Live im Internet

Eben auf WDR 2:

„Das Spiel übertragen wir live im Internet, im Digitalradio und auf unseren Mittelwellefrequenzen.“

Seit wann das denn? Darf der WDR jetzt einfach weltweit Spielberichte versenden? Und seit wann rangieren Interent und Digitalradio vor der guten alten Mittelwelle (die das Recht auf Rausch für jeden vorbildlich erfüllt).

Standard

Jörg Schieb schreibt im Handelsblatt folgendes:

Jahrelang konnte man sich blind darauf verlassen: Mit Word-Dokumenten kam fast jeder klar. Denn selbst wer nicht mit Microsoft Word textet, sondern zum Beispiel mit dem kostenlosen Openoffice Writer, kann problemlos Textdokumente mit der Dateiendung .doc öffnen und verarbeiten.

Nein. Problemlos ist der Umgang mit doc-Dateien nie gewesen. Man hat sich lediglich arrangiert soweit es eben ging.

Das ist das Schöne an Standards: Man muss sich keine großen Gedanken machen. Jeder weiß Bescheid.

Hä???

MP3-Player gesucht

Mein alter Muvo v200 hat Ausfallerscheinungen und ist sowieso nicht der ideale Player für meine Bedürfnisse. Es ist also Zeit mich nach einem neuen Gadget umzusehen.

Welche Eigenschaften sollte der neue Player haben?

  • Er sollte klein und leicht sein.
  • Mehr Platz: 512 MB reichen nicht mehr aus, ein Gigabyte ist das Minimum. Der Speicher muss als USB-Massenspeicher funktionieren.
  • Wichtig ist auch eine durchdachte Bedienung: Ich will schnell von Album A zu Podcast B wechseln können. Idealerweise kann ich auch Dateien direkt auf dem Player löschen.
  • Energie: Mehr als 6 Stunden sollte er mit einer Akkuladung auskommen, der Akku sollte wechselbar sein.
  • Unterstützung von Playlists.
  • Er sollte nicht nur MP3 und WMV unterstützen, sondern auch Ogg.
  • Ein Radio wäre nett

Gab es die Flüssigbomben denn nun?

Heute morgen habe ich im Radio ein Servicestück gehört, was Passagiere mit ins Flugzeug nehmen dürfen. Demnach bleiben allein am Flughafen Düsseldorf täglich acht Tonnen Flüssigkeiten zurück.

Erinnern wir uns: diese tollen Sicherheitsregeln wurden eingeführt, nachdem im letzten Jahr ein Terrorkomplott aufgedeckt wurde. Doch ob es jemals auch nur einen Prototypen dieser Flüssigkeitsbomben gegeben hat, ist nach wie vor unklar. Ich tippe mal: nein.

PS: Thomas Wigold beschreibt ein weiteres Kuriosum: die Israelis haben überhaupt kein Interesse, Getränke an Bord zu verbieten. Aber was wissen die schon von Terroristen?

Wikipedia with manners

In einem Interview erläutert Larry Sanger die wichctigsten Grundlagen seines Citizendium-Projekts.

We want to have processes in place that allow us to quickly and easily rein in bad behaviour. For example, not too long ago there was one professional contributor who took another professional contributor to task saying that a certain article was simply bad work. One of our constables came along and erased the comment and put in a message to the effect of we have a policy of professional behaviour and then linked to the policy page. If someone is obnoxious to other contributors we will remove them and have done that already.

Können sich die professionellen Mitarbeiter nicht ganz legitim über schlechte Arbeit der anderen äußern?

Comedy Central verletzt Persönlichkeitsrechte. Jawohl!

Wat dem een sin Uhl is den annern sin Nachtigall. Ja, es ist wahr: Es gibt nicht nur verschiedene Geschmäcker – manchem gefällt das eine nur deshalb gut, weil es dem anderen bitter aufstößt. Wenn es bei den Spießern verpönt ist, muss es ja gut sein.

Diese Denkweise erklärt wohl diese Werbung auf der deutschen Startseite von Comedy Central:

uhl.jpg

Ich persönlich finde, dass die Verletzung von Persönlichkeitsrechten kein Argument zum Einschalten ist. Aber vielleicht baut man auf die Big-Brother-Zuschauer, die endlich harten Stoff haben wollen. Keine albernen Endemol-Spielchen, sondern echte Enthüllungen, Konfrontation, Demütigung. Es soll ja solche Leute geben.

Peinlich wird es aber, wenn man sich im Volltextarchiv der „Tageszeitung“ – vulgo: die taz – auf die Suche nach dem Zitat macht. Der offenbar einzige Artikel zu Sven Nagels Engagement bei Comedy Central erschien im Kulturteil der taz Nord. Es handelt sich aber nicht um eine entrüstete Rezension. Nein: es ist ein unaufgeregter Bericht über einen Rechtsstreit zwischen einer RTL-Moderatorin und Comedy Central. Ob Nagel nun tatsächlich gegen Persönlichkeitsrechte verstößt, schreibt die taz nicht. Das vollständige Zitat sieht so aus:

Durch einen Sketch des in Kiel geborenen und in Braunschweig zur Szene-Größe gereiften Kabarettisten Sven Nagel hat sie ihre Persönlichkeitsrechte verletzt gesehen – einstweilige Verfügung vom Landgericht Hamburg – und Aus.

Hmmm – also entrüstet sich nicht mal das moderne Spießer-Fachblatt taz über Comedy Central. Das Zitat ist nicht nur verfälscht, sondern schlicht falsch. Noch peinlicher wird es, wenn man weiter liest.

Denn besonders kämpferisch ist der Witzkanal, Mitte Januar mit viel Vorschusslorbeeren gestartet, nicht: Das Prozessrisiko, so die Verlautbarung, sei die Ausstrahlung nicht wert. Man ist eingeknickt.

Vielleicht sollte Comedy Central seine Werbung ergänzen?

Sven Nagel verletzt Persönlichkeitsrechte… solange es den Sender nichts kostet und kein Anwalt zuschaut. Denn dann kneift er.

Der mündige Blogleser?

Beim jüngsten Sautreiben in Kleinbloggersdorf – ich rede natürlich von der Blog-Nemesis Adical – ist mir dieses Zitat von Julian Finn aufgefallen:

Genau wie die Blog-Toplisten in stetiger Bewegung sind, wie es Aufstiege und Abstiege gab, ist es für ein sich unabhängig rühmendes Blog (oder einen wie auch immer gearteten ‚cast) kaum möglich auf Dauer Käuflichkeit und Leserzufriedenheit miteinander zu vereinbaren. Den Kanal wechseln, das Abonnement kündigen, all das ist in Zeiten von Massen von Medien statt Massenmedien zu einfach, als dass der mündige Leser noch ausgenutzt werden könnte.

Ist denn der mündige Leser gekauften Inhalten wirklich so abgeneigt? Schalten nicht immer noch Millionen die Film-CD-Gummibärchen-Dauerwerbung Wetten dass… ein? Liest keiner mehr die BILD-Zeitung? Wird nicht sogar der ALDI-Prospekt eifrig studiert? Der mündige Bürger pfeift in der Regel auf edle Prinzipien. Er will unterhalten werden, er will Sachen vorgekaut bekommen. Und für ein paar Cent ist seine Stimme bei Digg zu kaufen. Dass Blog-Leser da so furchtbar anders sind, kann man glauben oder auch nicht.

Kostenlose Moderatoren ersparen Support?

Der CD-DVD-Buch-Tauschservice Hitflip ist so stark am Expandieren, dass die Firma kurzerhand den Kölner Webmontag übernommen hat. Beim Kerngeschäft scheint es aber zur Zeit zu haken.

Im Hitflip-Forum fallen einem zuerst die gesperrten Threads auf. Ihnen ist eines gemein: Hier beschweren sich (die zahlenden) Mitglieder über den langsamen Support, technische Probleme beim Einstellen oder bei der Aktualisierung des Kontostands. Gerade das dritte Problem trifft eine der zentralen Funktionen und Einnahmemöglichkeiten des Unternehmens. Doch seit einer Woche keinerlei Antwort vom Unternehmen selbst. Nur die kostenlos arbeitenden Moderatoren leiten die Anfragen dorthin um, können aber auch nur spekulieren – offenbar haben auch sie keinen direkten Draht zum Unternehmen, um solche Probleme zu klären. Im unternehmenseigenen Blog findet sich ebenfalls kein Wort über Probleme oder gar die Problemlösung.

Es ist ja schön, wenn man Blogs und Foren einrichtet. Wenn man dann aber auf solche drängenden Fragen der zahlenden Kundschaft keinerlei Rückmeldung gibt, ist die vermeintliche Offenheit nur eine Finte.

Microsoft-Bot auf Google-Trip?

In den letzten Tagen habe ich in meinen Domainstatistiken Hunderte Anfragen, die angeblich von blogger.com kommen sollen. Ein Blick in die Roh-Statistiken zeigt den Urheber: Ausgerechnet der Bot von Microsoft surft angeblich die ganze Zeit im Angebot des Konkurrenten Google herum und findet Hunderte von Links auf meine Blogs. Und zwar ausschließlich dort – andere Referrer gibt der Bot nicht an.

„GET /fiction/ HTTP/1.0“ 200 59643 „http://www.blogger.com/“ „MSRBOT“

Im Domain Tools Blog habe ich einen Beitrag zum Thema gestoßen. Immerhin bin ich nicht alleine betroffen.

Weltpremiere: Sunshine

Unerwartet war ich heute in der Weltpremiere des Films Sunshine. Unerwartet, weil der Film ursprünglich schon vorher aufgeführt werden sollte. Wurde er aber nicht. Und so empfingen uns vor dem Kino-Eingang einige Men in Black und sammelten alle Handies ein. Weil: man soll den Film ja nicht mit dem Handy abkopieren. Movie-Paranoia: Selbst auf einer 15-Meter Kinoleinwand hat man Schwierigkeiten dem Film zu folgen. Als Film-Verantwortlicher würde ich eher einen Wettbewerb ansetzen, wer mit einem Handy den Film am besten raubkopieren kann. Umsatzverluste wären dadurch kaum zu erwarten.

Nun – zum Film selbst: Eine interessante Rahmenhandlung. Ein Raumschiff wird zur Sonne entsandt, um dem sterbenden Stern neues Leben einzuhauchen. Es ist die zweite Mission dieser Art, weil das erste Schiff vor sieben Jahren spurlos verschwand. Doch es kommt, wie es kommen muss: unterwegs geht einiges schief und die Crew sieht sich mit dem einen oder anderen Tod und existentiellen Fragen konfrontiert. Und dem grellen Sonnenlicht.

Die Optik des Films ist einerseits mitreißend. Der riesige Sonnenschirm von der Größe Mahattans wird immer mal wieder in grelles Sonnenlicht und in Szene gesetzt. Sehr nett sind auch die neuen Ideen für eine Sonnen-Mission. Die Raumanzüge sind etwas dicker als man sie von anderen Filmen kennt, das Raumschiff versorgt sich über einen eingebauten Garten mit Sauerstoff und Nahrung – und ein weiblicher Computer ist auch mit an Bord. Allerdings nur in einer kleinen Nebenrolle, HAL lässt nicht grüßen. Der Sonnenbeobachtungsraum bietet immer wieder Gelegenheit für spektakuläre Ausblicke, was weidlich ausgenutzt wird.

Kommen wir zum andererseits. Die Optik verliert sich zu oft – gefühlte 20 Prozent des Films sind gar nicht erkennbar, weil die Kamera zu dicht dran ist, weil das Sonnenlicht alles überstrahlt oder weil das Licht ganz ausgefallen ist. Ausgleichen sollen das offenbar die Soundeffekte, die allerdings manchmal viel zu dick aufgetragen sind. Kleiner Spoiler: Wenn man sich nur mit glibbernden glitschigen Geräuschen fortbewegen kann, taugt man einfach nicht zum lautlosen Killer.

Und das ist auch schon der wesentliche Mangel: das Drehbuch. Der Film gibt den Figuren viel zu wenig Zeit sich zu entwickeln oder auch nur zu präsentieren. Weil so viel Zeit für die spektakulären Raum-Aufnahmen gebraucht wird, bleiben die Charaktere notgedrungen auf der Strecke. Und leider auch die Story. Warum es letztendlich zu der dramatischen Entwicklung kam, bleibt unbeantwortet. Motive der Personen? Egal. Besonders eindringliche schauspielerische Leistungen: kaum vorhanden. Die Sonne überstrahlt eben alles.