Probleme für Joost – nur welche?

Die Süddeutsche Zeitung hat einen kritischen Artikel zu Joost veröffentlicht, in dem der Autor Burkhard Reitz das schwierige Marktumfeld des Internet-TV portraitiert. Viele Kollegen haben diesen Punkt in ihrer Berichterstattung über den Joost-Hype vergessen. Leider geht Reitz meiner Meinung nach etwas weit in seinen Schlussfolgerungen.

Aber: Kein gut geführter Sender würde die Vermarktung seiner Inhalte langfristig mit einem Plattformbetreiber teilen oder komplett abtreten.

Hier rächt sich, dass der Artikel nicht ein einziges Mal den Unterschied zwischen Joost und den anderen zahlreichen Internet-Fernseh-Angeboten erwähnt: Joost ist eine Peer-to-Peer-Technologie. Sprich: das Verbreiten der Inhalte soll über Joost sehr viel billiger werden als bei den anderen Plattformen. Und auf einen solchen Deal würden sich wohl viele Inhalteanbieter einlassen – besonders wenn die heute bereits unüberschaubare Vielzahl von Video-Angeboten im Netz die Investitionen in eigene Produkte immer schwerer werden lässt. Skype war auch nur eines von vielen, vielen Internet-Telefonie-Angeboten – und auch hier haben die vielen Provider und Telefongesellschaften lieber ihre eigenen Plattformen aufgebaut.

Der Haken dabei: Joost hat das Kunststück noch nicht geschafft, den besagten billigen Vertriebskanal zu schaffen. Ob Internet-TV auf P2P-Basis überhaupt technisch funktioniert, muss sich erst noch zeigen. Im derzeitigen Zustand ist Joost schlichtweg noch nicht reif genug, die Betreiber müssen einen Weg finden die geringen Upload-Bandbreiten der Massenkundschaft auszugleichen und dennoch ein ansprechendes Fernseh-Erlebnis zu schaffen. Content-Partnerschaften sind sicher auch wichtig, aber erst der zweite Schritt.

Arte-Themenabend Überwachungsstaat

Nächsten Dienstag bringt Arte einen Themenabend zum Thema „Überwachungsstaat“.

Es geht los mit der Reportage Wir werden alle überwacht!, danach kommt der Beitrag aus Frankreich mit dem Titel „Kontrolle total“. Dann folgt eine Reportage über Bürgerrechtler mit dem Titel Widerstand.com, in der es unter anderem um die Arbeit des Chaos Computer Club geht. Zum Abschluss noch ein Blick über den Ärmelkanal: Big Brother City zeigt den Überwachungsalltag in Großbritannien.

Programmbeschreibung – frei erfunden

Ich weiß ja, dass die deutschen Synchronisationen von Futurama gräßlich sind – deshalb habe ich sie mir nie wirklich angesehen. So übel, wie es diese Episodenbeschreibung von Pro7 nahelegt, können sie gar nicht sein. Bis auf die Wörter „Professor Farnsworth“ „Alterungsprozess“ und „immer jünger“ ist das nämlich kompletter Bullshit.

Die Quelle des Alterns
Dem genialen Wissenschaftler Professor Farnsworth ist es gelungen, das für den menschlichen Alterungsprozess verantwortliche Bakterium zu identifizieren. Er nutzt sein neu gewonnenes Wissen, um den einzelligen Organismus umzupolen, sodass die Leute, die von ihm befallen werden, immer jünger werden. Dummerweise hat Farnsworth nicht beachtet, dass der umgekehrte Alterungsprozess zu einer unkontrollierbaren Rückentwicklung der Menschen führt …

Zum Vergleich, die Episodenbeschreibung von TV.com:

When Fry and the Planet Express gang realize that at 161 years old, the Professor has become too crotchety to handle, they decide he needs to be „youth-a-sized“. Traveling to an asteroid, they register the Professor at a posh resort where their full-body bath in searing hot tar is guaranteed to turn back the clock. Through a series of unfortunate accidents, the bath covers not only the Professor but also everyone else and all are affected by the treatment. Back at Planet Express, a now 53-year-old Professor tries to keep a now 13-year-old Fry and other kids under control while looking for a way to reverse the effects of the tar treatment. Meanwhile, „the kids“ all react to their newfound youth, including Leela, who decides she could have a taste of the childhood she never had as an orphan.

Wenn Pro7 sich schon kein Personal leisten kann, dass die Programme vor Ausstrahlung tatsächlich ansieht, sollte man vielleicht eine bessere Quelle für die Programmbeschreibungen suchen.

Nicht aussetzen!

Es ist ein alltägliches Haustier-Drama. Zu Beginn der Osterferien werden Tausende von anfangs possierlichen Hausgenossen an Autobahnen ausgesetzt – niemand wollte sich um sie kümmern, die Kinder haben ihren Spaß an ihnen verloren – und wer mag schon den Geruch nasser Hunde?

Der tierliebe MDR kann dem nicht tatenlos zusehen und thematisiert dieses schreckliche Schicksal in einer neuen Show: Wo ist Lippi?. Die Handlung: Wolfgang Lippert wird in Mitteldeutschland ausgesetzt. Aber er findet immer wieder zurück.

Blinde Zusammenfassung

Bei Klack.de fand ich diese Zusammenfassung einer ALF-Folge:

Alf lernt überraschend Kates Vater kennen. Doch die beiden sind sich alles andere als sympathisch!

Als Kind habe ich die Serie geliebt – so war ich auch etwas geschockt, dass ich diese Folge ganz verpasst hatte. Aber falscher Alarm: die Catch-Line stammt von jemanden, der flüchtig eine längere Beschreibung der Folge gelesen hat und irrtümlich den Ehemann der Mutter mit dem Vater gleichgesetzt hat. Woher der Part mit dem „nicht sympathisch“ stammt, ist aber immer noch rätselhaft.

Etikettenschwindel mit Westerwelle

Fortschritte in der Zuschauermessung – ein dröges Thema. Aber nicht, wenn man eine Westerwelle-Wegschaltquote in die Überschrift packt.

Doch was erfahren wir über die Leute, die bei Anblick von Guido abschalten? Nichts. Das Interview endet so:

Was hat sich eigentlich genau verändert, seit die Quoten sekundengenau ausgewertet werden? Gibt es Sachen, die man seitdem weniger oder gar nicht mehr im Fernsehen sieht? Guido Westerwelles Medienpräsenz ist ja in letzter Zeit auffällig zurückgegangen – liegt das vielleicht an einer Westerwelle- Wegschaltquote?

Andreas Kühner: Nein. So etwas ist mir nicht bekannt.

Zum Abschalten ist es da zu spät. Und Klicks kann man nicht zurücknehmen.

Eine Cola Light, bitte.

In der brand eins las ich etwas zum immer dümmeren intelligenteren Fernsehen.

Die erfolgreichen Unterhaltungsformate im Fernsehen werden immer intelligenter. Johnson vergleicht die klischeebeladenen Geschichten aus Denver und Dallas mit ihren simplen Charakteren und Plots mit den aktuellen Folgen der „Sopranos“: In der Mafia-Serie werden pro Episode oft fünf Geschichten parallel erzählt, und der Zuschauer muss Dutzende Figuren im Auge behalten, um folgen zu können.

Das ist doch nur die Hälfte der Wahrheit – viel interessanter sind meines Erachtens die Querbezüge. In der Pilotfolge von Life On Mars bestellt der Hauptcharakter – ein in die Vergangenheit versetzter Polizist – in einer Kneipe als erstes eine Cola Light. Nach einer Pause, in der allemal kräftig staunen dürfen, ergänzt er: War nur ein Witz. Nun – um den Witz zu kapieren, muss man wohl Back to the Future gesehen haben. „Eine Cola ohne? Ohne zu bezahlen?“ hieß es da – wenn ich mich recht erinnere – in der deutschen Übersetzung. Sprich: der Witz geht nur dem auf, der einen Film von 1985 so internsiv geguckt hat, dass er eine Anspielung darauf sofort erkennen kann. Was ja wohl auf meine Altersgruppe zutrifft, aber nicht auf die wesentlich Älteren und die wesentlich jüngeren.

Thomas Ramge schreibt weiter:

Der Dauer-Quotenbringer „Simpsons“ baut seine Gags auf subtile Andeutungen aus Politik, Geschichte oder Pop-Kultur auf. Den Drehbuchautoren der Comicreihe gelingt sogar, verschiedene Humor-Ebenen für verschiedene Altersgruppen einzubauen.

Glaubt ihr daran? Ich nicht. Sicher: man kann zeitlose Slapstickelemente mit Anspielungen der Zielgruppe verknüpfen. Aber so richtig aufgehen werden die Anspielungen und Querverweise nur in einer bestimmten Zielgruppe. Und deshalb kann ich die Simpsons auch schon ein paar Jahre nicht mehr sehen.

Doppelfolge

Was ist besser als eine Doppelfolge Al Bundy?

Doppelfolge

Die Antwort von Kabel1 lautet offenbar: zwei Doppelfolgen. Jeden Nachmittag. Und noch eine Wiederholung im Frühprogramm.

Konsequente Regel

Bei der Netzeitung ist eine Reportage über den Wahrsagekonzern Questico, der über 2000 Hellseher und Astrologen beschäftigt, damit sie Anrufern und TV-Zuschauern die Zukunft vorhersagen.

Beim Astro-Konzern Questico gibt es eine Grundregel: Kritische Fälle sollen von den Hellsehern an einen Arzt oder Psychologen verwiesen werden.

Für meine Begriffe ist jemand der Astro-Hotlines anruft ein kritischer Fall. Was man wohl sagen muss, um auch bei Questico als solcher identifiziert zu werden?