Archive for the tag 'medienkompetenz'

Güterabwägung: TV und Folter.

Stefan amüsiert sich über die Korrektur, mir hingegen ist der Inhalt dieses Guardian-Artikels über den Einfluss der Serie 24 mehr aufgestoßen:

Sands writes: “She believed the series contributed to an environment in which those at Guantánamo were encouraged to see themselves as being on the frontline - and to go further than they otherwise might.”

The US military criticised the award-winning series last year, saying it encouraged soldiers to see torture as a justifiable weapon against terror suspects.

Da sag ich nur “WTF?” Ein - zugegeben: gut gemachter - Nachfolger des A-Teams macht ganz normale Menschen zu verblödeten Folterern? In dem Fall müssen wir leider alle Fernseher vernichten. Die Güterabwägung lässt nichts anderes zu.

Mutter mit Medienkompetenz

Häme ist ja meist fehl am Platze - aber man darf sich etwas wundern. Laut Netzeitung hat sich eine Mutter zunächst für die RTL-Sendung “Super-Nanny” zur Verfügung gestellt und sich anschließend über gestellte und aus dem Zusammenhang gerissene Szenen gewundert. Als sie mit einer Klage scheitert - wem gibt sie ein Interview? Der Bild-Zeitung…

Medienkunde sollte an Schulen gelehrt werden und bei Schwangerschaftskursen aufgefrischt werden.

ZDF regelt die Privatsphäre

Das ZDF hat in einem Bericht über das Privatleben online sieben goldene Regeln parat.

Mein Lieblings-Tipp:

Wenn Sie mit Ihrer persönlichen Homepage nicht bei Suchmaschinen erscheinen möchten, wenden Sie sich an die Betreiber der Suchmaschinen.

Vielleicht sollte man besser jemanden fragen, der sich mit dem Internet auskennt.

Kommerz gegen Authenzität?

Im krit-Interview erklärt der Spiegelfechter Jens Berger einen der großen Trends der Blogger-Szene.

Wir stehen an der Schwelle einer Aufteilung des Netzes in Kommerz und Authentizität – da machen auch die Blogs keine Ausnahme. Vom Nutzer wird in Zukunft noch mehr Medienkompetenz zu erwarten sein als jetzt. Blogger sind nicht per se bessere Menschen, sie sind ein Querschnitt durch die Gesellschaft.

Dem Schluss mag ich zustimmen - wie könnte ich auch nicht? Aber der Ausgangsthese möchte ich doch stark widersprechen. Warum sollen Authenzität und Kommerz ein Gegensatz sein?

Nehmen wir den Alltag des Journalismus: Gerade die dümmsten und manipulativsten Pressemitteilung empfinde ich als äußerst authentisch. Die Verfasser glauben den Stumpfsinn, den sie per HTML-Mails und Word-Dokumenten in meine Inbox gießen. Im Gegenzug sind die bestbezahlten Edelfedern des Journalismus ebenfalls höchst authentisch. Ihre Texte spiegeln ihre Person wieder - zumindest sollen sie den Anschein erwecken. Zahlreiche Kolumnen in Hochglanz-Zeitschriften spiegeln gleichzeitig Höhepunkte der Authenzität und der Kommerzialität dar. Der unauthentische Nachrichten-Stil hingegen ist für die Schreiber nicht sonderlich lukrativ.

Für mich als Blog-Leser sind weder Authenzität noch Kommerzialität ein Eigenwert. Ich lese Blogs, weil sie gut geschrieben sind, weil sie interessante Einblicke geben und Fakten gut aufbereiten. Natürlich werde ich immer im Kopf behalten, wenn eine Firma ein Weblog führt. Oder wenn ein Blogger von einer Firma engagiert wurde, ihre Produkte vorzustellen. Aber das ist Ausdruck der oben erwähnten Medienkompetenz. Ein Auswahlkriterium ist es aber nicht.

Wie steht es mit der Authenzität? Um es polemisch zu sagen: Welche Blogger war schon authentischer als Callboy Torsten? Wer authentisch ist, erzählt vielleicht seine Wahrheit - das ist aber noch lange nicht meine Wahrheit.

Und hier sehe ich auch eher die kommende Aufteilung des Netzes. Das Netz wird nicht in authentisch und kommerziell unterteilt, sondern in Weltbilder. Der islamfeindliche Kommerzblogger wird vom islamfeindlichen Privatblogger zitiert, der höchst authentisch seinen eigenen kleinen Geist dazu addiert. Der leidenschaftliche Filmsauger wird nur Blogs lesen, die auch schön kräftig gegen die Film-Mafia wettern - auch wenn die Seite mit Provider-Werbung vollgekleistert ist. Dank der Vielzahl der Blogs, Communities, Foren und social-media-Diensten kann man viel einfacher unpassenden Fakten oder Gegenargumenten aus dem Weg gehen und hat trotzdem den Eindruck gut informiert zu sein.

Der mündige Blogleser?

Beim jüngsten Sautreiben in Kleinbloggersdorf - ich rede natürlich von der Blog-Nemesis Adical - ist mir dieses Zitat von Julian Finn aufgefallen:

Genau wie die Blog-Toplisten in stetiger Bewegung sind, wie es Aufstiege und Abstiege gab, ist es für ein sich unabhängig rühmendes Blog (oder einen wie auch immer gearteten ‘cast) kaum möglich auf Dauer Käuflichkeit und Leserzufriedenheit miteinander zu vereinbaren. Den Kanal wechseln, das Abonnement kündigen, all das ist in Zeiten von Massen von Medien statt Massenmedien zu einfach, als dass der mündige Leser noch ausgenutzt werden könnte.

Ist denn der mündige Leser gekauften Inhalten wirklich so abgeneigt? Schalten nicht immer noch Millionen die Film-CD-Gummibärchen-Dauerwerbung Wetten dass… ein? Liest keiner mehr die BILD-Zeitung? Wird nicht sogar der ALDI-Prospekt eifrig studiert? Der mündige Bürger pfeift in der Regel auf edle Prinzipien. Er will unterhalten werden, er will Sachen vorgekaut bekommen. Und für ein paar Cent ist seine Stimme bei Digg zu kaufen. Dass Blog-Leser da so furchtbar anders sind, kann man glauben oder auch nicht.

Faires Ausmaß?

Im 23C3-Fahrplan entdeckte ich diesen interessanten Satz:

The media has given this topic more than its fair share of coverage

Die Frage ist: Wie will man bestimmen, welches Ausmaß der Berichtsterstattung fair ist? Während bei Persönlichkeitsrechten die Frage eher einfach zu beantworten ist, ist die Frage bei technischen Themen deutlich abstrakter. Wann wurde wirklich genug über MacOS-Cracks geschrieben? Wem gegenüber ist es unfair? Wenn die Leser das Thema interessiert - wer sollte es ihnen aus welchen Gründen vorenthalten?

Und: sind wir hier vielleicht Opfer einer Perspektivverschiebung dank Google News? Wenn ein Thema in jedem Medium ein bis zwei Mal auftaucht sind das Hunderte Meldungen in den Nachrichtenaggregatoren. Und wenn dann noch einzelne Meldungen von Bloggern aufgegriffen, verglichen und kritisiert werden, kommt es einem so vor, als ob denn die ganze Welt nur von einem Thema spricht. Der Normal-Konsument bekommt von dem Thema aber vielleicht überhaupt nichts mit, weil die Meldung auf Seite 13 rechts unten stand.