I don’t like Mondays

And he can see no reason
‚Cause there are no reasons
What reason do you need to be sure.

Heute fand ich mich an „I don’t like Mondays“ von den Boomtown Rats erinnert. Ich hab sehr spät erfahren, dass dieses ja eher heiter anmutende Lied sich um eine 16jährige dreht, die von ihrem Fenster aus auf eine Schule schoss, zwei Menschen tötete und neun verletzte. Der noch junge Bob Geldof hörte die Berichte und fand sich zu dem Lied inspiriert. Aus der Wikipedia zitiert: „Während ich dort saß, lehnte ein junges Mädchen namens Brenda Spencer mit einer Pistole aus ihrem Schlafzimmerfenster und schoss auf Leute in ihrer Schule auf der anderen Straßenseite. Was dann passierte, erschien mir als einzigartig amerikanisch. Ein Journalist rief sie an. Sie nahm den Hörer ab, an und für sich schon eine bizarre Unterbrechung, wenn man dabei ist, wildfremde Menschen umzubringen. Er fragte sie, warum sie das tut. Sie überlegte kurz und sagte dann: ‚Nichts los. Ich mag keine Montage.‘

Heute morgen haben wir immer noch keine Ahnung von den Motiven des Mannes, der gestern in Las Vegas über 60 Menschen getötet und Hunderte verletzt hat. Und diese Unwissenheit nagt an der Öffentlichkeit. Wir sind es nicht mehr gewohnt.

Tatsächlich haben wir äußerst selten eine Ahnung, was einen Menschen wirklich dazu treibt, andere zu töten und den eigenen Tod mitzuplanen. Oder Bomben zu legen, Dutzende zu erschießen und sich dann schnell zu verstecken. Wir stecken den Wahnsinn stattdessen in Schubladen. Der Täter war radikalisiert. Der Täter gehörte der IS an. Der Täter war ein Opfer von Bullies. Der Täter war traumatisiert und geistesgestört. In den USA ist eine Schublade besonders groß: Es war ein Angriff auf unsere Freiheit. Wenn einmal eine solche Schublade gefunden ist, sind wir, ist die Öffentlichkeit beruhigt. Man muss sich nicht mehr wirklich viele Gedanken machen. Alles geht seinen Gang. Und wir können mental wieder genau dahin zurückkehren, wo wir vorher waren. Mit ein wenig mehr Angst. Und Ressentiments.

Diese Schubladen sind hochpolitisch. Ich bin gestern zufällig auf einen Artikel in der Everipedia gestoßen, wo ein ganzer Artikel zu einem Mann aus Arkansas erschien, der ihn — fälschlicherweise — als mutmaßlichen Täter vorstellte. Flugs suchten viele Leute nach Informationen über diesen Mann und konzentrierten sich darauf: Wen hat er auf Facebook geliket? Wen hat er gewählt? Es kam nicht drauf an, die Tat aufzuklären oder zu begreifen, die Nutzer suchten nur schnellstmöglich eine Schublade. Und gezielt wurde einer Frage nachgegangen: War er für Trump oder gegen ihn?

Der Mann ist offenbar Wähler der Demokraten und er klickte auf Facebook-Gruppen, die Donald Trump des Amtes entheben wollen. Flugs verbreitete sich die triumphierende Nachricht: Der Mörder ist ein Trump-Hasser. Trump-Anhänger haben also die moralische Oberhand. Auch nachdem sich herausgestellt hat, dass der Mann eben überhaupt nichts mit den Morden zu tun hatte, obwohl Klicks auf paar Facebook-Gruppen noch weit vom Fanatismus entfernt sind, wird die Nachricht immer weiter verbreitet. Hätte der Mann Trump gewählt, wäre diese Nachricht wahrscheinlich auch schnell weitergetragen worden.

Noch immer wissen wir nicht, was die 16jährige 1979 dazu bewog, auf eine Schule zu schießen. Noch immer wissen wir nicht, warum der Mörder von Las Vegas schoss. Doch eine Schublade wird man sicher bald schon finden.

And he can see no reason
‚Cause there are no reasons
What reason do you need to be sure.

This Week in Comedy

Ich guck zu viele amerikanische Comedy-Videos. Wenn ihr jedoch auch mehr davon guckt, fällt es nicht mehr so auf.

Das heiße Thema diese Woche waren natürlich der Streit Donald Trumps mit protestierenden Athleten. Hier war der Late-Night-Außenseiter Jim Jeffries der etablierten Konkurrenz eine Knielänge voraus. That just does prove their point, doesn’t it?

The Important

Angesichts der medialen Glaubwürdigkeitskrise haben es viele Comedians übernommen, lange Erklärstücke zu senden. Sehr schön diese Woche war zum Beispiel — wie so oft — John Oliver mit seinem Stück über Corporate Consolidation, indem der er sich auch sehr explizit über seine künftige Konzernmutter auslässt.

Mindestens ebenso wichtig und nicht mal halb so lange ist Samantha Bee mit ihrem Stück über die Federalist Society, die derzeit quasi ohne Mitwirkung des Weißen Hauses Bundesrichter in Amt und Würden bringt.

Auch gut: Trevor Noah und Seth Meyers über Trumpismus ohne Trump.

The Silly

Manchmal mag man vergessen, dass Comedy ja in erster Linie zum Lachen da ist und nicht nur ein alternatives Nachrichtenformat. Welcher Komiker kann schon an einem solchen Satz vorbeigehen? „The president went to bed, embarrassed…. and pissed.“ Trevor Noah kann es nicht.

Noch alberner ist aber Conan O’Brien mit einem ganzen Feuerwerk an Masturbationswitzen. Und er erwähnt nicht mal Anthony Weiner.

Tipp an Comedy-Zuschauer: Sitzt niemals in der ersten Reihe.

The New

Neuzugang diese Woche ist Jordan Klepper mit seiner eigenen Show: The Opposition. Darin macht er den Colbert und spielt einen Alt-Right-Blowhard, den er teilweise schon bei Jon Stewart zum Besten gegeben hatte. Noch ist das etwas holprig, aber er hat durchaus Potenzial. Während sich die Kollegen ganz auf den gescheiterten Obamacare-Repeal stürzen, spricht er über den Silent Repeal.

Neu ist auch Jerry Seinfelds Netflix Special, indem er beweist, dass er ein verdammt privilegiertes, aber langweiliges Leben führt und sehr charmant darüber erzählen kann. A Show about nothing — und was ist daran schon so schlimm? Dämlich: Sein Witz „Jeder, der Präsident werden will, ist ein Psychopath“. Der ist nicht nur uralt, sondern geradewegs aus der Zeit gefallen und ein unnötiger Hinweis, dass Jerry um Gottes Willen nicht „politisch“ sein will. Als ob das zu vermeiden wäre.

The Ugly

Wie schon im April befürchtet, tritt so langsam ein lähmender Effekt ein. Comedians aller Kategorien sprechen jede Woche über Trump und in gewisser Weise langweilt es sie zu Tode und zermürbt sie zugleich. Da ist es doch nur verständlich, wenn man mal einen Kontrapunkt machen will. So macht Trevor Noah einen Witz daraus, dass er Trump wegen der Hurrican-Hilfe in Puerto Rico verteidigt. Dabei schluckt er nur das Narrativ, dass posiitives Regierungshandeln ohne persönliche Intervention des Präsidenten gar nicht denkbar ist.

Richtig negativ sind mir derzeit die Häufung von Witzen aufgefallen, die Hillary Clinton als Alkoholikerin porträtieren. Die Überlegung mag sein: Wenn man das Publikum aufstehen lässt, um Trump auszubuhen, muss es doch auch erlaubt sein, die Konkurrenz auch ab und zu mal abzuwatschen. Sicher ist es das — aber muss man dafür ein Alt-Right-Meme einsetzen? Und by the way: Die Tiffany-Witze sind mittlerweile auch alle mehr als abgestanden.


The Meta

PS: Sehr sehenswert: Jerry Seinfeld und Stephen Colbert sprechen über Bill Cosby, der mit seinem Vorbild so viele Comedians inspiriert hatte, sich wegen aber des reihenhaften Missbrauchs von Frauen zum Pariah wurde. Kann man nun noch über seine alten Witze lachen, so wie man es damals tat? Jeder US-Comedian musste die Debatte in den vergangenen drei Jahren mit sich führen. Seinfeld meint erst, man könne beide Seiten von Cosby trennen, entscheidet sich dann aber um.


Sitz nicht in der ersten Reihe

Die erste Regel des Comedy Clubs: Sitz nicht in der ersten Reihe. Sitz sicherheitshalber auch nicht in der zweiten Reihe oder auf einer Empore, die Dich wieder in das Sichtfeld Deines Comedian bringt.

Denn im Warm-Up wird dich der Comedian finden. Er wird Dich fragen, wo Du herkommst, was Dein Beruf ist, ob Du mit jemandem zusammen bist. Und dann wird er Witze darüber machen. Keine guten Witze, die meisten wurden über Generationen vererbt und sind recht angestaubt. Der Comedian wird eine schnippische Bemerkung über Deine Frisur machen, er wird Dir Spitznamen geben und wenn Du nicht lachst, und wenn dann noch die anderen Leute nicht lachen, schreit ein kleines Kind in seinen Augen laut auf: „Warum? Ich will, dass Du mich magt?! Kaka!“

Falls Du doch in der ersten Reihe sitzt, sei freundlich zu dem Kind. Überleg nicht zu lange, was man denn gegen dich verwenden könnte oder ob Du den comedian mit einer witzigen Antwort überbieten könntest. Du bist nicht mehr nur Zuschauer, Du bist Teil der Show. Also vermassel es nicht. Die Arbeit macht schon der Comedian.

Star Trek – The Graphic Novel

Das einzig wichtige, was heute passiert ist: die neuste Iteration von Star Trek ist bei Netflix. Und Frauke Petry spielt keine Rolle. Falls ihr keine weiteren Spoiler wollt, lest einfach nicht weiter.

Zunächst das Positive: Die Optik dieser neusten Star Trek-Serie ist wirklich revolutionär. Statt auf einem Schreibtisch entstand die Serie offenbar am Storyboard. Wir kommen von ikonischer Szene zu ikonischer Szene. Michael im Raumanzug. Michael im Kraftfeld inmitten eines zerstörten Decks. Tote Klingonen werden aus dem leeren Raum mit grünen Traktorstrahlen aufs Heimatschiff gezogen. Michael und Captain Georgiou mit gezogenem Phaser.

Das Raumschiff hat endlich ein Fenster statt nur einen Screen und der Weltraumkampf wurde angepasst. Keine Albernheiten mehr, wo computergestützte Strahlenwaffen auf kurzer Distanz danebenzielen. Auch die Strahlenwunden im Nahkampf sind endlich realistischer dargestellt: Niemand wird meterweit nach hinten geworfen oder aus unerfindlichen Gründen komplett aufgelöst, wenn er in den Oberkörper getroffen wird. Stattdessen brennt der Phaser ein Loch sehr ungesundes Loch ins Gewebe.

Der Versuch, das Entstehen des klingonischen Reiches aus TNG zu zeigen, ist mutig. Der philosophische Konflikt zwischen Mensch und Vulkanier ist hinreichend vertraut, um uns etwas narrativen Halt zu geben. Der Einsatz von Augmented Reality ist konsequent und adäquat umgesetzt.

Optik rulez

Leider war es das schon mit dem Positiven. Die Serie ist gnadenlos überproduziert. Captain Georgiou und „First“ Michael steigen in einen Fahrstuhl — und irgendwie glaubt der Regisseur so wenig an den Dialog oder an die Fähigkeit der Schauspieler, dass er eine 360-Grad-Kamerafahrt um Michaels Kopf unterbringen muss.

Das ist konsequent: Die Story macht nämlich an keiner Stelle Sinn. Was sehr schade ist, denn sie ist das einzige, worum es geht. Es gibt keinen Raum für eine B-Story. Wir lernen nichts über andere Lebewesen, nichts über die Kultur, was nicht unmittelbar Einfluss auf die Story hat. Es gibt keinen Humor.

Die Dialoge sind nicht gut geschrieben. Ich bin begeistert, wenn in einem Film oder einer Serie Charaktere eingeführt werden und man sofort ein Gefühl für sie bekommt. Hier passiert das nicht. Stattdessen müssen die Charaktere dauernd solche Sätze sprechen wie „Sie dienen schon sieben Jahre unter mir“ – weil der Zuschauer sonst nie auf die Idee kommen könnte, das zwischen den beiden Figuren ein tiefes Vertrauenverhältnis besteht. Alle paar Minuten müssen Rückblenden oder erklärende Szenen eingefügt werden, damit der Zuschauer erfährt, was eigentlich los ist. Die Schauspieler bekommen keine Chance, gegen diese Bedingungen anzuspielen. Sie könnten auch einfach ein Schild hochhalten:“Hallo! Hallo! Ich habe grade einen emotionalen Konflikt!“

Zu viel Schminke

Auch auf technischer Ebene versagt die Serie leider. Die neue Beam-Sequenz soll offenbar mehr „gritty“ und damit authentischer sein. Man sieht förmlich, wie sich die Personen auflösen und in eine bestimmte Richtung bewegen. Eine schöne Lösung, wenn man eine graphic novel produziert. Es gibt sogar einen kleinen Effekt am Boden. Sheldon Cooper würde es freuen, da er beim Beamen nicht mehr durch ein subatomar baugleiches Parallel-Wesen ersetzt wird. Es ergibt jedoch überhaupt keinen Sinn. Beamen funktioniert entweder genau oder gar nicht. Die Darstellung des Warp-Antriebs wurde etwas verbessert. Doch die Story macht das wieder wett: Sowohl bei den Klingonen, als auch bei der Föderation kommen alle Schiffe gleichzeitig an – auch wenn sie ungeplant auf völlig anderen Richtungen kommen. Aus unerfindlichen Gründen scheinen auch keine Shuttles oder Sonden mehr zu existieren.

Dafür dass die Serie mehr als alle Vorgänger auf Special Effects angewiesen ist, sind diese teilweise erstaunlich schlecht umgesetzt. Am Anfang sehen wir eine Zoomfahrt aus einem klingonischen Auge — eine Hommage an die Anfangs-Sequenz von Fight Club. Das Problem: Sie endet bei einem grotesk überschminkten Klingonen. Die sehen nicht nur komplett anders aus, sie haben auch eine komplett neue Kultur verordnet bekommen. Wenn sie einen Feind direkt vor den Augen haben, debattieren sie lieber erst stundenlang herum und palavern, während sich ein Albino — wieder mal: ein Albino! — die Hand verkokelt, obwohl er doch gleich kämpfen soll.

Wie gesagt: Das ist nicht Star Trek. Es ist eine Superhelden-Geschichte. Die Menschheit hat keinen Fortschritt erfahren, den müssen sich die Figuren selbst erobern. Beziehungsweise: Nur die eine Figur.

Es gibt keine Utopien. Nur persönlichen Schmerz.

Mehr Utopien wagen (und Deep Space Nine!)

Ich habe den neuen Comic-Con-Trailer der neuen Star Trek-TV-Serie „Discovery“ gesehen und bin ein wenig erschüttert. Ich sehe: Explosionen. Ich sehe: Eine einsame Heldin, die eine Katastrophe verhindern muss. Ich sehe viel Dunkelheit und Panik. Was ich nicht sehe: Star Trek.

Ich hab neulich mal auf Netflix nach Filmen gesucht, die den Zuschauer nicht herunterziehen und gleichzeitig keine intellektuelle Beleidigung sind. Dabei fiel mir auf: Wir haben einen erschreckenden Mangel an Visionen, die sich tatsächlich um Menschen und nicht um irgendwelche Idole drehen. Sicher: Tom Cruise kann Aliens niederringen, aber hat das etwas mit uns zu tun? Nein. Nur Superhelden und Supermenschen haben das Recht auf ihre Zukunft.

Star Trek war einst eine andere Vision. Die Original-Serie lieferte inmitten des Kalten Kriegs einen gesellschaftlichen Gegenentwurf: Menschen von allen Kontinenten sollten mit Hilfe moderner Technik zusammenarbeiten, um gemeinsam etwas Neues zu schaffen und neue Grenzen zu suchen. Die Menschheit sollte ihr Potenzial ausschöpfen anstatt sich gewaltsam selbst zu vernichten.

The Next Generation griff das Thema zum Ende des Kalten Krieges zunächst chaotisch, dann gekonnt auf. Besonders gelungen sind die Doppelfolgen, in denen wir als Zuschauer zum Beispiel die Kultur der Klingonen jenseits ihrer Angriffskreuzer kennenlernen konnten. Aber natürlich war die Serie voller Widersprüche: So erzählen die Figuren pausenlos von ihrer individuellen Freiheit, aber wir sehen quasi nur Leute, die in einer militärischen Kommandostruktur zwölf Stunden am Tag arbeiten. Auch lernt die Sternenflotte nie etwas von ihren Begegnungen mit fremden Kulturen, sondern macht immer in obskuren Marine-Traditionen aus dem 18. Jahrhundert weiter.

Deep Space Nine brach mit diesem Überlegenheitsdenken. Captain Sisko muss Spiritualität lernen, Dax wird zur Klingonin ehrenhalber und alle lernen viel von den Ferengi. Der Zuschauer widerum lernt erstmals das Star Trek-Universum wirklich kennen. Statt nur ein übellauniges Kardassianer-Schiff im All zu sehen, wissen wir nun eine Menge über Gesellschaft, Gesetze und Familienwerte. Und das gilt quasi für alle Völker. Deep Space Nine zeigte, dass auch dann, wenn beide Seite nur das Beste wollen, das Ergebnis Zerstörung und Verzweiflung sein kann. Wenn man sich hingegen mit Unterschieden arrangiert, wartet eine faszinierende Welt auf Entdeckung.

Willkommen bei den Kirk-Festspielen

Es ist eine Banalität, die immer wieder vergessen wird: Science Fiction spielt nicht wirklich in der Zukunft, sondern in der Gegenwart. Im letzten Jahrzehnt scheinen wir laut Star Trek jedoch keinerlei Gegenwart mehr zu haben. Der alte Kirk musste sich wenigstens ab und zu mit realen Problemen auseinandersetzen: Gentechnik, Umweltzerstörung, Religion. Die kriegerischen Klingonen werden in einen historischen Frieden gezwungen, weil ihre Energieversorgung zusammenbricht.

Seit dem Reboot (und schon davor) ist das Star Trek-Universum jedoch zu einem kontextlosen Sammelsurium verkommen: Bösewichter kommen aus dem Nichts, um von Kirk mit viel Klopperei wieder ins Nichts verbannt zu werden. Vulkan wird zerstört — nur um zu sehen, ob Spock (der Anti-Kirk) zu einer Emotion fähig ist. Der Rest ist ein Wettbewerb darum, wer denn der beste Buddy von Kirk ist.

Der Trailer zu Discovery verspricht einen phaserscharfen Fokus auf eine Person, die ohne Fehl und Tadel ist und sich dann von einer Herausforderung zur nächsten kämpfen muss. Ihre inneren Dämonen wurden direkt zu anderen Charakteren umgeschrieben. Wenn der durchscheinende Vulkanier mal wieder ein Zeitreisender ist, wird das Universum mal wieder von den Folgen jeder Handlung, von jeder Entwicklung und jedem Fortschritt immunisiert.

Was bleibt, ist eine Handvoll Supermenschen, die ihr Recht auf eine Zukunft erkämpfen. Der Rest — also: wir — können allenfalls zusehen. Dabei könnten wir doch gerade heute ein bisschen Zukunft für uns selbst gebrauchen.

Die Polizei als Profit-Center

Die Regierung Trump hat neue Pläne. Ihr Budgetentwurf ist absolut unrealistisch — also suchen sie neue Einnahmemöglichkeiten, die nicht als „tax“ gelten. Der Justizminister Jeff Sessions hat dazu einen Plan.

“We hope to issue this week a new directive on asset forfeiture — especially for drug traffickers,” Sessions said in his prepared remarks for a speech to the National District Attorney’s Association in Minneapolis. „With care and professionalism, we plan to develop policies to increase forfeitures. No criminal should be allowed to keep the proceeds of their crime. Adoptive forfeitures are appropriate as is sharing with our partners.“

Das klingt in der Theorie gut und ist auch für Autoren von US-Krimiserien eine willkommene Gelegenheit, Polizisten in alberne Autos zu stecken. Doch die Realität ist weit weniger komisch.

Zum einen beschränkt sich die Beschlagnahme eben nicht nur auf Schuldige. Die Praxis erinnert zu oft an Straßenräubertum. Frei paraphrasiert: Ich glaube, dass Du schuldig bist, also nehme ich Dir Deinen Besitz ab, bis Du Deine Unschuld beweist.

Zum anderen: Wenn man die Polizei zum Profit-Center ausbaut, geschehen solche Dinge wie der Aufstand in Ferguson. Insbesondere die schwarze Bevölkerung wurde dort wie in vielen anderen Kommunen wegen nichtigster Verstöße mit horrenden Bußgeldern abkassiert — denn die Polizei musste Profit bringen. Folge: Die Polizei wurde immer mehr als Feind wahrgenommen.

Wenn die Regierung Trump diese Praxis nun ausbauen will, wird das System vielleicht umschlagen: Ab einem gewissen Punkt kann nicht mehr nur eine Minorität oder die ärmere Bevölkerungsteile abkassieren — zumal illegale Einwanderer ja radikal abgeschoben werden sollen. Was passiert, wenn man weiße NRA-Mitglieder abkassieren will, haben wir im vergangenen Jahr in Oregon gesehen, als eine Miliz ein Naturschutzgebiet besetzte und zum Staatsstreich aufrief.

Bloggt wieder!

Better Call Saul, Season 3

Gestern hab ich das Season Finale von Better Call Saul gesehen. Vielleicht ist es Zeit, Bilanz zu ziehen. Falls ihr vor Spoilern Angst habt, lest nicht weiter.

Ich mag die Serie. Es ist eine der wenigen, die ich in den letzten Wochen gesehen haben. Und sie zeigt: Binge watching ist nicht immer gut. Wer eine Staffel Better Call Saul in zwei Tagen runterrattert, kann die Serie nicht wirklich aufnehmen. Denn einer der Haupt-Charakteristiken der Serie ist die Entdeckung einer Langsamkeit, die nur manchmal enervierend ist. Besonders wenn man es mit dem Serien-Piloten vergleicht, ist der Kontrast mehr als greifbar. An seinem ersten Tag hetzt Jimmy geradezu von Katastrophe zu Katastrophe. Jetzt hat er Zeit.

Auch hat sich das Jimmy-Universum beträchtlich ausgeweitet. Es sind nicht unbedingt mehr Figuren auf dem Schirm, aber sie bekommen endlich ein eigenes Leben. Mike wird endlich dieses Job als Parkwächter los, der ohnehin nur als Witz taugte. Wie sollte die Schwiegertochter glauben, das viele Geld käme von einem Menschen, der eine Schranke bedient? Die Sache mit dem Turnschuh? Herrlich! Wen er jedoch in der Wüste ausgebuddelt hat, erfahren wir nicht.

Ich mag auch Nachos Geschichte. Auch er kann seine Existenz als Vollzeit-Sohn und Vollzeit-Gangster endlich hängen lassen und zur eigenen Figur werden. Kim Wechsler, die getriebene Anwältin mit der ungesunden Liebesbeziehung ist nun endlich auf eigenen Füßen — und Jimmy nicht mehr der Klotz am Bein. War Chuck in der ersten Staffel ein Kuriosum, spüren wir nun seinen Schmerz.

Gus Fring hingegen bleibt schemenhaft. Wir sehen ihn immer nur bei seiner Arbeit, Arbeit, Arbeit. Was macht er mit dem ganzen Geld, das er doch verdient? Da ist noch viel Stoff, den wir hoffentlich in Season 4 erfahren sollen. Auch Nachos Antriebsmoment ist noch offen, sein Ende hingegen ziemlich klar. Was hat Don VitoHéctor so verbittert, dass er sich selbst sabotiert?

Das große Problem mit Season 3: Einerseits ist Bob Odenkirk sehr viel besser geworden — er schneidet kaum noch Grimassen, sondern lässt Jimmy Jimmy sein. Aber Jimmy selbst ist immer weiter davon entfernt, zu Saul zu werden. Ja, wir haben nun den Namen gehört — das war aber schon alles. Der Saul aus Breaking Bad ist nicht nur ein sleazebag, er ist auch misogyn bis ins Mark. Jimmy jedoch ist nun seit über einem Jahr in einer stabilen Beziehung mit einer starken Frau, die ihn mehr als genug vorbereitet hätte auf die Begegnung mit Skyler White. Saul schlägt auch immer wieder vor, andere Leute umbringen zu lassen. Jimmy hingegen wirft sich immer zuerst selbst in die Schusslinie, oder erfindet mal eben einen Kuchen-Sex-Fetisch. Ich glaube nicht, dass Vince Gilligan und Peter Gould das Kunststück dieser Verwandlung noch vollbringen können. Jimmy und Saul — das sind zwei gänzlich andere Personen.

Missverständnisse zum Bedingungslosen Grundeinkommen — ein Rant

Bitte hört auf, über das Bedingungslose Einkommen zu reden. Es ist nicht gut für Euch, es ist nicht gut für die Sache, die ganze Debatte ist eine einzige Zeitverschwendung. Wenn ich an den großen Verschwörer im Hintergrund glauben würde, würde ich sagen: Es ist ein Ablenkungsmanöver. Da ich diesen Verschwörer aber bisher nicht sehe, bin ich zum Urteil gekommen, dass das BGE eine kollektive Selbsttäuschung ist, eine Denkverweigerung, eine Bankrotterklärung des breiten wirtschaftspolitischen Diskurses.

Eigentlich war ich ein Fan des Bedingungslosen Grundeinkommens. Wie konnte ich es auch nicht sein? Ich hab studiert, ich schreibe — wenn ich mir ohne Risiko ein Sabbatjahr nehmen könnte, um ein Thema zu recherchieren, ein Buch zu schreiben oder mich als Experte für das chinesische Internet fortzubilden, wäre das toll — ein tatsächlich bedingungsloses Grundeinkommen würde es mir ermöglichen. Zudem bin ich studierter Volkswirt: Mit Sorge sehe ich die Entwicklungen einer produktivitätsgetriebenen Gesellschaft, die die Reichen immer reicher macht und keine Antworten auf wichtige Zukunftsprobleme liefert. Das Bedingungslose Grundeinkommen könnte — selbst, wenn es nie realisiert wird — einen belebenden Effekt auf die Debatte haben und unseren Blick auf die Zukunft schärfen.

ABER. DAS PASSIERT. EINFACH. NICHT.

Seit fast zehn Jahren verfolge ich die Debatten zum Bedingungslosen Grundeinkommen, lese die wenigen Modelle, höre mir philosophische und andere Begründungen an. Und seit zehn Jahren dreht sich die Debatte im Kreis, weil tatsächlich niemand ein Interesse daran hat mehr als nur halbgare Modelle zu liefern.

Ein Grund dafür ist, dass es nicht das eine Bedingungslose Grundeinkommen gibt. Unter dem Begriff werden einige einander widersprechende Modelle verkauft. Da gibt es die einen, die allen gesellschaftlichen Wohlstand in einen riesigen Sack packen und anschließend neu verteilen wollen. Leider verraten sie niemanden, wie groß die Enteignungen denn wären und wie denn die Verteilung anschließend funktionieren soll. Dann gibt es die Hyper-Marktwirtschaftler, die das BGE als eine Art Ablasshandel sehen: Der Staat und die Wirtschaft wird gegen die Zahlung eines Betrages X von der Verpflichtung entbunden, sich ein Solidarsystem zu leisten. Jeder bekommt ein paar Hundert Euro pro Monat und muss dann halt die Klappe halten, wenn Algorithmen und Roboter die Arbeit übernehmen und den Kapitaleignern jeden neuen Wohlstand zuschustern.

Dystopischer Albtraum BGE

Und dann gibt es noch das Modell, das sich als Wohltat für Arme verkauft und sich bei näherer Betrachtung als neoliberaler Albtraum herausstellt. Jeder bekommt 1000 Euro pro Monat. Und wir finanzieren es über eine Umsatzsteuer und die überkommenen Sozialkassen! Das Problem daran: Wenn die Umsatzsteuer 100 Prozent beträgt — wie viel kann man dann von 1000 Euro kaufen? Und wenn Du eine private Krankenversicherung kaufen sollst, wie viel bleibt dann noch übrig? Und was passiert mit der Miete, wenn jeder einen Grundbetrag X zur Verfügung hat?

Jeder, der auch nur in der 10. Klasse Volkswirtschaft gelernt hat, sollte dann erkennen, dass ein solches Modell perpetuierte Armut bedeuten würde. Und wer ein Grundstudium in Volkswirtschaftslehre absolviert hat, müsste sehen, das dieses Modell in kürzester Zeit zusammenbräche. Ob es zuerst zu Hyperinflation oder zu desaströsen Verteilungskämpfen käme, ist dann auch nicht mehr wichtig.

Ein großes Missverständnis der BGE-Bewegung: Sie verwechselt Geld mit Wohlstand. Als Kind bekam ich mal einen Nachdruck eines der ersten Micky-Maus-Hefte Deutschlands in die Hand. Darin gab es die Geschichte, in der Onkel Dagobert keinen Geldspeicher in der Stadt, sondern ein Geldsilo auf einer großen Farm hatte. Eines Tages kam ein großer Wirbelsturm und verteilte das viele Geld aus dem Geldsilo über das gesamte Land. Alle waren plötzlich Millionär und niemand arbeitete mehr. Onkel Dagobert jedoch bewirtschaftete seine Farm weiter und jeder, der noch etwas essen wollte, musste bald seine Millionen wieder bei Onkel Dagobert abgeben.

Man kann nun zwei Lektionen aus der Kindergeschichte ziehen. Nummer Eins: Wenn Menschen Geld bekommen, hören sie auf zu arbeiten. Das ist die falsche Lektion. Die richtige Lektion hingegen ist: Ein bestimmter Geldbetrag X ist nun lange kein Synonym für ein auskömmliches Leben.

Kanada? Finnland? Nein, Saudi-Arabien!

Ein großer Teil der BGE-Debatte dreht sich noch um die erste Lektion: Werden Menschen faul, wenn sie plötzlich ein auskömmliches Einkommen lassen? Ich sehe den Sinn der Frage nicht wirklich. Wir haben in der Geschichte nun wirklich viele, viele Menschen mit auskömmlichen Einkommen, deren Verhalten wir beobachten können. Haben sich die Kinder von Donald Trump in sicherer Erwartung ihres Erbes zur Ruhe gesetzt? Nein. Sie gehen noch Beschäftigungen nach. Ob diese Beschäftigungen jedoch als gesellschaftsfördernd gelten können, ist eine ganz andere Frage.

Viel wird über Feldversuche in Finnland oder Kanada erzählt und geschrieben. Und da das hier ein Rant ist, formuliere ich es mal so: Diese Experimente sind purer Bullshit, sofern es um ein Bedingungsloses Grundeinkommen geht, das tatsächlich bedingungslos wäre und gleichzeitig auf Dauer die gesellschaftliche Teilhabe sichern würde. Denn beides wird bei den Experimenten ja nicht gemacht. Was bleibt also? Ob es Menschen besser geht, wenn man ihnen ein paar Hundert Euro gibt und sie nicht drangsaliert werden — wer stellt das wirklich in Frage? Natürlich geht es ihnen besser. Die tatsächlich zu klärende Frage ist: Wie werden es mehr als ein paar Hundert Euro? Und was passiert, wenn wirklich jeder davon profitiert?

Der Feldversuch, von dem Euch nie ein Anhänger des Bedingungslosen Grundeinkommens erzählen wird, ist gleichzeitig der relevanteste: Saudi-Arabien. Zwar hat das Land kein formelles Grundeinkommen, doch die Steuerfreiheit von Bürgern, verbunden mit Zigtausenden Pro-Forma-Jobs bei der Regierung und sonstigen Wohltaten des Herrscherhauses lassen eine Volkswirtschaft entstehen, die dem recht nahe kommt, was die BGE-Evangelisten versprechen. Und das Ergebnis sieht für meine Augen furchtbar aus.

Das ist zum Beispiel der Import von Arbeit. Alle unangenehmen Arbeiten werden soweit wie möglich an externe Arbeitskräfte von den Philippinen oder aus Indien vergeben. Diese sind nicht nur von den staatlichen Wohltaten ausgeschlossen, sondern obendrein ziemlich rechtlos. Auch die Menschen, die von den materiellen Transfers profitieren, leben in einer geistigen Armut. Ohne Kinos, ohne Frauenrechte, ohne Zivilgesellschaft. Was bleibt, sind Shopping-Malls. Luxuriöse, klimaregulierte, seelenraubende Shopping-Malls. Und das ist der Erfolgsfall eines BGE-Modells, das sich nicht die Frage nach der Finanzierbarkeit stellen muss, das Probleme der Versorgung einfach auf andere, ärmere Länder exportiert hat. Und die sich nicht wirklich um das Morgen kümmert, wenn das Öl einmal versiegt ist.

Wofür seid ihr wirklich?

Ist das wirklich Eure Vision für die Zukunft? Nein? Dann lasst diesen schrecklichen Begriff weg.

Wenn ihr gegen Hartz-IV-Sanktionen seid, dann sagt nicht: Ich bin für ein Bedingungsloses Grundeinkommen. Sagt, dass ihr gegen Hartz-IV-Sanktionen seid. Sagt, dass ihr gerne Steuergelder investieren würdet, um Euren Mitmenschen ohne Arbeitsmöglichkeiten ein würdigeres Dasein zu ermöglichen.

Wenn ihr dagegen dafür seid, dass die Chancen in der Gesellschaft besser verteilt sind, sagt nicht, das ihr für ein Bedingungsloses Grundeinkommen seid. Sagt, dass ihr neue Arbeitsmodelle ausprobieren wollt, die Familie und Arbeit vereinen, die Eure gesellschaftliche Mitsprache sichern. Unterhaltet Euch über realisierbare Maschinensteuern oder Kapitalmarktvorschriften, die verhindern, dass jeder wirtschaftliche Fortschritt den gesellschaftlichen Rückschritt finanzieren. Wie wollt ihr die Einwanderung regeln?

Und falls ihr tatsächlich für ein Bedingungsloses Grundeinkommen seid, dann lasst uns endlich anfangen richtig darüber zu reden. Sucht Euch ein Modell aus und arbeitet dran. Und zwar weiter als es die Rattenfänger der letzten Jahre getan haben, die Euch versprechen, dass alles irgendwie gleich bleibe — nur eben besser. Wer wirklich an ein Bedingungloses Grundeinkommen glaubt, will nicht weniger als eine Revolution, die keinen Stein auf dem anderen lässt. Und Revolutionen haben nun mal die Angewohnheit, dass sich die Revolutionäre dann mit der Realität und der Umsetzung ihrer Ziele beschäftigen müssen. Eine andere Konstante ist: Bei Revolutionen zahlen viele Menschen drauf — und nicht nur die, für die das beabsichtigt war.

Wenn ihr über BGE diskutieren wollt, stellt Euch zum Beispiel erst einmal diese Fragen: Wollt ihr eine Planwirtschaft oder keine? Falls ja: Warum soll das plötzlich besser klappen als bei den letzten Versuchen? Falls nein: Wie soll der Markt denn funktionieren? Den alten habt ihr ja eben beerdigt. Ihr könnt Euch nicht darauf rausreden, dass irgendwer schon eine Lösung, ein neues Modell finden werde, mit dem Ihr euch dann im Fall der Fälle schon beschäftigen werdet. Die letzten zehn Jahre haben gezeigt: Wenn ihr es nicht tut, wird es niemand anderes tun. Jemand wird Euch den Begriff wegnehmen und Eure Albträume draus machen.

Die Demontage von Trump – und warum das keine guten Nachrichten sind.

Aktuell gehen Gerüchte um, dass Trump den Special Counsel Robert Mueller feuern will, der ja im Auftrag von Trumps eigenem Justizministerium eine unabhängige Untersuchung wegen Russlandkontakten leiten sollte. Problem dabei: Formell müsste Trump dazu auch quasi die ganze Leitungsebene des Justizministeriums herauskegeln.

Dass das von Republikanern bestimmte Parlament jetzt eingreift, scheint angesichts des bisherigen Verhaltens von Paul Ryan naiv zu sein. Die gewählten Abgeordneten hatten viel vor und sie sind in Zeitverzug. Als nächstes wollen sie ein Gesundheitsgesetz durchbringen und das wird sich auf Dauer wohl nicht verhindern lassen. Am vom Trump vorgelegten Budget werden sie herumstreichen, aber wohl kein Impeachment beginnen. Tax cuts, tax cuts, tax cuts.

Für 2018 sieht es derzeit nicht besonders gut für die Republikaner aus. Die wähler‘ erwartet einen ständigen Strom von neuen Erfolgen wie einen neuen Verfassungsrichter, Abschaffung von Obama-Programmen oder neue Law&Order-Gesetze. Am besten jedoch: Arbeitsplätze. Diese Erfolge müssen wohl aus den ‚red states‘ selbst kommen, denn die US-Bundesregierung ist personell derzeit offensichtlich nicht in der Lage bundesweite Programme zu entwerfen und auch umzusetzen. Problem dabei: Einige dieser Staaten stehen seit der „Tea Party“-Bewegung unter streng ideologischer Kontrolle und sie können nicht liefern, was sie versprachen. Kansas zum Beispiel steckt wegen der ach so wachstumsfördernden Steuerpolitik in einer riesigen Budget-Krise.

Bullies sind keine tollen Verwalter

Viele munkeln, dass der US-Präsident eine Art Präsidialdiktatur aufbauen wolle. Falls er das vorhatte, hat er die Chance vertan. Dazu bräuchte er breite Unterstützung aus dem Parlament und aus allen Regierungsbehörden. Wir haben gesehen wie viele Leute Erdogan entfernen musste, selbst nachdem er Wahl um Wahl gewonnen hat, selbst nachdem es einen Putschversuch gegeben hat, der von der breiten Bevölkerung abgelehnt wurde. Es ist zu befürchten, dass Trump seine Rolle als Oberbefehlshaber der Streitkräfte nutzt, um die patriotische Stimmung zu Krisenzeiten zu heben. Doch das wird ihm meiner Meinung nach keine jubelnden Mehrheiten bescheren.

Mir scheint daher eine andere Variante wahrscheinlicher: Das Präsidialamt und die US-Bundesregierung wird Stück um Stück entmachtet. Wer freiwillig für nicht überaus großzügige Regierungsgehälter arbeiten will, wenn er weiß dass seine Bosse Bullies sind, ist wahrscheinlich selbst ein Bully. Insofern wird es in Washingtoner Regierungsapparat von Abzockern nur so wimmeln, die anderen Leuten das Leben schwer machen.

Wer irgendwas politisch durchsetzen will, wird sich andere Wege suchen müssen. Wer eine Schule bauen will oder eine Brücke reparieren, wer ein Investitionsprogramm in Gang setzen will, hat aus Washington keine Unterstützung zu erwarten. Wenn die Feds etwas tun, machen sie es wohl schlecht und verlangen dafür horrend hohe Gegenleistungen.

Red states and blue states

Im Gegenzug können lokale Staatsanwälte, die Jeff Sessions neuen War on Drugs für idiotisch halten, ihre Drogenfälle fern von der Bundeszuständigkeit halten. Im Bereich Legal Marihuana haben wir bereits einen absoluten Konflikt zwischen Staats- und Bundesgesetzen, den die Bundestaaten weitgehend gewinnen. Und um alle Staatsanwälte in allen Bundesstaaten an die Kandare zu nehmen, bräuchte Trump die unermüdliche Arbeit der Leute, die er über kurz oder lang wohl feuern wird. Die andere Seite der Medaille: Leute wie Sheriff David A. Clarke können ihre Machtfantasien wohl ohne große Hindernisse ausleben.

Gleichfalls gestärkt werden die ungekrönten Könige ihrer jeweiligen Regionen: Die Koch Brothers beispielsweise können tun, was sie wollen. Keine Umweltauflagen mehr, nicht mal Leute, die Umweltauflagen verfolgen. Oder Gesetze über poltische Geldspenden. Und das ist eigentlich das Ziel der vielen Kampagnen der Finanziers der Ultrarechten: Eine ohnmächtige Bundesregierung.