Archive for the tag 'Internet'

Schnell & gut

Kurz nach dem ersten Start des Internet Explorer 8 muss man einige Entscheidungen treffen.

Kleine Entscheidungshilfe: ich habe die Beta 2 auf MSN/Live Search gesucht und bekam das geliefert:

Der erste nicht gekaufte Link führt einen nicht zur Beta 2, sondern zur Beta 1.

Wenn Beate Uhse in den E-Perso guckt

Dieter Wiefelspütz über den E-Perso:

Die künftigen Internet-Möglichkeiten, die der neue Ausweis ermögliche, brächten „gigantische Vorteile für die Verbraucher“. Die Nutzung staatlicher Online-Dienstleistungen werde erleichtert, der Jugendschutz verbessert.

Kurze Assoziationskette: Jugendschutz plus Internet gleich Porno-Anbieter. Sollen Pornoanbieter auf den E-Pass zugreifen?

Man muss es nur richtig verkaufen können.

DPA-Alarmglocken ohne Klöppel

Da hat sich die DPA mal wieder ein Ei ins Nest gelegt und einen wirklich, wirklich schlechten Artikel über private Sexbilder im Internet veröffentlicht.

Das fängt schon im ersten Absatz an.

“Erotische Fotos von sich und dem Partner - täglich fotografieren oder filmen sich etwa 2300 Jugendliche in Deutschland beim Liebesspiel. Was viele von ihnen nicht ahnen: «20 bis 30 Prozent dieser Aufnahmen landen früher oder später im Internet», sagt Torsten Gems, Vorstand des biometrischen Suchdienstes ProComb in Dortmund.

Aus oberflächlich journalistischer Sicht prima. Ein Experte kann tatsächlich das Problem genau quantifizieren. Schalten wir aber mal den Menschenverstand ein: Woher soll der gute Herr Gems so genau wissen, was in deutschen Schlafzimmern so geschieht, wenn es denn nicht veröffentlicht wird? Hat er eine repräsentative Umfrage gemacht? Wohl eher nicht. Denn Herr Gems ist nicht nur hochseriöser Experte, er verdient mit dem Problem auch Geld. Nicht weniger als 69 Euro kostet es, die Dienste von ProComb in Anspruch zu nehmen. Die Alarmglocken hätten sich hier schon deutlich melden sollen.

Aber das war ja nicht alles an Recherche. Schließlich hat man die DPA auch eine Bestätigung von der hoch angesehenen Internet-Seite internetvictims.de eingeholt, die sich total selbstlos um alle möglichen Internet-Opfer kümmert. Ähm, tja, dieser Leumundszeuge ist erst recht ein Grund misstrauisch zu sein.

Aber selbst wenn man nicht im Internet weiter recherchiert, hätten die Kollegen von DPA wenigstens die Webseite ihres Experten kritisch begutachten können. Dort wird nämlich mal eben angeboten, fünf Fotos aus dem Internet zu entfernen. Kostenlos. Einzige Einschränkung: das Urheberrecht muss verletzt sein. Solche Versprechungen sind nur eins: unseriös. Der Dienst könnte sich höchstens um die Entfernung bei einigen ausgewählten Diensten kümmern, beliebige Internetseiten kann man nicht einfach löschen. Da hätten bei der DPA alle Alarmglocken Sturm läuten müssen.

Der komplette Webauftritt von ProComb sollte jedem Journalisten wirklich übel aufstoßen. Nirgendwo wird erwähnt, dass die Erfolgsaussichten, aufgrund eines Amateur-Fotos (kein “skilled photo” erforderlich) erotische Filme im Internet zu finden bestenfalls mikroskopisch klein sind. Andere Belichtung, ungünstige Blickwinkel, Millionen sehr ähnlicher Menschen im Netz, dazu die Kapazitätsprobleme überhaupt einen relvanten Teil des Internets zu durchsuchen. Hätte ProComb da einen technischen Durchbruch erzielt, könnte sie den Erfolg sehr anschaulich demonstrieren. Stattdessen wird die “biometrische Suche” als Allheilmittel angepriesen. Einziger Beleg für die Wirksamkeit: ein paar anonymisierte, dafür aber um so euphorischere “Kundenreaktionen” auf einer Webseite ohne deutsches Impressum.

Fünf Silberlinge für Deine Freunde

Ich bin kürzlich über dieses (veraltete?) Angebot gestolpert:

Spokeo officially launched its social networking friends aggregation tool last month, and is now getting ready to launch the Spokeo Challenge, giving $5 to any user that doesn’t love its site.

Spokeo ist ein Friendfeed-ähnliches Startup, dass einen übergreifenden Überblick über die Aktivitäten Deines gesamten Bekanntenkreises im Internet verspricht. Fünf Dollar, wenn es nicht gefällt? Klingt doch nach einem guten Deal. Aber es geht noch weiter:

You’ll have to be a new user registering for an account in order to participate. You’ll also need 30 social network friends, and you’ll have to try out Spokeo for an entire week. Should you find that you don’t like Spokeo after all, you’ll need a PayPal account in order to receive your $5.

Die bevorzugte Weise, sich - und seine Freunde - anzumelden: Man verrät Spokeo sein Passwort eines Webmail-Services. Damit will Spokeo natürlich keinen Missbrauch treiben: sie schöpfen lediglich Dein komplettes Adressbuch ab. Sprich: wer diese Fünf-Dollar-Garantie in Anspruch nahm, verkaufte Spokeo quasi die Mailadressen der engsten Freunde - für wenige Cent pro Stück.

Na und? Was kann Spokeo schon mit den Adressen machen? Nun, sie können damit alle anderen Accounts Deiner Freunde in Erfahrung bringen. Wenn ein social network eine API anbietet, ist die Email-Adresse nämlich der Schlüssel zum Accountnamen.

Wie einfach das geht, zeigt Identifight: Einfach die Mailadresse eingeben und man erfährt ob der Besitzer der Emailadresse bei Flickr, Friendster, StumbleUpon, Yahoo360 oder einem ganzen Rudel anderer Seiten registriert ist. Mehr noch: man erfährt auch gleich die öffentlich verfügbaren Informationen wie Username oder eingestellte Bilder. Und das ist nur das unterste Level des Auto-Stalkings. Damit man tatsächlich Geld damit machen kann, muss man nämlich einigen Unternehmen die Daten - oder ein Extrakt davon - verkaufen. User-Profile, personalisierte Werbung, Bewerber-Check. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Mit Identifight sollte man es allerdings auch nicht übertreiben - wer weiß, was die mit den Daten machen?

Der wahre Motor des Internets

Der Bundesverband Musikindustrie hat mal wieder eine steile These:

Die deutsche Musikindustrie fordert mehr Kooperation der Internetprovider beim Schutz geistigen Eigentums in der digitalen Welt. „Deutschland ist ebenso ein Land der Kultur wie der Hochtechnologie. Beides darf nicht im Widerspruch zueinander stehen“, sagte Prof. Dieter Gorny, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Musikindustrie am Donnerstag in Berlin. Breitbandinhalte wie Musik oder Film seien der Motor für die Verbreitung schneller Internetanschlüsse. Während die Internetprovider von der Musik- und Filmindustrie profitierten, entzögen sie sich beim Kampf gegen die Internetpiraterie aber der Verantwortung.

Wer wirklich glaubt, dass Angebote wie Musicload auch nur für nur ein Prozent der bestellten Breitbandanschlüsse in Deutschland ausschlaggebend waren, sollte sich meiner Meinung nach dringend einem reality check unterziehen. T-DSL hat in Deutschland nur wegen Napster und dem nicht-zeitbasierten Tarifs so gut eingeschlagen. Die ersten legalen und massentauglichen Musik-Downloads kamen in Deutschland erst Jahre später auf - als Breitband-Internet schon lange ein Massenmarkt war.

Dass die Angebote der Musikindustrie nun wirklich nichts mit der Bestellung einer 30MBit-Flatrate zu tun haben, hat ja auch Gorny erkannt - und nimmt mal eben die Filmindustrie mit ins Boot. Doch deren Online-Angebot ist ja bis heute so deprimierend, dass wir uns bis heute lieber runde silberne Datenträger per Post zuschicken lassen.

Porno-Ausreden - in eigener Sache

Einige Leute haben es schon bemerkt, dass ich bei der nächsten re:publica halten werde. Das Thema lautet: Porno 2.0. Ein solches Thema verlangt nach einigen Disclaimern, auch bekannt als Ausreden.

Re-Publica

  1. Die Standard-Ausrede: Ich guck doch keine Pornos. Naja - ab und zu schon - aber nur weil die so witzig sind! “Warum liegt denn hier Stroh rum?” Ich könnte mich stundenlang scheckig lachen.
  2. Die Netzkultur-Ausrede: Das älteste Gewerbe der Welt ist bekanntermaßen die Prostitution. Und so ist auch die Pornografie die killer-application der Internets gewesen, Quell technischer Neuerung und eben auch eines guten (oder schlechten?) Teils der Netzkultur.
  3. Die Die-lieben-Kollegen-Ausrede: Es gibt bereits eine wahre Artikelschwemme zum Thema. Youporn und Co sind Medienstars - spätestens seit der Sperre bei Arcor. Doch kaum einer der geschätzten Kollegen guckt sich die Portale tatsächlich an - und wenn sie es tun, fehlt offenbar die professionelle Distanz. Einen ehrlichen Review, was auf diesen neuen Porno-Portalen wirklich los ist, habe ich bisher noch nicht gelesen.
  4. Die Das-Publikum-will-es-Ausrede: Vor anderthalb Jahren habe ich einen kleinen Eintrag zu Youporn verfasst - bis heute ist er der am meisten aufgerufene Artikel dieses Blogs.
  5. Die Aufklärungs-Ausrede: Wenn wir Pornos verschweigen, schadet das der Internet-Sicherheit.
  6. Die Ist-doch-wahr-Ausrede: Internet-User sind doch alle nur biertrinkende Porno-Gucker!

Wozu 30MBit pro Sekunde?

Welcher Internetdienst kann denn dauerhaft eine Leitung 30MBit pro Sekunde füllen - wenn nicht Bittorrent? Ich hab eine 2MBit-Leitung und kann die wirklich selten auslasten. Selbst wenn ich ein ISO-Image herunterlade - welcher FTP-Server bietet dauerhaft für ein Massenpublikum mehr als 3 bis 4 MBit?

Wickert hat nicht onhaliert!

Die Nachricht verbreitet sich im Netz: UIlrich Wickert wird Herausgeber für Holtzbrincks neues Portal zoomer.de. Im Interview mit dem Holtzbrinck-Blatt Tagesspiegel versucht sich Wickert wo weit wie möglich vom Bild des Online-Besessenen zu distanzieren:

Zu ihren privaten Internetvorlieben – sind Sie ein Ego-Googler?

Ich hab’ meinen Namen schon mal bei Google eingegeben, um zu sehen, was andere über einen schreiben. Aber das hat mich nicht besonders interessiert. Was für mich viel wichtiger ist: Als Krimiautor nutze ich Google-Maps und Earth View, um meinen Untersuchungsrichter auf wirklichen Straßen und Plätzen in Martinique spazieren zu lassen.

Mich erinnert das etwas an Bill Clintons erschütterndes Kiffer-Bekenntnis:

I experimented with marijuana a time or two, and didn’t like it. I didn’t inhale and I didn’t try it again.

Ja, Wickert hat es mal ausprobiert. Es hat ihm aber nichts gebracht. Er hat sich nicht amüsiert, er war nicht erbost, er will nichts am Google-Ergebnis ändern. Keine Wiederholungsgefahr.

Und Google Maps haben nichts mit seinem Leben zu tun - er muss nicht online checken, ob das Hotel in der Nähe der Party liegt er steigt einfach in die wartende Limousine. Gechattet hat er mal bei tagesschau.de und das war es auch schon. Seine Videos auf YouTube kennt er demonstrativ nicht. Wickert braucht das Internet nicht. Und wenn er es doch mal benutzt, veredelt er es zu einem besseren Zweck: um Offline-Bücher zu schreiben.

Liebe Zoomer-Redaktion: viel Glück dabei die “journalistische Kompetenz und die Interessen der jungen Internetgeneration zusammenbringen”.

TCP/IP und Demokratie

Ich lese grade:

…das Recht auf freie Meinungsäußerung in einem demokratischen Medium wie dem Internet auf diese Weise zu beschneiden….

Ist das Internet so viel demokratischer als - sagen wir mal - Lotto spielen oder Zebrastreifen?