Fehlzeiten
Wo wir grade bei Footern waren: Bei ZEIT Online habe ich einen neuen(?) Link im Footer bemerkt:

“Fehler melden” - deutlicher kann man nicht vom redaktionellen Unfehlbarkeitsanspruch abgehen.
Wo wir grade bei Footern waren: Bei ZEIT Online habe ich einen neuen(?) Link im Footer bemerkt:

“Fehler melden” - deutlicher kann man nicht vom redaktionellen Unfehlbarkeitsanspruch abgehen.
Ein typisches Weblog wird von einem Autoren befüllt. Und der lebt sich in seinem Schreib-Refugium aus, ist subjektiv, streitbar, experimentierfreudig. Für Verlage heißt das gewöhnlich: wollen wir haben - aber bitte nicht auf der Titelseite. Selbst auf der Webseite des Mediums fallen die Blogbeiträge in eine separate Rubrik, abgesondert - unten oder irgendwo in der Navigationsleiste versteckt.
Nicht so im Onlineangebot der Zeit. Da rutscht auch mal ein Blogbeitrag unter die Top-Teaser auf der Startseite. Wenn ich mir aber diesen Teaser ansehe, weiß ich nicht, ob das immer so gut ist.

Eigentlich enthält der Blogbeitrag nur die bekannte Tatsache, dass Gammelfleisch nun nicht unbedingt gesundheitsgefährdend ist. Kein Wort davon, dass Dönerfleisch immer grün und schmierig sei. Oder dass das Gammelfleisch genau so gut in Marinade gepackt und als Grillsteak verkauft werden könnte.
Man kann mich der Doppelmoral schelten - für ein Weblog finde ich eine solche Überschrift durchaus in Ordnung. Für die Startseite der honorigen Zeit? Eher nicht. Ich bin wohl nicht mehr experimentierfreudig genug.
Günter Wallraff erzählt in der Zeit noch einmal das Elend des Call-Center-Wesens. Drogenmissbrauch, Ausbeutung - entweder geht der Kunde oder der Käufer bankrott. Und er hat eine Lösung parat:
Wallraff: Ich schließe mich den Forderungen der Verbraucherverbände an: Verkaufsabschlüsse am Telefon dürfen nicht rechtswirksam sein, sondern bedürfen der Schriftform.
Was spricht eigentlich dagegen? Weniger Umsätze beim Teleshopping?
Bei Zeit Online habe ich einen sehr bemerkenswerten Artikel eines Briten gefunden, der im Irak journalistisch arbeiten wollte und stattdessen zum Werkzeug der Fehlinformation wurde:
Neben Adrenalin und Angst stieg nun auch eine tiefe Abscheu in mir hoch. Ich war eine dieser Filmfiguren geworden, die ich kategorisch verachtete. Ich hasste Waffen und Gewalt, war gegen die Anwesenheit der Amerikaner im Irak und sympathisierte mit fast allen Irakern, denen ich im Sommer begegnet war. Der Pistolenlauf zeigte direkt auf Faruk, um Himmels willen! John Simpson mag solche Verhöre vielleicht miterlebt haben, selbst durchgeführt hat er sie bestimmt nie. Und all das tat ich, um ein paar tausend entwendete Dollar einer Firma wiederzufinden, die an dem amerikanischen Krieg im Irak Millionen verdienen würde.
[...]
Sie boten mir 70000 Dollar, wenn ich weitere zehn Monate für sie in Bagdad arbeitete. Doch ich hatte genug. Ich war, wie ich mir eingestehen musste, das genaue Gegenteil eines Journalisten geworden. Und wenn ich damit weitermachte, irakische Reporter mit dem Geld der US-Armee zu bestechen, würde ich sicher selber nie als Reporter arbeiten können.
Würde das Buch Unter Druck neu aufgelegt, müssten darin wohl mehrere solcher Artikel enthalten sein.
Wann komme ich nur endlich dazu, den (zumindest am Anfang) sehr lesenswerten Artikel Auf der Suche nach der verlorenen Zeit im Angebot von Zeit Online fertig zu lesen?