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Transatlantisches Recht

Die StudiVZ-PR ist aufgewacht und beschert uns diese Stellungnahme, die auf der Presseseite von StudiVZ bisher fehlt. Natürlich sind die Vorwürfe aus Sicht von StudiVZ haltlos. Wirklich interessant ist der juristische Teil:

Im Vorfeld von amerikanischen Anwälten von Facebook erhobene Vorwürfe haben studiVZ veranlasst, bereits am Freitag Feststellungsklage beim Landgericht Stuttgart einzureichen. Diese hat das Ziel, von den zuständigen deutschen Gerichten feststellen zu lassen, dass die von Facebook erhobenen Vorwürfe nicht zutreffend sind.

Beide Unternehmen haben einen Punkt. Natürlich war StudiVZ eine Eins-zu-Eins-Kopie von Facebook. Und natürlich ist die Klage von Facebook durch die Konkurrenzsituation im deutschsprachigen Raum motiviert. Jetzt streiten sich beide Parteien darum, vor welchem Gericht sie streiten dürfen. Im Zweifel vor beiden.

Spannend - falls es denn soweit kommt: von welcher Seite werden die Samwer-Brüder und Ehssan Dariani als Zeugen geladen werden?

PS: Es kursiert schon wieder, dass Facebook mit 15 Milliarden Dollar bewertet worden sei. Ob PR-Lüge oder Milchmädchenrechnung - das ist schlichtweg falsch. Microsoft hat einen umfangreichen Deal mit Facebook abgeschlossen, nur ein geringer Teil der 240 Milliardonen Dollar flossen für die winzige Beteiligung am Unternehmen.

Wenn die soziale Revolution kommt

Irgendwie hat mir bei Facebook bisher die Killer-Applikation gefehlt. Toll, wir können Scrabble spielen. Wow. Super. *gäääähn* Kann man mit diesem ach so mächtigen Werkzeug eigentlich etwas anderes tun? Etwas bewegen? Gar verändern?

Nun - es scheint sich etwas zu tun:

Nach einem Aufruf im Internet-Forum Facebook hatten sich Hunderte der Demonstration der Arbeiter angeschlossen, Dutzende Organisatoren wurden anschließend verhaftet. Doch wenige Tage später war schon der nächste Aufruf da: Am Geburtstag des Präsidenten sollen die Leute zu Hause bleiben oder, wenn sie zur Arbeit müssen, schwarz tragen. “Wenn wir nicht rausgehen, können sie uns auch nicht verhaften”, sagt Ahmad Maher, einer der Initiatoren der Aktion. Ahmad ist 27 Jahre alt und kennt keinen anderen Präsidenten als Mubarak. Bislang war es schwierig für seine Generation, sich politisch zu engagieren. Natürlich gebe es viele, die schon lange eine Rolle bei der Reform des Landes spielen wollten, erzählt Ahmad. “Aber unglücklicherweise hat das Regime mit seinen Unterdrückungsmethoden die Jugendlichen eingeschüchtert. Facebook ist da eine gute Alternative, die Webseite bringt die Menschen zusammen.”

In Deutschland soll es eine StudiVZ-Gruppe immerhin zu einem Kissenschlacht-Flashmob gebracht haben. Allerdings wusste die Presse schon vorher Bescheid - also gilt’s nicht.

Facebook Deutschland? Wo denn?

Die Kunde hat jetzt wohl jeder vernommen: Facebook hat den Deutschland-Start verpatzt. Doch Moment mal - gibt es Facebook Deutschland überhaupt? Machen wir mal den Praxis-Test und melden uns als deutscher User bei Facebook an.

Hier zum Beispiel soll man seine Schule, Universität und Firma eingeben. Wer die “Universität Köln” eingeben will, bekommt stur die Universität Klagenfurt vorgeschlagen. Deutsche Universitäten sind in dem Formular schlichtweg nicht vorhanden.

Lustiger wird es bei Schritt Nummer drei: die Eingabe des Wohnorts:

Hier steht wenigstens drunter, dass die Vervollständigung in Deutschland nicht klappen wird. Also klicken wir mal den Link und suchen uns aus einer wirklich langen Länder-Liste “Germany” heraus. Und was passiert dann?

Ja, dann passiert gar nichts mehr. Das Eingabefeld für die Stadt verschwindet - und ohne Stadt kein Netzwerk. Da hilft kein Klicken und kein Zagen, nur mit “Überspringen” kann man die Anmeldung vollenden.

Da wundern schlechte Klick-Zahlen nun wirklich wenig.

Friendsfeed nicht nur für Friends

Eine Peinlichkeit der Extraklasse: Nach Angaben der Piratebay-Verantwortlichen ha Warner Brothers den Chef-Ermittler gegen die Torrent-Seite engagiert.

Und wie ist es herausgekommen? Über den Facebook Mini-Feed.

Wer zählt die Millionen?

Ich habe kürzlich mit einem Facebook-Manager gesprochen. Er wollte mir nicht viel mehr sagen - außer dass Facebook über eine Million aktiver(!) Mitglieder im deutschsprachigen Raum hat. Das ist eine beeindruckende Zahl - wenn man bedenkt, dass Facebook bisher vor kurzem nur auf Englisch verfügbar war und auch keine Campus Captains an deutschen Universitäten einsetzt.

Man kann die Zahl aber auch in eine andere Relation setzen. Die Gruppe, die gegen nervtötende Einladungen für Facebook-Applikationen protestiert, hat derzeit 895.734 Mitglieder.

Die 15-Milliarden-Dollar-Lüge

Immer wieder ärgere ich mich über Textstellen wie diese:

Heute, vier Jahre später, gilt Zuckerberg mit Facebook als der Internetpionier schlechthin. Von ConnectU oder houseSYSTEM spricht niemand mehr. Facebook hat 46 Millionen aktive Nutzer und wächst rasant. Gerade verkaufte Zuckerberg 1,4 Prozent seines Unternehmens für 240 Millionen Dollar an Microsoft – was rein rechnerisch einen Gesamtwert von rund 15 Milliarden Dollar ergibt.

Das stimmt einerseits. Rein theoretisch, mathematisch und mit Scheuklappen ist Facebook durch den Microsoft-Deal 15 Milliarden Dollar wert. Ein nettes Detail, nichts, was man - wie hier - ohne Kontext in die Überschrift packen will.

Realistisch betrachtet stimmt die Hochrechnung überhaupt nicht. Denn Microsoft hat nicht nur einen Mini-Anteil von Facebook gekauft, sondern sich auch weitgehende Vermarktungsrechte gesichert. Für einen ähnlichen Deal zahlte Google dem Facebook-Konkurrenten MySpace 900 Millionen Dollar. Wieviel von den 240 Millionen Dollar tatsächlich für die Beteiligung am Unternehmen Facebook fließen, ist unklar - es dürfte aber nur ein Bruchteil sein.

Wer 15 Milliarden für Facebook zahlt, gibt auch 70000 Euro für ein Mercedes-Ersatzrad aus - ob das passende Auto dazu geliefert wird, ist dabei eher unwichtig.

Am Werben hängt, zum Werben drängt doch alles

Das ging ja schnell: kurz nach dem Einstieg der Samwer Brüder beziehungsweise ihres European Founders Funds bei Facebook erreicht mich diese Pressemitteilung von Adscale:

Zudem geht die AdScale GmbH in die zweite Finanzierungsrunde. Bereits vor dem offiziellen Launch und in der aktiven Startphase im September 2007 wurden die Gründer durch die Internet-Investoren Holtzbrinck Ventures und European Founders Fund unterstützt. Seitdem hat sich viel getan: [...] Beeindruckt vom bisherigen Erfolg und aufgrund ihrer sehr guten Zukunftsperspektive, unterstützen die beiden bisher wichtigsten Investoren noch einmal die AdScale GmbH mit einem mittleren einstelligen Millionenbetrag.

Cool Kids don’t use Facebook!

Ich bin zufällig auf dieses Essay gestoßen, der die Userschaft von Facebook und MySpace analysiert wird. Kurz zusammengefasst: Die “good kids” gehen wie selbstverständlich zu Facebook, die Subkultur versammelt sich bei MySpace. Das geht so weit, dass die Autorin in der Mitgliedschaft bei einem dieser Netzwerken so etwas wie eine Klassenzugehörigkeit sieht.

StudiVZ wird leben…

…solange sich die StudiVZ-ist-sooooo-scheiße-Gruppen immer noch bei StudiVZ finden. Und nicht etwa bei Facebook.

PS: On sich das Thema nicht für einen dieser provokativ-viralen Werbespots eignet? Eine Bande von Rowdies stürmt in das Studivz-Büro und zerschlägt alles, was nach Werbung aussieht. Zur Krönung wird der Laden angezündet. What’s your message?

Pimpbook

Und wieder mal ein Aufreger in den USA: registrierte Sexualstraftäter bei Facebook. SpOn schreibt:

Blumenthal teilte den Medien mit, die Behörden hätten mindestens drei verurteilte und registrierte Sexualstraftäter auf Facebook ausgemacht. Chris Kelly, der Datenschutzbeauftragte von Facebook, bestätigte, man habe entsprechende “Aktivitäten registriert”.

Bei den aufgespürten Straftätern handle es sich wahrscheinlich nur die “Spitze des Eisbergs”, sagte Blumenthal. Die Verbrecher nutzten Facebook unter ihrem richtigen Namen und seien daher leicht zu entdecken gewesen. Es könnte jedoch noch Tausende weitere Straftäter geben, die unter einem Pseudonym registriert sind. Facebook solle seine Nutzerprofile daher wie MySpace nach denen von Sexualstraftätern durchforsten, forderte Blumenthal.

Nun - vielleicht sollte man noch erwähnen, dass nicht nur finstere Pädophile in solchen Datenbanken registriert werden, sondern auch Leute, die eine Prostituierte aufsuchen wollten und stattdessen auf einen Polizei-Lockvogel hereingefallen sind. Wir kennen das alles aus wahnsinnig lustigen US-Comedy-Serien - für die betroffenen ist es jedoch bitterer Ernst. Es wäre spannend zu erfahren, ob etwa auch Hugh Grant oder George Michael in einer solchen Datei erfasst waren.

Die Gesellschaft muss sich die Frage stellen: sind Netzwerke wie Facebook ein eingezäunter Kinderspielplatz oder Teil der gesellschaftlichen Realität wie ein Geschäftsviertel oder eine Tankstelle? Wenn man ein Portal, das sich zunehmend an Erwachsene richtet, den Regeln des Kinderspielplatzes unterwirft, schließt man Menschen von einem immer wichtigeren Lebensbereich aus. Führt man den Gedanken etwas fort, könnte man die Datenbank der Sexualstraftäter auch an Tankstellen übermitteln - denn der registrierte Sextäter könnte den Treibstoff ja nutzen, um zu einem Kind zu fahren und es zu missbrauchen.

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