Google findet Atom-Endlager, Leistungsschutzrecht abgesagt

Mit einem spektakulären Geschäft haben sich der Viele-viele-Milliarden-Konzern Google und die Bundesregierung im Streit um das umstrittene Leistungsschutzrecht geeinigt: Die Regierungskoalition verzichtet auf das Leistungsschutzrecht im Austausch gegen die Benennung eines geeigneten Atom-Endlagers.

„Es war ein glücklicher Zufall“, schildert Google-Sprecher Stefan Keuchel der Nachrichtenagentur dpadpap. „Ich war im HSV-Stadion und traf plötzlich auf den Abgeordneten Thomas Jarzombek, der sich über die vielen E-Mails beschwerte“. Doch angesichts des spektakulären 3:1 gegen Schalke, kamen die Männer ins Gespräch. „Ich sagte: Ihr seid doch so gut darin, Dinge zu finden“, schildert der Abgeordnete Jarzombek (CDU) das Gespräch. „Da müsste sich doch etwas machen lassen.“

Dem Gespräch kam zu Gute, dass der Viele-viele-Milliarden Konzern in den letzten Jahren Deutschland systematisch kartiert hatte — mit Satelliten-Aufnahmen, mit Kamera-Autos, und jedem Hipster, der ein Android-Smartphone in seiner total schicken Lastwagenplanen-Laptoptasche trägt. „Wir haben uns immer gefragt, warum Google seine Autos immer noch patrouillieren lässt, obwohl wir StreetView doch so erfolgreich verhindert haben“, sagte Jarzombek. Die geheime Mission der Googleianer war es, die meistgesuchten Orte und Dinge Deutschlands zu finden. So wurde im Google-Büro München neulich das legendäre Bernsteinzimmer aufgebaut, und in der Betriebskantine gibt es Einhorn-Ragout.

Die wichtigste Entdeckung hatte Google aber erst gemacht, nachdem der Viele-viele-Milliarden-Konzern mit der so genannten Indoor-Kartierung begonnen hatte, bei dem nicht nur Umrisse und Fassaden, sondern auch die internen Pläne von Gebäuden erfasst werden. „Deshalb war ich auch im HSV-Stadion“ erklärt Keuchel heute. „Dass der HSV an dem Tag Schalke 04 so spektakulär den Hintern versohlt hat, war ein glücklicher Zufall.“

Unterdessen hat der HSV eine Internetkampagne gegen die Pläne gestartet, Atomabfälle in seinen Spielerkabinen unterzubringen. „Eine freie und offene Welt braucht freien und offenen Fußball“, sagte Reiner Calmund, der zwar nichts mehr mit Fußball zu tun hat, aber gerade sowieso vor einer Kamera stand. Der HSV ruft seine Fans auf, ihre Abgeordneten anzuschreiben. Abgeordneter Jarzombek macht dem Verein jedoch wenig Hoffnung: „Sie glauben mit ein paar E-Mails die Zukunft verhindern zu können? Ach bitte…“

10 Punkte für Erfolg auf Twitter, Facebook und Orkut2

    • War mal ein Punk-Musiker. Damit hast Du Rhythmus, Timing und Deine Leber trainiert. Und: Wer sich schon einmal den Weg von der Bühne herunter freiprügeln musste, ist durch einen Shitstorm nicht zu erschüttern.
    • Sei ein Egomane. Diese Einerseits-Andererseits-Typen nerven.
    • Sei authentisch. Lass Dir ein halbnacktes Model auf den Rücken schnallen, wenn man Dich fotografiert.
    • Schwimm nicht mit dem Strom. Schwimm vor dem Strom. Wenn er anders strömt, wende graziös.
    • Sei streitbar. Aber streite mit den richtigen Leuten.
    • Streite nur um Dinge, die das Publikum nicht überfordern. Das von Mario Barth.
    • Sei nett zu den richtigen Leuten. Die meiste Zeit.
    • Gestehe Fehler ein. Aber nicht zu oft.
    • Alle sechs Monate muss eine Fleißarbeit kommen. Häng Dich rein. Und dann verlinke immer wieder darauf, so dass es niemand vergisst.
    • Oft genug ignoriert: Sei Britney Spears.

    Wir brauchen ein Faktenschutzrecht!

    Alarmierende Entwicklung — wieder einmal. Google hat semantische Techniken in seine Suche integriert. Das heißt: Der ohnehin schon parasitäre Suchkonzern begnügt sich nicht mehr nur mit Links und Snippets. Google presst den Seiten auch ihr Wichtigstes ab — ihr Wissen. Unser Wissen.

    So bekommen Google-Besucher bei der Suche nach Marie Curie direkt angezeigt, wann sie geboren wurde, wen sie geheiratet hat und welche Elemente sie so erfunden hat. Früher mussten die Google-Besucher für solche Infos auf Links klicken. Und mit 10-prozentiger Wahrscheinlichkeit landeten sie nicht bei Wikipedia, sondern bei uns, den Seitenbetreibern mit humanistischer Grundbildung, den Besserwissern, die das Web von einer Pornowüste in einen Platz der Aufklärung verwandelt haben.

    Das kostet uns nicht nur Werbeeinnahmen. Sondern auch die Genugtuung, dass jemand auf unser Wissen angewiesen war. Tagtäglich prüfen wir unsere Zugriffsstatistiken, um zu sehen, wem wir weiterhelfen konnten, wer sich an der Brust unserer Weisheit gesäugt hat. Das ist einer der wesentlichen Faktoren im Publikationgewerbe. Hätte Axel Springer, hätte Marion von Dönhoff nur das Geld im Sinn gehabt — sie hätten Atomstrom produziert oder ein verdauungsregulierendes Nutella. Publizisten sind Besserwisser! Was wir fordern, ist das totale Fehlen feststehender Fakten! Zumindest auf Google! Und für den Rest wollen wir Geld sehen!

    Ihr lacht über uns Berufsdenker? Da lacht ihr aber zu früh. Denn glaubt ihr, Eure offensichtlichen Pointen seien vor Google auf ewig gefeit. Eure Röttgenwitze hätte Google in 0,001 Sekunden gemacht. Und Eure Tatort-Tweets. 30000 davon. Und alle besser als Eure. Also schließt Euch uns an im Kampf gegen den elektronischen Moloch, gegen das Google des Verderbens. Und — so ganz nebenbei — habt Ihr ein paar Euro für uns?

    Torsten
    Vrumfondel
    Magikweis

    Netzrealpolitik

    Wir hören immer wieder die Definitionskämpfe um den Begriff Netzpolitik. Netzpolitik ist wichtig. Netzpolitik ist gut. Und ich bin viel Netzpolitiker als Du.

    Doch wie ist die Realität?

    Netzrealpolitik bedeutet mit dem Fuß aufzustampfen und zu behaupten, dass der andere die gesellschaftlichen Umwälzungen Umwälzungen nicht begreift.

    Netzrealpolitik heißt, Meme zu finden, die man gegen die anderen in Stellung bringen kann. Kinderpornografie, Zensur, Katzentatzen — was auch immer wirkt. Sachinhalte sind nicht so wichtig, in drei Tagen ist es eh vergessen.

    Netzrealpolitik heißt, Kontakte zu knüpfen, als ob man einen Klout-Rekord brechen will. Followe mir, ich folge Dir zurück. Aber das heißt nicht, dass ich Dir zuhöre. Jedenfalls nicht, wenn Dein Klout-Score zu gering ist.

    Netzrealpolitik ist eine Fortsetzung der Inszenierung. Ein getwittertes Abendessen ist manchmal mehr wert als ein halber Gesetzentwurf.

    Netzrealpolitik ist es den Unternehmen zuzuhören, die einem am nächsten stehen.

    Netzrealpolitik ist Google. Für Google. Gegen Google. Mit Google. Auf Google Plus.

    Netzrealpolitik ist Facebook. Auf Facebook. Gegen Facebook.

    Netzrealpolitik ist klicken, klicken, klicken.

    Netzrealpolitik ist Transparenz zu fordern. Und an ihr zu verzweifeln.

    Netzrealpolitik braucht instant gratification. Besonders für mich.

    Netzrealpolitik ist Realpolitik.

    Immer noch kein Google Analytics

    Es heißt, Google Analytics sei nun datenschutzkonform. Amtlich.

    Ich werde es dennoch auf absehbare Zeit nicht hier einbauen. Traffic-Daten an Google zu schicken, damit ich haarklein vorgerechnet bekomme, wer denn meine Leser sind, wofür sie sich interessieren und wie ich noch mehr Klicks bekommen könnte, tut weder mir noch Euch gut.

    Ich schreibe nicht für Klicks, und wenn ihr einen Beitrag pluseinsen wollt, müsst ihr schon die URL kopieren. Klingt das nach einem Deal?

    <share> – oder: Regulieren wir den Datenschutz doch lieber selbst

    Groß ist die Aufregung um den Facebook-Button und Herrn Weichert. Ein tolles Sommer-Thema: jeder hat eine Meinung und empört sich wahlweise über naseweise Landes-Bürokraten, über das Datenmonster Facebook, über die unreflektierten egogeilen Webmaster, über die datenvergessenen User, die durchblicksfreien Politiker oder über einfach alle.

    Ich hab nie eingesehen, warum ich hier einen Like-Button einbauen sollte. Auch nicht, als es noch del.icio.us-Buttons waren. Wer ein soziales Netzwerk tatsächlich nutzt, soll doch bitte den Button in seinem Browser einbauen. Oder ein Bookmarklet. Die Installations-Schwelle ist nicht wirklich hoch.

    Aber ich sehe schon: das erfordert ein paar Klicks mehr. Wenn ich gar eine URL von einem Tab in Google Plus kopiere und dort noch das entsprechende Bild aussuchen muss und vielleicht noch drei eigene Worte dazutippe, komme ich auf 20 Klicks und Tastendrücke. Mindestens. Das ist natürlich unzumutbar.

    Also machen wir es doch einfach so: Bauen wir einen Dummy-Button für alle sozialen Netzwerke gleichzeitig ein. Unter jeden Beitrag packe ich einfach einen Tag wie zum Beispiel diesen:

    <share>

    Im Browser des Users wird daraus der ultimative Share-Knopf. Ist er bei Google-Plus eingeloggt, wird die URL bei Klick sofort zu Google Plus geschickt. Oder Facebook. Oder Myspace. Oder delicious. Oder Tumblr. Oder alle zusammen.

    Also arbeiten wir eine Idee, ein Konzept für den Tag aus. Natürlich müssen wir dazu alle APIs studieren. Überlegen, ob wir dem Webmaster die Gestaltung des Buttons überlassen. Wir müssen die Regel festlegen, dass vor dem Klick auf den Button keine Daten übertragen werden. Wer das doch will, kann ja Rockmelt installieren.

    Nach einem offenen Diskussionsprozess von maximal zwei Jahren haben wir sicher einen vorzeigbaren Standard, den wir dann dem W3C vorlegen können. Dort landet er dann auf dem Tisch einer Arbeitsgruppe, in der die größten Konzerne ihre Abgesandten platziert haben. Sie werden hier etwas streichen, dort eine Datenschleuse einbauen und sich dann beim nächsten Treffen über gar nichts mehr einig sein. So geht es drei Jahre weiter, die 3D-Fähigkeit des Buttons wird zu Zerwürfnissen führen und jemand rechnet aus wie viel CO2-Ausstoß der Button kosten wird. Die nächste Arbeitsgruppe wird gegründet und – nachdem Google Facebook übernommen hat oder Apple Microsoft werden die Karten neu gemischt. HTML 11.0 steht dann an.

    Lange Rede kurzer Sinn: in acht bis zehn Jahren haben wir eine Lösung! So lange muss sich Herr Weichert schon gedulden können, oder?

    SEO: fake, steal and borrow

    Ich hab mich mal in einem Porno-Webmaster-Forum umgesehen, um zu sehen wie die Leute ticken, die mit ewig gleichen schmierigen Filmchen ihren Lebensunterhalt verdienen, mit 0190-Dialern und Spam-Werbung viele User verarschten. Ich habe Expeditionen in Haustierforen unternommen und in einem Kochforum gelernt, dass „MGG“ für „Mein Götter-Gatte“ steht. Das Ergebnis: Irgendwie ticken alle Menschen gleich. Wenn sich auch die Terminologie ändert, die wesentlichen Zusammenhänge, der Umgang miteinander ist ähnlich.

    Doch in manchen Milieus kann ich nicht heimisch werden. Ich verstehe die Leute nicht, ihre Denkweise, selbst mein Ironiedetektor versagt hoffnungslos. Eins dieser Milleus sind die SEO, die Search engine optimizer. So ehrenvoll das Ziel ist, den vielen Internetnutzern möglichst viele relevante Informationen an die Hand zu geben — nur wenige SEO-Werktätige scheinen das tatsächlich im Blick zu haben. So fiel mir heute ein Beitrag auf der Website WebmasterFormat auf, der sich mit der Wikipedia beschäftigt. Beziehungsweise mit der Bekämpfung der Wikipedia.

    Es ist wahr: Google liebt Wikipedia-Artikel und manchmal werden Wikipedia-Seiten ganz an den Anfang der Google-Suche gespült, die nun wirklich keinen Mehrwert für den Nutzer bringen. Aber das ist nicht das, was den Autor Jason Capshaw aufregt. Was an der Wikipedia nicht stimmt: sie steht bei Google vor den Seiten, die er gegen Geld nach oben bringen will. Und das ist etwas, was unbedingt verhindert werden muss.

    Dass sich Jason Capshaw einen Dreck um den Nutzer schert, offenbart er in seiner Anleitung. Zunächst will er den Wikipedia-Artikel etwas weniger beliebt erscheinen lassen:

    Began removing the internal Wikipedia links pointing to the wiki page you want to jump. Do this slowly over time. It is best to point the link to another Wikipedia page so that the editorial staff doesn’t simply replace the link.

    Mit einem verbogenen moralischen Kompass mag das noch angehen. Wikipedia profitiert unfair von ihrer Struktur, die so passgenau auf die Google-Algorithmen passt. Also stellen wir wieder fairen Wettbewerb her. Das wäre zumindest ein Gedanke, den man nachvollziehen könnte. Doch weit gefehlt: an fairem Wettbewerb ist Capshaw So wenig interessiert wie am Internet-Nutzer.

    10. Go to the Wikipedia page and create some random content that is clearly not factual on the Wikipedia page
    11. Take a screenshot of the content change and remove the bogus information from Wikipedia
    12. Visit open site explorer again and look at all of the external links pointing to the Wikipedia page and export them to a spreadsheet
    13. Go to each link pointing at the Wikipedia page and send them an email detailing the error of the Wikipedia page with the attached screenshot as proof. Describe how important it is that their readers get reliable information and offer your authoritative page as an alternative. Instruct them they should change their link immediately to point to your page. It is best to grab the email address from WhoIs of the Webmasters who own the site in order to get the best results.

    Auf Deutsch: Capshaw empfiehlt Fehlinformationen in Wikipedia einzustellen, davon Screenshots zu machen und diese dann an Leute zu schicken, die den störenden Wikipedia-Artikel verlinken. Er verfälscht nicht nur aus purem Profitdenken eine gemeinnützige Wissenssammlung, er betrügt auch ohne jedes schlechte Gewissen Menschen, die ihren Nutzern ein paar gute Informationen zukommen lassen wollen. Dass Spam und Fake-Seiten zu seinem üblichen Repertoire gehören, wundert nicht.

    Mit dem Blackhat und der Sonnenbrille im Artikel will Herr SEO Capshaw wohl sagen, er sei gewitzter und geschäftstüchtiger als all die Suchmaschinen-Lemminge da draußen. Das stimmt nicht. Er ist nur ein größeres Arschloch als die meisten.