Niemand hat Angst vor Bitcoin

Jason Calacanis hatte Mal wieder den richtigen Riecher. Mitte Mai schrieb er:

Bitcoin is a P2P currency that could topple governments, destabilize economies and create uncontrollable global bazaars for contraband.

Oder etwas schmissiger:

Bitcoin P2P Currency: The Most Dangerous Project We’ve Ever Seen

Richtig lag Calacanis, weil er mit dieser Aussage einen richtigen Hype um diese Hacker-Währung auslöste oder zumindest verstärkte. Selbst deutsche Medien schreiben jetzt begeisterte Berichte, Spiegel Online hat sich in einen regelrechten Goldrausch hineingesteigert und Dradio Breitband übernahm die Behauptungen von Calacanis als Fakt ohne auf die Quelle hinzuweisen.

Also hat Calacanis wieder alles richtig gemacht. Falsch lag er nur mit einer Kleinigkeit: der Realität. Lassen wir also Mal ein wenig die Luft aus dem Hype:

  • Kein Staat hat je irgendein Interesse an der Währung Bitcoin gezeigt, ein Verbot steht weder kurzfristig noch mittelfristig zur Debatte, ebenso wenig wie bei den zahlreichen anderen virtuellen Währungen, von CyberCoins bis Lindendollars, von Vielflieger-Meilen bis hin zu Payback-Punkten. In der Anti-Terror-Hysterie mag irgendjemand ein Verbot fordern, aber das ist Teil des Hypes. Die Zentralbanker zucken nicht einmal mit der Wimper.
  • Bitcoin macht Banken nicht überflüssig. Schon heute gibt es im Bitcoin-Netz „Wechselstuben“, also Banken. Geldanlage und andere Dienstleistungen der Banken sind unberührt.
  • Bitcoin wird in der jetzigen Form niemals eine echte Währung ablösen können, da wichtige Funktionen fehlen. Die Pseudo-Geldschöpfung zu Beginn ist niedlich, aber ohne Belang. Da es eine Höchstgrenze von 21 Millionen Bitcoins geben soll, muss es danach zu einer Deflation kommen, wenn der Umlauf wachsen soll. Anders als Christian Stöcker behauptet, reicht es nicht Bitcoins in beliebig viele Stücke zu teilen, um den Effekt zu bekämpfen. Denn wenn eine Währung dauerhaft im Wert steigt, ist es irrational, das Geld auszugeben. Man legt es unter das Kopfkissen und wartet ab, der Geldfluss versiegt und die Währung ist nur noch ein Haufen kryptografischer Schnippsel. Von weitergehenden Effekten auf Investitionen verzichte ich an dieser Stelle. Um Schwankungen in der Realwelt auszugleichen benötigt das Bitcoin-System immer die Ankopplung an „echte“ Währungen. Wenn der Umlauf nicht wachsen soll, muss es keine Deflation geben, Bitcoins hätten aber die währungspolitische Relevanz von Spielgeld.
  • Kein kryptografisches System ist auf Dauer sicher. So wie die Laufzeit des elektronischen Personalausweises mit 10 Jahren für den Geschmack des CCC viel zu lange ist, ist auch die Bitcoin-Architektur ohne regelmäßige Updates letztlich dazu verdammt geknackt zu werden.
  • Wer jetzt per Bitcoin auf dem Papier zum Dollar-Millionär geworden ist, sollte versuchen davon ein Auto zu kaufen. Oder einen Joint.

PS: Leute, die ernsthaft Bitcoins als Wertanlage in Betracht ziehen, sind Spekulanten unterster Klasse, die auf Nicht-Leistung und Voodoo Gewinne aufbauen wollen. Sind sie schlau, wollen sie von dem Hype profitieren und die nachfolgenden Bitcoin-Käufer abzocken, fallen sie auf den Hype rein, sind sie einfach nur ignorant. Die Kurssteigerungen bei Bitcoin haben kein realwirtschaftliches Äquivalent. Wohin solche Blasen führen, sollten wir inzwischen alle wissen.

Nachtrag: : Der bvdw ist jetzt auch auf den Hype aufgesprungen und veröffentlicht eine hochtrabende Warnung:

Wir gehen davon aus, dass ‚Ersatzwährungen‘ wie Bitcoins über kurz oder lang auch durch den Gesetzgeber verboten werden, weil er sich in der Verantwortung sieht, seine Bürger und die Gesellschaft weitreichend zu schützen. Für die Sicherheit und das Wohl der Verbraucher, aber auch im Sinne der Interessen von Händlern und Betreibern von Online-Shops muss ein Regulativ für die Zahlungsmittel existieren.

Wie oben ausgeführt ist, taugt Bitcoin nicht als Ersatzwährung. Der Gesetzgeber müsste also ein PR-Märchen bzw ein wildes Gerücht oder Cyberpunkt-Träumereien verbieten. Wie das auch immer gehen soll.

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28 Comments.

  1. Ich glaube ja fast, ich würde die Frage noch genereller stellen: Seitdem Geld nicht mehr aus Goldmünzen besteht, ist es eine besonders subtile Form des Vertrauens. Irgendwer wird mir schon echte Waren für mein buntes Papier geben. Und im Zweifel bürgt dafür derjenige, der das Geld ausgibt; also der amerikanische Staat, die EZB etc. Selbst „echte“ Währungen scheitern regelmäßig daran, dass die Ausgabestelle nicht mehr vertrausnwürdig ist. Wie bitte soll man je einer Währung vertrauen, die nirgendwo herkommt, die durch niemand gedeckt ist, und wo die Ausgabestelle keinerlei Möglichkeiten hat, das Geld in reale Waren zu verwandeln?

    Aber spannend, dass die Masche mit dem Geld aus der Luft immer wieder funktioniert.

  2. Zustimmung. Und dennoch wäre ich bei der Bewertung der Relevanz vorsichtig.

    Wenn es 1. zu einer Deflation kommt und es 2. aber die Menge des Geldes endlich ist, bin ich auf die selbstverstärkenden Mechanismen der menschlichen Gier gespannt. Es gibt ja praktisch keinen Zeitpunkt, an dem es irrational wird, Bitcoins zu kaufen (außer man ist der Auffassung: zu Jedem).

    Ich pflichte dir bei: Bitcoins werden im Grunde nichts anderes tun als „echtes“ Geld binden. Die Frage ist: wie viel?

  3. Danke. Und ich dachte schon, ich wäre zu blöd, um die Relevanz zu erkennen.

  4. Ein Aspekt, den Bitcoins, wie alle Alternativwährungen, hat. Es ergibt sich quasi wie von selbst Steuerhinterziehung mit gutem Gewissen, weil man ja aus dem echten Geldkreislauf raus ist.

  5. Lustig wirds, wenn es den ersten großen „Bankraub“ gibt. Schließlich ist das System anonym und Buchungen sind nicht rückgängig zu machen.

    Oder jemand verliert den Schlüssel zu seinem gut gefüllten „Tresor“

  6. mspro,

    letztendlich sind Bitcoins nicht mehr als eine Ware mit einem Preis in US-Dollar. Derzeit steigt der steil (d.h. Bitcoins werden wertvoller), weil weit mehr Leute USD in Bitcoins tauschen wollen als umgekehrt.

    Und anders als die Deflations- und Teilungsgeschichte suggeriert, hängt der Wert einer Ware nicht nur vom begrenztem Angebot ab, sondern auch von der Nachfrage.

    Wenn die Lage sich umdreht, und mehr Leute Bitcoins in US-Dollar tauschen möchten als ungekehrt, dann wird das eng. Wenn also einer der „Millionäre“ versucht, Bitcoins in echte Waren einzutauschen oder die Early Adopters abgeschöpft sind, und die anderen keine Lust mehr haben, wird der Preis sinken; d.h. der Wert eines Bitcoins wird sinken; d.h. Inflation. Und dann prophezeie ich einfach mal den Run auf die Bank. Die langfristige Bindung „echten Geldes“ dürfte bei Null liegen.

  7. „ist auch die Bitcoin-Architektur ohne regelmäßige Updates letztlich dazu verdammt geknackt zu werden“

    So wie ich das verstanden habe, ist jeder bitcoin auf eine ähnliche Weise wie pgp „verschlüsselt“ mit private und public key. Somit kann die gesamte Architektur nicht „geknackt“ werden. Auch enthält ein bitcoin seine Transferhistorie, sodass ein geklauter identifiziert werden kann.

    Problematischer sehe ich da eher Viren, die es auf wallet.dat – also derjenigen Datei, die das Geld „enthält“ – abgesehen haben.

    • Ich sag es Dir nicht gern: aber auch PGP ist nicht knackbar. Aller paar Jahre verlängert sich die empfohlene Schlüssellänge. Wenn Du Dir vor 10 Jahren einen PGP-Key angelegt hast, wird es Zeit ihn durch einen stärkeren Key zu ersetzen.

  8. ad 1: wehn ppl start evading taxes and banks, governments will care. so the comparison to other systems which have not cought on amounts to a circular argument.

    ad 2: bitcoin makes banks superfluous for *transfer* of money. i’d say that’s significant.

    ad 3: this is ye olde deflation argument. it cannot be settled a priori. consult the bitcoin faq and forum for more information.

    ad 4: empty rethoric. lots of things depend on crypto that will eventually be broken, yet we rely on them on large scales. including banking. i’m sure bitcoin’s crypto primitives will be updated as soon as anyone sees the first sign of the elliptic curve discrete logarithm problem breaking down.

    ad 5: well, let me ask around if people have gotten their thousands of $ from mtgox, but given the fact that it is an *exchange*, these dollars did go in. so unless mr. mtgox is a total scam, there are in all likelyhood a few bitcoin cars.

    • 1. Niemand muss mit Bitcoin zum Steuerbetrüger werden. Wenn ich Einkünfte in Dollar verschweige, geht das Finanzamt gegen mich und nicht gegen die US-Regierung vor. Auch Bonusmeilen sind steuerpflichtig.
      2. Du kannst auch Geldscheine im Briefumschlag verschicken. Banken sind demnach schon heute überflüssig.
      3. Deflation ist Deflation. Daran kann kein Forum und keine FAQ etwas ändern.
      4. So wie ich das Konzept verstanden habe, wird ein Update schwierig. Aber in erster Linie wollte ich vor dem blinden Vertrauen in die Crypto-Currency warnen, das zum Beispiel Severin einen Kommentar weiter oben gezeigt hat.
      5. Der Punkt soll heißen: Such einen Autohändler oder einen Drogendealer, der Bitcoin akzeptiert. Im PS sage ich: Es mag Leute geben, die mit Bitcoin-Spekulationen Geld machen, sie sind aber nicht besser als die Gewinner in jedem anderem Ponzi-Scheme.

  9. Einer der ersten Artikel zum Thema, die rundum empfehlenswert sind.

    Ich seh in dem Ganzen ein interessantes Konzept, das zu einer eher unangebrachten Zeit kommt. Die zeitweilige Geldbindung könnte sich als problematisch erweisen, wenn man bedenkt daß in den letzten paar Tagen mal eben ein nomineller Wert von 2 Millonen US$ erschaffen wurde, ohne daß das in der „realen“ Wirtschaft mehr Auswirkungen gehabt hätte als einige Stromrechnungen zu erhöhen.

    Die Praxis zeigt, daß eine Geldmengenveränderung möglichst unmittelbar an eine BIPveränderung gekoppelt sein sollte, um langfristig Probleme zu vermeiden. Beziehungsweise an den manifesten Grund für letztere.
    Krude gesagt: Wirtschaftswachstum ohne Geldmengenvermehrung -> Deflation; und so weiter in beliebigen Kombinationen. „Wirtschaftswachstum“ ist natürlich eine mittlerweile kaum mehr faßbare Größe, denn auch Geld das neu in Umlauf gebracht wird in der Hoffnung daß irgendwo irgendjemand einen Mehrwert generiert, welcher die Existenz anderen Geldes legitimiert, in Erwartung derer das Geld am Anfang des Satzes in Umlauf gebracht wurde, geht auch ins „Wirtschaftswachstum“ ein, auch wenn große Teile davon nur aus Gebeten und Spucke bestehen. Fiatwährungen sind latent inflationär wegen des Risikos von Kreditausfällen. Das ist an sich nichts Schlechtes; die latent deflationären Edelmetallwährungen haben jednefalls mehr Wirtschaftskrisen und Eroberungskriege auf dem Kerbholz.

    Was wir also vorliegen haben, ist eine potentiell nicht unerhebliche Geldmengenveränderung. BTC sind zwar nicht völlig frei, aber durchaus umfassend konvertierbar, d.h. die BTC-Menge tritt zwangsläufig in Konkurrenz mit anderen Währungen um den als Deckung einer steigenden Geldmenge notwendigen Mehrwert (notwendig weil sonst Zimbabwe).

    (Die Neoklassiker hören’s nicht gern, aber sie können die Stabilität von Fiatwährungen (bzw ihre selektive Instabilität) nicht besser erklären als die Hypothese, daß Fiatwährungen weniger durch Vertrauen, sondern ganz „hart“ durch das Gesamt-BIP des Emittenden abgesichert sind.)

    Das ist bei Rabattmärkchen, Bonusmeilen etc kein Problem, denn hier ist die „Ersatzwährung“ an Wre oder Dienstleistung eng gebunden (enger als „normales Geld“) und wird adäquat und zeitnah eingepreist. Bei BTC ist das nicht nichttrivial möglich.

    Zwar sind die existenten Kreditblasen momentan ein sehr viel größeres Problem als ähnliche evtl durch BTC in der Zukunft ausgelöste Verwerfungen, aber jemand der die Pest hat, möchte vermutlich nicht auch noch Gelbfieber bekommen.

    Werden diese Unterschiede zwischen Rabattmarken und BTC nicht doch zu einem Verbot führen? Frag mich noch mal, wenn die erste Ratingagentur im Morgengrauen vom Staatsschutz umstellt und wegen Hochverrats zerschlagen wird; bis dahin jedenfalls werden von BTC diejenigen am meisten profitieren, die sich mal eben 20000 Dollar an Spezialhardware in den Keller stellen können – und das sind nun mal zum großen Teil Menschen, die man umgangssprachlich gern als „Nieten in Nadelstreifen“ oder auch „Bankster“ tituliert. Und die haben eine große und mächtige Lobby. BTC ist momentan ein exzellentes Spekulationsobjekt; eine Wertverhunderttfachung in einem halben Jahr ohne daß dafür mehr geschehen ist als eine Menge Strom zu verbrauchen läßt jeden MBA aufhorchen.

    Wird BTC größere ökonomische Verwerfungen auslösen? Unwahrscheinlich, aber aufgrund der Robustheit und technischen Ausgefeiltheit des Systems – vor allem im Vergleich mit denselben Parametern bezüglich der momentanen Lage der Weltwirtschaft – nicht auszuschließen.

    TL;DR:
    BTC hat erhebliches Potential, andere Währungen in eine Inflationsspirale zu drücken. Und ich habe den Eindruck, als sei die Deflationsparanoia der neoklassischen Ökonomie ein Atavismus aus der Zeit der Metallwährungen – in Japan ist während der „verlorenen Dekade“ die Anzahl der Hungertoten nicht signifikant gestiegen; in Argentinien, inFolge einer wenige Monate dauernden noch-nicht-einmal-wirklich-Hyperinflation hingegen erheblich. Für 80% der Bevölkerung ist grassierende Inflation jedenfalls ein echtes Problem, während auch lange anhaltende Deflation in der Fiatwährungsära nicht mehr die katastrophalen Folgen hat wie vor 130 Jahren.

    Aber all das wird sich zeigen. Bis dahin faßt es ein Forenkommentar relativ gut zusammen:

    „BTC is wildcat banking on the internet“

    Und mehr ist es erst mal nicht.

    PS: würde BTC direkt an reale wirtschaftliche Tätigkeit gebunden – also daß zB Arbeitskräfte in BTC entlohnt würden – wäre die Tech eine interessante Option für eine wirklich gute Supplementwährung. Denn was man auch immer sagen kann, technischerseits ist das System SOTA. Bedingungsloses Grundeinkommen, ausgezahlt in (nach einem Monate verfallenden?) „quasi-Bitcoins“? Könnte man sich mal Gedanken drüber machen.

    • Du kannst die Coins nicht nach einem Monat verfallen lassen.
      Wenn du dir davon was Reales kaufst, hat der Verkäufer kein Interesse daran, dass deine Bezahlung verfällt, also wird er das „Geld“ nicht annehmen.
      Wenn die Coins nach Bezahlung nicht mehr verfallen, verkaufen sich die Grundeinkommensempfänger untereinander Dosen mit heißer Luft, um die Coins in nicht-verfallende umzuwandeln.

  10. Die Argumentation im Artikel überzeugt mich gar nicht:

    > Bitcoin wird in der jetzigen Form niemals eine echte Währung ablösen können, da wichtige Funktionen fehlen.

    Ich denke die Kernfunktion einer Währung ist die Verrechnung von Leistungen mit einer symbolischen Einheit. Eine häufig genutzte Nebenfunktion ist, dass Regierungen Geld drucken und damit neben nützlichen Dingen oft Sachen bezahlen, die vor allem einer Minderheit der Bevölkerung zugute kommen. Mehrwertsteuer und Inflation sind im Grunde Umverteilungen von vielen nicht reichen Leuten an wenige Reiche.

    >Da es eine Höchstgrenze von 21 Millionen Bitcoins geben soll, muss es danach zu einer Deflation kommen, wenn der Umlauf wachsen soll.

    Erstens ist auch die Menge an Gold beschränkt, und das verursacht keine gefährliche Deflation. Es kann wohl eine Flucht aus stark inflationären Währungen in stabilere geben. Aber gerade hier in Deutschland kann man sehen, dass Währungsstabilität enorme Vorteile hatte.

    > Denn wenn eine Währung dauerhaft im Wert steigt, ist es irrational, das Geld auszugeben. Man legt es unter das Kopfkissen und wartet ab, der Geldfluss versiegt und die Währung ist nur noch ein Haufen kryptografischer Schnippsel.

    Ein Versiegen des Geldumlaufes würde den Kurs reduzieren, ist also ein Regulativ. Komisch, dass solche Gegenargumente oft aus Ecken kommen, die sonst behaupten, der Markt regele alles (insbesondere wenn es um den Preis menschlicher Arbeit geht und nicht um strauchelnde Banken).

    > Um Schwankungen in der Realwelt auszugleichen benötigt das Bitcoin-System immer die Ankopplung an “echte” Währungen.

    Die gibt es doch eindeutig schon. Sagt der Artikel ja auch selber. Dass heißt, wenn einem die Sache zu heikel wird, kann man sein Gutaben jederzeit cashen. Das ist eine Eigenschaft, die fast keine sonstige Parallelwährung hat. Und darüber hinaus: Jede Währung, die ihre Konvertierung in eine andere durch Verbote verhindern muss, ist eindeutig die unterlegene. Das hat sich seit dem Ende der DDR-Mark nicht geändert.

    > Kein kryptografisches System ist auf Dauer sicher. So wie die Laufzeit des elektronischen Personalausweises mit 10 Jahren für den Geschmack des CCC viel zu lange ist, ist auch die Bitcoin-Architektur ohne regelmäßige Updates letztlich dazu verdammt geknackt zu werden.

    Erstens beruht das System nicht allein auf einer Absicherung durch die Verschlüsselung der Wärungseinheiten; Die Empfänger/Senderschlüssel verschlüsseln nur eine Transaktion, das Peer-to-Peer Netzwerk verschlüsselt jedoch die _gesamte Geschichte_ der Transaktionen.

    Zweitens ist das Brechen von kryptographischen Hash-Funktionen im Prinzip nicht auszuschließen, aber es ist bei den heute verwendeten Funktionen ein allmählicher Erosionsvorgang der Jahre dauert. Genial am Design des Systems ist auch, dass das Prägen von Münzen selber auf dem Knacken eines kryptograpischen Hashproblems beruht – die Erzeugung neuen Geldes ist also bereits Teil des Systems, und auch bei geschwächten Methoden bleibt sie aufwendig.

    Drittens ist das Drucken von „billig erzeugtem Geld“ nach Erreichen der maximalen Geldmenge nicht mehr möglich, „gefälschtes“ Geld wäre sofort zu erkennen. Man müßte die gesamte Transaktionsgeschichte fälschen, die mit viel Rechenaufwand wieder und wieder signiert wird. Und das ist praktisch unmöglich.

    Viertens kann man Public Key Signaturen durchaus mit einer stärkeren Signatur updaten. Wenn ich ein mit 1024 signiertes PGP-Dokument mit einem 2048 Bit-Schlüssel erneut signiere, bevor das 1024 Bit Verfahren in nennenswerter Zeit geknackt werden kann, ist der Bruch der 1024 Bit Signatur bedeutungslos. Man muss lediglich die Länge der Schlüssel in der Software anpassen. Das ist wie wenn ich eine rostige Blechdose in einen neuen Tresor lege.

    > BTC hat erhebliches Potential, andere Währungen in eine Inflationsspirale zu drücken.

    Der einzige Grund wäre die begrenzte Menge. Begrenzt ist die Menge aber auch beim Gold. Und macht man Gold einen solchen Vorwurf, wenn der Goldkurs steigt?

    Das einzige wirkliche Problem, das ich sehe, ist dass dieses Geld schwieriger zu besteuern ist als das Geld was auf meinem Gehaltskonto landet. Das Gehälterzahlungen (und auch Rente, Arbeitslosengeld und Unterhaltszahlungen) über Überweisungen in Euro abgewickelt werden, wird sich so schnell aber nicht ändern.

    Von daher hätten Lohn- und Gehaltsempfänger einen Nachteil, denn sie können Einkünfte nicht verstecken.

    Aber GENAU DAS IST SOWIESO SCHON SO – die Reichen und die multinationalen Unternemen haben viel umfassendere Möglichkeiten, legal oder illegal Steuern zu umgehen und zu hinterziehen. Warum wohl hat jede größere Versicherung eine Filiale auf den Bahamas? Das Steuersystem in der jetztigen Form dient ja wohl eher der Umschichtung von arm bis wohlahbend nach reich. Die Armen zahlen die Mehrwertsteuer und die Mittelschicht Lohn- und Gehaltssteuer. Die Reichen zahlen im Verhältnis dazu nichts. Das ist es, was den gesellschaftlichen Vertrag, auf dem das Steuersystem basiert, kaputt macht. Die Wirtschaft brummt, und die Staaten gehen Pleite.

    • Zafolo: Nur Kurz: Gold ist schon lange keine Währung mehr. An Mehrwertsteuer und allen Ungerechtigkeiten des Geldsystems kann Bitcoin nichts ändern. Und Du musst keine komplette Transaktionsgeschichte ändern um Bitcoin zu knacken, du musst lediglich eine Transaktion anhängen und das „Geld“ gehört Dir.

  11. Eine wirkliche Alternative für Banken und zentral geschöpftes Geld: Ripplepay

    Siehe auch diesen Thread im Bitcoin-Forum, wo schon das betrügerische Potenzial dieser Währung dargelegt wird. Bitcoins sind eine digitale Kurantmünze, d.h. jede Münze ist soviel wert, wie aktuell (!) zur Erzeugung einer Münze an Arbeit (Elektrizität, Hardware) aufgewandt werden muss. Deshalb steigt der Wert aller Münzen solange, bis keine neuen Münzen mehr erzeugt werden können.
    Bitcoins werden höchstens als Pyramidenspiel taugen. Einige wenige große „Miner“ werden kräftig absahnen – darunter natürlich der anonyme Entwickler, der wohl der größte Bitcoin-Besitzer sein dürfte – und beim Wechsel in Dollars den großen Crash einleiten. Ob der Crash in einem Jahr oder in zehn Jahren kommt, weiß keiner. Daher bleibt diese Währung hochriskante Spekulation.

  12. Also ich halte den Bitcoin für ein prima Sache. Wenn die etablierte Wirtschaft aufgeregt mit den Armen rudert und nach einem Verbot barmt, ist das ein Qualitätsmerkmal… ;-)

  13. Antwort an Torsten:

    > Gold ist schon lange keine Währung mehr.

    Nicht als alltägliches Zahlungsmittel. Aber als Reservewährung spielt es sogar eine zunehmende Rolle. Mexiko hat kürzlich 100 Tonnen Gold gekauft.

    > An Mehrwertsteuer und allen Ungerechtigkeiten des Geldsystems kann Bitcoin nichts ändern.

    Es hat zumindest ein gewisses Potenzial, den Transfer von Arm nach Reich zu begrenzen, der stattfindet. Die Finanzierung von sozialen Leistungen vereinfacht es sicherlich nicht. Allerdings ist die Ära der bargeldlosen Zahlungen ja auch noch nicht so alt.

    > Und Du musst keine komplette Transaktionsgeschichte ändern um Bitcoin zu knacken, du musst lediglich eine Transaktion anhängen und das “Geld” gehört Dir.

    Das stimmt nicht ganz. Wenn ich einen privaten Schlüssel knacke, kann ich diesen einzelnen Betrag an eine eigene Adresse überweisen. Einfacher als das wäre es allerdings, Malware zu verbreiten, die private Schlüssel klaut. Um Bitcoin als Ganzes zu knacken, muss ich hingegen die gesamte verteilte Datenbank mit der Transaktionsgeschicte faken, die ständig mit inzwischen mehreren Petaflop Rechenleistung von tausenden verteilten Rechnern fortgeschrieben wird. Das ist praktisch unmöglich. Bei der Erzeugung dieser Datenbank gibt es auch keine privaten Schlüssel.

    Am besten finde ich aber die Möglichkeit eines Micropayments an Musiker, Blogger und so weiter. Dass die Atomlobby massiv Leute bezahlt, welche Verharmlosungen verbreiten, ist ja in letzter Zeit recht deutlich geworden. Wenn die Anti-Atom-Bewegung die Verbreitung ihrer Standpunkte entsprechend honorieren würde, würde das zunmindest die Gewichte mal ein wenig zurechtrücken. Ein anderes ehrenwertes Projekt wäre die Verbesserung des kritischen Qualitätsjournalismus.

    Da wir nun mal beim Thema sind: Ich nehme natürlich auch Spenden entgegen ;-) Software unter bitcom.org, Wechselstube z.b. mtgox.com, Bitcoin-Adresse 176fW6w8XNjkZB9LwHwFxeHiBxUBz7g6Uv .

    • Zafolo: Wie gesagt: ich möchte Bitcoin nicht als Konzept fertigmachen, sondern habe etwas gegen den Hype.

      Irgendwie ist mir bisher der Teil des Konzepts entgangen, der für eine Umverteilung von oben nach oben sorgen würde. Wie soll das funktionieren? Banküberweisungsgebühren sind wahrhaftig nicht an erster Stelle, was die Umverteilung angeht. Und bei den Spekulationsgewinnen, die derzeit mit Bitcoin erzielt werden, profitieren in erster Linie die Wohlhabenden.

      • Ich habe mich nun schon etwas länger mit dem Thema Bitcoins beschäftigt als die meisten hier. Nicht zuletzt, da mein Vater für die Bundesbank arbeitet und ich ihn natürlich von dieser neuen Währung (meiner Meinung nach eindeutig die Währung der Zukunft) informieren wollte. Natürlich wollte ich auch seine Meinung dazu hören und mit ihm eine echte Lücke oder eben einen Haken an der Sache finden. Ich hatte nämlich zu diesem Zeitpunkt bereits vor, mir einen Mining-PC zusammenzubasteln und wollte mich, bevor ich extra für irgendsoeine Internetwährung echtes Geld investiere erstmal umfassend informieren. Bereits damals (schon einige Monate her) hätte ich jedes der typischen Argumente der ach so schlauen Bitcoingegner die überall wie Pilze aus dem Boden schießen ohne Ahnung zu haben, nur um mitreden zu können das Maul aufmachen, nicht um wirklich etwas damit zu erreichen.

        Ich hatte also nach wenigen Stunden alle wichtigen Aspekte mehrfach überprüft und fand mich so gerüstet genug, um einen echten Diskurs mit einem erfahrenen Bankkaufmann anzufangen. Viele werden es bereits ahnen: Er hatte anfangs Bedenken. Größtenteils dieselben, wie die bisher in diesem Blog erwähnten. Leichtes Futter also für mich :-)

        Sein Interesse begann mit jedem Telefonat zu wachsen. Wir kauten alles wieder und wieder durch. Und damit meine ich WIRKLICH ALLES.
        Ich suchte nach einer Lücke, mein Vater half mir, ohne es zu wissen, aus Neugier und gleichzeitig aus Sorge um die Finanzen seines Sohnes. Wir haben nach zig Telefonaten von jeweils mehreren Stunden konstruktiver Diskussion (also nicht in dieser forentypischen Kleinkindmanier, die zu nichts führt außer zum Haß des „Gegners“ den man nichtmal sieht, sondern sich nur vorstellt, der einen aber trotzdem an der Nase herumführen und manipulieren kann; man kennt ihn einfach nicht, so wie ihr mich nicht; was führe ich wohl im Schilde??? Nur das Böse, das abgrundtief Schlechte! Hahaha, erwischt, du hast es echt kurz geglaubt. Trottel.) keine Lücke gefunden, die „die —===“““realen Währungen“““===– (das ich nicht lache. Reale Währung? Ts! Ihr glaubt aber auch alles, was in der Zeitung steht. Hat mein Vater auch früher, sonst hätte er den Job wahrscheinlich nie angefangen. Er ist nämlich echt in Ordnung, auch wenn er so wie ich den falschen Beruf gewählt hat (Werbekaufmann! Igitt! Ausspuck! Zum Glück bin ich davon weg, jetzt bin ich Admin, puh! *schweißvonderstirnwisch*) nicht hätten.

        Im Gegenteil, die Währung Bitcoin und das würde ich nie schreiben, wenn ich nicht absolut zu 100 Prozent davon überzeugt wäre, ist so absolut wasserdicht in allen technischen und wirtschaftlichen Aspekten wie es unsere echte Währung niemals sein wird und kann. Denn da wird ständig dran gedreht.

        Jeder Finanzminister ist natürlich besser und klüger als alle vorherigen zusammen und erhöht oder verringert die Geldmenge wies ihm grad passt. Und wer hat nachher die Arschkarte? Richtig, sicher nicht die Person, die absolute Immunität genießt, egal wieviel Scheiße Sie baut. Es darf ja nur nicht mit Absicht geschehen. Aber wenn man „unabsichtlich“ mal ein paar Millionen, Milliarden oder mehr (wer will das von euch die letzten Jahre kontrolliert haben? Bitte melde dich, Mister X, wir können viel von dir lernen, da bin ich mir sicher!) an Steuergeldern verscheißt, kann man dafür, solange man nur schnell genug zurücktritt, nicht mehr verantwortlich gemacht werden, oder?

        Ach übrigens: das man nicht einfach aus dem „realen“ Geldsystem in ein anderes wechseln kann seht ihr hoffentlich nicht wirklich als Fehler des Bitcoin-Systems, oder?

        Und das man für jede Transaktion, egal wie sinnlos sie ist und jede Abhebung am Geldautomaten unverhältnismäßig viel „echtes“ Geld bezahlen muss, nur weil die Banken sich scheinbar nicht auf ein gemeinsames, wartungsarmes Netz von Automaten einigen können haltet ihr für richtig oder zumindest „normal“?

        Und nochmal was zum dümmsten Beitrag, den ich oben lesen durfte/musste: In welcher abstrusen Parallelwelt ist es erstrebenswert oder zumindest eine bessere Lösung, eine Transaktion per Briefpost zu tätigen (kostet Dich Geld, und die Welt (also im Endeffekt auch wieder Dich) eine Menge Sprit, der ja auf Bäumen wächst (hast du das Wortspiel oder zumindest die Ironie mit den Bäumen überhaupt gecheckt? Ließ lieber schnell weiter, Gedanken machen lohnt sich ja nicht in unserer heutigen Zeit). Zumindest in dieser geheimnisvollen Parallelwelt von der du uns noch so viel erzählen wolltest) statt „fast umsonst“ per Bitcoin-Netzwerk.

        Und in welchem Phantasieland kann sich der Postbote deine Scheinchen nicht unter den Nagel reissen und somit deine Transaktion von vorn anstoßen?

        Wenn alle Menschen auch nur KURZ zur gleichen ZEIT ihr HIRN einschalten würden, wär schon echt viel erreicht. Kennt ihr den Film Idiocracy? Falls nicht: Schaut ihn Euch unbedingt an.

        Dann wisst ihr das unsere Welt in ein paar hundert Jahren NUR NOCH VON IDIOTEN besiedelt sein wird, die ohne nachzudenken alles nachlabern, was irgendwelche Offiziellen vorbeten (die uns natürlich alle zu jeder Zeit immer nur wohlgesonnen sind und nie auch nur eine Sekunde daran denken würden, ihr Amt zu missbrauchen wo es nur geht; das gibt es nur in armen Ländern aber nicht in Deutschland, da gibt man sich zufrieden mit dem Wohlstand, den man hat und versucht nicht mehr und immer mehr anzuhäufen wie wir alle wissen; eine Frage der Ehre eben).

        Schonmal überlegt, warum eure (zugegebenermaßen teilweise wirklich guten) Ideen, wie man den Bitcoin etwas näher an die Supermarktkasse heranrücken könnte immer im letzten Moment wie Seifenblasen zerplatzen? Richtig, da ist eine unsichtbare Wand.

        Seifenblasen zerplatzen immer an Wänden, egal ob sichtbar oder unsichtbar (ich weiß, das es keine unsichtbaren Wände gibt. Stellt euch einfach gläserne Wände vor, wenn euch das irgendwie besser gefällt).

        Wie würde es euch gefallen, auf einmal in einem Raum mit unsichtbaren Wänden gefangen zu sein? Der euch auf Schritt und Tritt begleitet und von dem man solange nichts merkt, bis sich mal eine „verbotene“ Idee, auch Seifenblase gebildet hat.

        Denkt mal darüber nach. Falls ihr noch was anderes außer flamen und Dummsinn erzählen könnt.

      • Rührende Story mit Deinem Vater, aber irgendwie pointless. Ich fass sie Mal zusammen: „Alle anderen sind blöd, haters will hate anyway“. Den Beitrag mit dem Versenden per Brief hast Du gänzlich falsch verstanden. Und ich habe mich längst mit einem Ex-Kollegen Deines Vaters ausführlich über Bitcoin unterhalten. Er findet die Idee recht gut — an meinen Punkten oben ändert das aber nichts.

        http://go-bitcoin.com/2011-10-01-bitcoin-beim-elektrischen-reporter-2

  14. Was ich eigentlich verdeutlichen wollte ist, auf den Punkt gebracht, Folgendes:

    Zu jedem der auf diesem Blog oder woanders genannten Bedenken gibt es absolut stichhaltige Gegenargumente, die man einfach nur suchen müsste, um wirklich ohne sinnlose Vorurteile mit dem Thema Bitcoin umgehen zu können bzw. sich soweit Klarheit über sämtliche Aspekte der neuen Währung zu verschaffen, bis man zu einem abschließenden Fazit gelangt:

    a) Entweder ich lasse die Finger komplett davon, verhalte mich passiv und spiele den Zuschauer, bis ich vollendete Tatsachen geschaffen sehe oder ich unterstütze aktiv mit den mir zur Verfügung stehenden Mitteln das Projekt/Experiment um dessen Fortbestand zu sichern und dessen letztendliche Durchsetzung zu beschleunigen/forcieren.

    Nun möchte ich doch noch, um nicht selbst genauso um den heißen Brei herumgeredet zu haben, einige der oben genannten Thesen oder auch Meinungen aufgreifen und dazu Stellung beziehen.

    – Zum Thema, kein Staat würde sich für die Bitcoins interessieren, hier mal der Gegenbeweis. Natürlich nicht der einzige, das Internet ist groß. Google hilft, wenn man das möchte: http://www.bitcoinblogger.com/2011/04/bitcoin-technical-lead-to-present-at.html

    – Zum Thema Banken: Eine Wechselstube ist keine Bank. Sie gibt zum Beispiel per Definition keine Zinsen oder Kredite, wie oben bereits ansatzweise erwähnt, auf das Guthaben Ihrer Kunden sondern zieht sich in der Regel für jeden Handel Margen und das wars dann in der Regel. Andersherum betrachtet ist eine normale Bank auch keine reine Wechselstube. Sie nimmt zwar auch, quasi im Auftrag der Bundesbank, Fremdwährungen an und gibt diese zur Rückführung und im Tausch gegen die Landeswährung an die Bundesbank weiter, Kerngeschäft ist aber immer die Kontoführung unter Kredit- und Zinsvergabe. Kredite werden nie ohne Sicherheit vergeben, das weiß jeder. Größere Summen werden, wie Insider wissen, nur nach Prüfung der Bilanz des jeweiligen Unternehmens durch die Bundesbank, die schließlich als Kontrollorgan zu fungieren hat, vergeben. Die jeweilige Bank leiht sich ihr Geld faktisch per Wechsel (klingt veraltet, könnt ihr aber gerne nachprüfen) von der Bundesbank. Es wird also Luftgeld erschaffen, ist ja auch viel einfacher als das mit Gold- Öl- oder sonstigen Reserven wirklich zu „deckeln“. Was daran unterm Strich anders oder besser sein soll als bei den Bitcoins, wo Geld durch Kryptographie, also eine vergleichsweise greifbare und nützliche Dienstleistung erschaffen wird, leuchtet mir spätestens wenn ich das weiß und begriffen habe, nicht mehr ein. Und um auf den Punkt zu kommen: Doch, der Bitcoin macht sämtliche „herkömmlichen“ Banken komplett überflüssig. Und zwar genau ab dem Moment, in dem sämtliche Bereiche des Lebens davon lückenlos abgedeckt sind. Dafür habe ich mein Wallet, also Geldbörse und „Bankkonto“ das keines ist in Einem. Hat mein Arbeitgeber auch ein Wallet, sowie das Finanzamt und die Tankstelle/der Supermarkt und der Kindergarten/die Schule brauch ich faktisch ab diesem Moment keine Bank mehr. Und auch keine Wechselstube. Denn der Euro ist in dem Moment zu Grabe getragen worden. Puff! Das eine Luftgeld mit seinen sämtlichen Ungerechtigkeiten und Nachteilen wurde durch weniger „luftiges“ Geld und dessen Vorteile ersetzt. Letzte Restbestände des Euros werden von der Bundesbank in Bitcoins umgetauscht und zugunsten des Steuerzahlers eingeschmolzen und einem vernünftigeren Zweck zugeführt. Man kann mit alten verhackschnipselten Geldscheinen sehr gut Häuser dämmen, wie ihr vielleicht schon gehört habt. Ist umweltschonend, wirtschaftlich sinnvoll und man hats lauschig warm und nostalgisch zugleich. Von heute auf morgen wird das leider nicht passieren, auch wenn es theoretisch machbar wäre, würden nicht so viele Menschen und Behörden geistig noch in der Steinzeit leben. Ein Wechsel geht immer langsam vonstatten. Aber man kann ihn aktiv mitgestalten und wenn man die richtigen Worte findet, anderen schmackhaft machen. Eines dieser Argumente wäre: nie wieder zum Geldautomaten latschen müssen! Eine feste, greifbare Währung brauchen faktisch nur Omas mit Sparstrumpf, solange der Wert des Geldes ohnehin von Anfang bis Ende ein ideeller, nicht greifbarer bleibt.

    – Inflation ist ein häßliches Wort, zumindest noch in der heutigen Zeit. Schwankung ist ein noch viel unschöneres Wort. Kurseinbruch ein ekelerregendes. Stagnation hat da irgendwie, zumindest im direkten Vergleich fast schon eine beruhigende Wirkung auf die meisten Menschen, allerdings mit dem bitteren Nachgeschmack, dass sich auch nichts zum Guten ändert, während man das „Böse“ also den Kurseinbruch erfolgreich vermieden hat.
    Entschuldigt bitte meinen kurzen Exkurs in die Gefühlsduselei, aber ich wollte eigentlich darauf hinaus, dass selbst der Bitcoin nicht ewig steigen kann und wird, auch nicht im Falle, dass er irgendwann von sämtlichen Nationen als Universal- oder auch Einheitswährung eingeführt wird. Der Umstieg wird schließlich nicht von heute auf morgen und erst recht nicht überall gleichzeitig erfolgen. Es ist also, wie in jedem Markt üblich, mit Schwankungen zu rechnen, bis letztendlich jedes Geldstück und jeder Geldschein umgetauscht in einem Wallet auf irgendeinem PC oder mobilen Gerät liegt. Ist doch auch nicht anders, wenn ich mir einbilde, ich muss jetzt ab sofort mein komplettes Barvermögen in Dollars umtauschen weil der durch Fort Knox viel besser abgesichert ist oder so ;-) Nur weil ich so doof bin und das betreibe und nur weil einige tausend andere genauso doof sind und das selbe zum selben Zeitpunkt irgendwo anders auf der Welt machen, heißt das noch lange nicht, dass dadurch alles zwangsweise den Bach runtergehen müsste, oder? Es würde eine kleine Schwankung hervorrufen, so einen winzigen Zacken in der Kurve, der Sekunden später wieder dadurch ausgeglichen würde, dass irgendwo auf der Welt ein paar tausend andere Spekulanten genau das Gegenteil machen, weil sie gelesen haben, dass man sich in jedem Fall antizyklisch verhalten sollte oder so was in die Richtung. Solange nicht alle Trader zum selben Zeitpunkt den selben Trade durchführen passiert also im Endeffekt nur eine stark abgefederte Kursänderung, sozusagen das Delta oder auch die reine Differenz zwischen den getradeten Gesamtbeträgen aller Beteiligten. Und natürlich haben die Tradinginstitute, auch Forexbörsen genannt wieder mitverdient, was sich auch noch ein wenig auswirken mag, da das Marktvolumen sich um wenige Prozente verändert hat. Und wofür das Ganze?
    Naja, egal ;-) Ich schweife ab. Selbst im gesetzten Fall, dass Bitcoins auf einen Schlag zur weltweiten Standardwährung erklärt werden, gäbs keinerlei Probleme. Die Banken würden das alte Geld in Bitcoins umtauschen und solange dabei sämtliche Kurse in der Übergangsphase künstlich also nominell und mit Hirn eingefroren werden würden, hätte keiner dadurch gewonnen oder verloren. Also nicht so wie bei der Euroumstellung eben, aber das ist ein anderes Thema. Und das man nach so einer Komplettumstellung zumindest in der Theorie jedem Wirtschaftsgut angefangen bei den reinen Produktionsgüter einen realistischen und gerechten Wert zuweisen könnte, wenn man sich nur einmal die Mühe machte, steht für mich völlig außer Frage. Allein unsere Art zu denken hindert uns daran, so etwas zu machen. Unmöglich ist nichts. Man muss nur vom reinen Gewinndenken weg, dann können alle gewinnen, nicht nur die Reichen. Woher kommt denn die böse Inflation WIRKLICH? Also das Problem mal bis zur Wurzel zurückgedacht meine ich?

    – die These, es gäbe keinen unknackbaren Schutz und es würde ihn auch nie geben ist äußerst leicht zu widerlegen. Klingt verrückt? Dann informiert euch mal über die bereits seit einigen Jahren von beispielsweise Schweizer Banken praktizierte Quantenverschlüsselung. Die ist per Definition unknackbar. Und somit genauso wie das Vorhandensein des ersten echten Quantencomputers (wird gerade gebaut bzw. fertiggestellt von IBM für Lockheed Martin) die Zukunftsversion unserer Steinzeitverschlüsselung und -rechner. Und somit auch des Bitcoins. Übergangsweise aber auch nur das, könnten schon jetzt bzw. in wenigen Monaten FPGAs das Mining revolutionieren. Sind jetzt noch teuer, aber könnte durch größere Fertigungsanlagen und Massenproduktion schon bald ganz anders aussehen…

    – Davon abgesehen, dass ein bekannter Blogger bereits einen nur und ausschließlich mit Bitcoins finanzierten Trip quer durch die Vereinigten Staaten erfolgreich hinter sich gebracht hat, kenne ich persönlich Menschen, die sich tatsächlich bereits den einen oder anderen Joint mit Bitcoins gekauft haben. Auch gab und gibt es Websites, die ausschließlich dem Drogenhandel mit „breitestmöglichem“ Spektrum sozusagen ;-) unter alleiniger Akzeptanz der Zahlungen mit Bitcoins gewidmet haben oder sich immer noch damit befassen. Ist jetzt kein eindeutiges Argument für die Bitcoinidee, aber du wolltest es ja nicht glauben ;-)

    – Zur momentanen Situation: Der Bitcoin befindet sich immer noch in den Kinderschuhen, das ist festzuhalten. Das noch nicht alles damit zu kaufen geht spricht aber keinesfalls gegen seine zunehmende Relevanz. Eine kurzfristige Geldanlage ist immer mit Risiken vebunden. Eine Pionierrolle, also die eines Early Birds mit zusätzlichen. Aber auch mit Chancen, wie verschiedene Beispiele belegen. Spekulanten sind auch in der realen Welt Schmarotzer und nicht mehr wert, als der Dreck unterm Fingernagel, da sind wir uns alle einig. Sie erbringen keinerlei realwirtschaftliche Leistung, also wäre die Welt ohne sie besser als mit ihnen. Solche Menschen aber zwischen den Zeilen mit Bitcoinminern in dieselbe Schublade zu stecken, nur weil sie die Zeichen der Zeit erkannt haben, war hoffentlich niemandes Intention. Diese Menschen erbringen eine echte wirtschaftliche Leistung. SIE SIND ES, DIE ES ERMÖGLICHEN DIE BANKEN LANGFRISTIG ZU ERSETZEN!!! Unser aller Dank und Respekt gebührt den Menschen, die von Anfang an gegen alle Zweifler und Gegner ihre Überzeugung vertreten haben und statt nur einfach darüber zu reden, Risiken eingegangen sind, die anfangs größer als jede erdenkliche Gewinnmöglichkeit waren. Sie haben als erste die Henne-Ei-Problematik unserer Finanz- und Wirtschaftswelt erkannt und haben den Anfang gemacht. So bescheuert das jetzt auch klingt, aber mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit werden diese Leute in die Geschichtsbücher eingehen, als die Pioniere einer neuen Ära. Die Zweifler und Gegner werden allerdings wenn überhaupt nur negative Erwähnung finden. Das war schon immer so und daran wird sich hoffentlich auch nie etwas ändern.

    • Nichts von Deinem sehr ausführlichen Abschweifen hat mit dem Posting oben zu tun. Von einer langfristigen Ablösung von Banken zum Beispiel war nicht die Rede, sondern nur ob mit dem Einsatz von Bitcoin als Zahlungsmittel bereits Banken überflüssig sind. Und wie Du selbst sagst: „Banken sind keine Wechselstuben“, es gibt Kredite und Investitionsgeschäfte.

      Zudem solltest Du Dich noch sehr viel länger mit Deinem Vater unterhalten, denn von Geldschöpfung und Inflation hast Du nur sehr schwammige Vorstellungen. Aber diese Dinge besprichst Du vielleicht besser auf einem anderen Forum als in den Kommentaren dieses Blogeintrags.