Alkoholfreie Zonen

Die Netzeitung berichtet:

Die Kommunen wollen öffentlichen Alkoholkonsum in der Nähe von Kinderspielplätzen und Sehenswürdigkeiten verbieten. Wie die «Saarbrücker Zeitung» berichtet, schlägt der Städte- und Gemeindebund vor, alkoholfreie Zonen einzurichten und mit Schildern auszuweisen. Bei Verstößen wollen die Kommunen bis zu 50 Euro Bußgeld erheben.

Dummerweise sind ein großer Teil von Kölns Sehenswürdigkeiten Brauhäuser. Ich wäre aber sehr für die Einrichtung einer karnevalsfreien Zone. Vielleicht jedes Jahr ein anderer Stadtteil.

Cross-Marketing bei der Netzeitung

Ich schätze ja die Rubrik „Altpapier“ im Medien-Teil der Netzeitung. Doch heute stutze ich, als ich auf den Artikel unter der Überschrift Motor FM jagt die großen Radiosender stieß:

Internet- und Analog-Radio – für den Berliner Sender 100.6 Motor FM hat das von Anfang zusammen gehört. Das zukunftsorientierte Denken hat sich bereits ausgezahlt.

Gerade einmal ein Jahr ist der Radiosender Motor FM in Berlin und Brandenburg auf der Frequenz 100,6 zu hören – und schon kennt ihn jedes Kind. Aus der jüngsten Analyse der TNS Emnid über die Marktanteile im Radiosektor geht Motor FM als Senkrechtstarter hervor. In der Zielgruppe der unter 30-Jährigen erzielte der Sender aus dem Stand Marktanteile, die einem Viertel derer der Marktführer Energy, Fritz oder Kiss entsprechen.

Wie kommt so eine Null-News im reißerischen PR-Stil in den redaktionellen Teil der Netzeitung? Nun, ein Blick in das Impressum von Motor FM legt einen bösen Verdacht nahe:

100,6 Motor FM ist ein Gemeinschaftsprojekt des Plattenlabels „Motor“ und der NETZEITUNG.

1. VERANSTALTER und WORTREDAKTION:

NZ Netzeitung Hörfunk GmbH
Albrechtstraße 10
10117 Berlin

Zwar wurde diese GmbH im Zuge des Verkaufs der Netzeitung ausgegliedert, nach wie vor kooperiert die Netzeitung aber mit Motor FM. Das sind keine guten Aussichten für die Zukunft der Netzeitung.

PS: Andere Medien wie Horizont oder der Tagesspiegel schaffen es über die Reichweiten gleich mehrere Sender zu berichten – ohne werbliche Anpreisung. Aber vielleicht hat Motor FM die Begeisterung der redaktionellen Schwester auch nötiger: Die Medienanstalt Berlin-Brandenburg hat nämlich die Frequenz neu ausgeschrieben.

Der Content kommt aus der Luft

Die FAZ berichtet, dass die neuen Eigentümer der Netzeitung in Zukunft ohne Redakteure auskommen wollen.

Vorgestellt wurden die entscheidenden Maßnahmen denn auch nicht von Matthias Ehlert und Michael Angele, den amtierenden Chefredakteuren der „Netzeitung“, sondern eben vom neuen Management. Von Robert Graubner wird kolportiert, dass für ihn Online-Journalisten nicht mehr und nicht weniger seien als „Content-Manager“, „News-Aggregatoren“, „Google-Optimiser“ und „Channel-Manager“.

Und eines Tages kommt vielleicht ein Content-Manager daher und entdeckt überrascht, dass er schreiben kann. Verschwendetes Talent?

PS: Der Plan zur Rettung der Redaktion liegt auf der Hand: Sponsoring. Könnte sich zum Beispiel die INSM nicht einen Redakteur in Berlin leisten? Das lesenswerte Altpapier könnte quasi als Wiedergutmachung von Pro7Sat1 finanziert werden (mit Gastautorin Sonya Kraus) und das Internet-Ressort von Microsoft oder Yahoo.

Geklaute Wette – Big Deal

Ein Komiker beansprucht Urheberschaft an einer doofen Wetten-dass-Wette. Big Deal.

Wer erwartet von „Wetten Dass…?“ denn echte originelle Herausforderungen? Diverse Denksport-Wetten konnte ich damals noch am Bildschirm lösen. Ich erinnere mich an eine Schülerin, die erstaunlicherweise vielstellige Zahlen in Potenzen von dreistelligen Zahlen ausdrücken konnte. Dabei war dabei nichts furchtbar Besonderes, mit ein paar Grundregeln und etwas Zahlengedächtnis ist das kein Problem. Wenn das vorgegebene Ergebnis mit einer 5 endet, endet natürlich auch die gesuchte Basiszahl mit 5. Endet das Ergebnis auf 9, ist die letzte Ziffer der Basis entweder eine 3, 7 oder eine 9. Wenn man dann noch ungefähr weiß, in welche Größenordnung einige Potenzen liegen, kann man kaum falsch liegen.

Anwaltlicher Notdienst rettet Polizei-Vandalen

Die Meldungslage in Heiligendamm lässt heftige Dementis erwarten, aber der obligatorische Verdacht der Autonomen, dass sich Polizisten als Provokateure betätigen hat reichlich Futter bekommen. Die Nachrichtenagentur ddp berichtet:

Am Sicherheitszaun um den G8-Gipfelort Heiligendamm ist die Situation am frühen Mittwochabend kurzzeitig eskaliert. Am Blockadepunkt Galopprennbahn wurde eine Person von mehr als einem Dutzend vermummter Demonstranten angegriffen. Möglicherweise handelte es sich um einen Polizisten, der in der Autonomen-Kleidung unter den Blockierern war.

Der Mann wurde von Kräften des anwaltlichen Notdienstes der Demonstranten aus der Notlage befreit und zur Linie der Polizisten gebracht, die ihn in ihre Reihen zogen. Wie ein Sprecher des Notdienstes bestätigte, hatten mehrere Demonstranten den Mann als Polizisten erkannt. Dieser sei der Auforderung, sich auszuweisen, nicht nachgekommen. Zu möglichen Verletzungen des Mannes wollte sich der Sprecher nicht äußern.

Fasst Mickey Mouse!

Die Netzeitung berichtet über die Überbuchungspraxis im US-Luftverkehr.

Oft genug gehen diese Berechnungen aber nicht auf, und es stehen zu viele Passagiere an den Schaltern. Die Folgen der Computer-Zahlenspiele bekommen dann die Airline-Mitarbeiter zu spüren, gegen die sich der Zorn zurückbleibender Reisender entlädt. Um dies zu verhindern, nehmen findige Reiseveranstalter inzwischen Phantombuchungen vor – ein beliebter Name ist Mickey Mouse.

Dieser Schuss kann aber ebenfalls nach hinten losgehen. Denn auch die fiktiven Passagiere tauchen später als «no show» in der Statistik auf – was letztlich dazu führt, dass die nächsten Flüge sogar noch mehr überbucht werden. «Wir sprechen mittlerweile von einer Todesspirale», räumte ein hochrangiger Manager bei US Airways ein.

Die Lösung ist ganz einfach: Setzt Mickey Mouse auf die No-Fly-Liste. Er lässt sich sowieso problemlos mit jedem feuchten Terror-Traum in Verbindung bringen. Wenn tatsächlich jemand so heißen sollte, hat er halt Pech gehabt.

Hauptsache Aktion?

Be schreibt:

Und mir ist bloßer Aktionismus lieber als gar keiner.

Ein nachvollziehbares Gefühl. Man muss doch irgendetwas tun können. Doch damit die Aktion nicht völlig im Nichts verpufft und Kräfte nicht unnötig gebunden werden, sollte man sich vorher einige Fragen stellen. Eine kleine Checkliste:

  • Ist die Botschaft für Außenstehende sofort verständlich? Fragt jemanden, der Outlook nutzt und Ebay toll findet.
  • Falls nicht: werden durch Planung und Ausführung Kräfte mobilisiert, die nachhaltig auch für andere Aktionen zur Verfügung stehen?
  • Ist jemand beteiligt, der die Aktion auch gegenüber der Presse vertreten kann und will?
  • Entspricht die Aktion den eigenen Grundsätzen? Menschenfreunde schlagen keine Menschenfeinde zusammen.
  • Gibt es eine Möglichkeit Erfolge von Misserfolgen zu trennen, sodass man die Ausführung im Fall der Fälle anpassen kann?

PS: Einen sehr wichtigen Punkt habe ich vergessen

  • Wird ein Dialog mit dem Kritisierten ermöglicht?

Publizistischer Schwarzschimmel

In irgendeinem Kriegsfilm – eventuell war es „Good Morning, Vietnam“? – habe ich den Satz aufgeschnappt: „Military intelligence? Was für ein Widerspruch.“ Zugegeben: im Deutschen kommt der Witz nicht so gut heraus. Im Englischen heißt intelligence eben nicht nur „Intelligenz“ sondern auch „Geheimdienst“.

Aber keine Bange – ich habe einen deutschen Ausdruck gefunden, der dem flachen Wortwitz in jeder Hinsicht Paroli bieten kann. Gefunden habe ich ihn in der taz, die in einem Artikel die Denkungswelt eines Netzeitungs-Chefredakteurs vorstellt.

Neben dem neuen Layout, das wohltuend aufgeräumt daherkommt, hat das Chefredakteursduo am „bislang zu einseitigen und mitunter etwas drögen“ Themenmix geschraubt. Das neue Schlagwort lautet: intelligenter Boulevard. Das heißt weniger Politik, dafür mehr Sport und Vermischtes auf der Startseite.

Ich wiederhole diese absurde Wortkombination gerne nochmal: intelligenter Boulevard.

Wie sieht das wohl aus? Ich kann es mir nicht wirklich vorstellen. Die Synapsen meines Gehirns versuchen die Information zu verarbeiten, fördern aber nur Bilder zu Tage, die eines M.C. Escher würdig sind. Absurde Konstruktionen. Intelligent und Boulevard? Hat das barbusige Mädchen aus Seite 1 nun eine Brille auf? Der Penisbruch als Katharsis und nicht etwa als billige voyeuristische Attraktion?

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Ein Blick auf die Netzeitung belehrt mich – und er erklärt auch, warum ich die Seite in den letzten Monaten immer seltener aufrufe. Intelligenter Boulevard: das sind Besetzungs-Meldungen aus der Welt der Super-Models, Sprüche aus dem WM-Studio, die neuen Nachrichten aus einer abgestandenen Casting-Show und alberne Fotos von Politikern.

Ich könnte mir nichts Drögeres vorstellen.

PS: Stefan Niggemeier hat das taz-Interview auch gelesen, und lässt sich über Vor-Ort-Recherche, Chefredakteurs-Euphorie und Werbung bei der Netzeitung aus. Wer mehr über den intelligenten Boulevard erfahren will, erfährt am 13. Juni an der FU Berlin mehr.