Vorsicht beim Notebookgebrauch in der Öffentlichkeit!

Über diesen Lawblog-Eintrag bin ich auf diese Pressemitteilung der Polizeiinspektion Wolfsburg gestoßen.

Zusammengefasst: Jemand hat die Polizei gerufen, weil eine „verdächtige Person“ auf einer Parkbank mit einem Notebook im Internet surfte. Die Polizisten fanden einen 22jährigen vor, der bestätigte, dass er das getan habe. Hier hätte die Geschichte zu Ende sein können. Stattdessen wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet und per Pressemitteilung wird ein Geschädigter gesucht.

Ich habe mir die Freiheit genommen, bei der Polizei in Wolfsburg nachzufragen. Das Ermittlungsverfahren lautet auf Verdacht auf Ausspähen von Daten. Nicht nur das: das Laptop wurde sichergestellt und soll irgendwann – der Vorfall ist mittlerweile fast drei Wochen her – auf Verbindungsprotokolle untersucht werden. Außerdem wollen die Polizisten auf dem Laptop nach Hacker-Tools suchen.

Was die Beamten vermutlich nicht wissen, aber zum Beispel schon in der Lokalpresse nachzulesen ist: in Deutschland gibt es immer mehr Accesspoints die aus Absicht offen gelassen werden, damit jedermann im Internet surfen kann. Selbst wenn der Zugang unabsichtlich offen gelassen wird, ist das reine Internetsurfen kein Ausspähen von Daten – das Gesetz sieht nämlich eine Sicherung der Daten vor. Wenn wie in der Pressemitteilung vermutet „außergewöhnliche Kosten“ verursacht worden sein sollen – bestände meines Wissens höchstens ein zivilrechtlicher Anspruch.

So schreibt es auch Rechtsanwalt Jörg Heidrich in c’t 13/2004:

Juristisch ist in solchen Fällen nicht allzu viel zu befürchten. Ist das WLAN nicht gegen einen Zugriff durch unerwünschte Dritte geschützt, so besteht nach derzeitigem Stand der juristischen Diskussion kein strafrechtlicher Schutz für deren Nutzung. Der Betreiber hat allenfalls einen zivilrechtlichen Unterlassungs- sowie einen Erstattungsanspruch hinsichtlich der Kosten, die durch die ungenehmigte Nutzung entstehen.

Fassen wir zusammen: Jemand nutzt – höchstwahrscheinlich völlig legal – seinen Laptop in der Öffentlichkeit. Folge: der Computer wird auf unbestimmte Zeit konfisziert und seine Privatdaten werden durchsucht, weil er ja das Laptop zu einer illegalen Tat genutzt haben könnte, die niemand beobachtet hat und zu der es keinen Geschädigten gibt.

Notizen: Es gibt Hartz-IV-Gewinner

Einige Notizen zur Unterschichten-Debatte:

Die taz bringt heute zum Thema Unterschicht sechs Fragen und Antworten

Macht Hartz IV arm?

Jein. Nach einer Studie des Nürnberger IAB-Instituts haben 53 Prozent der bedürftigen Haushalte durch die Reform Geld verloren, 47 Prozent haben etwas dazugewonnen.

Interessant ist der Begriff „Prekariat“. Was ist das eigentlich?

Die Wikipedia-Community hat sich natürlich direkt an die Arbeit gemacht und schreibt:

Prekariat ist ein Neologismus der Soziologie, geformt aus Teilen des Wortes Prekarität (Adj.= pre|kär [lat.-frz.] peinlich, schwierig) und Proletariat und definiert „ungeschützte Arbeiter“ als eine neue soziale Klasse.

Es gibt auch einen älteren Artikel über die Prekarisierung, seine Neutralität ist aber wie bei vielen Wikipedia-Artikeln zu sozialen Themen umstritten. Ein weiteres Stichwort ist die Neue Unterschicht. Ich erwarte in diesen und weiteren Artikeln in nächster Zeit erbitterte Diskussionen, Editwars und wüste Beschimpfungen. Immerhin kann man schon einige Fakten und Links herausziehen, die in der allgemeinen Berichterstattung untergehen. So zum Beispiel ein WDR-Interview mit dem Leiter der Studie, die so große Diskussionen ausgelöst hat – aber erst Mitte Dezember veröffentlicht werden soll.

Aktion leere Mailbox

Nachdem ich am Wochenende 1600 Mails aus meinem Posteingang geschaufelt habe – und ich rede nicht von Spam oder Mailinglisten – habe ich mir vorgenommen, meine Mailbox sauber zu halten. So wich ich jetzt nicht alle paar Monate sondern ständig meine Inbox aufräumen.

Vorteile

  • Ich erspare mir lange Aufräumaktionen.
  • Der Maileingang wird übersichtlicher, ich sehe mit einem Blick welche Mails ich noch bearbeiten muss und Aufgaben noch anstehen.
  • Ich werde meien Antwortzeiten reduzieren können. Selbst nicht dringende Mails werden entweder in wenigen Tagen beantwortet oder auf eine Wiedervorlage gesetzt.
  • Suchen werden reduziert. Wenn alles am rechten Platz ist, muss ich nicht mehr die doch recht langsame Suchfunktion von kmail strapazieren.

Wie will ich das erreichen?

  • Sofortiges manuelles Sortieren.
  • Eine durchdachtere Ordnerstruktur – so werde ich zu einzelnen Recherchekomplexen gesonderte Ordner anlegen, anstatt alles in den Ordner „Recherche“ zu packen.
  • Markieren von Mails. Mein Mailprogramm kmail unterstützt das Markieren von Mails als Wichtig oder als Aufgabe.
  • Mehr Filter. Viele Absender kann man einem Ordner zuordnen – man will sie aber nicht sofort aus dem posteingang sortieren. Deshalb werde ich diverse Filter anlegen, die den Posteingang nachträglich aufräumen. Mails werden nur wegsortiert, wenn sie schon zwei bis drei Tage in der Inbox waren oder schon beantwortet wurden.

Mal sehen, was aus dem guten Vorsatz wird.

Nachtrag Diekmann-Paparazzi

Die Bildblog-Aktion hat viele Reaktionen hervorgerufen. Das Bildblog verlinkt Ablehnung und Zustimmung. (Kritik zu verlinken, ist ein Merkmal der „Guten“ der Blogosphäre.) Dass das „Blog“ Spiegel Online inmitten von gewöhnlichen Blogs verlinkt wird, kann wohl aus augenzwinkende Boshaftigkeit verstanden werden.

Seien wir realistisch: das Bildblog muss sehen wie es weitergeht. Die ewigen Korrekturen von Nichtigkeiten – ist der Trainer der venezualischen Nationalmannschaft 38 oder 53 Jahre alt? – hat seinen Höhepunkt überschritten. Mag das Bildblog auch zehn Mal auf den Top-Listen stehen – man muss sehen wie es weiter geht. Man kann sich auf einem Grimme-Preis ausruhen – aber nicht auf ewig.

Bildblog hat aus meiner Sicht verschiedene Optionen. Dass Bildblog einfach stur weitermacht wie bisher, ist keine Option. Jeder Bildblog-Leser weiß inzwischen von den Manipulationen der größten Boulevard-Zeitung Deutschlands. Repetita non placent – Wiederholungen gefallen nicht. Wenn man die tausendste Wiederholung der Litanei „Bild.de publiziert grenzwertige Inhalte“ oder „Bild anonymisiert nicht richtig“ gelesen hat, wird man die Seite nicht mehr aufrufen. Auch Bildblogger wollen leben.

Das Bildblog muss neue Methoden und neue Themen ausprobieren. Und natürlich müssen Blogs Grenzbereiche ausloten. Wer sich über die das Leserreporter-Experiment mokiert oder die Aktion hochjubelt, ohne die Seitenaspekte zu berücksichtigen, agiert blogtypisch eindimensional. Dafür oder Dagegen. Einige Blogger versehen den jeweiligen Standpunkt mit vielen Ausrufezeichen, aber selten mit Tiefe.

Einige der Seitenaspekte: wer meint, dass Diekmann plötzlich von Tausenden Hobby-Paparazzi belagert wird, überschätzt das Bildblog. Blog-Leser sind immer noch eine Minderheit – Leute, die tatsächlich wegen Blog-Postings aktiv werden sind noch bedeutend seltener. Dazu kommen die finanziellen Aspekte: Bildblog hat weder das Budget für Prämien auf Bild-Niveau, noch die Rechtabteilung des Springer-Verlags. Es gehen also bedeutend weniger Bilder ein und die Blogger werden bei der Auswahl etwas mehr Vorsicht walten lassen. Reichweite spielt eine Rolle. Wer Millionen Leser erreicht, hat mehr Verantwortung als der, der Tausende erreicht, Wer Geldprämien aussetzt, hat mehr Verantwortung als der, der schlicht um Mitwirkung bittet. Das bedeutet natürlich nicht, dass kostenlose Mitwirkung frei von jeder Verantwortung ist.

Die Aktion ist Teil einer Kampagne – sort of. Bildblog will Reaktionen von Bild provozieren. Reaktionen, die über die üblichen abfälligen Bemerkungen seitens der Springer-Verantwortlichen hinausgehen. Und Bildblog will Reaktionen seiner Leser provozieren – werden sie mehr machen als nur Links anzuklicken und „sachdienliche Hinweise“ zu mailen. Ansonsten würden die Bildblogger auf ewig als kostenloses Korrektorat des Springer-Verlags fungieren.

Das Leserreporter-Experiment hat sehr spannende Aspekte: Kann das Bildblog seine Leserschaft so motivieren, dass wirklich Bilder von Diekmann geschossen werden – ohne die 500 Euro Honorar? Werden die Bildblog-Leser etwas bewusster mit dem Persönlichkeitsrecht umgehen als die BILD-Leser? Wird das Bildblog verantwortungsbewusster umgehen als die BILD-Redaktion? Und: Wer will schon verantwortungsbewusste Inhalte lesen?

Investigative Gosse

Manche Leute haben wirklich keine Achtung vor Menschen, wenn es ums Geldverdienen geht. Und so benutzen manche Sender das Label „investigativ“, wenn es nur um Schmutz und Entwürdigung geht.

Ein Beispiel scheint mir Carl Monday zu sein, den ich durch diesen Clip der „Daily Show“ entdeckt habe. Ein junger Mann wurde beim Masturbieren in einer Bibliothek erwischt. Carl Monday konfrontiert ihn nicht nur vor einem Millionenpublikum, sondern geht auch die Familie so aggressiv an, bis der Vater handgreiflich wird. Und immer schön die Kamera drauf. Die Daily Show nahm das zum Anlass für einen kleinen Beitrag, indem die Methoden von Monday veralbert werden. Als Höhepunkt lauerte Jason Jones mit einem Kamerateam am Parkhaus auf Monday.

Die Geschichte um Carl Monday hat noch einen weiteren Dreh, denn als investigativer Reporter muss man heutzutage natürlich auch ein Weblog führen, und so berichtet Monday über die Konfrontation und kündigt anschließend sogar stolz den Ausstrahlungstermin an.

Remember, this is Comedy Central so don’t take it too seriously, folks.

(In den Blogruf-Kommentaren habe ich gelesen, dass ein Team von Friedrich Küppersbusch zu Zeiten von „Privatfernsehen“ das Gleiche einmal mit Monica Lierhaus durchgespielt hatte, als die bei Sat1 eine Boulevardsendung moderierte. Allerdings war diese Konfrontation wohl deutlich härter.)

Pornical

Die taz ist die ideale Zeitung zum Bloggen. Ich lese sie auf Papier und kann die Artikel anschließend im Volltext verlinken.

Neu ist mir dieser Vergleich aus dem Artikel Unvermitteltes Poppen von Manuela Kay:

Gerne wird Porno ja auch mit dem Genre Musical verglichen. Im Musical setzt unvermittelt Musik ein und die Darsteller beginnen plötzlich – oftmals in völlig unpassender Umgebung wie Straßen oder öffentlichen Verkehrsmitteln – zu tanzen und zu singen. Ähnlich verhält es sich mit dem Geschlechtsverkehr im Porno, der oft ansatzlos und in unvermuteter Umgebung stattfindet.

Diesen Satz will ich jedoch nicht zuende denken:

Porno ist so männlich wie Politik