Gulli bustet Buster…oder auch nicht (Update)

Mit szeneintern Rummel ist das Buch Gulli Wars erschienen, eine 256-seitige Rechtfertigungsschrift der zeitweiligen Betreiber von Gulli.com.

Für Außenstehende ist das Buch wohl rätselhaft bis uninteressant. Da die Autoren ja sich selbst nicht selbst belasten wollen, dürfen sie nicht allzu sehr ins Detail gehen, wenn es denn um den vermeintlichen Computer-Untergrund geht. Und das ach so subtile Zwischen-den-Zeilen-Schreiben gelingt den Autoren nach meinem ersten Eindruck schlichtweg nicht.

So liest sich das Kapitel Gravenreuth (Seite 67f) auch bemerkenswert zahnlos. Der Anwalt wird in der Tat über den grünen Klee gelobt. Wie ich höre, sass der umstrittene Jurist auch auf der Bühne, als das Buch erstmals öffentlich präsentiert wurde.

Damit nicht alle enttäuscht sind, outen die Gulli-er eben einen anderen Autoren, der nicht für Klagen und Abmahnungen bekannt ist (siehe Updates):

Auch in der Mailbox-Szene war Gravenreuth aktiv. Evrim Sen war beispielsweise in der BBS-Szene als sogenannter ‘Testbesteller’ für Gravenreuth tätig. Evrims Erlebnisse wurden zur Basis der Kurzgeschichte ‘Buster’ in seinem Buch ’Hackertales’.

Dass Evrim Sen, der mehrere Bücher über die Szene geschrieben hat, einst in illegale Raubkopierer-Aktivitäten verstrickt war, überascht keinen. Das gehört zum Spiel. Zur Vorstellung des Buchs „No Copy“ (in dem Raubkopierer mal eben auf eine Stufe mit Open-Source-Aktivisten gestellt werden), kam sogar ein Vertreter der Rechtverwertungsgesellschaft GVU – man hat sich arrangiert. Vergeben und vergessen.

Dass Sen jetzt als „Buster“ geoutet wird, also jemand, der für ein paar Euro Freunde und deren Freunde gleich reihenweise verraten hat, dürfte Sen in der Szene doch einige Sympathien kosten. Manche mögen sich mit Gravenreuth abgefunden haben – er spielte den villain in der Szene. Auch das gehörte zum Spiel. Den geheimen Spitzeln dürfte aber selbst nach 15 Jahren keine Sympathie entgegenschlagen.

Update: Mich hat soeben eine Mail von Evrim Sen erreicht, in der er darauf verweist, dass dieses Outing auf einem einfachen Missverständnis beruht – die Gulli Wars-Autoren hätten Fiktion und Wahrheit verwechselt. Ich bin auf die Erklärung der Autoren gespannt. Die sollte prompt und öffentlich erfolgen.

Update 2: Korrupt alias Richard Joos stellt den Fehler hier richtig. Wie es dazu kam ist unbekannt. Die PDF-Fassung soll korrigiert werden.

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11 Comments.

  1. Brian Griffin

    Ich bezweifle, dass es Sympathien gab, die er hätte verspielen können. Passt aber ins Bild, die „Enthüllung“.

  2. Evrim hat recht, ich hatte ihn auch gleich gestern angemailt deswegen – daher auch nicht gleich ein Kommentar hier, da mich das doch komplett kalt erwischt hat. Das ist richtig scheisse von unserer Seite gelaufen und ich koennt jetzt drei Absaetze ueber Ursachen schreiben, aber das aendert auch nix dran.

    Ich hatte die Geschichte irgendwo unter biografisch verbucht, und dann kamen ein paar Sachen zusammen. Bei der Passage geht es eigentlich um GvG, und wenn es schon ein Unterkapitel zu GvG gibt, dann wollte ich eben auch die weiteren Quellen nennen, die sich mit ihm beschaeftigen. Und so wurde neben den anderen Netzgeschichten eben auch Buster erwaehnt. Ich stieß bei der Schreiberei drauf, dass Hackertales im Netz steht und wollte es drin wissen, damit die weiterlesen koennen, die sich fuers Thema interessieren. Vermutlich wurde da sogar noch einiges zusammengekuerzt, weils in dem Absatz vordringlich drum ging, auch jemandem nicht-netzaffinen zu erklaeren, warum GvG fuer viele so das rote Tuch war, und wenns da gar Kurzgeschichten in Buechern gibt, dann sagt das viel aus und muss erwaehnt werden.

    Das hatte ich dann auch noch mit GvG besprochen und seitdem lief der Absatz bei mir unter „extern gecheckt“, was aber insofern eben Unsinn war, weil ich nur die Passagen mit ihm besprochen hatten, die eben konkret seine eigene Arbeit betrafen. Von daher: voellig meine Schuld.

    Wie gesagt, wies zu so nem Patzer kommt, da koennte ich einiges erzaehlen, aber das aendert nix an der Sache.

    Jenseits davon – schade, wenns zu speziell rueberkommt – wir habens versucht, das Ganze auch fuer nicht-Insider lesbar zu halten, aber das ist immer ne Gratwanderung zwischen „zu insiderig“ und „fuer Insider langweilig“.

    Ich schreib da heut noch was auf dem Blog zum Buch. PDF wird korrigiert.

  3. Korrupt: Danke für den Kommentar.

    Was ich mich aber frage: Gravenreuth hat das Buch nun über zwei Wochen – und ihm ist nicht aufgefallen, dass ihr ihm einen falschen „Testkäufer“ untergeschoben habt?

  4. Ich kenn seine aktuellen Taetigkeitsbereiche nicht, aber ich haetts jetzt anmassend gefunden anzunehmen, dass sein erstes Tun nach der Party war, das Buch von vorn bis hinten durchzulesen. Das geht jetzt in Richtung der Entschuldigerei/Erklaererei, die ich eigentlich nicht anfangen wollte, aber wenn man da nicht das Augenmerk drauf hat, liest man auch drueber – ich meine mich zu erinnern, dass ich an der Passage ziemlich rumgekuerzt habe, mich wuerd nicht wundern, wenns in irgend einer uraltfassung anders gestanden waere. Korrekt waer ja der Satz „Evrim Sen schrieb beispielsweise über einen der sogenannten ‘Testbesteller’ für Gravenreuth in der BBS-Szene. Dessen Erlebnisse…“. Unterschied im Text: marginal. Wenn man da sein Bild schon im Kopf hat, liest man drueber. Wenn man betriebsblind ist wie ich es nach drei Monaten buchschreiben war, eben auch *schiefgrins*.

  5. Korrupt: Nenn mich eitel – wenn ich so prominent in einem Buch auftauche lese ich es.

    Ich hab nochmal im PDF geblättert. Ein ganz großes Rätsel bleibt mir wo Du über Kritik an Gravenreuth „umfassend“ oder auch nur „dem Platz entsprechend“ berichtet haben willst – man vergleiche wieviel Platz ihr dem Geisteszustand von Fastix gewidmet habt. Auch ein Kunststück: Mario Dolzer thematisieren, aber malvorlagen.de oder hausaufgaben.de nicht einmal erwähnen. Von solchen Episoden mal ganz zu schweigen.

    Aber wenn jemand zum Beispiel schreibt, dass das Hackers Blackbook „nicht die optimale Qualität“ hatte, darf man nicht viel erwarten.

  6. Dass da unterschiedliche Leute unterschiedliche Ansichten über Schwerpunktsetzungen haben, ist mir klar, und das wird nie so hinhauen, dass es allen gefaellt. Zugegeben, das ist trivial.
    Der Versuch der „objektiveren“ Begruendung: die Geschichte von gulli sollte erzaehlt werden. GvG ist da natuerlich ein Thema, aber zwischen dem Wirbel, der auf dem g:b oder woanders um ihn veranstaltet wurde und inwieweit er faktisch mit uns zu tun hatte, liegen Welten. Er war Anwalt in Sachen Verteidigungsministerium und machte irgendwann die Markeneintragung, und das *wars* eben auch. Verteidigungsministerium ist fuer sich eine schoene Geschichte, aber auch schon wieder eher am Rand von gulli. In der taucht er eben auf, und dann schreib ich eben auch, dass er wegen *vieler* Abmahnungen, zahlreicher konkreter Markenstreitigkeiten, umstrittener Vorgeschichte in anderen Bereichen usw. usf. unbeliebt ist, ich denke, die ganzen legendaeren bzw. internetbekannten Sachen sind aufgefuehrt und verlinkt. Es ist ein Exkurs zu einer Person, die im Rahmen einer Geschichte am Rande von gulli mit uns zu tun hatte, dafuer ist das in meinen Augen *wirklich* umfassend genug. Dass Fastix da mehr Platz hat, halte ich da auch nicht fuer wirklich erstaunlich, weil mit ihm hatten wir auch viel mehr Aerger, und den sehr direkt und im gulli-Konhtext. Trivial, ist aber so. Aehnlich gilts fuer Mario – wir haben *unsere* Geschichte geschrieben und nicht die der meistgehassten Personen im Netz (ich weiss, das sehen einige Leute als deckungsgleich an, aber nun.). Natuerlich ist das alles *unsere* Perspektive auf die Sache, und in der spielt Mario eben dahingehend eine Rolle (und spielt sie, wie man sieht, immer noch) als jemand, von dem wir uns in den Augen anderer nie ausdruecklich genug distanziert haben bzw. den wir nicht heftig genug gebasht haben. Nimms mir nicht uebel, aber grade fuehl ich mich auch ein gutes Stueck mit meiner These bestaetigt, dass es Namen gibt, die man im Netz nicht mehr in den Mund nehmen darf, ohne dabei aufs derbste zu bashen, andernfalls man sich zum Sympathisanten macht.
    Ich glaube, man kann sich gut ein Bild machen, womit die diversen Personen im Buch von sich reden machten, wie sie ihr Geld verdienten und noch einiges mehr. Ich halte es auch nicht fuer ein Defizit vom Buch, dass es dem Leser ueberlassen bleibt, was er sich fuer einen Reim drauf macht und was er schlussendlich davon haelt – dass es geht, sieht man ja. Aber gulli wars ist natuerlich hoechst subjektiv, und so war es auch von Anfang an gedacht. Alles andere waer in meinen Augen auch laecherlich gewesen. Ich glaube auch, es ist interessanter zu lesen, wie Leute ticken, als zu lesen, wie sie denken, wie die objektive Wahrnehmung ihres Tuns vermutlich haette ausfallen koennen. Ich verschachtel mich grade ein wenig, aber ich denk, du verstehst, was ich meine.

  7. Korrupt:

    Ich verstehe da ehrlich gesagt Deine Aufregung nicht. Wenn ihr *Eure Geschichte* erzählen wollt, erzählt sie. Aber das ist dann eben keine umfassende oder gar objektive Information.

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