Archive for the tag 'Terrorismus'

Hass lernen

Manche Dinge versöhnen einen sogar mit Johannes B. Kerner und dem Dschungelcamp. Das da zum Beispiel:

Auf den ersten Blick wirkt alles wie in einer gewöhnlichen Kindersendung. Eine fröhliche Moderatorin, vielleicht zwölf Jahre alt, die in einem bunten Studio vor himmelblauem Hintergrund sitzt. Und ein fröhlicher Komoderator, der sich ein rosa Hasenkostüm aus Plüsch übergezogen hat, so dass er wie ein lebensgroßer Bugs Bunny aussieht. Gemeinsam gestalten sie die Kindersendung „Pioniere von morgen“ und beantworten Fragen von Kindern.

[...]

Dieser Satz scheint sein Markenzeichen zu sein, Assud ist der neue Star der Sendung „Pioniere von morgen“; schon bei seinem ersten Auftritt hat er angekündigt, „alle Juden aufzufressen“. Der neue Plüsch-Hassprediger war nötig geworden, weil die Sendung solche Figuren verschleißt. Vor Assud gab es die Biene Nahoul und eine Maus namens Farfour. Beide sind inzwischen gestorben - natürlich den Märtyrertod, der grausam inszeniert wurde

Der wackere Schäuble

Die FAZ porträtiert Bundesinnenminister im Licht der Terroranschläge als missverstandenen, aber unverdrossen wackeren Helden.

Zu alledem konnten und wollten die Dienste und der Innenminister wochenlang nichts Konkretes sagen. Schäuble, unterdessen in einem Sturm von Kritik und Verwünschungen stehend, musste darauf hoffen, dass die Zeit ihm recht gebe, und beten, dass er nicht auf blutige Weise recht bekäme. Als der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA) am Dienstagnachmittag dieser Zeitung ein Interview übermittelte, sagte er darin wörtlich: „Derzeit haben wir keine konkreten Anhaltspunkte für eine Anschlagsplanung.“ Das war wohl eine falsche Auskunft, denn zur selben Zeit lagen etwa fünfhundert Polizisten rund um das Terroristenversteck im Sauerland auf der Lauer.

Um nicht misszuverstanden zu werden: dass die Polizei ein paar verhinderte Mörder gefasst hat, ist ein großer Erfolg - aber muss man aber so dick auftragen? Denn faktisch stimmt die Lobrede der FAZ hinten und vorne nicht. Es waren eben nicht “zwölf Fässer voller Sprengstoff”. Selbst wenn die Fässer nicht vorher ausgetauscht worden wären, hätte die Polizei gestern lediglich eine brandgefährliche und legal zu erwerbende Substanz gefunden. Auch die Zahl von “fünfhundert Polizisten rund um das Terroristenversteck” erscheint mir unwahrscheinlich - ansonsten wäre es mehr als peinlich, dass ein Verdächtiger aus dem Haus fliehen und einem BKA-Beamten die Waffe entwinden und diesen anschießen konnte. Zudem wurden ja auch andere Gebäude durchsucht. Dass der FAZ-Autor Sicherheitsbehörden Minister und Strafverfolger für das Vermelden und das Verschweigen von Anschlagsplänen gleichermaßen lobt, erscheint zumindest inkonsequent.

Insofern ist auch die Exklusiv-Information der FAZ - dass nämlich ausgerechnet die umstrittenen Onlinedurchsuchungen zu dem Ermittlungserfolg geführt hätten - auch sehr mit Vorsicht zu genießen. Der gleiche Autor beschreibt nämlich in einem ausführlicheren Artikel jede Menge Ermittlungsarbeit - von der angeblich entscheidenden Onlinedurchsuchung ist da jedoch keine Rede mehr.

PS: In einem Interview mit der Süddeutschen dementiert FDP-Innenexperte Max Stadler dieses Gerücht:

Mit dem Fall bin ich ja nicht ganz unvertraut. Ich kann Ihnen sagen: Nach meinem Wissenstand haben heimliche Online-Durchsuchungen von Festplatten keine Rolle gespielt. Hier hat ganz normale Polizeiarbeit zu diesem Fahndungserfolg geführt, also Telefonüberwachung, Überwachung des E-Mail-Verkehrs, Observationen und ähnliches. Das hat mit Online-Überwachung nichts zu tun.

Mein Chemielehrer war eine Niete

In einer Infobox klärt Spiegel Online über TATP auf.

Eine TATP-Bombe ist einfach herzustellen: “Alles was man an Fähigkeiten dafür braucht, ist das Wissen aus dem Chemieunterricht der zehnten Klasse”, sagt der Cottbuser Kampfstoffexperte Wolfgang Spyra.

Also ich habe mich in der zehnten Klasse noch mit den Feinheiten der Wasserstoff-Brückenbindung und ähnlich unergiebigen Stoffen auseinandergesetzt - ich habe nicht Explosivstoffe unter Verwendung von Säureverdünnungen als Katalysatoren zusammengemischt. Sprengstoffexperten sind halt keine Lehrplanexperten.

Flüssigsprengstoffe auf Wasserstoffperoxid-Basis wurden unter anderem bei den versuchten Anschlägen auf britische Flugzeuge im vergangenen Jahr verwendet, sagt Kampfstoffexperte Spyra.

Verwendet wurden sie zum Glück nicht. Ob sie überhaupt existierten, ist AFAIK mehr als zweifelhaft. EU-Parlamentarier scheinen diese Meinung zu teilen.

TATP-Bomben seien allerdings in der Herstellung und beim Transport höchst gefährlich: Die kleinste Erschütterung bringt sie zur Explosion. “Wenn ein Selbstmordattentäter mit einer solchen Bombe im Auto in eine Menschenmenge rast, ist die Überlebenschance gleich Null.”

Und wie ist die Überlebenschance für den Zehntklässler bei der Herstellung?

PS: Tagesschau.de hat den Experten Spyra auch in einem Infokasten verfrachtet. Dort wird sein Name allerdings verschwiegen, das Zitat mit der Autobombe ist aber identisch.

2. PS: Kaum habe ich drüber gebloggt, ist der Infokasten aus dem Tagesschau-Artikel wieder verschwunden. Ich platziere ihn mal hier:

Screenshot Tagesschau.de: TATP-Infokasten

Wie deutsch können Terroristen sein?

Während die ganze Welt über die neue RAF-Doku berichtet, scheinen Journalisten Schwierigkeiten zu haben, dass Terroristen heute tatsächlich deutsch sein können.

So heißt es bei tagesschau.de:

Zwei der Männer haben nach Angaben der Bundesanwaltschaft deutsche Pässe, der Dritte sei ausländischer Herkunft.

Wohlgemerkt: die zwei Täter sind keine Deutschen, sie haben lediglich deutsche Pässe. Was bedeutet das? Offenbar sind die Pässe nicht falsch, also muss es sich wohl um Deutsche mit Migrationshintergrund handeln, die man politisch korrekt identifizieren will.

Doch falsch gemutmaßt: Nach einer Meldung von Spiegel Online sind die beiden Täter identifiziert als “Daniel S. aus dem Saarland und Fritz G. aus Neu-Ulm in Bayern”.

Technisches Missverständnis

Laut Netzeitung sagt die bayerische Justizministerin Beate Merk folgendes:

In der Auseinandersetzung um die Pläne von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) werde zum Teil «ideologisch verbrämt» diskutiert, kritisierte Merk am Samstagmorgen im Deutschlandfunk. Dabei würden «ganz bewusst Ängste geweckt» und «Horrorszenarien» über flächendeckende Untersuchungen verbreitet. Diese seien in Wirklichkeit jedoch technisch gar nicht möglich.

Das ist ein Missverständnis. Phisher und Virenprogrammierer zeigen, dass das Anzapfen von Hunderttausenden Rechnern kein großes Problem ist. Entsprechende Software ist sogar käuflich erhältlich - wenn man mit Kriminellen ins Geschäfte macht. Die Kritik an der Onlinedurchsuchung gründet sich unter anderem darauf, dass eben der gezielte Einsatz bei Terroristen, Mördern und Kinderschändern (war nicht zunächst nur von internationalem Terrorismus die Rede?) technisch zwar nicht unmöglich, aber in den meisten Fällen unrealistisch ist.

PS: Das Interview ist jetzt online. Das Zitat in lang:

Die Technik allein ist sehr kompliziert, sodass wir nicht sagen können, das wird sehr oft angewandt, sondern das wird nur bei schwersten Delikten, also bei Mord, bei Terror bzw. was ich immer wieder sage, auch im Fall von Kinderpornografie ganz massiv ist. In solchen Fällen wird man mit Online-Durchsuchungen arbeiten und nicht in anderen Fällen. Wir müssen wegkommen von diesen Gespensterdebatten, von diesen Horrorszenarien, dass eine flächendeckende Durchsuchung gemacht würde, geplant wäre oder überhaupt technisch möglich wäre.

Heise-Foren-Fantasy

“Kaffee Bitte”, sagte der Terrorist höflich zu der Mitarbeiterin im Internet-Kaffee.

“Möchten Sie Zucker?” fragt die Bedienung.

“Nein, danke. Heute pur-schwarz”, erwidert er.

Dann suchte er sich über die Gelben Seiten die Adresse des nächsten
Heimwerkermarktes…

…nahm ein Bissen des beiligenden Plätzchens und nippte an dem tiefschwarzen Kaffee. - Schlagartig zuckte er zusammen, aber er freute sich. Hatte er etwa das gefunden was er suchte?

Kunstdünger las er interessiert. Preisgesenkt.

“Rufen Sie mir bitte ein Taxi” sagt er zu der Bedienung. “Gerne” erwiderte diese und wählte die Nummer eines etablierten Taxiunternehmens.

Er zog ein Bündel Banknoten aus der Tasche. Die Bedienung war nett. Er konnte ihr ein großzügiges Trinkgeld geben. Um die Finanzierung musste er sich keine Sorgen machen. Das Geld wurde in kleinen Mengen aus dem angrenzenden Frankreich ins Land gebracht.