Social Media Taktik

Sie sind enttäuscht von ihrer Multichannel-Kommunikationsagentur? Hat sich ihre Social Media Strategie nicht ausgezahlt trotz der fehlenden Bindestriche? Es wird Zeit für einen Wechsel.

Kommen sie zu uns. Wir sind der führende Anbieter für Social Media Taktik. Kurzstrecken-Tweets mit zerstörerischem Potenzial. Bevor der Mob zu Ihnen aufrückt, hinterlassen wir für Sie verbrannte Erde! Wir kaufen nicht nur Facebook-Likes, wir geben auch noch großspurige Interviews darüber. Bevor irgendjemand etwas Schlechtes über Sie schreibt, sorgen wir für den Wikipedia-Löschantrag.

Social Media Taktik. Nur echt mit ohne Binde Striche.

10 Punkte für Erfolg auf Twitter, Facebook und Orkut2

    • War mal ein Punk-Musiker. Damit hast Du Rhythmus, Timing und Deine Leber trainiert. Und: Wer sich schon einmal den Weg von der Bühne herunter freiprügeln musste, ist durch einen Shitstorm nicht zu erschüttern.
    • Sei ein Egomane. Diese Einerseits-Andererseits-Typen nerven.
    • Sei authentisch. Lass Dir ein halbnacktes Model auf den Rücken schnallen, wenn man Dich fotografiert.
    • Schwimm nicht mit dem Strom. Schwimm vor dem Strom. Wenn er anders strömt, wende graziös.
    • Sei streitbar. Aber streite mit den richtigen Leuten.
    • Streite nur um Dinge, die das Publikum nicht überfordern. Das von Mario Barth.
    • Sei nett zu den richtigen Leuten. Die meiste Zeit.
    • Gestehe Fehler ein. Aber nicht zu oft.
    • Alle sechs Monate muss eine Fleißarbeit kommen. Häng Dich rein. Und dann verlinke immer wieder darauf, so dass es niemand vergisst.
    • Oft genug ignoriert: Sei Britney Spears.

    Viral ist auch egal

    Moin-Moin Social-Media-Manager der elbkind GmbH,

    ich bin ganz sicher, dass ihr Euch viel, viel Mühe gegeben habt bei Eurer ganz, ganz tollen Kampagne für Telekom Recruiting, die ihr mir so fürsorglich per Mail geschickt habt.

    Super auch, dass ihr einen „Viral Teaser“ zentral auf die Videoabspielplattform YouTube gestellt habt. Ich bin schon ganz hibbelig, wenn ihr mir ellenlang von dem „überraschenden Schockeffekt“ schreibt und in die Massenmail sogar die URL eines meiner Blogs und meinen Vornamen eingebettet habt. „Sympathische und zielgruppengerechte Ansprache“ nennt ihr das – beim Pitch in der Firmenzentrale in Bonn ist das bestimmt runtergegangen wie Öl. Und dass in dem total tollen Spot auch noch echte Telekom-Mitarbeiter mitspielen: authentischer geht es ja nur wenn auch noch Paul Potts mitspielt.

    Es gibt da aber ein kleines Missverständnis. Ein „Viral Teaser“ ist eben nicht „viral“, wenn ihr Pressemitteilungen an Leute verschickt, zu denen ihr offenkundig keine sozialen Beziehungen habt, die ihr nicht kennt und deren Blog ihr nicht gelesen habt. Das ist dann auch keine „Social Media Kampagne“, es verdient wohl nicht Mal den Namen „Kampagne“. Vergleichbar wohl am ehesten mit den netten Damen von den Telekom-beauftragten Callcentern, die mich ständig anrufen, obwohl ich kein Telekom-Kunde mehr bin. Oder kurz gesagt: es ist alberne Zeitverschwendung.

    Mit tuffigen Grüßen aus Köln

    Twitter und social news

    Ich probiere grade das Tracking-Feature von Twitter aus. Wird ein bestimmter Begriff in einem „Tweet“ erwähnt, bekomme ich eine Nachricht per Instant Messenger. Offenbar sind die Twitterer dem Autoren Terry Pratchett besonders zu getan. Seit gestern bekomme ich näcmlich alle paar Minuten eine Meldung über den Gesundheitszustand des Autoren.

    (10:45:39) twitter@twitter.com: (kokadiskoo): Terry Pratchett lijdt aan zeldzame vorm van alzheimer. Dat heeft de schrijver zelf bekendgemaakt, aldus donderdag de BBC.

    (10:51:22) twitter@twitter.com: (artywah): Author Terry Pratchett is suffering from a rare form of early Alzheimer’s disease :( http://news.bbc.co.uk/2/hi/entertainment/7141458.stm

    (10:52:05) twitter@twitter.com: (twodesign): Sending our best to Mr Pratchett. An ‚embuggerance‘ indeed.

    (11:15:13) twitter@twitter.com: (thelondonpaper): Author Terry Pratchett has Alzheimer’s : Terry Prachett, author of hilarious and surreal Discworld.. http://tinyurl.com/2z4qm5

    (11:15:29) twitter@twitter.com: (ATNews): Terry Pratchett leidet unter seltener Alzheimer-Variante (orf.at) http://tinyurl.com/35ugbc

    Yigg – das News-Prekariat?

    Ich gebe zu: ich verstehe den Sinn der Dutzenden von ach so sozialen News-Portalen nicht. Im Idealfall kann durch eine Community ein interessanter redaktioneller Prozess erzeugt werden – die meisten Anbieter scheinen sich aber nicht darum zu bemühen.

    Nehmen wir nur einmal Yigg.de, eine deutsche Adaption von digg.com, die vor zwei Monaten professionell wurde. Was erwartet uns auf der Startseite des News-Portals? Zuerst einmal: erstaunlich wenig neues. Ein Google-Video einer ARD-Reportage über Humor im Dritten Reich, die ich schon vor Monaten gesehen habe oder ein Hinweis auf einen mäßig originellen Carlsberg-Werbespot, der schon vor zwei Monaten auf Youtube zu finden war.

    yigg-heftig

    Wenn es schon mit der Aktualität nicht klappt – wie sieht es aus mit der Aufbereitung der Inhalte? Kurz zusammengefasst: Schrecklich. Der Carlsberg-Werbespot wird angeteasert ohne jeden Hinweis auf Werbung oder den Inhalt – der Leser wird im Glauben gelassen, dass es sich um ein weiteres unterhaltsames Experiment handelt.

    Auch bei ernsteren Themen scheinen die Yigg-Autoren kein wirkliches Interesse daran zu haben, Nachrichten korrekt zusammenzufassen. Stattdessen werden Meldungen noch einmal künstlich skandalisiert. Ein Focus-Online-Artikel zur Diskussion um eine Hartz-IV-Erhöhung wird mit der Schlagzeile „Werden Arbeitslose hungern?“ ergänzt – BILD lässt grüßen. Den zugegebenermaßen lächerlich wirkenden Gesetzvorschlag zur Verschärfung des Copyrights in den USA kommentiert der Einreicher mit einer Frage: „Lebenslang ins Gefängnis weil man den Content anderer kopiert hat? Sei wann gibt es für Diebstahl lebenslänglich?“ Hätte er den verlinkten Artikel gelesen, wüsste er, dass die lebenlängliche Strafe nur für Mordversuche oder Verstöße mit Todesfolge vorgesehen ist.

    Überhaupt scheint es sehr schwer von der Yigg-Meldung auf den Inhalt zu schließen. Was hinter der Überschrift „Der Versuch Social-Networks auszutricksen scheint nicht immer zu funktionieren“ stecken mag, kann man nur herausfinden, wenn man den Link anklickt. Man könnte einwenden, dass dies der Sinn solcher Newsportale ist – aber in dem Fall könnte man die Links auch mit undifferenzierten Grunzlauten anteasern.

    Lange Rede, kurzer Sinn: Zur Information taugt Yigg derzeit noch weniger als eine Boulevardzeitung.