Der mündige Nutzer

Diese Meldung war der einzige Lichtblick gestern:

Nach zahlreichen, von Lexware offenbar unbeantworteten Hilferufen im Anwenderforum machte dort am vergangenen Freitag der Aufruf zu einer Protestaktion die Runde, der sich binnen vier Tagen nicht weniger als 485 registrierte Programmbenutzer angeschlossen haben. Im Mittelpunkt der Aktivitäten steht ein konstruktiv gehaltenes Beschwerdeschreiben, das Lexware als erstes zu einem offenen Dialog mit den Anwendern auffordert.

Es gibt ihn also noch: den mündigen Nutzer, der sich nicht nur rummosert, sondern Initiative ergreift. Vielleicht ein böses Vorurteil meinerseits: gerade in einem Lexware-Forum hätte ich nicht danach gesucht.

Fragwürdige Journalistenkritiker

Ein paar Leute haben eine Polylux-Redakteurin reingelegt und anschließend ein lustiges Video veröffentlicht, mit dem sie ebenfalls sehr viel Spaß hatten. Die Aktion war ein voller Erfolg: viele Medien und noch mehr Blogs berichteten über diesen „Medien-Hack“.

Kurz bevor sich die Polylux-Redaktion in ihrer Sendung rechtfertigen will, hat das Kommando „Tito von Hardenberg“ nun eine eigene Rechtfertigung nachgeschoben. Nein, das Ganze war kein Jux, sondern fundierte Gesellschaftskritik an fragwürdige Recherchemethoden:

„Sinn und Zweck der Aktion war es, am Beispiel Polylux auf fragwürdige Recherchemethoden in der Medienlandschaft hinzuweisen.“ Eine einfache Google-Suche hat ergeben: Polylux sucht häufiger mittels Anfragen in Internetforen nach Protagonisten für Beiträge. Egal ob Speed-User, Sektenaussteiger, überforderte Studenten oder Menschen ohne Beziehungserfahrung – stets kommt das „Frischfleisch“ für die nächste Sendung aus der „lieben Community“ im Internet. Ob es sich bei dieser Art der Protagonisten-Akquise überhaupt um Recherche handelt, ist fraglich.

Nun, die Frage kann ich den Spaß-Guerilleros gerne beantworten. Natürlich ist das Recherche. Irgendwo muss jeder anfangen. Und warum sollte man irgendein Kommunikationsmittel pauschal ausschließen? Solange der Foren-Beitrag nicht der Endpunkt der Recherche ist, ist gegen diese Methode nichts zu sagen.

„Die Methode, mit einer offenen Anfrage in Web-Communities nach Protagonisten zu suchen“, so die Sprecherin weiter, „birgt die Gefahr, schnell an falsche Gesprächspartner zu geraten. Eine qualitative Recherche nutzt persönliche Kontakte im jeweiligen Umfeld, um an glaubwürdige Interviewpartner zu gelangen, und bietet nicht jedem, der gerade will, die Möglichkeit, irgendetwas in eine Kamera zu sprechen.“

Das ist gelinde gesagt Blödsinn. Wer seine „qualitative Recherche“ ausschließlich auf persönliche Kontakte gründet, hat die falschen Gesprächspartner abonniert. Denn wenn Journalisten ausschließlich die eigenen Kontakte nutzen, besteht die Öffentlichkeit im Medienspiegel bald ausschließlich aus Akademikern, PR-Arbeitern und IPhone-Besitzern. Verlassen sie sich auf die persönlichen Kontakte von Experten, werden die immer Personen präsentieren, die genau zu den eigenen Thesen passen.

Irgendwie erinnert die Polylux-Aktion an die Reichstagskletterer vom letzten Jahr. Auch dort hatten wir eine öffentlichkeitswirksame Aktion. Nur was machten die vermeintlichen Revolutionäre damit? Gar nichts.

Die Ruhr funkt noch nicht

Im September gab die Initiative Hot Spot Ruhr ein ehrgeiziges Ziel bekannt: mit nur 20000 Funk-Router wollte man die 4400 Quadratkilometer Ruhrgebiet flächendeckend mit Internet per Funk versorgen. Dafür wollte Fon-Geschäftsführer Robert 1000 Foneras kostenlos zur Verfügung stellen.

Eingeschlagen hat die Aktion nicht. Obwohl der Zeitraum bis Ende Februar verlängert wurde, wurden bis heute ganze 300 Gratis-Foneras an den Mann gebracht, wie mir ein Vertreter der Initiative gestern mitteilte. Die stünden in Privatwohnungen – eine nennenswerte Abdeckung sei nicht erreicht worden.

Unterdessen hat sich Fon etwas geöffnet: Von nun an können Gäste an Foneras kostenlos auf die Angebote des Fon-Investors Google zugreifen. Besonders für Nicht-Zahler hat die Idee Potential.

Fon droht mit „elektronischen Aktionen“

Wer in den vergangen zwei Jahren Jahren einen kostenlosen Router von Fon ergattert hat, sollte sich nicht zu sicher sein. Denn nun zieht das Unternehmen die Daumenschrauben an:

Heute haben wr eine groß angelegte Aktion gestartet. Man erinnert sich: FON hat die „La Fonera“ gratis (oder wesentlich subventioniert) unter ganz bestimmten Konditionen an die Foneros abgegeben. Die Mehrheit der Foneros hat sich glücklicher Weise an das abgegebene FON:Versprechen gehalten und betreibt die persönliche „La Fonera“ wie vereinbart, also: 24/7. Es gibt aber durchaus auch noch einige Leute, die der Auffassung sind, „was kümmert mich das“ oder „Versprechen sind da, um gebrochen zu werden“ (die haben ein grosses Vorbild) und die nur einen günstigen Router „für lau abgreifen“ wollten. Das war und ist nicht im Sinne der FON:Idee und auch nicht in unserem Sinn. Deswegen haben wir heute mit adäquaten Massnahmen begonnen, diese Leute an die Einhaltung des Fonero – Versprechens zu erinnern. Es handelt sich hierbei um ein ganzes Massnahmenbündel, welches sowohl s-mail als auch elektronische Aktionen beinhaltet.

„Licht aus“ ein gewaltiger Reinfall

Wie erfährt man, ob der Aufruf zum symbolischen Licht-Ausschalten ein Erfolg war? Daran dass das Stromnetz zusammenbricht, wie die Vor-Berichterstattung nahe legte? Nicht wirklich. Ein paar ausgeschaltete Lampen, während Kühlschränke, Heizungen und Fernseher weiter laufen – wenn unser Stromnetz nicht mal das aushhält, haben wir ein Problem.

Woran merkt man hingegen, dass die Aktion eine gewaltige Pleite war? Nun – solche Erfolgsmeldungen legen es zumindest nahe:

Rund um den Kölner Dom versammelten sich mehrere Dutzend Menschen bei Regen und stürmischem Wind, um das Bauwerk für fünf Minuten im Dunkel verschwinden zu sehen.

Ein stark übergewichtiger Systemadministrator könnte die selbe Reaktion ernten, wenn er nachts um 3 Uhr nackt über die Domplatte tanzt. Ohne medialen Bohei.

Communitynapping

Zugegeben – zuerst war ich misstrauisch, als sich mal wieder StudiVZ-Mitgliedern zusammenrauften und ihren Unmut über eine Marketingaktion in einer Diskussionsgruppe zusammenfassten – natürlich auf der kritisierten Plattform selbst.

Diesmal ging es um den „Eleganz-Kalender“ des StudiVZ in der wohl halbnackende Studenten in „eleganten“ Posen abgebildet werden sollen. So weit, so langweilig. Kaum eine Frauensportmannschaften, Studentenfachschaft oder Jungbauernvereinigung, die nicht in den letzten Jahren ähnliches gemacht oder zumindest angedacht hätten.

Es kam wie immer: Studenten kritisieren die Kalender-Aktion heftig, ein Moderator droht mit Löschung der Gruppe, schließlich geht ein Forum außerhalb von StudiVZ online. Alles wie gehabt.

Das Überraschende: die Gegenaktion scheint ausnahmsweise nicht im Sande zu verlaufen. Die Kalender-Rebellen haben ihren eigenen Kalender geplant und dafür bereits einen Sponsor gefunden: die Studenten-Zeitschrift Unicum.

Nun könnte man denken: wenn gleich zwei Gruppen aus StudiVZ Kalender produzieren – um so besser für die Plattform. Sie beweist ja ihr Mobilisierungspotenzial gleich doppelt. Super. Wäre da nicht das Problem mit den Sponsorengeldern. Denn StudiVZ finanziert sich unter anderem dadurch, dass Firmen solche Aktionen auf StudiVZ planen und dafür gutes Geld zahlen. Unicum zahlt aber offenbar nichts an die Holtzbrinck-Tochter.

Macht das Beispiel Schule, können sich Marketing-Firmen das Geld für StudiVZ sparen und sich gleich auf die Gruppen stürzen, die sich in StudiVZ gefunden und dann verselbständigt haben. Das ist sehr viel billiger – schließlich kostet so eine Plattform für einige Millionen Studenten, Nicht-Studenten und Karteileichen täglich einen ganzen Batzen Geld.

Wie auch immer die Kalender aussehen werden: Die Entwicklung wird spannend.

Geschichte wiederholt sich

Aha. Firefox-Nutzer sollen wegen Werbeblockern geblockt werden. Tolle Aktion.

Gabs aber schon 2001:

Wer Werbung blockt, wird nach den Plänen der Firma mediaBeam GmbH in Zukunft selbst geblockt und darf keine kostenlosen werbefinanzierten Angebote mehr sehen. „In Zeiten von ISDN und DSL dürften die echten Gründe für das Unterdrücken von Werbung wirklich der Vergangenheit angehören!“ meint die Firma.
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[….]In ihrem Kampf, die Werbung auf den Schirm und in das Hirn des Surfers zu schieben, konnten sie bereits einen ersten Erfolg erringen: DirectBox, der eigene Freemailer in der Art von Web.de oder GMX, versagt Werbeverweigerern den Dienst. Dort wird diesen freundlich mitgeteilt, dass sie ihre Tore bitte ganz schnell wieder für die Werbefluten öffnen sollen. Auch wer keine Bilder anzeigt, bleibt außen vor. Die Software prüft also anscheinend, ob die Bannerbilder übertragen wurden.

Mediabeam gibt es immer noch. Vielleicht können die ja Mal den Firefox-Blockern auf die Finger klopfen. Schließlich hatten sie die Werbeblockerblockade durch ein Geschmacksmuster schützen lassen.

PS: Ich habe Mediabeam um Stellungnahme gebeten. Die wurde zugesagt, verschoben und dann offenbar vergessen.

Hey, Greenpeace

Wie wäre es mit einem Mashup?

Faktor 1: Der Atomkraftwerk-Betreiber Vattenfall bringt sich durch desaströses Krisenmanagement und zweifelhafte Sicherheitsmaßnahmen in die Presse.

Faktor 2: Es gibt eine weltweite Werbekampagne für den Simpsons-Kinofilm. Einer der Haupt-Schauplätze der Serie ist ein unsicheres Atomkraftwerk, eine der Hauptpersonen ist der geldgeile und unverantwortliche Atomkraftwerksbetreiber Monty Burns.

Und wenn man wegen eines T-Shirts mit dreiäugigen Fischen verklagt wird – um so mehr Publicity….

FAS probiert Open-Source-Journalismus – und keinen interessiert’s

Die Wissenschaftsredaktion der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung hat ein Blog aufgemacht: Planckton. Dort eifert man kurz nach dem Start dem Vorbild einiger US-Medien nach: die Redaktion stellt einen Artikel vorzeitig online und gleichzeitig zur Diskussion. Doch es scheint niemanden zu interessieren. Bisher.

Woran liegt’s? Vielleicht hätte die Redaktion besser die Plattform FAZ.Net gewählt. Dort gibt es nämlich schon eine Userbasis und der Leser muss sich nicht bei einer schmucklosen WordPress-Installation separat anmelden, um sich zu äußern. Eventuell wären die Leserautoren auch etwas motivierter, wenn sie nicht nur „mit Glück“ in die Print-Ausgabe gelangen, sondern wenn man sich tatsächlich für deren Meinungen und Eindrücke interessiert. Vielleicht hätte man auch besser eine nicht ganz so winzige Schrift gewählt, die die spannendste Reportage in eine Bleiwüste verwandelt. Trommeln gehört natürlich auch zum Handwerk. Aber wahrscheinlich wird das ja in der nächsten Ausgabe der FAS nachgeholt – der vorgestellte Text soll nämlich erst in der übernächsten Ausgabe erscheinen.

PS: Nachdem der Registrierungszwang abgeschafft wurde, sprudeln die Kommentare inzwischen. Die Unterstützung durch FAZ.Net hat wohl auch beigetragen.

Was wurde eigentlich aus „Wir haben bezahlt!“?

Eben bin ich in einem Blog auf einen Banner der Aktion Wir haben bezahlt gestoßen. Erinnern wir uns: Gulli.com alias die fliks it-solutions GmbH haben im Juni 2006 die Kampagne gestartet – ungefähr zu der Zeit als auch der CCC und die Verbraucherzentralen mit eigenen Aktionen starteten. Ziel war nichts weniger als „günstige, legale und DRM-freie Musik“.

Wenn man sich heute auf der Webseite der Aktion umsieht, stößt man vor allem auf Leere. Zwar stellt Autor Korrupt im Schnitt alle paar Wochen mal eine kleine Meldung aus dem Fundus der DRM-Musikindustrie-Debatte ins Blog, Diskussionsbeiträge finden sich darunter aber kaum noch.

Aber nicht verzagen: In der linken Spalte finden wir eine Rubrik „Mitmachen“. Erster Punkt ist eine Petition. Dort finden sich heute tatsächlich 6600 Einträge, auch aktuell kommen noch einige hinzu. Schönheitsfehler: Die Petition fehlt. Oben steht ein unverbindlicher Vierzeiler ohne Adressaten. Die Betreiber hatten wohl nie vor, irgendwem eine Petition zu übergeben. Es ist schlicht ein Gästebuch.

wirhabenbezahlt

Zweiter Mitmach-Punkt sind die Banner. Auf der Webseite stehen zwei Dutzend grafisch ansprechende Banner bereit, mit denen man auf seiner eigenen Webseite für die Kampagne werben kann. Dritter Punkt ist ein Kreativ-Wettbewerbe, bei dem man Banner und Slogans einreichen kann – wohl eine Quelle der kreativen Banner auf der vorigen Seite. Hier wird auch versprochen die Gewinner des Wettbewerbes auf der Seite bekannt zu geben – fast ein Jahr nach dem Aktionsbeginn scheint diese Krönung noch auszustehen.

Die letzte Aktion stammt vom letzten September. Damals verlinkten die Kampagneros 17 frei verwendbare Songs und boten dazu ein eigenes CD-Cover mit ihrer URL an. Die einzigen Presseveröffentlichungen stammen aus den ersten Tagen nach Gründung der Kampagne.

Man kann also davon ausgehen, dass die Aktion eingeschlafen ist. Aber ist sie überhaupt gestartet? Irgendwelche konkreten Kampagnenziele hat es nie gegeben, die meisten Mitmachmöglichkeiten laufen lediglich darauf hinaus, Links auf die Kampagnenwebseite zu generieren. Weder Künstler noch Musikindustrie werden angesprochen, fundiertes Informationsmaterial fehlt, weitergehende Aktionen wurden anscheinend nie in Angriff genommen. Auch an Kooperationen scheint es kein Interesse gegeben zu haben, wie auch dieses Interview auf jetzt.de zeigt.

Was bleibt? Einige schöne Banner und einige Tausend Links auf eine Webseite.