Lösung für das Street-View-Problem

Wer sich der Geschichte nicht erinnert, ist dazu verdammt sie zu wiederholen. Während alle Welt nach einer neuen Balance zwischen Privatsphäre und Öffentlichkeit sucht, habe ich in die Geschichtsbücher gesehen und die Lösung gefunden. Der brtitische Locomotive Act von 1865, auch bekannt als der Red Flag Act:

Das Gesetz schrieb vor, dass ein Gefährt ohne Pferde bzw. ein Automobil mit einer Geschwindigkeit von maximal 4 Meilen (~ 6,4 km/h) in der Stunde fahren durfte. Innerhalb der Ortschaften betrug das Limit 2 Meilen pro Stunde.. Bei jedem Automobil mussten 2 Personen zum Führen des Fahrzeugs anwesend sein und ein Fußgänger hatte vorauszulaufen, der zur Warnung der Bevölkerung eine rote Flagge tragen musste. Diese Vorschrift wirkte sich 31 Jahre äußerst hinderlich auf den Verkauf, auf die Entwicklung und den Bau von Automobilen in Großbritannien aus.

Aber genug mit der Polemik.

Einer der Vorbehalte gegen Google Street View ist, dass das Google-Auto die Menschen unvorbereitet erwischt. Mal nicht Richtung Straße geguckt und schon wird ein Kinderspiel zum weltweiten Medienereignis. Das ist eine andere Dimension als der Tourist, der mit seinen Fotos das Lokalkolorit einfängt oder das Pressefoto, das in Altpapier und nie mehr aufgerufenen Archiven verschwindet.

In meiner Heimat gab es den tollen Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ – Wochen bevor die Jury durch das Dorf schritt wurden Blumenbeete aufgefüllt, Fahnen aufgehängt und Fassaden gestrichen, eine Kehrwoche eingelegt. Man wollte sich im besten Licht zeigen, wenn der Bürgermeister die weit angereisten Juroren herumführte.

Irgendwie klappt das bei Google nicht richtig. Ich erfuhr, dass Google Köln abfotografiert, als ich den Kamerawagen in der Aachener Straße sah. Nicht gerade versteckt, aber nicht so auffällig, dass es einem hätte auffallen müssen. Vor allem, wenn man auf dem Balkon grade anderen Beschäftigungenen nachgeht.

Vielleicht sollte Google neben dem Widerspruchsfomular auch einen Antrag online stellen, das eigene Haus nochmal besser fotografieren zu lassen. Wenn eh ganze Straßenzüge Widerspruch einlegen wollen, rentiert sich vielleicht die Korrekturfahrt. Für künftige Kameratouren könnte Google ja auch einen Benachrichtigungs-Service anbieten. Sie wollen wissen, wann das Google-Auto vorbeifährt? Kein Problem – Google schickt eine Mail.

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4 Comments.

  1. Das eigentliche Problem, warum einige Leute unruhig werden, sind die Telefonbucheinträge, in denen meistens (zumindest bei älteren Leuten) auch die Hausanschrift steht. Wer sich hier nicht beizeiten um Datensparsamkeit gekümmert hat, dessen Fassade kann man sich eben ansehen. Ein dadurch bedingtes Unwohlsein ist aber nicht Google anzulasten. Es ginge auch ohne Google.

    Zum Vergleich mit dem Red Flag Act braucht man übrigens nicht einmal die Geschichtsbücher zu bemühen :-)

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