „… die von den Eltern zu FKK-Ausflügen gedrängt wurden …“
      wurden und werden kinder nicht immer zu ausflügen bzw. urlauben gedrängt/gezwungen? daß ein kind zuhause bleibt, weil es nicht in die alpen, nicht an den fkk-strand oder nicht in die karibik will (unvollständige aufzählung), halte ich für extrem unwahrscheinlich – und das dürfte auch bei ihnen nicht anders sein. ansonsten respekt, daß ihr kind im alter von 5 jahren entscheiden kann, wohin es geht. schlimm nur, wenn mindestens eins der drei „gören“ (nicht negativ gemeint) anderer meinung ist als die eltern …

  6. Muß ich jetzt meine Scorpions-LP „Virgin Killer“ im Originalcover bei der Polizei abgegeben?

    • Ich würde das Cover möglichst nachhaltig entsorgen, evtl sogar verbrennen. Ich finde es ekelhaft, wie hier ein junges Mädchen für ein Wortspiel vorgeführt wurde.

      • Ich hingegen finde es ekelhaft welche Gedanken wir in diese Werke einfliessen lassen. Unser verklemmter, teils krankhafter Umgang mit Sexualität oder auch nur lediglich nackten Körpern macht aus einem nackten Kind ein Sexobjekt das es mit allen Mitteln zu Tilgen gilt. Obendrein haben Kinder ja rein und „unschuldig“ zu sein. Würden wir es so sehen wie es ist, einfach ein nackter Mensch, gäbe es kein Problem.
        Wenn sie Kinder vor „Pädophilen“ schützen wollen dann müssen sie sie einsperren bis sie groß sind. Kinder müssen nicht Nackt sein um solchen Individuen zu gefallen.

    • »Nirvana – Nervermind« noch so ein gewerbsmäßiger Handel mit Nackaufnahmen eines Kleinkindes https://encrypted.google.com/search?q=nirvana+nevermind+cover&tbm=isch

      • ich glaube, du würdest es nicht „nachhaltig entsorgen“ oder verbrennen – denn du hättest es gar nicht erst gekauft ;)

  7. ich sehe das zwiespältig. wenn nacktaufnahmen, wie in diesem fall, aus organisationen stammen, die mit dem missbrauch und der verletzung von menschenrechten geld verdienen, also mit kriminellen und international geächteten taten direkt in verbindung stehen, dann wäre eine spezielle neuregelung im umgang mit solchen medienbeständen meiner meinung nach gut vertretbar. das könnte man dann im bedarfsfall noch weiter spinnen und verhindern, dass kim jong un an den fotos verdient, die ihn in der deutschen presse zeigen (bzw. dass diese fotos gar nicht erst veröffentlicht werden).

    andererseits sind nackte körper jedweder art erstmal nicht pornographisch und somit kann da ein tragbarer genereller zusammenhang kaum gesetzlich hergestellt werden. natürlich können medien weiterhin nackte afrikanische kinder mit dicken bäuchen zeigen um leid und klischees in bildern zu transportieren. und familienaufnahmen von nackten babies? missbrauch passiert zwar meistens in der familie, aber dass solche aufnahmen verboten werden erscheint ebenfalls unrealistisch. von künstlerischen zwecken mal ganz abgesehen.

    übrigens, das mit dem „eigenbedarfs-joint“ stimmt so nicht, man darf zwar ungestraft dran ziehen, aber ihn nicht besitzen ;)

    • Danke für die Korrektur: Er bekäme evtl eine Anzeige, aber würde aber nicht angeklagt. Solche juristischen Konstruktionen sollte man in meinen Augen bei Kinderpornografie soweit als möglich vermeiden, da sie die rote Linie verwischen.

  8. Ich erinnere nur an das Albumcover von „Nevermind“…

  9. Ich sehe das Problem vor allem darin, dass ein Gesetz ja nicht zwischen „guten“ und „bösen“ Bildern unterscheiden kann. Bilder, die eindeutig sexuell motiviert sind, sind ja bereits verboten.

    Die weiteren Forderungen können also nur darauf hinauslaufen, jegliche Abbildungen nackter, kindlicher Körper zu verbieten.

    Auch Fotografien, die wichtige Dokumente sind, wären betroffen. Bilder wie dieses hier, dass wohl jeder schon mal gesehen hat: http://academics.wellesley.edu/Polisci/wj/Vietnam/ThreeImages/images/UtphotoL.jpg
    Das Bild wurde am 8. Juni 1972 von Huyng Cong Ut aufgenommen, und zeigt eine Gruppe von Kindern die, gemeinsam mit US Soldaten vor der Bombardierung ihres Dorfes durch südvietnamesische Truppen (ich glaube heute nennt man sowas „friendly fire“). Das Bild erschien im gleichen Monat als Titelbild der „Time“. Es gilt als eines der einflussreichsten und wichtigsten Bilder der Vietnamkriegs-Ära und dürfte nicht unbedeutend zu dem politischen Umschwung in den USA beigetragen haben, der diesen Krieg schließlich beendete.
    Mit den geforderten Gesetzesverschärfungen, dürften Bilder wie diese aus Kriegsgebieten nicht mehr gezeigt werden. Wie Militärs und Politik das nutzen würden, um sich unliebsamer Berichterstattung zu entledigen, kann man sich denken.

  10. _eine_ lücke?
    dutzende!
    was ist mit nackten kindern am strand, wo böse menschen sich direkt ergötzen können?
    im schwimmbad, wo enganliegende und knappe badebekleidung wenig verbirgt?
    im umkleiden und duschen, wo gerade noch nicht 14-jährige und eben gerade 15-jährige zusammen sind.
    kindergärten, wo die erzieher kindern ganz oder teilweise nack sehen oder gar, nachbarin euer fläschen, _ausziehen_! ach nein, das sind ja gute menschen, weil frauen …

    die prüderie und hysterie, mit der das theme kinderporno benutzt wird, um möglichst alles und jedes zu kriminalisieren, kommt mitlerweilen bald so widerlich vor, wie der eigentliche missbrauch.
    zensursula hat seinerzeit exemplarisch vorgeführt, wie missbrauchte kinder nochmal missbraucht werden, um durchsichtige plotische ziele zu erreichen — und das gegenwärtig sich überschlagenden gegröle nach „schärferen gesetzen“ ist genaus abstossend.

    im übrigene, werter autor, gilt auch für herrn edathy die usnchuldsvermutung! ich jedenfalls finde die gesamte angelegenheit dermassen fragwürdig, dass ich nicht für bewiesen annehme, dass a) edathy überhaupt diese bilder gekauft hat und b) die staatsanwaltschaft glaubwürdig ist.
    im gegenwärtigen klima der angstmache und repession ist der kipo-vorwürf eine ganz vorzügliche waffe, um jemanden risikolos zu vernichten — niemand glaubt dem beschuldigten, weil jeder angst haben muss, sofort mitverdächtig zu sein. im übrigen scheint ja die ganz überwiegende meinung derer, die diese bilder gesehen haben, zu sein, dass sie eben _nicht_ strafbar sind!
    und wer hat die eigentlich gesehen? ich habe den eindruck, dass sich alle nur auf die beschreibungen der STA stützen, die offb geeignet sind, den verdächtigen vorzuverurteilen — womit sich erneut die STA unglaubwürdig macht.

    ich habe in dem ganzen berichtswust auch noch keine überzuegenden belegen gelesenm, die zumindest privatim mich von edathys schuld überzeugt hätten.

    von einem gerichtsverfahren ganz zu schweigen — wobei natürlich bei kipo-vorwprfen der rechtsstaat mit unschuldsvermutung etch eh ausser kraft gesetzt ist: schuldig bei verdacht, strafe: lebenslang.

    (was ist nebbich mit den balthus-malereien??? warum wird der nicht in bausch und bogen geächtet? die photovorlagen nicht beschlagnahmt?)

    • pooh bah: Da drehst Du Dich im Kreis: Wenn er legale Bilder gekauft hat, kann es keinen Schuldbeweis geben.

      • ja eben, das ist ja die krux – wenn alles legal war (im moment gibt es ja keine gegenteilige aussage), dann ist hier sehr viel falsch gelaufen, bis hin zur pressekonferenz des staatsanwaltes, der dort dinge öffentlich gemacht hat, die nicht ohne schuldbeweis hätten in die öffentlichkeit geraten dürfen. das war für mich öffentliche anklage ohne schuld (denn der staatsanwalt hat ja nicht aus moralischen gründen so agiert). daran würde auch eine später festgestellte justiziable schuld was ändern.

  11. Vorsitzender des NSU-Untersuchungsausschusses und Kinderpronografie wo bleiben die wilden Verschwörungstheorien?

  12. Sibirischer Tiger

    Diese neuerliche Forderung zur vorgeblichen „Bekämpfung“ von Kinderpornographie und Kindesmissbrauch belegt einmal mehr, wie erschreckend wenig die wackeren Kreuzzügler tatsächlich über das Denken, Empfinden und Verhalten von Pädophilen wissen.

    Zum Beispiel, dass diese längst nicht nur Darstellungen unbekleideter Kinder als Stimulanzen benutzen, sondern auch und gerade Abbildungen bekleideter Kinder!

    Vom Werbeprospekt des Discounters, in dem Modelle im Kindesalter z. B. Kinderunterwäsche oder -pyjamas als Non-Food-Artikel der Woche bewerben, bis hin zu Familienfotos von Kindern etwa in Kommunionanzügen bzw. -kleidern.

    Konsequenterweise müsste man also fordern, jedwede bildliche Darstellung von Kindern zu verbieten, sowie bei Strafandrohung vorzuschreiben, dass diese über ihrer normalen Kleidung stets einen Kartoffelsack zu tragen haben.

    Ob solcherlei Maßnahmen auch nur einen einzigen Fall des sexuellen Missbrauchs eines Kindes verhüten könnten, muss zwar bezweifelt werden – aber wenigstens haben wir an die Opfer gedacht, und endlich gehandelt statt nur unverantwortlich zu beschwichtigen!

  13. Kohlrabenschwarz

    Ach du liebe Güte! Wenn ich das hier lese, wird mir ja ganz anders. Nun sollen nach dem Willen einige Poster also harte Fakten (in diesem Fall Bilder) nicht mehr nach deren Abbildungen bewertet werden, sondern nach der Intention der Fotografen, der Verkäufer oder auch gerne der Käufer? Schon mal daran gedacht, dass das völlig unmöglich ist?

    Und wenn ich nun ein Krümelmonsterbild verwende, um Kinder zum Missbrauch in meine Wohnung zu locken? Tja, da sollte man diese Bilder auch gleich verbieten, denn man könnte ja böse Dinge damit tun. Unter Umständen war das sogar die Intention der Ersteller? Jim Henson, der alte Kinderschänder!

    Also, liebe Dumpfbacken, man kann ebenso wenig Nackedeibilderbesitzer bestrafen, wie man Menschen mit schlechtem Geschmack, krummer Nase oder unangenehmer Stimme bestrafen kann. Nur weil unter Umständen vielleicht etwas möglicherweise möglich ist…muss es noch nicht ins StGB. KiPos sind böse, Missbrauch schrecklich und die Verantwortlichen sollten dafür bestraft werden. Dafür darf man aber nicht die Grundpfeiler des Rechtsstaates umsägen, denn sonst erwischt man neben den 3-5 Bösewichten auch noch 30000-50000 völlig Unschuldige.

    Und so schwer das auch fallen mag, basiert unser Rechtssystem nun mal darauf, dass auf keinen Fall ein Unschuldiger in den Knast gehen darf, auch wenn dafür mal ein Schuldiger auf freiem Fuß bleibt. Mir als Unschuldigem ist das so auch viel lieber…

    KRS

    • Kohlrabenschwarz: Wie wäre es mit „Ich glaube, das funktioniert nicht. Und das aus gutem Grund.“ statt „Also, liebe Dumpfbacken“? Möchtest Du das nochmal probieren?

    • Die Aussage wäre nur dann logisch, wenn die Bilder tatsächlich aus sich selbst heraus vollkommen harmlos und nicht verwerflich wären. Genau das steht aber zur Diskussion. Die verkauften Nacktaufnahmen sind eben dem Vernehmen nach nicht irgendwelche Fotos von Kindern und Jugendlichen, die sich nichts bei der Sache gedacht haben und die durchdie Fotos nicht geschädigt worden sind. Die meisten Kinder entwickeln irgendwann auch ein Schamgefühl und stellen sich nicht „einfach so“ nackt vor die Kamera. Das muss auch einem Edathy bewusst gewesen sein: Wenn mit solchen Fotos und Videos Handel betrieben wird, ist sehr wahrscheinlich, dass dafür Kinder (im weitesten Sinne) missbraucht wurden.

      Eine ganz andere Frage ist, ob der Gesetzgeber eine vernünftige und saubere Abgrenzung zwischen legalem und illegalem Verhalten in diesen Fällen leisten kann. Das ist der Punkt, den der Beitrag kritisiert und gleichzeitig der Punkt, der hauptsächlich diskutiert wird.

  14. Das ganze ist doch im Wesentlichen eine Grauszonen-Diskussion. Es wird immer Anbieter und Konsumenten von Podukten jedweder Art geben, die zwar legal aber moralisch zumindest fragwürdig sind – sich eben in einer Gauzone befinden.

    Dieses Problem kann man nun nicht beheben, indem man neue Gesetze erlässt, die diese vorhandene Grauzone unter Strafe stellt. Das einzige, was das bewirkt, ist eine Verschiebung der Grauzone ohne dass sich im Grunde was ändert, heisst, Anbieter und Konsumenten werden sich anpassen. Grauzonen haben aber immer zwei Seiten, von denen man ihnen „begegnen“ kann. Somit hätte eine Verschiebung eben auch negative Folgen für all die, die überhaupt keine moralisch zu verachtenden Absichten haben. Dann werden eben Bilder von knapp bekleideten Kindern produziert und gekauft. Wenn, dann müsste man konsequenter Weise die Grauzone soweit verschieben, dass sie sich an einem Ende des Spektrums befindet. Das hiesse dann, jegliche Kinderfotos und deren Handel sind strafbar. Dass das natürlich totaler Unsinn ist, muss ich nicht weiter ausführen – aber das wäre die einzig strafrechtlich eindeutige Lösung, bei denen man sicherstellen kann, dass wirklich alle mit moralisch verwerflich Intentionen ihre (ge)rechte Strafe erhalten. Ist auch irgendwie einfacher, da muss man dann nicht noch lange Prozesse führen und so ….

    Bei all diesem blinden Aktionismus sind aber wieder einmal die Täter im Fokus. Ob und wie ein derartiger Vorschlag (potentiellen) Opfern hilft steht nicht zur Debatte. Es geht um Verurteilungen von Kinderschändern – denn dann geht’s uns allen besser und wir haben das Gefühl, unser Rechtsstaat funktioniert. Ernsthafte Überlegungen aber, wie man eben auch präventiv gegen den Missbrauch von Kindern vorgehen kann, finden nicht statt. Das zeigt wieder einmal mehr, dass das gesamte Thema gesellschaftlich immernoch tabuisiert ist und eine ernsthafte Auseinandersetzung damit so unmöglich ist. Ich bin auch Vater und kann es nachvollziehen, wenn man dem Thema nicht komplett objektiv und ohne Emotionen begegnen kann. Aber „hängt in höher“ zu schreien hilft niemanden, ausser der eigenen Genugtuung.

    – Sebastian

  15. Das Problem ist doch, daß das „Abschaffen“ der einen Grauzone in jedem Fall wieder eine neue schafft.

    Mal ganz spitzfindig formuliert: oder würden sich diejenigen, die jetzt am lautesten ein Verbot fordern dann etwa wohler fühlen wenn derartigen Firmen dann halt anstatt Nackbildern nur noch Bilder von Kindern in knapper Unterschwäsche oder Badeanzüngen als W****vorlage an Pädophile verkaufen?

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