SEO: fake, steal and borrow

Ich hab mich mal in einem Porno-Webmaster-Forum umgesehen, um zu sehen wie die Leute ticken, die mit ewig gleichen schmierigen Filmchen ihren Lebensunterhalt verdienen, mit 0190-Dialern und Spam-Werbung viele User verarschten. Ich habe Expeditionen in Haustierforen unternommen und in einem Kochforum gelernt, dass „MGG“ für „Mein Götter-Gatte“ steht. Das Ergebnis: Irgendwie ticken alle Menschen gleich. Wenn sich auch die Terminologie ändert, die wesentlichen Zusammenhänge, der Umgang miteinander ist ähnlich.

Doch in manchen Milieus kann ich nicht heimisch werden. Ich verstehe die Leute nicht, ihre Denkweise, selbst mein Ironiedetektor versagt hoffnungslos. Eins dieser Milleus sind die SEO, die Search engine optimizer. So ehrenvoll das Ziel ist, den vielen Internetnutzern möglichst viele relevante Informationen an die Hand zu geben — nur wenige SEO-Werktätige scheinen das tatsächlich im Blick zu haben. So fiel mir heute ein Beitrag auf der Website WebmasterFormat auf, der sich mit der Wikipedia beschäftigt. Beziehungsweise mit der Bekämpfung der Wikipedia.

Es ist wahr: Google liebt Wikipedia-Artikel und manchmal werden Wikipedia-Seiten ganz an den Anfang der Google-Suche gespült, die nun wirklich keinen Mehrwert für den Nutzer bringen. Aber das ist nicht das, was den Autor Jason Capshaw aufregt. Was an der Wikipedia nicht stimmt: sie steht bei Google vor den Seiten, die er gegen Geld nach oben bringen will. Und das ist etwas, was unbedingt verhindert werden muss.

Dass sich Jason Capshaw einen Dreck um den Nutzer schert, offenbart er in seiner Anleitung. Zunächst will er den Wikipedia-Artikel etwas weniger beliebt erscheinen lassen:

Began removing the internal Wikipedia links pointing to the wiki page you want to jump. Do this slowly over time. It is best to point the link to another Wikipedia page so that the editorial staff doesn’t simply replace the link.

Mit einem verbogenen moralischen Kompass mag das noch angehen. Wikipedia profitiert unfair von ihrer Struktur, die so passgenau auf die Google-Algorithmen passt. Also stellen wir wieder fairen Wettbewerb her. Das wäre zumindest ein Gedanke, den man nachvollziehen könnte. Doch weit gefehlt: an fairem Wettbewerb ist Capshaw So wenig interessiert wie am Internet-Nutzer.

10. Go to the Wikipedia page and create some random content that is clearly not factual on the Wikipedia page
11. Take a screenshot of the content change and remove the bogus information from Wikipedia
12. Visit open site explorer again and look at all of the external links pointing to the Wikipedia page and export them to a spreadsheet
13. Go to each link pointing at the Wikipedia page and send them an email detailing the error of the Wikipedia page with the attached screenshot as proof. Describe how important it is that their readers get reliable information and offer your authoritative page as an alternative. Instruct them they should change their link immediately to point to your page. It is best to grab the email address from WhoIs of the Webmasters who own the site in order to get the best results.

Auf Deutsch: Capshaw empfiehlt Fehlinformationen in Wikipedia einzustellen, davon Screenshots zu machen und diese dann an Leute zu schicken, die den störenden Wikipedia-Artikel verlinken. Er verfälscht nicht nur aus purem Profitdenken eine gemeinnützige Wissenssammlung, er betrügt auch ohne jedes schlechte Gewissen Menschen, die ihren Nutzern ein paar gute Informationen zukommen lassen wollen. Dass Spam und Fake-Seiten zu seinem üblichen Repertoire gehören, wundert nicht.

Mit dem Blackhat und der Sonnenbrille im Artikel will Herr SEO Capshaw wohl sagen, er sei gewitzter und geschäftstüchtiger als all die Suchmaschinen-Lemminge da draußen. Das stimmt nicht. Er ist nur ein größeres Arschloch als die meisten.

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37 Comments.

  1. Es wäre schön gewesen, hier noch „die meisten“ zu definieren und herauszustellen, daß es auch seriöse Suchmaschinenoptimierer gibt, anstatt alle über einen Kamm zu scheren und pauschal zu beleidigen. Oder ist was gegen Suchmaschinenoptimierung einzuwenden, die sich auf guten, relevanten und auch für Menschen interessanten Content konzentriert?

    • Alex: Ich habe den Text einem SEO-Werktätigen gezeigt und sein einziger Einwand war: Das klappt aber nur kurze Zeit.

      Natürlich gibt es ehrliche Menschen, die guten Content von unnötigem Balast befreien und ihn angemessen repräsentieren. Aber der Graubereich scheint mir um weites größer.

    • „seriöse Suchmaschinenoptimierer“, der hat aber auch schon nen Bart…

    • „seriöse Suchmaschinenoptimierer“ sind jene Agenturen und/oder Einzelkämpfer die ihre Arbeit machen und in deren Arbeitsbeschreibung Begriffe wie SEO oder Suchmaschinenoptimierung nicht vorkommt.
      Der Rest ist Spam. Zumindest hat mir bis heute niemand schlüssig erklären können, was dieses ominöse SEO kann, was vernünftig erstellte Webseiten nicht von Haus aus mitbringen.

      • @hn immer schön Klischees dreschen, wa? *kopfschüttel*

        @mike es ist sicher kein Kriterium, ob der Dienstleister das explizit SEO nennt oder nicht. Wer es SEO nennt, ist nicht automatisch ein Spammer.

        Was eine vernünftig erstellte Webseite nicht mitbringt, ist die ganze Off-Page-Optimierung. Das reicht von eingehenden Links bis zur Konfiguration des Webservers bzw. der .htaccess, die für Suchmaschinen entscheidend sein kann. Beispiel: Die Website kann noch so vernünftig erstellt sein, wenn jemand beispielsweise falsch, also per Frameweiterleitung oder Weiterleitung im , auf eine andere Domain weiterleitet, fliegt auch die am vernünftigsten erstellte Website aus dem Ranking, weil man doppelten Content produziert. Die einzig richtige Lösung ist eine Weiterleitung mittels .htaccess. Das wissen viele „Webdesigner“ aber nicht und machen es falsch. Das Ergebnis: Der Kunde wird nicht gefunden. Hab ich schon x-mal erlebt. Und da soll mir noch einer erzählen, man bräuchte keine speziellen SEO-Kenntnisse…

  2. Wenn ich an Suchmaschinenoptimier denke, muss ich auch immer an die Flaschensammler denken, die ihre Runden auf den Bahnhöfen etc drehen.

  3. @Alex: ich zitiere für Sie aus dem 2. Absatz.
    „So ehrenvoll das Ziel ist, den vielen Internetnutzern möglichst viele relevante Informationen an die Hand zu geben — nur wenige SEO-Werktätige scheinen das tatsächlich im Blick zu haben.“

    • Als u. a. SEO-Werktätiger empfinde ich das als Klischee. Die Wenigsten sind Blackhats. Das ist auch nicht im Sinne der Kunden, weil die Effekte nur kurzristig sind. Und das wissen die meisten, die das wirklich professionell betreibe.

  4. Es stellt sich natürlich die Frage, ob das, was er zuletzt vorschlägt, tatsächlich in die Breite klappt. Ich meine, es ist ja nun mal nicht so, dass derjenige, der dem Webmaster dann schreibt, sicher bekannt ist.
    Wie wahrscheinlich ist es, ganz besonders, je mehr es bekannt ist, wie leicht in wikipedia Müll eingestellt werden kann?
    Ich meine, ich weiß, dass ich wesentlich mehr Wissen in diesem Bereich habe, als der typische Nutzer. Aber trotzdem glaube ich nicht, dass es klappt.
    Und nicht zu vergessen ist die Frage, wie viele Webmaster die kontaktieren müssen, damit es tatsächlich eine Wirkung bei Google entfaltet.

  5. SEO ist die Pest an der eitrigen Spitze des Furunkels am Arsch des Internets.

  6. „make money“ lautet die Devise. Gier frisst Hirn. Geld gegen Moral. Als Wikipedia durch die Massenmedien in Deutschland bekannt wurde haben Leute in einschlägigen SEO-Foren über die „Idioten“ gelacht, die so „dumm“ sind und in der Wikipedia kostenlos arbeiten, „ohne davon etwas zu haben“. Schließlich könnten diese auch für die SEOs Texte tippen und würden so noch etwas Geld für Getippe erhalten. Bezahlt nach der Menge des Inhalts, in dem kaum sinnig die Suchbegriffe für Google platziert werden. Quantität statt Qualität (und natürlich zu einem lächerlichen Hungerlohn).
    Später „klauten“ diese SEOs dann Texte aus der Wikipedia, setzten dazwischen massig Werbung und üblich ohne die Inhalte gemäß der Lizenz zu kennzeichnen. Google reagierte nach einer Weile und so wurden diese zugemüllten Textleichen für die Abzocker wertlos.
    Solche Schädlinge werden es immer wieder versuchen, Gewinnmaximierung auf dem Rücken anderer zu betreiben. Da unterscheiden diese sich nicht von Waffenhändlern wie Angela Merkel, die z. B. Panzer an Terrorregime verkauft und das eigene Volk niederknüppeln. Und vermutlich kommen diese (zumindest überwiegend) aus der gleichen politischen und ideologischen Ecke.

    • Mensch musst du ein scheiss leben haben. Ich bemitleide dich wirklich. Alles ist scheisse und die Welt taugt nicht mehr. Junge junge.

  7. Schwarze Schafe gibt es in jeder Branche.

  8. Ich habe ähnliche Geschichten von einem Kollegen gehört der im SEO-Bereich tätig war. Angestellte mit ausländisch klingenden Namen bekamen deutsche Decknamen verpasst, weil das bei den Kunden besser ankäme. Im CallCenter hatten alle Angestellten Tarnnamen. Damit man sie bei ihren Cold-Calls nicht verklagt.
    Dann hat man den Kunden unsinnige Beratungen, Pakete und Wartungsverträge aufgeschwatzt ohne jemals wirklich etwas von Wert zu liefern.
    Damit nicht genug, einige Mandaten sollen bewusst geschädigt worden sein, um sich zu bereichern.

    Weil ihm diese rechtliche Grauzone in der man sich bewegte sehr missfiel, hat er den Job gewechselt und spricht heute regelmäßig mit Ekel von dieser Branche.

    Ich kann ihn verstehen. Ich würde so einen Job auch nicht machen.

    Früher habe ich mal im Data-Mining gearbeitet für die Zielgruppenselektion bei der Adressvermietung. Da dachte ich schon, das wäre der Gipfel der menschlichen Gier. Das habe ich gehasst wie die Pest. Aber ich habe mich wohl geirrt: wir haben wenigstens niemanden geschädigt.

    Außerdem hatte ich wenigstens die Genugtuung zu erkennen, dass Data-Mining in der Praxis gar nicht funktioniert und konnte sie davon abbringen. Dazu musste ich nur die Wahrheit sagen: „Nach euren Daten sind 10% eurer Kunden unter 18, 2% sind noch gar nicht geboren, 10% sind älter als 90 und weitere 5% haben ihren Geburtstag am 1.1.1970. Eure Statistik ist keine Gaußsche Glockenkurve sondern die Skyline von Manhattan! Und da wollt ihr, dass ich euch alleinstehende Hausfrauen ab 40 suche? Bei dieser Datenqualität kann ich nicht mal sicher zwischen Männlein, Weiblein und Haustier unterscheiden.“
    Es kam nie wieder eine Anfrage.

  9. Also ich finde diese pauschal Verurteilung einer gesamten Branche auch nicht nett. Es ist ganz außer Frage, das es schwarze Schaffe gibt und eine Vielzahl von nervenden Linkspammer, Linkeinkäufern und Co, aber sind meist keine Seos die es verstanden haben, wie man langfristig was baut.

  10. Seo bashing! Ja es gibt einige die nicht sauber arbeiten, aber die gibt es in jeder Branche.

    Des weiteren könnte sich auch mal jemand gedanken machen wo in Wikipedia die Inhalte herkommen. Von vielen Seiten einfach kopiert ;)

    Aber es ist ja einfacher zu glauben das alles was in Wikipedia steht wahr ist und nicht kopiert wurde. Nenne dazu noch alle SEO’s arschlöcher schreibe dann auch noch ‚ich versteh sie nicht‘. Und rund ist der Bash.

    Man braucht sein Hirn nicht dabei einzuschalten und kann einfach loslegen. ;(

  11. Witzige Idee! :) Auch wenn der Effekt bestimmt nur temporär ist! Aber es stimmt in jedem Fall, dass manchmal Wikipedia zu unrecht oben steht.

  12. Nun ja, das Wikipedia oft weit vorne ist, hat weniger damit zu tun das Google diese Seite bevorzugen würde. Das Portal hat extrem viele Backlinks und garantiert auch einige sehr starke Links. Mit dazu kommt das die Artikel oft freiwillig verlinkt werden. Mich stört es eher weniger wen Wiki oft vorne ist.

  13. Nach der Einleitung aufgehört zu lesen. Wer schon so anfängt („alle Seos blackhat“) hat’s einfach nicht verdient und kennt sich entweder nicht aus oder ist auf Effekthascherei aus. SEO ist eine ganz normale Branche wie jede andere auch, und wie in jedem anderen Bereich gibt es auch hier einige wenige schwarze Schafe. Schwach!

  14. Ohne Black Hat SEO geht es teilweise nicht eine Seite gut zu ranken, aber absichtlich eine andere Homepage downzugraden ist wirklich zu viel des Guten. Sehr unseriös sowas!

  15. Bin gerade über n podcast hier aufgeschlagen. Jason’s Beispiel zeigt den Level seiner Denke… darauf sollte man sich nicht herablassen. Aber, objektiv gesehen kann man einen wikipedia beitrag gut und gerne ‚übertrumpfen’… mit besserem, umfassenderem Inhalt zum spez. Thema… wenn man der Experte ist und kein Möchtegern-SEO

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  16. Seo ist Spam!
    Soll mal einer das Gegenteil beweisen!
    Zumindest der eine Teil der Seo Arbeit der Linkaufbau.
    Die eine Seo Agentur spammt mehr die andere weniger.
    Aber was bitte schön heißt natürlich aussehender Linkaufbau?
    Das heißt spammen aber es so aussehen zu lassen als wenn es natürlich verlinkt ist.

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