Der mächtige Blogger

Da hat sich mal wieder ein Web 2.0-Startup großartig blamiert. In einem Wiki stellten sie ihre Viral-Marketing-Pläne öffentlich und ungeschützt ins Internet – was natürlich von der gesammelten Blogosphäre ausführlich goutiert wird. Chris von F!XMBR ist mitten im Geschehen und zieht daraus weitgehende Schlüsse über die Macht des Bloggers:

Ihr habt noch Glück gehabt, mit diesen teils gemäßigten Reaktionen. Teilweise dadurch geschuldet, dass ich die Screenshots gelöscht habe – doch dazu später mehr. Die ganze Story, mit all ihren Feinheiten, hätte durchaus das Potential gehabt, Yumondo noch vor Start zu begraben – wenn überhaupt, dann wäre nur noch ein Start unter neuem Namen möglich gewesen.

Ich finde das übertrieben. Sicher ist diese Nummer extrem peinlich für die Firma – aber bedeutet so etwas automatisch das Todesurteil, wenn denn ein Blogger seine Screenshots nicht löscht? Naiv wie ich bin, schrieb ich das in die Kommentare und erhielt bald merkwürdiges Feedback.

Besonders irritiert bin ich wegen der Antwort von Chris:

Herr wirf Hirn vom Himmel, am besten auf die Luftnummer Torsten hier. Wird zwar nicht viel nützen, aber man soll die Hoffnung nie aufgeben.
Was für eine Pfeife…

Für jemand, der oben lang und breit einen offenen Diskurs empfiehlt, ist das IMHO eine merkwürdige Reaktion.

Hier! Gesundheits Check!

Liebe Management- und Personalberatung Vissers,

ich kann mich nicht erinnern, dass ich in Ihren Mailverteiler aufgenommen werden wollte, noch habe ich Ihnen die Mailadresse mitgeteilt, an die Sie beziehungsweise ihr PR-Berater heute eine Pressemitteilung geschickt hat. Von daher schon mal ein ganz schlechter Einstieg.

Angesichts des Inhalts ist das aber zu vernachlässigen. Denn hier wird nicht mit einer interessanten Story gelockt, sondern mit einem Gratis-Angebot für Jounalisten. Die Überschrift ist schon die Nachbildung eines schmierigen Marktschreiers.

TAG der Wirtschaft in Düsseldorf
Journalisten – Einladung! Kostenfreier Gesundheitscheck

TAG? Warum kein normaler Tag? Aber auch der erste Satz offenbart ein ernsthaftes Problem mit der deutschen Sprache:

Hier möchte die Firma Vissers Management und Personalberatung Düsseldorf, alle Journalisten die auf dem Tag der Wirtschaft in Düsseldorf sind, einladen, einen kostenfreien Gesundheitscheck durch führen zu lassen.

Danke, aber auf so eine plumpe Anmache kann ein einigermaßen seriöser Journalist nicht ernsthaft eingehen. Wenn Ihr schon keine Story zu bieten habt, dann ködert wenigstens zielgruppenspezifisch: Die Überschrift „Freibier für Journalisten“ wäre wesentlich erfolgversprechender. Aber da das Ganze in Düsseldorf stattfindet, wäre das wahrscheinlich eh Alt.

P.S: Ich sollte Ralf List vielleicht meine Blogstatistiken schicken, da er seine oben vorgestellte Qualitätsarbeit nach Tausenderkontaktpreisen abrechnet.

Nicht zur Verfügung

Wenn etwas nicht zur Verfügung steht, gibt es im Internet gewöhnlich den Fehler 404. Oder 503. Service not available. Danke, kommen Sie wieder.

Bei Managern ist es nicht so. So zum Beispiel bei Herrn Kleinfeld, der laut Siemens auch nicht mehr zur Verfügung steht. Nun, warum? Manager stehen gewöhnlich dann nicht zur Verfügung, wenn sie ein anderes sagenhaftes Angebot haben – daher müssen deutsche Manager wie in den USA bezahlt werden! – oder weil man sie eh feuern wollte. Wenn Kleinfeld in ein paar Monaten an der spitze von Disney oder Haliburton steht, werden wir es sehen.

Open-Source-Journalismus

Eine interessante Form des OpenSource-Journalismus: Man pinnt den Rechercheplan einer Wired.com-Story ins Internet und verteilt Aufträge an jedermann. So sind noch Interviews mit zu führen, Artikel und Essays nach Schlüsselzitaten durchzuflöhen und überhaupt gute Vorschläge zu machen.

Erst wenn die Recherchearbeit getan ist, beginnt die Schreibarbeit – in den USA trennt man Recherche und Schreib-Arbeit nunmal sehr viel mehr als hierzulande.

WE HAVE 6 DAYS LEFT TO REPORT THIS STORY BFORE WE START WRITING. THE COUNTDOWN STARTED MONDAY… AND THE CLOCK IS TICKING!

Die Recherchen sind in zwei Kategorien eingeteilt: billige Aufträge, die die „crowd“ – also jeder – übernehmen kann und etwas spezifischere tasks, für die man sich bewerben kann.

Alles getan

Die politische Diskussion um den Abbau der Bürgerrechte für in meinen Augen untaugliche Anti-Terror-Maßnahmen kann Leute in die Depression treiben.

Laut Netzeitung sagt Günther Beckstein

Ich fürchte, dass wir uns mit der SPD erst nach einem hoffentlich nie kommenden Terroranschlag einigen können. Wenn es dazu kommt, werden wir in jedem Falle auch eine Diskussion über die Mitschuld bekommen.

Ja, in der Tat. Eine Frage, die man Schäuble und Beckstein stellen könnte: Warum habt ihr mit viel Brimborium Maßnahmen verabschiedet, die keinen einzigen Terroranschlag der letzten Jahre verhindert hätten?

Aber auch die Genossen der SPD sollten sich Fragen gefallen lassen:

«Für mich ist klar, dass wir diese Ermittlungsmaßnahme brauchen. Ebenso klar ist aber, dass sie nur mit sehr hohen Hürden und in extremen Ausnahmefällen zum Einsatz kommen kann», sagte Wiefelspütz. Er rechne mit einer Größenordnung von etwa zehn bis 20 Fällen pro Jahr.

[…] was Wiefelspütz als «unfair» zurückwies. «Die Arbeit an den Details dieser rechtlich heiklen Maßnahme hat gerade erst begonnen. Da ist es nur logisch, dass es im Moment noch mehr Fragen als Antworten gibt.»

Man stelle sich vor, der Mann kauft ein Auto. Er weiß zwar nicht, was ein Turbo-Differential-Matrix-Kompensator ist, aber er braucht unbedingt einen. Dass er die Erklärung des Verkäufers nicht versteht, zeigt nur, wie toll der Turbo-Diff ist. Dafür kann man dann ruhig eine hohe Hypothek aufnehmen.

Denn diese Hypothek zahlen ja erst diejenigen ab, die ihre Emails nicht im Sekretariat ausdrucken lassen.

Die dümmsten Meldungen finden die meisten Leser

In meiner Studienzeit hab ich gleich mehrfach gelernt, wie man Statistiken schönt, zurechtstutzt oder sogar fälscht. Welch vergebliche Lebensmüh, wenn denn simpelste Zusammenhänge eh nicht zum Leser transportiert werden. So habe ich bei Spiegel Online zufällig diese Meldung entdeckt.

Das Sprichwort, wonach die dümmsten Bauern die dicksten Kartoffeln ernten, hat nun seine wissenschaftliche Bestätigung gefunden.

Aha. Dümmere Menschen verdienen also mehr? Sie werden reicher als die Intelligenten?

„Menschen werden nicht reich, weil sie klug sind“, fasst Jay Zagorsky von der Ohio State University das Ergebnis einer breit angelegten Untersuchung zusammen.

Hmmm – das sagt doch nichts über die dummen Bauern aus? Lesen wir weiter.

Ein hoher IQ steht demnach in keinem Zusammenhang zum Wohlstand eines Menschen.

Also ernten die dümmsten Bauern gar keine dickere Kartoffeln.

Die Studie bestätigt frühere Ergebnisse, denen zufolge Menschen mit einer überdurchschnittlichen Intelligenz zwar tendenziell höhere Gehälter bekommen.

Fassen wir zusammen: Intelligente Menschen verdienen mehr, aber sie häufen nicht mehr Wohlstand an. Warum Spiegel Online dieses relativ simple Untersuchungsergebnis mit genau der gegenteiligen Behauptung aufmacht, bleibt ein Geheimnis.

Spartabräu

Nie habe ich so viele perfekt herausgearbeitete Sixpacks gesehen wie in 300. Ich ging hernach zum Kiosk, kaufte mir eine Men’s Health, eine Fit for Fun und sechs Bier.

Wir glauben an den Weihnachtsmann

Ein interessanter Artikel beim Tagesspiegel:

In einem Schreiben an den Tagesspiegel am Sonntag versichert Tele 2, nur Adressen von renommierten Adressanbietern zu erwerben, bei denen wirksame Einwilligungserklärungen der Kunden vorlägen.

Da steht wohlgemerkt renommiert, nicht etwa seriös oder glaubwürdig. Mal im Ernst: fällt Euch ein Adresshändler ein, dem ihr Eure Daten guten Gewissens anvertrauen würdet? Nachdem ich mal den Nachsendeeintrag der Post in Anspruch hatte, habe ich selbst zu deutschen Institutionen kein übersteigertes Vertrauen mehr.

Warum denn ausschalten?

Als ich Windows Vista unter anderem für Zeit online testete, stellte ich irritiert fest, dass der formschöne Aus-Knopf den Computer nicht mehr ausschaltet, sondern ihn nur in einen Schlafzustand versetzt. Ich lehne ein solches Verhalten rundweg ab, wenn mein Computer ausgeschaltet ist, soll er auch ausgeschaltet sein.

Nun erreicht mich eine Pressemitteilung von Microsoft:

Windows Vista bietet Anwendern zahlreiche Möglichkeiten, um möglichst wenig Energie bei der Nutzung ihres PCs zu verbrauchen. Zum Beispiel ist im Betriebssystem ein Schlafmodus voreingestellt, der sich automatisch nach einer Stunde einschaltet, falls der PC nicht verwendet wird. Dieser Modus ist zuverlässiger und effizienter als der vergleichbare in Windows XP. Er verbraucht über Nacht nur etwa 4 Watt. Selbst im vollständig ausgeschalteten Zustand benötigen Computer etwa 2 Watt. Durch die Stromsparfunktionen erzeugt ein PC mit Windows Vista im Jahr umgerechnet deutlich weniger Kohlendioxid als mit Windows XP.

Also ich lasse meinen PC gewöhnlich nicht eine Stunde ungenutzt herumstehen. Und mein PC verbraucht über Nacht Null Watt. Ich habe dafür einen Mehrfachstecker, den ich einfach abschalte. Und das Schöne: All die Peripheriegeräte sind auch ausgeschaltet.