Presseclub goes Grimme

Eigentlich finde ich den Presseclub schrecklich, wenn Peter Voss moderiert. Er versemmelt ständig seinen Einsatz, würgt interessante Diskussionsbeiträge ab, um – Gott sei’s geklagt – seine eigene Meinung zum Besten zu geben. Früher konnte er nicht mal die Telefonanlage bedienen, deshalb hat die Regie inzwischen diese Aufgabe übernommen.

Die heutige Sendung war anders. Zwar tappte Voss wie immer relativ unbedarft von Fettnäpfchen zu Fettnäpfchen – doch diesmal entwickelte die Diskussion eine Eigendynamik. Als Voss zum Thema Rauchverbote eine Anekdote erzählte, zündeten sich zwei Teilnehmer der Runde demonstrativ Zigarillos an. Voss hustete, protestierte aber nur viertelherzig. Späteres Statement der Kollegin vom Cicero: „Passivrauchen ist nicht so gefährlich wie von einem betrunkenen Autofahrer angefahren zu werden“. Argumente auf U-Bahn-Niveau, aber die Sendung hatte einen Lacher nach dem anderen.

Lieber Grimme-Jury, ich nominiere hiermit den Presseclub vom 18. März 2007 in der Sparte „Unterhaltung“ für den Sonderpreis „unfreiwillige Komik“. Denn dass man einen Kindergeburtstag auch ganz ohne Verona Pooth und lustige Spiele spontan hinbekommt, muss man einfach belohnen.

PS: Auch anderen ist die Szene aufgefallen.

On further notice: Avastar

Die Second-Life-Boulevardzeitung The Avastar ist immer noch kostenlos. Und hat Zuwachs bekommen: seit einigen Wochen gibt es auch eine deutsche Ausgabe. Kein eigenständiges Produkt, sondern eine Übersetzung.

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Ich glaube nicht, dass man den Avastar derzeit wirtschaftlich betreiben kann – zu viel kostenlose Konkurrenz, zu wenig Werbekunden. Wie schon angedeutet, muss dies allerdings auch nicht sein: Second Life ist ein interessantes Experiment und es bietet Chancen, neue Märkte kennenzulernen. Wie man sich in virtuellen Welten verhält und welche Fehler man machen kann.

So hat es Bild-T-Online-Vorstand auch vor einigen Wochen der Kollegin Silke Linneweber im Rheinischen Merkur bestätigt:: „Der ,Avastar‘ ist ideal, um hier Erfahrungen zu sammeln.“ Und im VISPD ist auch der Zeitrahmen des Projekts beschrieben: „Wir haben den Zeitraum für das Experiment bis Mitte 2007 festgelegt und werden am Ende dieser Zeit entscheiden, in welcher Form das Projekt weitergeführt wird.“

Vor ein paar Wochen hatte ich irgendwo ein Interview gelesen, wonach Springer bald doch Geld für den Avastar sehen will. Ich bin gespannt.

PS: In der Berliner Zeitung steht: „Demnächst werde das kostenpflichtige Abonnement getestet. Nach einem halben Jahr wolle der Verlag mal schauen, wie es so läuft.“

Unbekannte technische Innovationen

Es ist toll. Über jedes IT-Produkt kann man sich heute in Tabellen informieren. CPU, Grafikkarte und RAM-Typ – alles lässt sich direkt vergleichen.

Das Problem heißt ganz profan bullshit. In diesem diesem Sonderangebot von Lenovo besteht der Arbeitsspeicher aus USB 2.0 FLASH.

Kein Bezug

Die FAZ widmet sich dem neuen United-Internet-Projekt unddu.de.

„Unddu.de“ wird als unabhängige Marke geführt, ohne Bezug zu United Internet. Allerdings können die Menschen, die bereits Kunde bei einem Unternehmen des Konzerns sind, ihre Zugangsdaten auch für das neue Netzwerk nutzen.

taz-Leser sind Elite

Lustiger Effekt: Wer der Fernsehwerbung für den Kupplungsservice Elitepartner folgt, bekommt die Aufnahmegebühr geschenkt. Bei einem Klick auf das taz-Banner gibt es hingegen 14 Tage kostenlose Premium-Mitgliedschaft.

Lässt das den Schluss zu, dass die taz-Leser für die Elitepartner wertvoller sind? Müssen die gereiften Alternativen jetzt als Elitenachschub die Schwemme der Privatfernsehkonsumenten ausgleichen?

PS: Am Abend des 22. März 2013 verlangte ein angeblicher Vertreter einer Affiliate-Agentur, die angeblich für ElitePartner arbeitet, per E-Mail die Löschung diesen Beitrags „aus rechtlichen Gründen“. Welche rechtlichen Gründen das sein mögen, verschwieg er — verlangte aber eine Vollzugsmeldung bis Montagmorgen. Diese Strategie für einen sechs Jahre alten Blogbeitrag anzuwenden, dient meines Erachtens ausschließlich dazu zu verhindern, dass ich mir qualifizierten Rechtsbeistand suche.

Ich kann nur vermuten, dass die Agentur etwas gegen die Verlinkung der Affiliate-URLs hat, die sie vor Millionenpublikum veröffentlicht hatte. Da einer von beiden eh nicht mehr funktioniert und somit ihr Zweck hier nicht mehr erfüllt wird, habe ich die hier ausgebaut.

Eine alltägliche Episode in dem Leben eines Bloggers. Es bleibt der simple Fakt: Manche Medienkonsumenten waren offenbar für Elitepartner attraktiver als andere. Und ihre Affiliate-Agentur arbeitet so, wie sie nun mal arbeitet.

Etikettenschwindel mit Westerwelle

Fortschritte in der Zuschauermessung – ein dröges Thema. Aber nicht, wenn man eine Westerwelle-Wegschaltquote in die Überschrift packt.

Doch was erfahren wir über die Leute, die bei Anblick von Guido abschalten? Nichts. Das Interview endet so:

Was hat sich eigentlich genau verändert, seit die Quoten sekundengenau ausgewertet werden? Gibt es Sachen, die man seitdem weniger oder gar nicht mehr im Fernsehen sieht? Guido Westerwelles Medienpräsenz ist ja in letzter Zeit auffällig zurückgegangen – liegt das vielleicht an einer Westerwelle- Wegschaltquote?

Andreas Kühner: Nein. So etwas ist mir nicht bekannt.

Zum Abschalten ist es da zu spät. Und Klicks kann man nicht zurücknehmen.