Archive for the tag 'Geschäftsmodell'

Nachhaltiges zwitschern

Ich persönlich habe es nie benutzt, aber die SMS-Anbindung von Twitter war eines der Features, das den Dienst in vielen Ländern populär gemacht hat. Nun hat Twitter mal eben die Auslieferung der SMS außerhalb von Nordamerika ohne Vorwarnung gestoppt. Vage Hoffnung: Twitter will lokale Zugangsnummern einrichten. Irgendwann. Vielleicht.

In diesem Thread gibt es auch ein paar Zahlen:

It pains us to take this measure. However, we need to avoid placing undue burden on our company and our service. Even with a limit of 250 messages received per week, it could cost Twitter about $1,000 per user, per year to send SMS outside of Canada, India, or the US. It makes more sense for us to establish fair billing arrangements with mobile operators than it does to pass these high fees on to our users.

Warum hat man dann diesen wahnsinnig teuren internationalen SMS-Versand überhaupt eingeführt? Statt das Problem zu lösen und billigere Alternativen zu fördern, hat Twitter die Entwicklung verschlafen und ist ohne die warme Gelddecke der Investoren aufgewacht. Der für Twitter ohne externe Kosten verbundene Versand über Instant-Messaging-Dienste ruht nach wie vor.

Mail von VistaPrint

Mein Vater hatte vor etwas über einem Jahr Gratis-Visitenkarten bei VistaPrint bestellt. Und bekam seitdem fast täglich eine neue Mail mit tollen Produkthinweisen, Sonderangeboten, Gewinnspielen. Dass das viel zu viel ist, weiß VistaPrint offenbar selbst. Wer sich abmelden will, bekommt folgenden Kompromiss angeboten:

Wir sind dem Link “Abmelden” gefolgt, haben eine kleine Umfrage zu den Gründen beantwortet und konnten dem Lockangebot eines pauschalen 25-Prozent-Rabatts auf VistaPrint-Produkte widerstehen. Und was bekommt mein Vater am nächsten Tag? Eine weitere Mail von VistaPrint:

Wir möchten uns für Ihr Vertrauen in VistaPrint bedanken! Da wir großen Wert auf Ihre Meinung legen und stets darum bemüht sind unser Service für Sie zu verbessern, bitten wir Sie um Ihr Feedback und laden Sie dazu ein an unserer Umfrage teilzunehmen.

Um an unserer Umfrage teilzunehmen klicken Sie bitte hier.

Als Dankeschön für Ihr Vertrauen und Ihre Zeit möchten wir Ihnen, einige unserer beliebtesten Produkte zu einem großartigen Preis anbieten.

Offenbar haben wir meinen Vater nur von der Mailingliste für Sonderangebote und Sonderverkäufe abgemeldet, nicht aber von dem Verteiler für Vertrauensdank und Umfragen in Verbindung mit großartigen Preisen.

Ob diese merkbefreite Kamikazekommunikation auch patentiert ist?

Keine Angst vor Craigslist

Seit zwei Wochen gibt es Craigslist auf Deutsch. Mit hohen Erwartungen.

Grund genug, sich das Angebot für Köln mal genauer anzusehen. Fast eine Million Einwohner, Zigtausende von Studenten, viele Medien-Menschen, da muss Craigslist doch brummen. In Nullkommanichts.

Was haben wir denn da? In der ersten Rubrik Communities Allgemein finde ich tatsächlich vier Anzeigen. Zwei Mal Spam eines Medikamentenvertriebs, einmal Werbung für eine wahnsinnig tolle Community, und eine Bitte, an einer Online-Umfrage der Jacobs-University in Bremen teilzunehmen. Sicher. Gerne.

Okay, vielleicht ist diese Rubrik wenig ansprechend, weil sie zu allgemein gestaltet ist. Schauen wir mal bei den Immobilien rein. Büro/Handel: nichts. Nada.
Ferienwohnungen fünf Angebote seit dem Deutschland-Start, davon nur eines mit Kölner Ferienwohnungen - aber ohne konkrete Angebote. Bei den Wohnungsangeboten gibt es drei Anzeigen: zwei Wohnungen und ein Vermittlungsservice, der als ersten Schritt die Erstellung eines Kredit-Profils empfiehlt.

Okay, das war wieder nichts. Sind die Subprimes schuld? Vielleicht hat Craigslist bei menschlicheren Bedürfnissen seine Stärken? In der Rubrik Sie sucht ihn wartet seit einem Monat eine 59jährige Kalifornierin auf einen Deutschen, der zu ihr nach Südkalifornien zieht. Und eine 45jährige Amerikanerin, die temporär in Köln wohnt, sucht sozialen Anschluss samt Sprachnachhilfe. Niedlich: Statt Sülz, schreibt sie “Solz”. Eine amouröse und orthografische Herausforderung.

Bei der in Köln sicher klischeehaft beliebten Rubrik Er sucht ihn sieht es nicht besser aus: Ein Kanadier möchte einen “german bottom boyfriend”, ein Athletic Bi Student sucht “nsa fun”. Ob er gemeinsam Telefone abhören will?

Lange Rede, kurzer Sinn: die deutschen Medien haben nicht allzu viel zu befürchten. Bis die Anzahl der echten Anzeigen den nutzlosen Spam überwiegt, dauert es wohl noch eine ganze Weile. Es reicht halt doch nicht lieblos eine deutsche Sprachversion zusammenzustoppeln, um den Markt aufzurollen.

Immer was Gutes

Die Geschichte von der Sex-Auktion rollt grade durch die versammelten Medien. Kurzfassung: auf einer Webseite können sexuelle Kontakte meistbietend versteigert werden - die zahlenden Kunden bleiben beim Austausch der Körperflüssigkeiten anonym. Nachdem eine Frau schwanger wurde, hat das Stuttgarter Landgericht den Betreiber verpflichtet, der werdenden Mutter die Namen von sechs potenziellen Vätern zu verraten. Für das Geschäftsmodell der diskreten Sex-Auktion keine gute Nachricht.

Was macht der Betreiber der Seite? Er bringt eine Presse-Mitteilung zum Urteil heraus.

Das Landgericht Stuttgart bestätigt in seinem Gerichtsurteil vom 11.01.2008, dass die käufliche Liebe im Internet per „Auktion“ unter Berücksichtigung der liberalisierten Auffassung, die sich heute allgemein durchgesetzt hat, nicht als „sittenwidrig“ bewertet wird.

Dies bestärkt das Stuttgarter Unternehmen Domosoft.de GmbH - Betreiber des Lifestyle-Marktplatzes für aufgeschlossene Erwachsene „gesext.de“ – darin, auf dem richtigen Weg zu sein.

Kein Wort von Schwangerschaft und Sanktionen gegen den Seitenbetreiber.

PS:

Gesext überlastet

Open Source für alle - Amazon zahlt

Dass man mit dem Verkauf von T-Shirts keine ernsthafte Entwicklungsarbeit bezahlen kann, hat sich inzwischen herumgesprochen. Miro geht einen für mich neuen Weg: Unterstützer sollen die i ♥ miro firefox extension installieren.

I ♥ Miro is the easiest way ever to support the Participatory Culture Foundation, the non-profit charitable organization (501c3) that makes Miro.

Just install this Firefox extension and anytime you shop at Amazon.com a small portion of the proceeds will go to support Miro (it doesn’t cost you anything). Try it out and help us build the open source video world.

Ich weiß nicht, ob das unbedingt im Sinne von Amazon ist -schließlich will die PCF Provisionen kassieren, obwohl die überhaupt keine Produkte bei Amazon empfohlen haben. Die Extension spiegelt dem Amazon-Server das aber vor. Immerhin: fremde Referral IDs sollen nicht überschrieben werden.

Verlage haben nichts gegen Google

Manchmal könnte man meinen, Verlage hätten etwas gegen Google. Aber das scheint nicht mehr so zu sein. Wie könnte man sich wohl folgende Anzeige erklären, die ich auf sueddeutsche.de entdeckt habe?

Google-Anzeige “Garantierte Auflage”

Kann man Coolness abonnieren?

Golem schreibt:

Amazon hat in den USA für manche Produkte einen “Subscribe & Save”-Dienst vorgestellt. Damit lassen sich z.B. Haushaltsprodukte nicht nur einmalig ordern - sie kommen vielmehr auf Wunsch in regelmäßigen Abständen automatisch per Post ins Haus.

Ob man auch den neusten iPod abonnieren kann?

StudiVZ wird leben…

…solange sich die StudiVZ-ist-sooooo-scheiße-Gruppen immer noch bei StudiVZ finden. Und nicht etwa bei Facebook.

PS: On sich das Thema nicht für einen dieser provokativ-viralen Werbespots eignet? Eine Bande von Rowdies stürmt in das Studivz-Büro und zerschlägt alles, was nach Werbung aussieht. Zur Krönung wird der Laden angezündet. What’s your message?

Wenn Konsumentenschutz Geld bringt

Der Ripoff Report klingt nach einer tollen Idee. Wenn ein Konsument von skrupellosen Kredithaien, unzuverlässigen Online-Händlern und schmierigen Spammern aufs Kreuz gelegt wird und bei Polizei und Staatsanwaltschaft keine Hilfe bekommt - dann legt er einfach selbst eine Akte an. Im Internet. Im Ripoff Report. Und jeder kann es lesen und wird davor gewarnt, den gleichen Fehler zu wiederholen. Ripoff Report ist kompromissloser Konsumentenschutz - oberstes Prinzip: der Ripoff Report löscht keine Verbraucherbeschwerden! In deutschsprachigen Landen sind solche Foren auch bekannt - und haben auch schon diverse negative Erfahrungen gemacht.

Nicht so beim Ripoff Report. Denn dort müssen Unternehmen nicht klagen - hier gibt es das Programm Corporate Advocacy:

If youve had a negative complaint filed about your company on the Internet, help is just a click away. Ripoff Reports Corporate Advocacy Program is a Web-based program that helps you put a restitution plan in place to right customer wrongs, turn bad buyer experiences into good customer service, and prove to your customers that your business is committed to their satisfaction.

Hmm - wozu braucht man da ein besonderes Programm? Die Firma kann sich doch mit dem Kunden direkt auseinandersetzen?

Businesses of all sizes have customer complaints and can benefit from Ripoff Reports Corporate Advocacy Program, from sole proprietorships to large multinational corporations.
Ripoff Reports Corporate Advocacy Program…

1. Verifies all reports and rebuttals, determines the truthfulness of the complaints and exposes those posted erroneously or maliciously.
2. Sends a positive email that we draft together to each person who posted a report about your company, notifying them your firm has offered to negotiate in good faith to resolve their complaint.
3. Updates all reports with your commitment to right customer wrongs.
4. Gives you, our member business, the opportunity to provide your side of the story and link to your own website, where you may post your commitment.

Sprich: An sich kann jeder anonym über Firmen herziehen. Wenn das betreffende Unternehmen jedoch Ripoff bezahlt, recherchieren die Verbraucherschützer den Verbrauchern hinterher. Also Verbraucher- UND Unternehmens-Schutz. Toll. Alle haben etwas davon.

When you demonstrate your commitment to improving the relationships you have with your customers, you build goodwill inside and outside the company. If you heard a company say, “We are glad this came to our attention, and we want unhappy customers to contact us because were committed to 100% customer satisfaction, and were taking actions that will ensure this never happens again,” youd think well of the company, and so would its prospective customers.

Ihr habt mich überzeugt! Kann meine Firma da mitmachen?

Note on Qualification:

Fees for enrolling in the program are based upon the number of Reports filed, the number of offices you have, and/or the size of an average sale. Additionally, there is a flat set-up fee to offset the costs associated with programming and contract legalities. Rate sheets will be sent upon completion and verification of the intake questionnaire.
If participation in this program would honestly create a financial hardship, but you desire to participate, we will work with you to find a way to make it work. This may require providing financial documents proving hardship.

Hui. Das klingt teuer…

Unternehmenskunden sind übrigens nicht die einzigen, die zur Finanzierung des Verbraucherschutzes beitragen. Neben dem obligatorischen Spendenlink gibt es auch eine weitere Gruppe, die besonderen Zugang und Interese an den Konsumentenreporten hat: Anwälte. Aber keine Sorge: wenn man bei der Anmeldung das richtige Häkchen abgewählt wird, bleiben Sie von Rechtsverdrehern verschont.

Ripoff

Spontan stelle ich mir da zwei Fragen: Wie hoch sind wohl die Provisionen zur Vermittlung eines lukrativen Verbraucherrechtsfalls? Und: Verklagen die Ripoff-akkreditieren Anwälte auch Ripoff-Advocacy-Klienten?

T-Mobile macht beim Wifi-Spiel mit

T-Mobile in den USA steigt auch ins Wifi-Geschäft ein: Die Firma vermarktet Telefone, die parallel per WLAN und per normalem GSM-Netz telefonieren können. Das Telefonieren per Wifi-Zugang soll so komfortabel sein wie das gewohnte Handy-Telefonieren.

Die New York Times ist enthusiastisch

Here’s the basic idea. If you’re willing to pay $10 a month on top of a regular T-Mobile voice plan, you get a special cellphone. When you’re out and about, it works like any other phone; calls eat up your monthly minutes as usual.

But when it’s in a Wi-Fi wireless Internet hot spot, this phone offers a huge bargain: all your calls are free. You use it and dial it the same as always — you still get call hold, caller ID, three-way calling and all the other features — but now your voice is carried by the Internet rather than the cellular airwaves.

Das Modell erinnert an die Skype-Wifi-Kombination, die Fon vermarkten will. Doch sie hat einen entscheidenden Unterschied. Statt viel Geld und Zeit darauf zu investieren, dem User Zugang zu irgendwelchen Hotspots in freier Wildbahn zu locken, konzentriert sich T-Mobile zunächst auf den Heimuser.

O.K., but how often are you in a Wi-Fi hot spot? With this plan, about 14 hours a day. T-Mobile gives you a wireless router (transmitter) for your house — also free, after a $50 rebate. Connect it to your high-speed Internet modem, and in about a minute, you’ve got a wireless home network. Your computer can use it to surf the Web wirelessly — and now all of your home phone calls are free. [...] The free router is like a little T-Mobile cell tower right in your house.

Das Telefonieren auf fremden Hotspots gibt es quasi als Zugabe. Wobei die Telefon-Software nach dem Bericht recht komfortabel und ausgeklügelt ist: die Telefone sollen Gespräche nahtlos von WLAN auf GSM umschalten können. Dies ist natürlich nur möglich, weil T-Mobile selbst Netzbetreiber ist - und selbst dann ist es technisch hoch komplex.

It’s not just your calls at home that are free; you may also get free calls at your office, friends’ houses, library, coffee shops and so on — wherever Wi-Fi is available.

Die bestehende Wifi-Infrastruktur des Magenta-Konzerns wird auch eingebunden:

There’s one exception — or, rather, 8,500 of them: T-Mobile’s archipelago of hot spots at Starbucks, Borders and other public places. In these places you encounter neither the fee nor the Web-page sign-in that you would encounter if you were using a laptop; the words “T-Mobile Hot Spot” simply appear at the top of your screen, and you can start making free calls.

Hier zeigt T-Mobile der Konkurrenz die Zähne. Denn im Gegensatz zu Skype&Fon hat T-Mobile ein Mobilnetz, mit dem der Kunde tatsächlich überall kann. Das Fon-Skype-Telefon WSKP100 hingegen ist auf eine Wifi-Verbindung angewiesen. Wer also mobil erreichbar sein will, kann auf ein zusätzliches Handy nicht verzichten. Zudem sind die T-Mobile-Hotspots strategisch viel besser platziert. Wenn man denn einen Netzzugang sucht - der nächste Starbucks ist in jeder Stadt einfach zu finden.

Inwieweit das Modell die praktische Realisierung überlebt, bleibt wie immer abzuwarten. Spannend ist, dass sich ein Mobilfunkbetreiber tatsächlich selbst das Wasser abgraben will - die New York Times rechnet Ersparnisse von 600 Dollar pro Jahr vor - zu Ungunsten von T-Mobile. Ist das eine Antwort auf den iphone-Hype beim Konkurrenten AT&T?