SUVs sind einfach zu breit

Ich wurde herausgefordert, die Probleme von SUVs zu benennen. Nun – das könnte ein längerer Text werden. Um nicht allzu sehr auszuufern, beschränkte ich mich hier auf die Probleme, die ich aus unmittelbarer Anschauung in meiner Nachbarschaft mit bloßem Auge beobachten kann.

Zum ersten: Ich verstehe die Motivation, sich einen SUV zu kaufen. Es erscheint einfach sicherer. Obwohl man als Autofahrer im Stadtverkehr kaum noch Unfälle mit Verletzungen zu befürchten hat, ist ein Sports Utility Vehicle einfach besser. Selbst für die Leute, die weder Sports, noch Utilities benötigen: Mit der erhöhten Sitzposition schaut man einfach weiter. Und: Es gibt innen wahnsinnig viel Platz. Gleichwohl: Kratzer an der Stoßstange und ähnliches sind keine Risiken mehr, sondern Gewissheit. Zum einen, weil andere Verkehrsteilnehmer die Übergröße nicht gewöhnt sind. Viel wahrscheinlicher: Weil die Fahrer selbst die Übergröße nicht gewöhnt sind.

Wenn man mit einem normalen Auto oder Fahrrad auf den Straßen unterwegs ist, ist ein SUV ein Sichthindernis wie ein Linienbus oder ein LKW. Das ist ein Problem. Wer etwa im Berufsverkehr hinter einem SUV an einer Ampel steht, müsste eigentlich an der Haltelinie warten, bis absolut sicher ist, dass es hinter der Kreuzung weitergeht. Das ist einerseits Gesetz, andererseits unrealistisch. Der Verkehr käme zum Erliegen, wenn sich jeder wirklich daran hielte. Der einzige Weg für den Einzelnen: Man kauft sich ebenfalls ein SUV, um sich mehr Überblick zu verschaffen.

Das Problem: SUVs sind einfach zu groß und vor allem breit für die bestehende Verkehrsinfrastruktur in Köln. Wenn man einparken will, gibt es vorne und hinten zwar hilfreiche Piepstöne. Die Sensoren an der Seite fehlen jedoch meist. Wenn ich etwa auf der Luxemburger Straße in Köln unterwegs bin, begegne ich immer wieder Autos, die auf beiden Fahrbahnen gleichzeitig unterwegs sind. Vor dem SUV-Boom habe ich so etwas vielleicht einmal im Jahr beobachtet. Nun ist es eine alltägliche Erscheinung.

Zu breit

Am einfachsten kann man das Problem zum Beispiel auf dem ALDI-Parkplatz an der Dürener Straße sehen, wo die Autos gerne 20 Zentimeter über dem Trennstreifen parken. Theoretisch passen die Autos auf den eingezeichneten Platz. Dann müssten die Fahrer jedoch aus dem Schiebedach aussteigen. Noch extremer ist es bei den Tiefgaragenplätzen. Die werden von Supermärkten, Fitnesstudios oder medizinischen Einrichtungen immer öfters kostenlos bereitgestellt. Trotzdem werden diese Plätze von SUV-Fahrern immer wieder ignoriert. Drei Minuten von hier sind zwei Bio-Supermärkte. Eine beträchtliche Anzahl der Kunden parkt in zweiter Reihe statt einfach ins Parkhaus zu fahren. Wie gesagt: Es sind kostenlose Parkplätze. Die Fahrer trauen es sich halt nicht zu, hier zu parken. Denn neben jedem dritten Parkplatz ist eine Betonsäule, die teure Schrammen verursachen kann. Oder ein anderer SUV.

Ein Teufelskreislauf. Die SUVs fahren nicht in Tiefgaragen, also bleiben sie die Parkplätze dort leer, also werden sie Straßen noch voller. Volle Straßen bestärken Auto-Käufer, nach einem robusteren PKW zu suchen. Der höchstwahrscheinlich viel zu groß ist für Kölner Straßen.

Legal ist doch legal?

Wenn ich behaupte, dass Autos „zu groß“ sind, hangle ich natürlich an einem fragwürdigen Konzept entlang. Wie groß ist „zu groß“? Die Leute haben von einem amtlich zugelassenen Händler ein Fahrzeug erworben, das vom Kraftfahrbundesamt genehmigt wurde. Dass der Gesetzgeber und die Ämter wegsehen, wenn ein Auto nicht mehr in eine Waschanlage passt, können sie ja nicht verantworten. Außer wenn sie mit offenen Augen durch die Straßen gehen und bemerken, dass Rollator- oder Rollstuhl-Nutzer nicht mehr den Fußweg vor ihrem Haus benutzen können.

Ach, da passt ein Fußgänger doch prima durch!

Wie rapide sich der Verkehr in Köln-Sülz verändert hat, war extrem beeindruckend. Als etwa die neue U-Bahn gebaut wurde, stellte ich zum Beispiel überrascht fest, dass schlichtweg alle Straßen von meiner Wohnung in Richtung der anderen Rheinseite für Radfahrer gesperrt waren. Für Autofahrer wurden Umleitungen eingerichtet, für Radfahrer gab es hingegen nur zusätzliche Verbotsschilder bis schließlich keine einzige Straße übrig war. Die einzige logische Erklärung: Verwaltung und die Straßenarbeiter gingen schlichtweg davon aus, dass Radfahrer die Schilder sowieso ignorieren. Ein inoffizielles Arrangement: Die Polizei und Ordnungsamt sehen weg, wenn Radfahrer verkehrt fahren, da sie selbst bei der Planung der Straße und der Baustellen weggesehen haben.

Mehr Blech gewinnt

Problem: Dieses Arrangement konnte spätestens seit den Nullerjahren nicht mehr aufrecht erhalten werden. Zu viele Leute sind als Radfahrer unterwegs. Zu viele Leute sind mit dem Auto unterwegs. Und die Leute reagieren mittlerweile sehr massiv darauf, wenn vor ihrer Haustür Leute totgefahren werden. Also wurden etwa die Einbahnstraßen von Sülz für Radfahrer zu Zweibahnstraßen.

Problem gelöst? Nein. Denn wann immer ich eine dieser Einbahnstraßen mit dem Fahrrad benutze, kommt mir ein Auto entgegen, das schlichtweg nicht genug Platz für mich lässt, weil es zu breit ist und die am Straßenrand parkenden Autos ebenfalls zu breit sind. Zwanzig Zentimeter hier, zwanzig Zentimeter dort — und schon klappt der kalkulierte Verkehrsweg nicht mehr. Wie zuvor bei den Radlern hat die Stadtverwaltung eine Laissez-faire-Haltung entwickelt. Regelt das doch unter Euch. Wer mehr Blech hat, gewinnt.

Sobald Fahrradwege auf die Fahrbahn gezeichnet werden, werden sie rücksichtlos zugeparkt. Das passiert nicht nur aus purer Not, sondern weil die Fahrer der Auffassung sind, dass sie ein Recht dazu haben. Im fließenden Verkehr schneiden insbesondere SUV-Fahrer Radler regelmäßig — teils unbewusst, teils sogar absichtlich. Neulich hat mich ein BMW-Fahrer in einer Tempo-30-Zone ausgehupt und beschimpft, weil ich auf der Fahrbahn fuhr. Seiner Meinung nach gehörte ich auf den Fußweg nebenan. Selbst wenn nur ein Prozent der Autofahrer dieser Auffassung sind — wenn ich einmal die Luxemburger Straße entlangfahre, werde ich von mehr als 100 Autos überholt. Die Erwartungshaltung im Straßenverkehr genötigt zu werden, ist mittlerweile so hoch, dass ich mir einen extrabreiten Fahrradkorb zugelegt habe, damit ich ein imposanteres Profil aufbiete. Viele Radler haben aber aufgegeben und fahren gleich auf dem Bürgersteig. Was dann die Fußgänger zu verständlichen Protesten antreibt.

Auch die Autofahrer sind zunehmend frustriert. Wenn ich als Kind mit unserem Familienauto unterwegs war, war das eine einfache Sache. Ich öffnete die Autotür und stieg ein. In meiner Kölner Nachbarschaft ist das allzu oft keine Option mehr. Die Kinder dürfen die Türen nicht selbst öffnen, da viel zu wenig Platz zum Nebenauto bleibt und sie Lackschäden verursachen würden, wenn die Tür ungehindert aufschwingt. Also muss Papa oder Mama Chauffeur spielen, und jedem Kind die Tür genau den richtigen Spalt offen halten. Oder sie parken aus, bleiben auf Gehweg oder Straße stehen und beginnen dann eine mehrminütige Verlade-Aktion. Ein neuer Verleihauto-Anbieter parkt neuerdings seine Wagen mit dicken Werbesprüchen in der Nachbarschaft: Man zahlt nicht mehr für den Stau, sondern nur für die gefahrene Strecke. Dass man staufrei zum Einkaufen fahren kann, scheint eine Erinnerung an ferne Zeiten.

Die kritische Masse

Ein Geländewagen alleine ist noch kein Problem. Eine Stadt muss schließlich auch für Lieferwagen, Busse oder LKWs befahrbar sein. Das Problem ist die kritische Masse an übergroßen PKWs, die in meiner Nachbarschaft inzwischen weit überschritten wurde. Was sollen wir also tun? Die Straßen im gleichen Ausmaß verbreitern wie die Autos? Das wäre sicher schön, doch wie soll das gehen? Reißen wir alle Häuser ab und bauen sie dreißig Zentimeter schmaler neu auf? Oder einigen wir uns auf Regeln, die SUVs auf ein verträgliches Maß reduzieren?

Ich habe Volkswirtschaft studiert. Ein Konzept, das wir damals als erstes lernten, war das der „externen Kosten“. Wer ein überbreites, überlanges und überhohes Autos kauft, verursacht wahrscheinlich viele Probleme für andere Verkehrsteilnehmer. Weit mehr Probleme, als durch die zusätzlichen Steuern und Gebühren abgedeckt sind. Um diesen Mißstand zu lösen, müsste man die externen Kosten internalisieren. Das macht jedoch niemand. Ein SUV ist für den Gesetzgeber trotz Klimapaket bis heute nichts prinzipiell anderes als ein Renault Twizy, der weniger als 1,20 Meter breit ist und kein Benzin tanken kann.

In den letzten Tagen sind mit immer wieder Tweets von Kollegen aufgefallen, die sich darüber echauffieren, dass SUV-Fahrern mittlerweile ab und zu die Meinung gesagt wird. Diskriminierung! Ein Auto, auf dem gar ein paar harmlose Sticker geklebt wurden, wird gar zum Schauplatz krimineller Sachbeschädigung.

Diese Dünnhäutigkeit ist wirklich bemerkenswert. Wenn man diese Maßstäbe anlegt, hätte man etwa Fortuna Köln vor Jahrzehnten als kriminelle Organisation verbieten müssen. Aber solche Vergleiche sind natürlich albern. Diese Dünnhäutigkeit ist Ausdruck eines Verteilungskampfes um den öffentlichen Raum. Wer mehr Blech hat, gewinnt. Dieser Grundsatz ist zwar nirgends aufgeschrieben, er gilt dennoch vielen als eine Grundfeste unserer Gesellschaft.

Nun. Wer die Augen ab und zu mal aufmacht, muss einsehen, dass es so nicht mehr geht. Nur wie finden wir einen neuen Kompromiss, wenn man nicht mal das Verhalten Einzelner öffentlich kritisieren und hinterfragen soll?

Fitz

Ihr kennt doch diese eine Krimi-Serie? Der Ermittler ist brillant, doch privat ist er ein Desaster. Er löst einen Mord nach dem anderen. Doch auf volle Anerkennung hat er keine Chance. Denn er hat Probleme mit Autorität, streitet sich mit dem Chef. Alleine schon seine Kleidung ist ein Affront. Aber gleichzeitig hat er eine Jobgarantie. Denn Mörder reiht sich an Mörder reiht sich an Mörder. Alle warten darauf, nur von ihm überführt zu werden.

„Cracker“ — oder „Für alle Fälle Fitz“ — vereint alle diese Klischees. Und dennoch: Sie ist genial. Versucht gar nicht erst, sie auf Netflix oder Amazon Prime zu finden. Denn es handelt sich um eine BBC-Serie, die im wesentlichen von 1993 bis 1995 ausgestrahlt wurde. 11 Folgen — mehr nicht. Die dauern dafür mehr als anderthalb Stunden. Jede Minute lohnt sich.

Fitz

Die Serie erzählt die Geschichte von Doktor Edward „Fitz“ Fitzgerald. Mitte 40, Trinker, Kettenraucher, Spielsüchtiger. Einst hatte er mal ein solides Mittelstandsleben beabsichtigt. Intellektuell bis zum Anschlag, eine wunderbare, starke Ehefrau und Partnerin. Zwei Kinder, ein Haus, ein Klavier. Und dennoch ist er gescheitert. In ewig zerknitterten Anzügen schleppt er sich von Gelegenheitsjob zu Gelegenheitsjob. Er ist fett geworden. Für seine Frau Judith ist die Ehe ein Martyrium.

DVD-Box Cracker

Als eine seiner Studentinnen ermordet wird, entdeckt Fitz eine neue Berufung. Er kann Mordfälle lösen, weil er sich wie niemand anders in andere Menschen hineinversetzen kann. Er erkundet ihre Lebensgeschichten, ihre Defekte, ihre intimesten Impulse. „Your are sick, Fitz“ – „Sick as the next man“. Die Ermittler einer Einheit der Polizei von Manchester entdecken sein Talent und engagieren ihn als Berater in schwierigen Fällen. Und davon gibt es plötzlich eine Menge.

Fitz

Gespielt wird Fitz von Rubeus Hagrid. Entschuldigung: Robbie Coltrane. Er verleiht der Rolle eine enorme Verve. Auf der einen Seite das Sherlock-Holmes-hafte und die Überzeugung, über den Dingen zu stehen. Gleichzeitig ist er jedoch zu hundert Prozent ‚in the flesh‘. Er liebt seine Frau, er liebt seine Kinder. Er braucht Geld, um seine Rechnungen zu bezahlen. Er verliebt sich in den neuen Job. Und in Detective Sergeant Penhaligon.

Fitz behandelt eine Menge Themen. Von Religion über Homosexualität bis hin zu Fußball-Fankultur. Rassismus. Die Rolle einer Frau in der Männerwelt. Depression und Liebe. Die britische Presse. Wichtiger finde ich jedoch, dass die Serie eine Wendezeit beschreibt. Der späte Thatcherismus unter John Major. Eine Gesellschaft, die mit Gewalt von einem ungerechten, aber bequemen System in dem sich lords über die peasants erheben, zu einem ungerechten, unbequemen System umgewandelt wird, in dem sich die Millionäre über die Habenichtse erheben. Da das Ganze in Manchester spielt, haben wir es nicht mit den Londoner Milliardären oder Politikern zu tun, sondern nur mit Arbeitern, Angestellten, Polizisten. Fitz dringt nicht mal auf die Ebene eines Stadtrats eines Provinzhauptstadt auf. Und dennoch rüttelt er an den Grundfesten der Gesellschaft.

Fitz

Frustration ist ein Haupt-Thema der Serie. In der Episode „To be a somebody“ spielt Robert Carlyle eine ganz andere Rolle als in „The Full Monty“. Die Szenerie ist nicht so verschieden: Eine sterbende Arbeiterklasse, die von der Globalisierung vergessen wurde. Doch statt einen Striptease zu organisieren, ermordet Carlyle als Albie Menschen. Mit dem Bajonett, das sein Vater als Kriegsandenken mitgebracht hat – als Erinnerung an das Empire, für das sich das Kämpfen lohnte. Albie mordet, weil der Frust einfach zu viel wurde. Weil er zwar das Hirn hatte, um etwas anderes zu machen, als in einer Fabrik Metall zu schweißen. Aber nicht die Gelegenheit.

Cracker schafft dabei, was viele andere Serien nicht schaffen. Der Antiheld darf durch die Gegend stapfen und kann die Welt nach seinem Bild verformen. Seine Schuld ist die Schuld der Welt. Und deshalb kann er den Mördern auf Augenhöhe begegnen. Doch trotz all der Bravado bleiben die Fanboys und Fangirls nicht von der Realität verschont. Fitz zerstört nicht nur sich, sondern auch sein Umfeld. Er ist toxisch. Aber er steht in einer toxischen Gesellschaft. Wer will entscheiden, ob er das Gift oder das Gegengift ist?

Fitz

Vermutlich wird sich niemand finden, der diese alte Serie von dem Makel befreit, von der FSK als „über 18“ eingestuft zu werden. Dabei ist sie wohl weniger schädlich für die Psyche ist als zwei Folgen von Two and a Half Men oder der Menschenverachtung eines Münster-Tatorts, der so tut, als sei Mord furchtbar lustig. Das DVD-Set gibt es als Sonderangebot mit den Anti-Piracy-Spots aus den 90ern. Wenn ihr die Gelegenheit habt, guckt Euch die Serie an.

Friends

Ich habe Friends spät entdeckt, aber es hat mich dann doch heftig erwischt. Ich gehöre zwar nicht zu denen, die eine persönliche Beziehung zu Monica oder Rachel aufgebaut haben. Aber ich habe mir viel zu viele Gedanken um die Serie gemacht. Ich habe sogar mal vor zehn Jahren auf diesem Blog eine Übersicht veröffentlicht, welcher der sechs Friends denn welche andere Friends geküsst hat.

Es war sozusagen meine Einsteiger-Sitcom. Ich hatte vorher zwar auch US-Serien gesehen — aber nur in furchtbarer deutscher Synchronisation. Mit Friends bot sich mir die Gelegenheit, das Genre kennenzulernen, ohne dass ich vor allzu schwere Aufgaben gestellt wurde. Babysteps. Sechs unglaublich attraktive Leute spielen ungefähr zwölf Archetypen. Der Schnitt ist sauber, der Wortschatz eingeschränkt, der Rhythmus perfekt. Die Serie war für mich eine Blaupause, wie ein Witz aufgebaut wird, wie Dialoge funktionieren, wie man Konflikte thematisiert. Kurzum: Das Handwerk der TV-Comedy.

Ich habe zwar alle Staffeln auf DVD, doch ich könnte sie heute kaum noch mit Genuss anschauen. Der Grund: Die Serie hat die Fähigkeit verloren, mich zu überraschen.

Irgendwann war ich auf YouTube zum Beispiel auf die Serie „Taxi“ gestoßen — eine Sitcom über einen Taxi-Betrieb in New York mit Judd Hirsch und einem damals noch unbekannten Danny DeVito in den Hauptrollen. Nach zwei oder drei Folgen stutzte ich. Unter den Taxifahrern war zum einen ein Amateur-Boxer – gespielt von Tony Danza — und ein erfolgloser Schauspieler. Beide Charaktere zusammen waren Joey. Ein Italiener mit dem Traum, das triste Arbeiterleben hinter sich zu lassen, aber ohne die Fähigkeit, im Showgeschäft tatsächlich zu navigieren. Und damit war Joey plötzlich kein originärer Charakter mehr, sondern nur noch eine Adaption eines bestehenden Themas. So hat fast jede Sitcom ihren eigenen Joey-Charakter.

Es gab viele solcher Momente. Mit der Zeit erfuhr ich immer mehr über New York City in den Neunzigern. Und Friends fühlte sich so an, als sei es nicht wirklich im West Village auf Manhattan gedreht worden, sondern etwa 4000 Kilometer entfernt. Was denn auch stimmt: Denn die Serie wurde wie viele populäre New York-Shows damals in L.A. gedreht. (Vor einem Live-Publikum.) Die Darsteller und Autoren mögen am Anfang noch einen gewissen Flair von der Ostküste mitgebracht haben. Aber wenn man die Subway einmal gegen ein Auto eingetauscht hat und in einer Wohnung ohne Mitbewohner lebt, verblasst die Erinnerung doch recht schnell. Heraus kommt ein Produkt, das für ein weltweites Publikum so attraktiv ist wie Aufback-Croissants, McDonald’s Cheeseburger oder California Rolls. Wenn man das Original nicht kennt, sind diese Dinge sicher super. Kennt man das Original, will man sie nicht mehr haben.

Es hat mich auch einige Zeit gekostet, wirklich jeden Witz in der Serie zu verstehen. Zum Beispiel die Folge, in der Alec Baldwin den Freund von Phoebe spielt, der alles zwanghaft toll findet. Dass Baldwin für seine Wutausbrüche bekannt ist, erfuhr ich erst später.

Wenn man dann auch noch fünf Folgen in zwei Stunden guckt anstatt nur eine neue Episode pro Woche, verschlimmern sich die Effekte einer Network-Sitcom deutlich. So kann man richtig zusehen, wie Joey immer dümmer geschrieben wird. Am Anfang war er ungebildet, aber nicht doof. So sieht er mit einem Blick, was zwischen Ross und Rachel vorgeht. Zum Abschluss der Serie ist er quasi nicht mehr fähig, als menschliches Wesen in der heutigen Gesellschaft zu funktionieren.

Zu Friends-Jubiläen haben viele Leute eine Obsession : Ist die Serie noch lustig? Und: könnte man sie heute immer noch so drehen, obwohl sie doch so wenig divers gewesen sei und so unsensibel mit LGTBX-Themen umgegangen ist? Die Antwort auf beide Fragen ist: Ja. Friends hat sich erstaunlich gut gehalten, da es nie hohe Gipfel des Humors erklommen hat. Man muss weder Shakespeare gelesen haben, noch ist ein enzyklopädisches Wissen von Taylor-Swift-Songtexten notwendig. Es sind einfache Storylines, die heute noch Alltag sind: Ich kann die Freundin meines besten Freundes nicht leiden — was nun? Meine Freunde haben viel mehr Geld als ich und ich fühle mich ausgeschlossen. Soll ich meinen Job lieblos machen oder riskiere ich alles für meine wahre Berufung?

Das Fehlen von nicht-weißen Charakteren ist sicherlich ein Mangel. Aber doch erheblich besser als einen schwulen, schwarzen Bruder zu erfinden, der vielleicht einmal pro Staffel hereinschneit, nur damit die Lücke nicht so auffällt. Wenn man es als Qualitätskriterium einer Sitcom ansieht, dass sie niemandem auf die Füße tritt und dann noch ins Gesicht lacht, dann war Friends auf alle Fälle besser als Two and a Half Men, besser als Two Broke Girls, besser als The Big Bang Theory.

Wenn ihr Friends kennt — guckt Euch etwas besseres an. Falls ihr Friends nicht kennt: Schaut mal rein. Es lohnt sich wirklich.

De-Platforming

Derzeit kursieren Screenshots, auf denen sich der bekannte Troll Milo bitterlich darüber beklagt, dass seine Followerschaft stark gesunken ist, nachdem er nach jahrelangen Provokationen von Plattformen wie Twitter gesperrt wurde.

Klickt zum Tweet.

Lektion 1: De-Platforming wirkt. Obwohl die Hardcore-Fans wohl immer neue Apps herunterladen, um ihren Cheftrollen zu folgen, macht dies die Masse wohl nicht.

Lektion 2: Diese Leute verdienen es gelöscht zu werden. Auf dem dritten Screenshot ist zu sehen, wie sie die Errichtung einer „Underground railroad“ zu ihrem Vorteil errichten wollen. Für Leute, die sich kein bisschen mit US-Geschichte auskennen: Die Underground Railroad war ein System geheimer Stützpunkte, mit dem Sklaven befreit und vor ihren Ex-Eigentümern versteckt wurden. Diese Leute brauchen keine Follower, sie brauchen eine Therapie.

Lektion 3: Wollen wir wirklich die Firmen entscheiden lassen, wer von der Plattform zu fliegen hat, die Leute wie Milo erst groß gemacht haben und bis heute den Fehler nicht erkennen können?

Lektion 4: Sind wir wirklich so einfach zu beeinflussen, dass wir Leute, denen wir ein ganzes Weltbild aufgeben, wenn es denn mit zwei, drei Extra-Klicks und einen neuen Account voraussetzt? Oder: Ist der Troll der kleinste gemeinsame Nenner, den wir füttern, solange es uns bequem ist, dem aber so gut wie niemand wirklich nachtrauert?

Lektion 5: Was sind heute alles Plattformen? So gab es in den USA ja eine erbitterte Diskussion, ob man Milo von Auftritten an Universitäten abhalten kann. An meiner Universität hätte sich die Frage nie gestellt. Die wenigen Vorträge, die wir freiwillig aufsuchen konnten wurden von Leuten mit Professoren- oder zumindest Doktor-Titeln gehalten. Und selbst zu diesen Anlässen musste die Veranstalter enorm nervös sein, dass ihnen ein Haustechniker den Strom abstellt oder ein Hausmeister die Veranstaltung beendet, weil irgendwer in der Verwaltung vergessen hatte, einen Sonderdienst einzuteilen.

Lektion 6: Was ist nur mit Trollen passiert? Als ich einst auf der ersten oder zweiten re:publica einen Vortrag über das Trollen gehalten habe, war die Dynamik noch eine vollkommen andere: Hobbybesserwisser machten Späße für eine enge Zielgruppe. Die toxische Wirkung für Communities wurde uns später erst bewusst. Wenn Trollen jedoch zum Broterwerb und zum Millionengeschäft wird, an dem sich auch Buchverlage beteiligen, dann versagen die sozialen Mechanismen von damals.

Das Geheimnis meines Apartments

New York City. Ein junger, fitter und ehrgeiziger Angestellter tritt seine Stelle in der Firmenzentrale eines gesichtslosen Konzerns an. Seine Träume werden schnell von der Realität zermalmt: Fleiß und Intelligenz alleine reichen nicht aus für den unaufhaltsamen Aufstieg, das Penthaus, den Respekt der Gesellschaft. Bei näherer Betrachtung sind die Oberen ohnehin alle nicht so brilliant oder gar fleißig.

Plötzlich drängt sich die Erkenntnis auf: Viel erfolgversprechender ist es, wenn man sich durch die Bettgeschichten der Großkopferten einen Vorteil verschafft und damit zumindest bescheidenen Luxus erkämpft. Also steigt unser junger Mann ein in das Spiel der Verlogenheit, und schon bald führt er ein Doppelleben. Bis er sich verliebt und plötzlich scheint sich alles zu lohnen. Es geht aufwärts. Doch irgendwann muss er erkennen: Auch seine Angebetete ist Teil des Spiels um Sex, Macht und Geld. Und in ihm zerbricht eine Welt.

Ich habe nun endlich mal „Das Geheimnis meines Erfolges“ mit dem noch jungen Michael J. Fox gesehen. Und diese RomCom von 1987 ist in gewisser Weise ein Remake der Billy Wilder-Komödie „The Apartment“ von 1960 mit Jack Lemon. Der oben beschriebene Plot oben ist identisch — nur alles andere ist anders.

Wie die gleichen Themen mit einem Abstand von einer Generation behandelt werden, ist aus meiner Sicht immer wieder spannend. Offensichtlich ist es in diesem Fall etwa in der Behandlung des Thema Sex, das 1987 nur noch als „Boom Boom“-Witz existiert. Bei „Das Geheimnis meines Erfolgs“ ist der Höhepunkt Slapstick-Nummer der Marke Benny Hill, wo jeder in die Betten eines anderen kriechen will. Aus heutiger Sicht ist das allenfalls entfernt lustig. Ein Mann, der mit verstellter Stimmer unter der Bettdecke herausruft, dass er grade keinen Sex will und der liebestolle andere Mann kommt trotzdem ins Bett – ist das Humor, Satire oder schlicht eine Grotske?

Billy Wilder war alles andere als subtil — aber in „Das Apartment“ konnte Shirley MacLaine noch die Geschichte aus der Sicht ihres Charakters erklären. Helen Slater als Partnerin in Michael J. Fox bekommt nur eine Fahrstuhlfahrt und ein dämliches Happy End.

Interessant ist auch das Gesellschaftsbild: Während 1960 noch ein Konzern-Kapitalismus als krankes System beschrieben wird, das man hinter sich lassen muss um intakt zu bleiben, ist das gleiche System eine Generation später noch viel kranker: Die Chefs sind dämlicher, die Angestellten unterwürfiger, die Fassaden gläserner. Aber der Film sagt: Fuck it — wenn die richtigen Leute gewinnen, macht es richtig Spaß: Limousinen, Champagner und Abende in der Oper.

Ich kann ehrlich nicht sagen, welcher Film seiner Zeit ein schlechteres Zeugnis ausstellt. Nur: Schaut „Das Apartment“.

Gesellige Ideen

Eins meiner ersten Lieblings-Podcasts war NPR Planet Money — ein ambitionierter Versuch, unser Wirtschaftssystem im Anbetracht der Weltfinanzkrise von 2008 neu zu erklären. Mir gefiel, wie die Sendung in der Regel unhinterfragte Annahmen des Wirtschaftslebens doch hinterfragte und so einerseits die Mängel des amerikanischen Finanzwesens aufdeckte, aber dabei auch Dinge erklärte, die tatsächlich Sinn machen.

Ich habe schon länger nicht mehr reingehört, bin vor kurzem aber auf dieses Stück gestoßen: The ‚Strange, Unduly Neglected Prophet‘. es geht um Silvio Gesell, dem Gründungsvater der Freiwirtschaftslehre, der ich mich 2008 schon mal an dieser Stelle gewidmet hatte.

Der Anlass ist klar: Da derzeit Negativzinsen nicht mehr nur ein theoretisches Konstrukt, sondern mittlerweile eine Realität für Sparer sind, kann man sich fragen: A) Wer kam schon mal auf eine solche Idee und B) was können wir von ihnen lernen. Die Antwort auf Frage A) ist: Silvio Gesell kam tatsächlich mit der Idee eines Schwundgeldes auf, das stetig an Wert verlieren und somit den wachstumsbringenden Geldwirtschaftskreislauf beschleunigen sollte. Die Antwort auf Frage B: Wir können absolut nichts von Silvio Gesell lernen.

Planet Money hat das nicht erkannt und hat eine lobhudelnde und lückenhafte Schaffensgeschichte zusammengetragen:

Gesell wanted to create a new kind of money — a money that would „rot like potatoes“ and „rust like iron“ so no one would want to hoard it, a money that was „an instrument of exchange and nothing else.“ And the crazy part is that he did create it. Through a series of pamphlets, articles and books, Gesell inspired a worldwide movement that introduced a completely new form of money. It’s one of the most fascinating, and largely forgotten, stories in economic history.

[…]

In 1919, anarchist revolutionaries in Munich, Germany, took the helm of the short-lived Bavarian Republic, and they persuaded Gesell to become their finance minister. Led by pacifist poets and playwrights, it has been called „one of the strangest governments in the history of any country.“ Gesell began pursuing a program that included land reform, a basic income for women with children and, of course, stamped money. But the job lasted less than a week — ending after another group of revolutionaries, this time led by hard-line communists, overthrew the anarchist poets and playwrights. A year later, after the German government reasserted control, Gesell was tried for treason. But, successfully arguing that his only role and purpose was to rescue the Bavarian economy, he was acquitted after a one-day trial and went back to writing.

Was nicht erwähnt wird. Gesells Ideen, die zum Beispiel eine Unterscheidung vom „raffenden“ und „schaffenden Kapital“ vorsahen, fanden Anhänger in vielen Lagern. Unter anderem Adolf Hitler. Das ist auch der Grund, warum sich einige Punkte des 25-Punkte-Programms der jungen NSDAP so lesen, als seien sie direkt aus Gesells Schriften abgeschrieben worden.

Ich hatte mir mal vor über zehn Jahren die Arbeit gemacht in der Universitätsbibliothek die wenigen vorhandenen Schriften von Silvio Gesell im Volltext anzusehen. Und ich kam zum Ergebnis: Nicht nur ist es kein Zufall, dass die Nazis Silvio Gesells Ideen so mochten. Er lag auch mit so ziemlich allem falsch.

Kein Wunder in Wörgl

Zu seiner Ehrenrettung: Eine systematische Volkswirtschaftslehre gab es damals nicht. Leute wie John Maynard Keynes mussten ihre Ideen anhand einer unüberschaubaren Realität entwickeln und riskierten dabei nicht nur falsch zu liegen, sondern auch alles zu verlieren. Silvio Gesell lag mit einem richtig: Das damals existierende Geldsystem klappte nicht. Er konnte aber nie ergründen, woran dieses Nicht-Funktionieren genau gelegen hat. Und auch in der Weltwirtschaftkrise konnte er nicht mehr tun, als das festzustellen, was nun jedem offenbar wurde: Es gab eine Weltwirtschaftskrise.

Das berühmte „Wunder von Wörgl“, bei dem angeblich Gesells Ideen vermeintlich getestet wurden, war keines. Weder war das Ergebnis ein Wunder, noch gab es tatsächlich belastbare Ergebnisse. Eher die Ausprägung eines Cargo-Kultes. In einer akuten Krisenlage wurde etwas Verzweifeltes versucht. Es klappte kurzzeitig, bevor es dann plötzlich nicht mehr klappte. Und seit 90 Jahren hat nie wieder jemand wirklich versucht, ein solches Experiment nachzubauen. Es gab zwar Regiogelder – die erreichten jedoch nicht mal den Umfang von Payback-Punkten und konnten daher keinerlei Währungseffekte entwickeln.

Einer der Punkte, an dem Silvio Gesell so falsch lag: Er betrachtete den Grund und Boden als einzige relevante Ressource. Der einen Seite mag es sympathisch sein, dass er deswegen zu einer Grundreform aufrief. Der anderen Seite war etwas anderes sympathisch: Wenn Grund die einzige relevante Ressource ist, ist ein Eroberungsfeldzug im Osten ja nur Ausdruck des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Fortschritts. Was heute jeder Seite klar sein müsste: Eine Wirtschaftstheorie, die sich darauf stützt, dass Grund die einzige relevante Ressource ist, kann weder die Realität von heute oder gestern erklären, noch einen Blick nach vorne erlauben.

So war es Gesells ultimative Idee, den Geldumlauf zu erhöhen. Heute jedoch kursieren jedoch bereits Billionen Dollar in unglaublichem Tempo um den Globus, was dann auch zur Weltfinanzkrise führte. Und teils wahnsinnigen Immobilienpreisen. Und dem scheinbar grenzenlosen Kapitalnachschub für Uber. Vielleicht würde Gesell bei der Analyse der heutigen Situation das Gegenteil vorschlagen. Wir können ihn nicht mehr fragen.

Ein Exot, kein Prophet

Insofern: Silvio Gesell war ein Exot. In einer unübersichtlichen Zeit hat er sich daran gemacht, Zusammenhänge zu verstehen und die Welt zum Besseren zu verändern. Der Versuch mag verdienstvoll gewesen sein — er ist jedoch gescheitert.

Und selbst wenn man nochmal ein Währungssystem konstruieren will, das auf Negativ-Zinsen oder Schwund basieren sollte, wäre es an der Zeit, die Schriften von Silvio Gesell zu vergessen. Denn er lebte in einer Zeit, an der die Währungen noch an den Goldwert der Reserven königlicher und kaiserlicher Banken gebunden war. Er kann kein Wegweiser mehr sein in einer Zeit, in der Geld bereits mehrfach neu erfunden wurde und die Probleme, die es damals gab, tatsächlich gelöst wurden. Mn könnte auch sagen: Die alten Probleme wurden durch neue Probleme ersetzt. Diese neuen Probleme jedoch benötigen neue Propheten, neue Ideen und neue handfeste Experimente.

Hot Ones

Wenn Schauspieler einen neuen Film oder eine neue Serie herausbringen, müssen sie auf eine PR-Tour gehen. Wir wissen alle, wie das so ist. Denn wir haben „Notting Hill“ gesehen. Weltstars wie Julia Roberts reisen durch die Metropolen der Welt, schreiten bei der Filmpremiere über den roten Teppich und werden dann in einem anonymen Hotelzimmer durch eine Reihe von fünf, zehn oder zwanzig nichtssagenden Interviews geschleift. Dann Sex mit Hugh Buchhändler, Alec Baldwin taucht auf, Yadda, Yadda, Yadda. Nächster Film.

So war es zumindest einmal. Zumindest fast so. Doch das Filmgeschäft hat sich geändert. PR-Touren sind inzwischen so wichtig geworden, dass man einen Weltstar wie Kevin Spacey nur für eine Szene verpflichtet, damit er nachher bei Stephen Colbert auftritt und für den Film wirbt. Zum anderen ist aus dem anonymen Hotelflur mit den Fließband-Interviews ein regelrechter Hindernislauf geworden. Die Stars müssen sich nicht mehr nur zu langweiligen Interviews bereiterklären. Stattdessen werden sie durch einen ganzen Zirkus von PR-Events geführt. Sie geben in der Garage eines dauermasturbierenden Comedians Interviews, weil ja Obama auch schon da war. Sie müssen mit Jimmy Fallon in New York City dämliche Quiz- und Tanzspiele absolvieren, in L.A. mit James Corden Delphinhoden essen und dann auch noch über den Atlantik zu Graham Norton. Und wenn sie ganz, ganz viel Pech und einen guten PR-Manager haben, werden die Stars in ein kleines Studio in New York geschickt, wo die YouTube-Serie Hot Ones aufgenommen wird.

Das Konzept der Sendung ist einfach: Der hoodie-tragende Hipster-Moderator Sean Evans interviewt einen Star — Schauspieler, Comedian, Rapper, whatever — während beide zusammen Hot Wings essen — also gebratene Hähnchenflügel mit zunehmend scharfer Soße. Und wenn Sean Evans „hot“ sagt, meint er es auch. Den von ihm interviewten Stars bricht unweigerlich nach einigen Minuten der Schweiß aus. Manche schreien vor Schmerz, andere brechen in Tränen aus. Ein Gast hat sich auch vor laufender Kamera in die Hosen — Verzeihung — geschissen. Und dennoch liebe ich die Sendung. Denn es ist eine der besten Interview-Shows von heute.

Der Mythos der Sendung ist, dass die Interviews bei Hot Ones wegen des scharfen Essens so gut gelingen. Evans hat das Phänomen jahrelang in Dutzende Mikrofone erklärt: Wenn die Prominenten mit ihrer physischen Qual beschäftigt sind, werden sie aus dem Konzept geworfen und vergessen ihr jahrelanges Medientraining, mit dem sie sonst jede kritische oder interessante Frage abperlen lassen können.

Das mag so sein, aber es ist maximal die halbe Wahrheit. Das wahre Erfolgsrezept ist: Die Show nimmt nicht nur ihre Gäste ernst, sondern auch ihre Arbeit. Bei einem Interview in der Late Show mit Stephen Colbert behandelt ein Interviewsegment üblicherweise eine Anekdote und dann den Film, die Serie, die Show, die der Gast bewerben will. Bei Hot Ones gibt es „Deep cuts“. Vor der Sendung haben sich Sean Evans und sein Team stundenlang durch Interviews gewühlt, hat den Instagram-Account des Gastes geflöht und sogar die Fanforen nach den spannendsten ungeklärten Fragen durchsucht. Und er stellt sie. So redet er mit Kristen Bell über die Philosophie-Lektionen in The Good Place, mit Charlize Theron über das Kampftrainig für ihre Filme, mit Idris Alba über die Londoner Musikszene seiner Jugend. Er lässt sich nicht von der Prominenz blenden, sondern redet mit den Handwerkern des Show-Business über ihre Kunst.

Natürlich reicht eine 15 bis 25-minütige Sendung, die zum großen Teil aus Standardeinstellungen von kleinen Soßenflaschen besteht, plötzlich ganz neu das Wesen eines Lebenswerks zu entdecken. Aber bemerkenswert oft gibt die Sendung ein paar neue Denkanstöße. Und falls nicht, ist es doch lustig, dabei zuzusehen, wenn Sean Evans seine Gäste zum „Last Dab“ herausfordert — nämlich von der schärfsten Soße noch eine Extra-Portion zu verzehren. Hier sieht man: Niemand, fast niemand von den Stars hat auch nur bisher auch nur eine Folge von „Hot Ones“ gesehen. Ihre PR-Berater haben ihnen kurz das Konzept erklärt und sie in das Auto gesetzt. Trotzdem: Niemand kann der Herausforderung widerstehen, die Fans, die Hater oder auch nur Sean Evans beeindrucken zu wollen.

Meine Empfehlung: Schaut Euch durch den Katalog von Hot Ones und sucht Euch einen Gast raus, der Euch sowieso schon interessiert. Und wenn Euch die Sendung selbst gefällt: Schaut die Folge mit dem Superfan. Denn auch Hot Ones gehört zum Medienzirkus und verdient daher eine bullshitfreie Betrachtung.

Plastiktüten sind furchtbar

Ich finde es grade etwas absurd, wie verbissen sich manche Menschen im vermeintlichen Freiheitskampf für die Einkaufstüte aus Plastik engagieren. Denn selbst wenn es keine Abfalldebatte gebe, selbst wenn Plastiktüten aus verdichteter Zuckerwatte bestünden und nach Gebrauch an Einhörner und Eisbärenbabys verfüttert würden — selbst dann wären sie furchtbar.

Jede andere Methode seine Verkäufe nach Hause zu bringen scheint mir weit überlegen. Zum einen das immer wieder vollführte Drama am Einkaufsband: „Darf ich nochmal durch? Oder könnten Sie mir grade ein Tüte anreichen?“ Dann muss die Tüte aufgeschüttelt werden. Dann bleibt die Tüte nicht offen, sondern wird von der statischen Elektrizität wieder zusammengezogen. Und dann entdeckt man: Oh Gott, ich muss doch die Tomaten nach oben… Und die Bananen…. Und die Eier. Dann greift der Plastikkunde zu den Plastikgriffen und die Last des Einkaufs zerquetscht den Joghurtbecher.

So richtig zehennagelaufrollend wird es dann vor dem Supermarkt. Etwa, wenn jemand versucht, die Tasche aufrecht in seinen Kofferraum zu stellen. Weil: Diesmal fällt sie garantiert nicht um. Anders als die 500 Male zuvor. Oder noch schlimmer: Leute, die ihre Plastiktüte am Fahrradlenker baummeln lassen. Eigentlich ist das keine Fortbewegung mehr, sondern ein mobiler Unfall. Man kann nicht richtig lenken, man kann nur mit halber Kraft fahren, man ist allen anderen Leuten im Wege, weil die Tüte schaukelt und der Rest des Rades auch. Was ich noch nicht gesehen habe: Plastiktüten auf dem E-Scooter. Die Leute auf diesen Gefährten mögen besoffene Hedonisten sein. Aber so ganz von gestern sind sie halt auch nicht.

Denn das einzige was die Plastiktüte für sich hatte: Sie war immer da. Und sie war meist umsonst. Jetzt, wo das nicht mehr der Fall ist: Leute, ihr seid befreit.

„Verbot“ ist verboten

Heute gibt es mal wieder eine besonders verquaste Sommerloch-Mediendebatte. Carsten Linnemann, Vize-Vorsitzender der CDU-Bundestagsfraktion, hat ein Interview mit der Rheinischen Post geführt. Die dpa-Zusammenfassung führte zu heftiger Kritik, weil die Nachrichtenagentur in der Überschrift von einem „Grundschulverbot“ sprach. Dieses Wort war in dem Interview aber gar nicht gefallen.


Die dpa hat sich entschuldigt und eine neue Meldung hinterhergeschickt. Also eigentlich alles wie üblich und erledigt, oder?

Das Kuriose ist aber: Linnemann hat tatsächlich ein Verbot gefordert. Ja, die dpa hat diesen Aspekt in der Überschrift zu sehr zugespitzt und der Bundestagsabgeordnete hatte sich nicht ganz zu unrecht beschwert. Aber wenn man sich die Korrektur durchliest, geht es um Präsentation und weniger um die Substanz:

Unionsfraktionsvize Carsten Linnemann (CDU) weist den Begriff „Grundschulverbot“ für seinen Vorstoß zurück. Ihm gehe es darum, dass es Konsequenzen haben müsse, wenn Kinder vor der Schule die sogenannten Sprachstandstests nicht bestünden. Wenn dann trotzdem eingeschult würde, hätten weder die Kinder aus deutschsprachigen noch die aus nicht-deutschsprachigen Haushalten etwas davon, sagte Linnemann am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Die dpa hatte in der Überschrift einer Meldung vom Montag den Begriff „Grundschulverbot“ verwendet und dies am Dienstag nachträglich korrigiert.

Der „Rheinischen Post“ hatte Linnemann gesagt: „Um es auf den Punkt zu bringen: Ein Kind, das kaum Deutsch spricht und versteht, hat auf einer Grundschule noch nichts zu suchen.“ Er schlug für betroffene Kinder eine Vorschulpflicht vor. Notfalls müsse eine Einschulung auch zurückgestellt werden, sagte er.

Also: Linnemann mag den Begriff nicht, den die dpa gewählt hat. Aber seine Forderung ist: Wenn ein Kind den „Sprachstandstest“ nicht besteht, muss es eine Konsequenz geben. Diese Konsequenz heißt: Das Kind darf nicht in die Regelschule. Oder in anderen Worten: Es geht um ein Verbot.

Auch die entscheidenden Textstellen des Ursprungs-Interviews, die zum Beispiel Thomas Knüwer online stellt, da sich der Volltext hinter eine Paywall verbirgt, lassen eben den gleichen Schluss zu.

„Es reicht nicht nur, Sprachstandserhebungen bei Vierjährigen durchzuführen, sondern es müssen auch Konsequenzen gezogen werden. Um es auf den Punkt zu bringen: Ein Kind, das kaum deutsch spricht und versteht, hat auf einer Grundschule noch nichts zu suchen. Hier muss eine Vorschulpflicht greifen, notfalls muss seine Einschulung auch zurückgestellt werden.“

Das gleiche wie oben: Kinder sollen zu einem Test verpflichtet werden. Und wer den Test nicht besteht, darf nicht auf die Schule. Ein klassisches Verbot. Wenn ich den Führerschein nicht bestehe, ist es mir verboten, Auto zu fahren. Wenn ich den Alterstest bestehe, darf ich keine Zigaretten kaufen. Das Wort „Verbot“ alleine mag den Nuancen und Details des Vorschlags nicht gerecht werden, es bleibt aber ein Verbot.

Trotzdem hat sich erstaunlich schnell herumgesprochen, dass man Verbot nicht „Verbot“ nennen soll. So kommentiert Gökalp Babayiğit bei Süddeutsche.de:

Nein, als „Grundschulverbot für Kinder, die kein Deutsch können“, wie es die Deutsche Presse-Agentur anfangs umschrieb, lässt sich die Forderung von Carsten Linnemann nicht bezeichnen.

Einen Absatz später heißt es aber:

„Linnemann, immerhin stellvertretender Unionsfraktionschef im Bundestag, will Kindern mit ungenügenden Sprachkenntnissen die Einschulung verwehren.“

Also kein Verbot, sondern ein Verwehren? Ich bin mir ziemlich sicher, beide Worte sind in diesem Kontext Synonyme.

Auch Patrick Gensing hat sich im Tagesschau-Faktencheck verzettelt, indem er ebenfalls das Grundschulverbot dementiert. Aber dieses Interview ist — selbstverständlich — ein klassischer „Testballon“. Ein Politiker aus der zweiten Reihe bringt eine womöglich unpopuläre Maßnahme ins Spiel und die Partei wartet die Reaktionen ab, so dass sich die Politiker aus der ersten Reihe dem Thema entweder widmen oder es lieber auf die lange Bank schieben können. Natürlich ist der Vorschlag in Details äußerst vage. So will sich der Bundestagsvizefraktionsvorsitzende nicht wirklich im Detail äußern, da er beim Länderthema Schule eh keine Zuständigkeit hat und die super-teure Vorschule nicht aus seinen Etats bezahlen will. Wie es bei Testballons üblich ist, erscheinen die Reaktionen der politischen Kontrahenten darauf wieder überhitzt. Das kann man zurecht kritisieren.

Aber kann man es auf Fakten prüfen? Es wäre vielleicht eine andere Interpretation möglich: Herr Linnemann improvisierte in dem Interview und ihm fiel gar nicht auf, dass er in der Aufzählung seiner Gedanken zum Thema in der Konsequenz ein Verbot forderte. Es kann auch sein, dass er ein wesentliches Detail vergessen hat — etwa, dass die reguläre Einschulung maximal ein Jahr verschoben werden kann. Die Kernfrage wäre also: Wusste Herr Linemann, was er dort sagt und wie es ankommen wird? Ich vermute: ja. Aber das ist halt kein Fakt, den man so einfach zweifelsfrei checken kann.

Alles in allem: Die dpa hat ihre Meldung überspitzt und einen Fehler gemacht. Sie hätte in der Überschrift ein echtes Zitat verwenden können oder zum Beispiel die verpflichtenden Sprachtests thematisieren können. Im kollektiven Zurückrudern haben die vernetzten deutschen Journalisten aber dann auf bemerkenswerte Weise vergessen, was denn das Wort „Verbot“ bedeutet und dass man tatsächlich Schlussfolgerungen aus verquast formulierten Forderungen ziehen darf, sofern man denn den Leser mitnimmt. Eine klassische Überkorrektur.

PS: Eine Lehre kann ich vielleicht für meine Arbeit daraus zieht: Wann immer jemand eine unbestimmte Einschränkung wie „noch“ ins Spiel bringt, muss eine Nachfrage kommen: Wie lange denn? Was heißt das konkret?

Die Legende von der linken Spur

Wir haben alle so unsere kleinen Defizite und Missverständnisse. Der eine glaubt bis zur fünften Klasse, dass Seepferdchen Fabelwesen sind, der andere begreift bis 30 nicht, dass lautes Rülpsen kein überall gewürdigtes Kompliment für gutes Essen ist. In letzter Zeit stoße ich vermehrt auf ein spezielles Missverständnis, das offenbar von vielen Leuten geteilt wird. Lasst es mich mal klarstellen.

ES GIBT KEIN UNBEDINGTES RECHT AUF ÜBERHOLEN!

Ich fahre nicht viel Auto, ich gehöre zum Glück nicht zu den Leuten, die Tag für Tag 100 Kilometer pendeln müssen. Dennoch begegne ich auf Autobahnen immer wieder Leuten, die dem gleichen Missverständnis unterliegen. Fast jeder deutsche Autofahrer wird den Moment kennen: Man überholt eine lange Kolonne von LKWs, Wohnmobilen und Pferdetransportern. Sagen wir mit der Richtgeschwindigkeit 130 km/h. Plötzlich sieht man im Rückspiegel: Von hinten kommt jemand mit 170, 180 oder gar 200 km/h angerast.

Eigentlich kein Problem: Freie Sicht, für jeden muss klar sein, dass die linke Spur besetzt ist. Der eilige Autofahrer müsste nicht mal bremsen — es reicht vielleicht schon, den Fuß vom Gas zu nehmen — und die linke Spur ist wieder frei, bevor man sich auch nur ins Gehege kommen könnte. Doch nach 20, 30 Sekunden kommt die Erkenntnis: Der Nachfahrende geht nicht vom Gas. Bleifuß, Bleifuß, Bleifuß. Als ob die linke Spur frei wäre. Erst wenn eine Kollision fast unausweichlich scheint, macht der Nachfolgende eine rapide Bremsung und bleibt auf minimalem Abstand — vielleicht 10 Meter, vielleicht auch nur 5 Meter — bis denn die linke Spur wieder frei ist.

DAS IST NÖTIGUNG! UND LEBENSGEFÄHRLICH!

Eigentlich sollte jedem klar sein: Das Verhalten, das ich hier schildere ist nicht nur illegal, sondern lebensgefährlich. Wenn auch nur eine kleine Unachtsamkeit passiert oder schlicht ein unerwartetes Schlagloch auftaucht, wenn ein Spatz genau zur falschen Zeit über die Autobahn fliegt, stoßen die beiden Autos auf der Überholspur zusammen. Ab in die Leitplanke und dann nach rechts in die Kolonne aus Urlaubern und LKW-Fahrern. Ein Glück, dass Autos, die 200 km/h fahren die besten Airbags und Fahrgastzellen der Welt haben. Alle anderen: Who cares?

Wenn ich die Situation in sozialen Medien schildere, kommt immer, aber auch immer Widerspruch. „Aber wenn man sieht, dass jemand von hinten kommt, muss man doch die linke Spur frei machen!“ Oder gar: „Sobald ich genötigt werde, mein Bremspedal zu berühren, werde ich behindert und damit genötigt.“ Ich paraphrasiere hier, aber übertreibe nicht. Eine erstaunliche Menge an Leuten mit Führerschein und dicken Autos sind tatsächlich der Auffassung, dass es eine Art Vorfahrt für Leute gibt die 180 km/h oder schneller fahren. Das ist falsch. Deshalb nochmal explizit:

ES GIBT KEINE VORFAHRT FÜR LEUTE, DIE 180 FAHREN!

Mit dieser Realität konfrontiert, kommt die Partei der Überholfreunde ins Schwimmen. Aber es gibt doch das Rechtsfahrgebot! Und: Man darf nicht einfach ausscheren, wenn man sieht, dass man überholt wird. Das stimmt beides. Beides steht sogar explizit im Gesetz. Insbesondere StVO Paragraph 5 sollte man mal lesen. Hier steht sogar eine Menge anderes. Zum Beispiel darf man, wenn überholt wird, nicht einfach aufs Gas drücken, um ein kleines Rennen zu veranstalten. Und man darf nicht mit 105 km/h auf Dauer die linke Spur blockieren, wenn auf der rechten Spur 100 km/h gefahren wird. Man darf aber mit 105 km/h überholen, wenn rechts 70 km/h gefahren wird.

Denn was in der StVO nicht steht: Das schnellere Auto hat Vorfahrt. Es gibt kein unbedingtes Recht aufs Überholen. Wer zu Recht auf der Überholspur ist, ist zu Recht auf der Überholspur. Wer dabei 120 km/h fährt, hat genau so viel Rechte wie jemand, der gerne 60, 80 oder gar 100 km/h schneller fahren würde. Man schaut in den Rückspiegel, man blinkt, man überholt zügig und dann ist man im wesentlichen mit der Verkehrsordnung im Reinen.

WER RASEN WILL, MUSS BREMSEN KÖNNEN!

Tatsächlich gibt es in anderen Ländern andere Regeln. In der Schweiz etwa gibt es die explizite Verpflichtung die linke Spur freizumachen, wenn denn jemand überholen will. Natürlich nur im Rahmen der realistischen Möglichkeiten — aber immerhin. Warum kann es die Regel dort geben und nicht auf deutschen Autobahnen? Die Antwort ist eigentlich offensichtlich: Die Höchstgeschwindigkeit in der Schweiz ist 120 km/h. Meinen oben geschilderten Fall kann es dort laut Gesetz gar nicht geben. Weder darf Fahrer A die LKWs mit 130 km/h überholen, noch kann plötzlich von hinten ein enorm schnelleres Auto auftauchen. Wenn alle Leute maximal 120 statt maximal 220 km/h fahren, hat jeder einzelne Fahrer Welten mehr Zeit auf den umliegenden Verkehr zu achten, muss weniger Abstand halten, kann einfacher zurück auf die rechte Spur einscheren. Und wer links 120 km/h fährt, muss im normalen Verkehr eh keinen Platz machen, da er sowieso nicht überholt werden darf.

Sprich: Weil wir in Deutschland kein allgemeines Tempolimit haben, ist es eine logische Notwendigkeit, dass insbesondere die schnellen Fahrer auf der Autobahn vorausschauender fahren müssen. Und vorausschauenderes Fahren heißt übersetzt: Man muss bremsen. Denn je größer er Tempounterschied zwischen den Autos ist, um so geringer die Vorwarnzeit bei einem Überholmanöver. Wer also ganz alltäglich einen Lastzug überholt, kann keine Ahnung haben, ob hinter ihm jemand kommt, der gerne — BRUMM BRUMM — viel schneller überholen würde. Den Überholvorgang abzubrechen würde nur wieder neue Gefahren bringen und zu Stockungen auf der rechten Spur führen. Denn die linke Spur ist für alle da.

Das war jetzt viel Text. Deshalb nochmal das TL;DR:

ES GIBT KEINE VORFAHRT FÜR LEUTE, DIE 180 FAHREN!

Und: Gute Fahrt!