Facebook Deutschland? Wo denn?

Die Kunde hat jetzt wohl jeder vernommen: Facebook hat den Deutschland-Start verpatzt. Doch Moment mal – gibt es Facebook Deutschland überhaupt? Machen wir mal den Praxis-Test und melden uns als deutscher User bei Facebook an.

Hier zum Beispiel soll man seine Schule, Universität und Firma eingeben. Wer die „Universität Köln“ eingeben will, bekommt stur die Universität Klagenfurt vorgeschlagen. Deutsche Universitäten sind in dem Formular schlichtweg nicht vorhanden.

Lustiger wird es bei Schritt Nummer drei: die Eingabe des Wohnorts:

Hier steht wenigstens drunter, dass die Vervollständigung in Deutschland nicht klappen wird. Also klicken wir mal den Link und suchen uns aus einer wirklich langen Länder-Liste „Germany“ heraus. Und was passiert dann?

Ja, dann passiert gar nichts mehr. Das Eingabefeld für die Stadt verschwindet – und ohne Stadt kein Netzwerk. Da hilft kein Klicken und kein Zagen, nur mit „Überspringen“ kann man die Anmeldung vollenden.

Da wundern schlechte Klick-Zahlen nun wirklich wenig.

Wer zählt die Millionen?

Ich habe kürzlich mit einem Facebook-Manager gesprochen. Er wollte mir nicht viel mehr sagen – außer dass Facebook über eine Million aktiver(!) Mitglieder im deutschsprachigen Raum hat. Das ist eine beeindruckende Zahl – wenn man bedenkt, dass Facebook bisher vor kurzem nur auf Englisch verfügbar war und auch keine Campus Captains an deutschen Universitäten einsetzt.

Man kann die Zahl aber auch in eine andere Relation setzen. Die Gruppe, die gegen nervtötende Einladungen für Facebook-Applikationen protestiert, hat derzeit 895.734 Mitglieder.

Die 15-Milliarden-Dollar-Lüge

Immer wieder ärgere ich mich über Textstellen wie diese:

Heute, vier Jahre später, gilt Zuckerberg mit Facebook als der Internetpionier schlechthin. Von ConnectU oder houseSYSTEM spricht niemand mehr. Facebook hat 46 Millionen aktive Nutzer und wächst rasant. Gerade verkaufte Zuckerberg 1,4 Prozent seines Unternehmens für 240 Millionen Dollar an Microsoft – was rein rechnerisch einen Gesamtwert von rund 15 Milliarden Dollar ergibt.

Das stimmt einerseits. Rein theoretisch, mathematisch und mit Scheuklappen ist Facebook durch den Microsoft-Deal 15 Milliarden Dollar wert. Ein nettes Detail, nichts, was man – wie hier – ohne Kontext in die Überschrift packen will.

Realistisch betrachtet stimmt die Hochrechnung überhaupt nicht. Denn Microsoft hat nicht nur einen Mini-Anteil von Facebook gekauft, sondern sich auch weitgehende Vermarktungsrechte gesichert. Für einen ähnlichen Deal zahlte Google dem Facebook-Konkurrenten MySpace 900 Millionen Dollar. Wieviel von den 240 Millionen Dollar tatsächlich für die Beteiligung am Unternehmen Facebook fließen, ist unklar – es dürfte aber nur ein Bruchteil sein.

Wer 15 Milliarden für Facebook zahlt, gibt auch 70000 Euro für ein Mercedes-Ersatzrad aus – ob das passende Auto dazu geliefert wird, ist dabei eher unwichtig.

Am Werben hängt, zum Werben drängt doch alles

Das ging ja schnell: kurz nach dem Einstieg der Samwer Brüder beziehungsweise ihres European Founders Funds bei Facebook erreicht mich diese Pressemitteilung von Adscale:

Zudem geht die AdScale GmbH in die zweite Finanzierungsrunde. Bereits vor dem offiziellen Launch und in der aktiven Startphase im September 2007 wurden die Gründer durch die Internet-Investoren Holtzbrinck Ventures und European Founders Fund unterstützt. Seitdem hat sich viel getan: […] Beeindruckt vom bisherigen Erfolg und aufgrund ihrer sehr guten Zukunftsperspektive, unterstützen die beiden bisher wichtigsten Investoren noch einmal die AdScale GmbH mit einem mittleren einstelligen Millionenbetrag.

Cool Kids don’t use Facebook!

Ich bin zufällig auf dieses Essay gestoßen, der die Userschaft von Facebook und MySpace analysiert wird. Kurz zusammengefasst: Die „good kids“ gehen wie selbstverständlich zu Facebook, die Subkultur versammelt sich bei MySpace. Das geht so weit, dass die Autorin in der Mitgliedschaft bei einem dieser Netzwerken so etwas wie eine Klassenzugehörigkeit sieht.

StudiVZ wird leben…

…solange sich die StudiVZ-ist-sooooo-scheiße-Gruppen immer noch bei StudiVZ finden. Und nicht etwa bei Facebook.

PS: On sich das Thema nicht für einen dieser provokativ-viralen Werbespots eignet? Eine Bande von Rowdies stürmt in das Studivz-Büro und zerschlägt alles, was nach Werbung aussieht. Zur Krönung wird der Laden angezündet. What’s your message?

Pimpbook

Und wieder mal ein Aufreger in den USA: registrierte Sexualstraftäter bei Facebook. SpOn schreibt:

Blumenthal teilte den Medien mit, die Behörden hätten mindestens drei verurteilte und registrierte Sexualstraftäter auf Facebook ausgemacht. Chris Kelly, der Datenschutzbeauftragte von Facebook, bestätigte, man habe entsprechende „Aktivitäten registriert“.

Bei den aufgespürten Straftätern handle es sich wahrscheinlich nur die „Spitze des Eisbergs“, sagte Blumenthal. Die Verbrecher nutzten Facebook unter ihrem richtigen Namen und seien daher leicht zu entdecken gewesen. Es könnte jedoch noch Tausende weitere Straftäter geben, die unter einem Pseudonym registriert sind. Facebook solle seine Nutzerprofile daher wie MySpace nach denen von Sexualstraftätern durchforsten, forderte Blumenthal.

Nun – vielleicht sollte man noch erwähnen, dass nicht nur finstere Pädophile in solchen Datenbanken registriert werden, sondern auch Leute, die eine Prostituierte aufsuchen wollten und stattdessen auf einen Polizei-Lockvogel hereingefallen sind. Wir kennen das alles aus wahnsinnig lustigen US-Comedy-Serien – für die betroffenen ist es jedoch bitterer Ernst. Es wäre spannend zu erfahren, ob etwa auch Hugh Grant oder George Michael in einer solchen Datei erfasst waren.

Die Gesellschaft muss sich die Frage stellen: sind Netzwerke wie Facebook ein eingezäunter Kinderspielplatz oder Teil der gesellschaftlichen Realität wie ein Geschäftsviertel oder eine Tankstelle? Wenn man ein Portal, das sich zunehmend an Erwachsene richtet, den Regeln des Kinderspielplatzes unterwirft, schließt man Menschen von einem immer wichtigeren Lebensbereich aus. Führt man den Gedanken etwas fort, könnte man die Datenbank der Sexualstraftäter auch an Tankstellen übermitteln – denn der registrierte Sextäter könnte den Treibstoff ja nutzen, um zu einem Kind zu fahren und es zu missbrauchen.

Allzu ähnlich

Drüben bei Readers-Edition wird mittlerweile seit Wochen ein Streit geführt ob Studivz dem unbestreitbaren Vorbild Facebook nur nachgebaut wurde oder ob sich die Studivz-Macher in unzulässiger Weise bei dem US-Unternehmen bedient haben.

Schon die Einstiegsseiten sehen sich auffällig ähnlich. Ich hab aus Neugier Mal in die CSS-Definitionen beider Seiten geguckt. und nach eindeutigeren Suchbegriffen gesucht. Meine Wahl fiel rein zufällig auf “squicklogin”.

Hier die eine Definition:

#squicklogin {
width: 120px;
margin: 0px 0px 10px;
padding: 0px; }

#squicklogin label {
display: block;
padding: 0px 0px 2px;
margin: 0px;
color: gray;
font-weight: bold; }

#squicklogin table {
border-width: 0px;
border-style: none;
border-collapse: collapse;
border-spacing: 0px;
margin: 3px 0px 0px 0px;
}
#squicklogin td {
text-align: center;
border: none;
padding: 0px 0px 3px 0px;
}
#squicklogin .inputtext { width: 115px; }

Hier die andere Definition:

#squicklogin { width: 120px; margin: 0px 0px 10px; padding: 0px; }
#squicklogin label { display: block; padding: 0px 0px 2px; margin: 0px; color: gray; font-weight: bold; }
#squicklogin .buttons { text-align: left; padding: 3px 0px 0px; }
#squicklogin .inputtext { width: 115px; }

Sicherlich ist das nur ein schwaches Indiz für eine vermeintliche Missetat, es könnte beispielsweise eine gemeinsame Quelle vorliegen.

Michael Bumann hat StudiVZ etwas gründlicher unter die Lupe genommen und ein kleines Skript gebastelt, mit dem man StudiVZ in Facebook-Farben erscheinen lassen kann.

Er stellt aber auch klar:

ich muss glaub ein paar Sachen nochmal erleutern:
– StudiVZ hat nicht den original PHP-Quellcode von Facebook!! Es ist klar dass man da nicht drankommt… also programmiert haben die Jungs schon selber… allerdings eindeutig nach Vorlage!