Kommt alle mal wieder runter!

Robert Habeck hat seinen Twitter- und seinen Facebook-Account gelöscht. Ich halte den Schritt mittelfristig für einen Fehler und keine wirklich durchdachte politische Botschaft, aber ich verstehe sie menschlich.

Was ich nicht verstehe, ist der riesige Bohei, der nun darum veranstaltet wird und der sogar in meine Timelines rüberschwappt. Es gibt Leute, die ihm zustimmen und Leute, die in der Löschung mehr als ein persönliches Statement sehe. Und das ist Okay so. Was ich befremdlich finde, ist die Sprache.

Zum Beispiel bei denen, die sich auf Habecks Seite schlagen:

https://twitter.com/Schroeder_Live/status/1082311198794747905

Zum Beispiel bei denen, die sich nicht auf Habecks Seite schlagen:

https://www.facebook.com/micky.beisenherz/posts/10157331324466535

Habeck wurde gelyncht? Really? Weil er einen Trip ins Alttestamentarische unternahm??? Wovon redet ihr da eigentlich?

KOMMT MAL ALLE WIEDER RUNTER. Man kann auch über Dinge diskutieren, ohne in die absurdesten Metaphern oder Superlative zu verfallen.

Bullshit zum Duell

Eine Bullshit-Bingo-Karte für das TV-Duell zwischen Merkel und Steinbrück zu machen, erscheint mir ziemlich sinnlos. Erwarten wir wirklich, dass die beiden Politiker von den Argumentationspfaden abweichen, die sie in den letzten Wochen ausgiebig ausgetestet haben? Sollten sie Klischees vermeiden, nach denen die Zuschauer doch dürsten? Wo ist der Punkt?

Aber trotzdem müsst ihr nicht darauf verzichten: Hier ist die Bullshit-Karte für Eure Timelines. Wer auf Twitter, Facebook, Google+ oder meinetwegen in der Kneipe neben Euch vier Begriffe in Reihe verkündet, qualifiziert nicht weiter angehört zu werden. Er schaut Duelle um sich aufzuregen, zeichnet sich durch ein verengtes Denken aus und oder oder ist einfach langweilig.

shitduell

Begriffsproblem Kinderpornografie

Immer Mal wieder gibt es die Forderung, dass man in der öffentlichen Diskussion nicht „Kinderpornografie“ schreiben solle, sondern eben „Dokumentation von sexueller Gewalt“. Beide Begriffe sind in zentralen Aspekten richtig und falsch.

Die Kritiker des Begriffs „Kinderpornografie“ kritisieren, dass das Wort die unterschiedlichen Phänomene „Pornografie“ und „Kinderpornografie“ gleichstellt. Da ist sicher etwas dran, wenn man andere Ausdrücke wie „Kinderportion“, „Kinderschokolade“, „Kinderstreitigkeiten“ vor Augen hält. Demnach wäre „Kinderpornografie“ sozusagen eine kleinere, weniger ernst zu nehmende Variante von Pornografie. Ich habe auch schon die Variante „Kiddie Porn“ gehört, die ich als eindeutige Verharmlosung empfinde.

Wenn ich auch zustimme, dass der Begriff „Kinderpornografie“ alleine nicht beinhaltet, dass es sich hier um eins der schlimmsten Verbrechen in unserer Gesellschaft dreht, ist dies alleine jedoch nicht Grund den Begriff abzulehnen. So werden Begriffe wie „Kindesmissbrauch“ oder „Kindeswohl“ eben nicht als Verkleinerung des allgemeinen Begriffs benutzt, das angehängte Wort wird sogar verstärkt.

Weg von der Wortklauberei: Ein weiteres Argument ist, dass Pornografie an sich legal und vielleicht sogar positiv belegt sei. Dem würde ich mich auch nicht ganz anschließen. Zwar hat die Playboyisierung der Medienwelt, die Hugh Hefners Villa als Disneyland für Erwachsene feiert, sicher zu einem schiefen Bild des Gewerbes geführt, das solche Dinge wie Zwangsprostitution überdeckt. Auch Ausdrücke wie „voll porno“ negieren ein Problem.

Dennoch ist der zentrale Aspekt von Pornografie nicht selbstbestimmte Sexualität, sondern eben die Darstellung von Sex mit dem Ziel den Betrachter sexuell zu erregen. Wer Amateurporno auf YouPorn ansieht, woher weiß er, dass es sich dabei tatsächlich um einvernehmliche Akte handelt?

Der Ausdruck „Dokumentation sexueller Gewalt“ hat sicher den Vorteil, dass unmissverständlich klar wird, dass es hier um Gewalt, um ein Verbrechen geht. Doch das Wort „Dokumentation“ ist extrem irreführend. Es impliziert, der dokumentierte Vorgang werde ohnehin stattfinden, was im Fall der organisierten Kinderpornografie-Beschaffung und -Verteilung oft nicht so ist. Auch wenn nicht immer monetäre Faktoren entscheidend sind — der viel zitierte Milliardenmarkt existiert wohl nicht — Kinderpornografie ist auch Währung innerhalb einer Szene, die sich auch über das Internet zusammenfindet.

Gleichzeitig negiert der Begriff „Dokumentation“ den psychischen Effekt beim Betrachter. Die meisten Konsumenten von Kinderpornografie betrachten die Filme und Fotos nicht, um dem Verbrechen auf die Spur zu kommen — diejenigen, die es tun, leiden oft unter enormen psychischem Stress. Es geht um sexuelle Triebe, um Befriedigung und leider auch um Triebverstärkung. Kriminologen haben gezeigt, dass sich zumindest ein Täterkreis an den Filmen und Fotos vor tatsächlichen Übergriffen auf Kindern geradezu psychisch aufgerieben haben. Kinderpornografie macht etwas mit uns und die Veränderung liegt unter den Ebenen unseres Wesens, über die wir rationale Kontrolle ausüben. „Dokumentation“? Eher nicht.

Was bleibt also zu tun? Wir haben zwei unperfekte Begriffe. In meinen Augen sollte man daher beide in den entsprechenden Kontexten verwenden und ihre Defizite dabei nicht außer acht lassen.

Die Globalization, die

Aufbauend auf Impulse aus Lightroom 3, Lightroom 4 bringt interessante neue Funktionen für Amateur eines Profi-Fotografen bei neuen niedrigeren Preis. Das Release enthält 12 Sprachen…

Kein Unfall, die Texte in dem Blog lesen sich alle so. Sehr schön auch der Titel des Blogs:

Adobe Globalization – Die Adobe Globalization Team ’s blog

Peinlicher Sprachmischmasch oder will jemand den Tod der Adobe-Globalisierung? Nun, der erste Schritt ist getan, wenn man 16 Sprachversionen mit Texten ankündigt, die selbst Phisher als unzureichend ablehnen würden. Aber wer Deutsch spricht, kann kein schlechter Mensch sein. Und Adobe kann sich bei der schlechten Wirtschaftlage (nur 185 Millionen Dollar Netto-Gewinn im ersten Quartal) nun wirklich keine Übersetzer leisten.

Der so genannte Schultrojaner

Odsseus: *Klopf Klopf*
Hektor: Wer da?
Odysseus: Wir sind’s die Griechen. Wir holen Helena ab.
Hektor: Nur über meine Leiche. Mein Bruder wird dies niemals zulassen.
Odysseus: Doch, sicher. Sieh her: er hat die Kapitulation unterschrieben.
Hektor: Niemals!
Paris: Doch, das hab ich unterschrieben. Helena hat schon gepackt. Komm rein, Odysseus.
Hektor: Moment Mal!
Odysseus und Hektor: Ja…?
Hektor: Da fehlt doch etwas. Wo ist das Pferd?
Odysseus: Welches Pferd?

Lange Rede, kurzer Sinn. Der „sogenannte Schultrojaner“ ist kein Trojaner. Er wird nicht ohne Wissen der Administratoren installiert, er kommt durch keine Backdoor und installiert auch keine, er versteckt sich nicht hinter anderen Funktionen.

„Schultrojaner“ ist lediglich ein Kampfbegriff, eine Stimmungsmache, die die falschen Ängste weckt. Das erspart einem zwar viel Erklärungsarbeit, wo jetzt genau der Skandal liegt und sorgt für schnelle politische Ergebnisse, aber es ist dennoch ein irreführender Kampfbegriff. Und wenn man das bei Politikern schlimm findet, sollte man selbst sorgsam mit der Sprache umgehen.

Wasserdicht

Gestern ging folgender Satz durch die Medien — ich hab ihn in der Tagesschau gehört und er steht auch in einer dpa-Meldung:

Die Energiekonzerne zweifeln, ob die geplante stufenweise Abschaltung der neun verbleibenden Kernkraftwerke juristisch wasserdicht ist.

Eine andere Meldung des Tages:

Doch es passt ins Bild, dass die Strahlengefahr im Keller lauert. Dort haben sich inzwischen 105.000 Tonnen hochradioaktiven Wassers gesammelt, das seit Wochen zur Kühlung in die Gebäude gepumpt wird. Die strahlende Brühe droht nun aus den Kellern der geborstenen Gebäude überzulaufen und wieder einmal in den Pazifik zu gelangen.

Ich weiß, die Verknüpfung dieser beiden Meldungen anhand der blumigen Wortwahl von Journalisten ist kein Argument, es gibt hier keine logische Verknüpfung. Nennen wir es trotzdem einen Denkanstoß.

Todeskrake Facepalm!

Gestern wurde auf der re:publica darüber gesprochen, wie diskriminierend Wörter wie „Internet-Aktivist“ oder „Datenkrake“ gegenüber der Internet-Gemeinde doch sind. Das konnte die „BILD“ natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Wer heute in Berlin seine Brötchen holen geht, wird von dieser Schlagzeile begrüßt:

Bedingungsloses Grundgehalt

Was verdient man so als Deutschlands prominentester Manager-Export? Wir wissen es zumindest ungefähr:

Ex-SAP-Chef Léo Apotheker wird an der Spitze des Computerkonzerns Hewlett-Packard üppig entlohnt. Er wird in den ersten zwei Jahren ein Grundgehalt von 1,2 Millionen Dollar beziehen, wie aus einer HP-Mitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC hervorgeht. […] Die jährlichen Bonuszahlungen können zwischen 200 und 500 Prozent des Grundgehalts betragen.

Ich bin wahrhaftig kein Sprachpapst, aber wenn der Bonus mindestens 200 Prozent des Grundgehalts beträgt, dann würde ich sie zum Grundgehalt zählen. Sie werden ja offenbar ohne weitere Bedingung ausbezahlt und sie können die Schwelle von 200 Prozent selbst bei schlechter Leistung des Managers oder Verlusten des Unternehmens nicht unterschreiten. Neben seinen Umzugskosten von 2,9 Millionen US-Dollar, dem Antrittsbonus, den Aktienoptionen im Wert von 50 Millionen Dollar und sonstigen Vergünstigungen wie Management-Versicherungen kassiert Apotheker also 3,6 Millionen US-Dollar Grundgehalt.