Archive for the tag 'Privatsphäre'

Bringen wir Twitter das Vergessen bei

Die Twitter-Auswerte-Dienste nehmen so langsam überhand. Da wäre es doch schön, wenn die versammelte Re:Publica-Besucherschaft sich mal die Lehren aus der ersten Keynote von Viktor Mayer-Schönberger zu Herzen nimmt: Nützliches Vergessen. Muss denn alles aggregiert und ausgewertet werden?Was schert es die anderen, was ich vor drei Wochen, Monaten oder Jahren twitterte? Wo bleibt der Kontext, wo die Privatsphäre?

Was wäre einfacher und sinnvoller, als Twitter das Vergessen beizubringen? Ein kleines Skript, dass es jedem Twitter User einfach ermöglicht, die Beiträge ab einem gewissen Alter wieder vom Server zu löschen.

Was meint Ihr? Freiwillige Coder vor!

StudiVZ - Mal was positives

Um nicht in den Ruf eines Mecker-Bloggers zu geraten: ich sehe durchaus auch positive Entwicklungen.

So hat StudiVZ seine Privatsphären-Optionen überarbeitet. Um personalisierte Werbung abzuschalten, muss man nur noch die Privatsphären-Einstellungen aufrufen, dort auf den Kartenreiter ganz rechts klicken, sich das Kleingedruckte sehr genau durchlesen, den untersten Link klicken und anschließend gegen den subtil formulierten Ratschlag von StudiVZ handeln. (Wenn man auf den vorletzten Link klickt, kann man auch den Emails mit den Botschaften der StudiVZ-Werbepartner widersprechen.)

Neue Werbeeinstellungen bei StudiVZ

Das klingt nicht besonders positiv, meint Ihr? Nun, vorher sah es so aus.

StudiVZ-Mitglieder klaglos oder ahnungslos?

Eben ist folgende Meldung hereingeschwappt.

Die breite Masse von Social-Community-Mitglieder hat gegen die Vermarktung ihrer persönlichen Daten nichts einzuwenden. Es war offenbar nur ein Sturm im Wasserglas, den einige Protestanten Ende vergangenen Jahres gegen die neuen AGB bei der Studentencommunity StudiVZ da auslösten. Die Mehrheit der StudiVZ-Mitglieder macht die neuen Werbestrategie jedoch sang- und klanglos mit.

Zur Realitätskontrolle habe ich mich mal bei StudiVZ eingeloggt. Zwar muss man nun die neuen AGB akzeptieren, über die neue Verwendung der persönlichen Daten erfährt der Nutzer erst nach ausgiebiger Lektüre etwas. Und wie man das Ganze abschaltet, steht auch nicht oben in den FAQ, sondern unten, im Kleingedruckten.

StudiVZ AGB-Einstellungen

Nach 10 Minuten ausführlichen Suchens konnte ich die in erwähnte Option “Einstellungen zur Verwendung meiner Daten” nicht finden. Weder auf der Startseite, nicht im eigenen User-Profil, auch nicht unter dem Punkt “Privatsphäre” oder “Datenschutz”.

Erst Google brachte mich weiter: In dem Blog Suchtwolke habe ich eine Klick-für-Klick-Anleitung zum Auffinden der Werbeeinstellungen gefunden:

1. Einloggen

2. Ganz unten in der Leiste, die mit “Presse” beginnt und mit “Verhaltenskodex” endet, auf “Datenschutz” klicken.

3. Dort dann auf [ Datenschutz-Erklärung ] klicken.

4. Ganz unten auf [ Einstellungen zur Verwendung meiner Daten ] klicken.

5. Alle Häckchen ausstellen und die Sache speichern - fertig.

Sprich: Die Einstell-Möglichkeit wurde gezielt versteckt. Wer die Datenschutzerklärung findet, muss erst zwei Seiten nach unten scrollen um dort den ganz kleinen Link auf die Einstellungs-Seite zu finden.

Das Unternehmen glaubt offenbar nicht daran, den User selbst entscheiden zu lassen und baut darauf, dass die Kommunikation auf der Plattform denkbar schlecht ist. Wäre es anders, hätten sie die Optionen schlichtweg in die Privatsphären-Einstellungen integriert oder wenigstens in den FAQ einen Link auf die Einstellmöglichkeiten gesetzt.

Dass die Strategie funktioniert, ist dennoch deprimierend. Vielleicht auch für die Werbekundschaft - wer auf solche Tricks reinfält, wird nie zum zahlungskräftigen Kunden werden.

ZDF regelt die Privatsphäre

Das ZDF hat in einem Bericht über das Privatleben online sieben goldene Regeln parat.

Mein Lieblings-Tipp:

Wenn Sie mit Ihrer persönlichen Homepage nicht bei Suchmaschinen erscheinen möchten, wenden Sie sich an die Betreiber der Suchmaschinen.

Vielleicht sollte man besser jemanden fragen, der sich mit dem Internet auskennt.

Pimpbook

Und wieder mal ein Aufreger in den USA: registrierte Sexualstraftäter bei Facebook. SpOn schreibt:

Blumenthal teilte den Medien mit, die Behörden hätten mindestens drei verurteilte und registrierte Sexualstraftäter auf Facebook ausgemacht. Chris Kelly, der Datenschutzbeauftragte von Facebook, bestätigte, man habe entsprechende “Aktivitäten registriert”.

Bei den aufgespürten Straftätern handle es sich wahrscheinlich nur die “Spitze des Eisbergs”, sagte Blumenthal. Die Verbrecher nutzten Facebook unter ihrem richtigen Namen und seien daher leicht zu entdecken gewesen. Es könnte jedoch noch Tausende weitere Straftäter geben, die unter einem Pseudonym registriert sind. Facebook solle seine Nutzerprofile daher wie MySpace nach denen von Sexualstraftätern durchforsten, forderte Blumenthal.

Nun - vielleicht sollte man noch erwähnen, dass nicht nur finstere Pädophile in solchen Datenbanken registriert werden, sondern auch Leute, die eine Prostituierte aufsuchen wollten und stattdessen auf einen Polizei-Lockvogel hereingefallen sind. Wir kennen das alles aus wahnsinnig lustigen US-Comedy-Serien - für die betroffenen ist es jedoch bitterer Ernst. Es wäre spannend zu erfahren, ob etwa auch Hugh Grant oder George Michael in einer solchen Datei erfasst waren.

Die Gesellschaft muss sich die Frage stellen: sind Netzwerke wie Facebook ein eingezäunter Kinderspielplatz oder Teil der gesellschaftlichen Realität wie ein Geschäftsviertel oder eine Tankstelle? Wenn man ein Portal, das sich zunehmend an Erwachsene richtet, den Regeln des Kinderspielplatzes unterwirft, schließt man Menschen von einem immer wichtigeren Lebensbereich aus. Führt man den Gedanken etwas fort, könnte man die Datenbank der Sexualstraftäter auch an Tankstellen übermitteln - denn der registrierte Sextäter könnte den Treibstoff ja nutzen, um zu einem Kind zu fahren und es zu missbrauchen.

Nachtrag: Atze Schröder

Vorgestern habe ich über die juristischen Auseinandersetzungen über den bürgerlichen Namen des TV-Comedians Atze Schröder berichtet. Die kuriose Situation: Obwohl die Pressekammer des Landgerichts Hamburg dem Comedian eine eindeutige Abfuhr erteilt hat, liegt dort kein Urteil zur Sache selbst vor.

Ein solches Urteil liegt hingegen in Berlin vor. Das Landgericht Berlin bewertet die selbst gewählte Anonymität des TV-Prominenten als höchst schützenswert und hat einem Bremer Zeitungsverlag per Einstweiliger Verfügung verboten, den öffentlich längst bekannten Namen zu erwähnen. Dieser Verlag hat nun die juristischen Waffen gestreckt und will nicht länger gegen das Urteil vorgehen.

Sprich: die Rechtssicherheit wird es auf absehbare Zeit nicht geben, bis sich mal wieder ein Verlag sich entschließt elementare Arbeitsgrundlagen auch juristisch zu verteidigen. Privatsphäre in allen Ehren, aber wenn schlichtweg jeder öffentlich bekannte Fakt mit diesem Argument weggeklagt werden kann, können Journalisten nicht mehr ernsthaft über solche Personen berichten. Denn im Nachhinein kann irgendein Detail eines Berichts ja wieder Grund für Klagen und Einstweilige Verfügungen werden.

Fasst die Bildblog-Terroristen!

Irgendjemand hat den Luxuswagen des BILD-Chefredakteurs Klaus Diekmann angezündet. Direkt nach dem Anschlag wussten die Kollegen in den Agenturen: Das hat mit G8 zu tun. Der Staatsschutz ermittelt, geht von einem politischen Hintergrund aus.

Im Zuge eines schnellen Ermittlungserfolges sollten die Behörden bei den Bildbloggern vorbeischauen. Ich bin mir fast sicher, dass sich auf den Computern von Stefan Niggemeier und den Kollegen sehr viele Hinweise auf Herrn Diekmann finden werden. Geht man nach diesem Telepolis-Artikel, reicht das ja als ganz heißer Verdachtsmoment aus. Mehr noch: die Bildblogger haben konspirativ öffentlich Diekmann hinterhergeschnüffelt. Ob sich da auch das Foto eines Autos findet? Das wäre fast ein Schuldeingeständnis.

Und so ist es auch nicht merkwürdig, dass ausgerechnet auf bild.de dieser Anschlag noch nicht zu finden ist - stattdessen wurde die aktuelle Wasserstandsmeldung von Seehofers Affäre zum Titel aufgeblasen: In vier Wochen ist der Geburtstermin. Wahrscheinlich eine ermittlungstaktische Maßnahme. Steigen die Bildblogger auf diese Vorlage ein, könnten sie sich verraten.

Zwei weitere Verdächtige will ich aber nicht verschweigen. Nummer Eins ist Steffi, das Girl von Seite 1. Provokativ hat sie dem BILD-Reporter ausgerechnet an diesem Tag das Statement “Ich bin Feuer und Flamme” in den Steno-Block diktiert. Und natürlich darf man die Leute von Business News nicht vergessen. Die verkünden enttäuscht “Diekmann lebt!” Wollten Sie ihm wegen der geklauten Idee des Berlin-Umzugs ans Leben?

PS: Knapp zwei Stunden nach meinem Eintrag erschien doch eine sehr kurze Kurzmeldung in dem bild.de-Newsticker. Keine Fotos, keine weiteren Infos. Schön, wenn selbst das Boulevard die Privatsphäre der Opfer schützt…

Wir glauben an den Weihnachtsmann

Ein interessanter Artikel beim Tagesspiegel:

In einem Schreiben an den Tagesspiegel am Sonntag versichert Tele 2, nur Adressen von renommierten Adressanbietern zu erwerben, bei denen wirksame Einwilligungserklärungen der Kunden vorlägen.

Da steht wohlgemerkt renommiert, nicht etwa seriös oder glaubwürdig. Mal im Ernst: fällt Euch ein Adresshändler ein, dem ihr Eure Daten guten Gewissens anvertrauen würdet? Nachdem ich mal den Nachsendeeintrag der Post in Anspruch hatte, habe ich selbst zu deutschen Institutionen kein übersteigertes Vertrauen mehr.