Archive for the tag 'Jugendschutz'

Wenn Beate Uhse in den E-Perso guckt

Dieter Wiefelspütz über den E-Perso:

Die künftigen Internet-Möglichkeiten, die der neue Ausweis ermögliche, brächten „gigantische Vorteile für die Verbraucher“. Die Nutzung staatlicher Online-Dienstleistungen werde erleichtert, der Jugendschutz verbessert.

Kurze Assoziationskette: Jugendschutz plus Internet gleich Porno-Anbieter. Sollen Pornoanbieter auf den E-Pass zugreifen?

Man muss es nur richtig verkaufen können.

Philologenverband: Hü und hott

Eben bei Heise gelesen:

Meidinger meint, der Jugendschutz im Internet existiere praktisch nicht mehr. “Es gehört heute schon fast zum Allgemeinwissen, insbesondere von Jungen ab 12 Jahren, wie und wo man im Internet oder über Freunde ohne Schwierigkeiten an problematische Inhalte wie sehr extreme Sexualitätsdarstellungen und brutale Bilddateien und Spielsequenzen kommt.” Nun seien Politik, Lehrer und Eltern gleichermaßen gefordert.

Gut, das muss ich mangels sozialem Umgang mit 12jährigen Mal mal glauben.

Gesetze allein könnten das Problem zwar nicht beseitigen, meint der Verband. Dennoch könne eine “stärkere politische Einflussnahme auf Suchmaschinen und die obligatorische Integration von Schutzfiltern in Computer-Betriebssystemen” die Situation verbessern.

Ähm - hat Meidinger nicht grade das genaue Gegenteil gesagt?

Für ein sicheres Internet - Pornokurse an der VHS

Gestern war ich bei einer Veranstaltung des Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik. Mein Eindruck: So ganz genau wissen selbst die Experten nicht, wie man die Nutzer dazu bringt, ihren Rechner sicher zu halten. Der Psychologe Werner Degenhardt plädierte dafür, die Aufklärung weniger steif zu gestalten, den Nutzer da abzuholen, wo er ist. Nur wenn man konkretes Verhalten trainiere, wenn man dem Nutzer Anreize gibt, könne man von ihm eine Verhaltensänderung erwarten.

Der Gedanke ist sicher richtig. Verbinden wir das mit Erfahrungen aus der Praxis: Ein Rechner kann heute zwar auf Tausende Arten verseucht werden - von verseuchten PDF-Dateien bis zu Festplatten, die mitsamt Virus ausgeliefert werden. In der Praxis sind die Ursachen jedoch nicht so vielfältig: Wenn ein Rechner so richtig schön voll mit Trojanern ist, findet man in der Browserhistorie meist Dutzende von Pornoseiten. Oder der Betreffende hat ein halbes Dutzend Filesharing-Programme am Laufen, um sich immer die neuste Musik herunterzuladen.

Sicher ist das eine Pauschalisierung, aber solche Fälle sind nicht gerade selten. Was also tun? Dem Usern noch ein paar Tausend Mal dazu anraten, alle Sicherheitsmaßnahmen anzuhalten? Ihm das Pornosurfen verbieten? Seien wir ehrlich: wir haben es probiert, und es funktioniert einfach nicht.

Logische Konsequenz: wir sollten jeden Porno-und-Warez-Surfer richtig ausbilden. Statt die Pornografie hinter immer höheren Jugendschutz-Mauern zu verstecken, öffnen wir die wunderbare Welt des ewigen In-and-Out, der 18 verschiedenen Stellungen in 10 Minuten, der ach so glaubwürdigen Geschichten der girls next door. Lasst uns Volkshochschulkurse einrichten, in denen Porno-Surfen gelehrt wird. Und dazu ein Lehrgang im Raubkopieren für Anfänger und Fortgeschrittene. Nur so können wir den Spam und die Botarmeen vielleicht auf ein erträgliches Maß reduzieren.

Jugendschutz andersherum

In der taz gibt es einen sehr lesenswerten Artikel über die Kleinstadt Dissen. Dort war man auf die Idee gekommen, Jugendliche mit einem Störton-Generator. von einem Spielplatz zu vertreiben.

Markus Achermann ist Vertriebsleiter bei Arcawa, der Schweizer Firma, die Mosquito in Österreich, der Schweiz und seit diesem Jahr in Deutschland vertreibt. Er ist nett am Telefon, und wenn man ihm glauben darf, verbringen seine Mitarbeiter viel Zeit damit, Privatleute davon zu überzeugen, dass es keine gute Idee ist, Kinder vom Nachbarspielplatz mit Mosquito in die Flucht zu schlagen. “Und wenn sie hören, dass das Gerät 750 Euro kostet und man einen Installateur braucht, bricht die Nachfrage schnell zusammen.” Dann muss Markus Achermann nicht mal darauf hinweisen, dass man nur sein eigenes Grundstück beschallen darf. Die Leute rufen immer dann an, wenn etwas in den Zeitungen über den Mosquito steht, es spielt dabei keine Rolle, ob es ein Artikel ist, der nahe legt, dass der Mosquito keine gute Lösung ist.

Markus Achermann will keine genauen Verkaufszahlen nennen. Die Herstellerfirma hat diverse Expertisen eingeholt, die die gesundheitliche Unbedenklichkeit bestätigen sollen. Sie hat sogar bei einem Rechtsanwaltsbüro in Cambridge prüfen lassen, ob die Grundrechte dadurch eingeschränkt würden. Die Anwälte kamen zu dem Schluss, dass das Recht auf Versammlungsfreiheit nicht “das Recht von Teenagern einschließt, sich ohne bestimmtes Ziel zu versammeln.

Mit Technik soziale Probleme lösen? Nicht so einfach.

Jugendschutz bei ESL TV

Im Internet müssen Erwachsene immer wieder über Stöckchen springen, um Zugang zu Inhalten zu bekommen, die im Fernsehen wohl nach 22 Uhr laufen würden. Bei dem IP-TV der Electronic Sports League läuft das so:

Wie funktioniert der Jugendschutz bei ESL TV?

Wenn du 16 Jahre oder älter bist, kannst du dich beim Jugendschutzsystem freischalten lassen. Das geht zum einen, indem du bei der ESL den Status “Trusted 3″ hast. Dann ist das Jugendschutzsystem für dich automatisch freigeschaltet, wenn du mit deinem ESL-Account eingeloggt bist. Wenn du noch kein Trusted 3 bist, kannst du dich hier informieren, wie du diesen Status erreichen kannst.

Alternativ ist das Freischalten auch über ein Handy möglich, dessen Vertrag auf euren Namen läuft. Nach der Registrierung des Handys mit euren Adressdaten bekommt ihr einen Bestätigungscode auf euer Handy geschickt und könnt damit das Jugendschutzsystem freischalten.

Anti-Porno-Mauer um Deutschland?

Der BGH hat ein Urteil zur Altersverifikation im Internet verkündet. Misstrauisch macht diese Passage:

Der BGH hat auch das Argument der Beklagten zurückgewiesen, dass deutsche Anbieter pornographischer Inhalte durch die Jugendschutzbestimmungen gegenüber ausländischen Anbietern diskriminiert würden. Die Zugangsbeschränkungen des deutschen Rechts für pornographische Inhalte im Internet erfassten grundsätzlich auch ausländische Angebote, die im Inland aufgerufen werden könnten. Die Schwierigkeiten der Rechtsdurchsetzung bei Angeboten aus dem Ausland führten nicht zu einem Verstoß gegen das Gleichheitsgebot.

Zum Hintergrund: Vor ein paar Wochen hatte der Provider Arcor auf Verlangen eines deutschen Porno-Anbieters drei ausländische Porno-Webseiten für seine Kunden gesperrt - nach einer Woche die Blockade wegen erwiesener Sinnlosigkeit aufgehoben. Die Kommission für Jugendmedienschutz macht sich derzeit Gedanken darüber, ob und wie man jugendgefährdende Inhalte bei Provider sperren lassen kann. Im November soll ein Gutachten fertig gestellt werden.

Hey, von der Leyen

Nach dem üblichen Wochenendpolitauflauf hat Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen ihren Vorschlag ad acta gelegt, Kinder als halbamtliche Testkäufer einzusetzen. Ich weiß nicht, ob ich darüber glücklich sein soll. Schließlich wäre es die perfekte Ausbildung der Kinder gewesen, um sie auf den Präventionsstaat vorzubereiten, an dem wir alle so eifrig arbeiten. Misstrauen ist die Devise. Und Wachsamkeit!

Aber sehr verehrte Frau Bundesministerin, ich habe einen Alternativ-Vorschlag. Statt gefährdete Jugendliche in den gefährlichen Einzelhandel zu schicken, soll doch der Einzelhandel zeigen, wie sehr er sich um die Jugendlichen sorgt. Die Mittel sind schon vorhanden: Fast jeder Supermarkt ist inzwischen videoüberwacht: wenn die Kameras nicht gerade auf der Suche nach Ladendieben sind, so schauen sie den eigenen Mitarbeitern auf die Finger. Alles, was nun nötig ist: eine gesetzliche Pflicht, diese Videobänder auf Anforderung den Jugendschutzbehörden zu übergeben. Wenn ein 15jähriger Bier kauft, wird das ja auf den Bändern zu sehen sein.

Wie gesagt: die Kameras sind schon in den Läden vorhanden, sie brauchen nur eine kleine (Grund)Gesetzesnovelle, um den Zugriff in rechtsstaatliche Bahnen zu lenken. Am besten ist es, man fragt die Ladenbesitzer gar nicht vor der Überprüfung - sie könnten belastendes Material beseitigen. Dank Breitbandanschlüssen ist das aber kein Problem: die Kameras bekommen eine Internetschnittstelle und die Behörden das geheime Passwort. Die Experten der Deutschen Bahn AG werden sicher gerne helfen, die kennen sich aus mit Überwachungskameras. Auch die Frage der Identifizierung Minderjähriger auf den Videobändern ist schon in Arbeit. Die Antwort lautet: Schülerregister. In jeder Schülerakte sollte es ein Foto geben, das ihn biometrisch kenntlich macht. Der Nutzen einer solchen Datei wäre ressortübergreifend. Ausreißer könnten schnell gefunden werden. Und nach dem nächsten Bombenanschlag haben wir schnell eine Bilderdatei mit sämtlichen Käufern von Nägeln.

Aber lieber Frau von der Leyen, warten Sie noch etwas ab. So praktisch und folgerichtig mein Vorschlag auch sein mag - er ist nicht politisch durchsetzbar. Noch nicht. Warten Sie ab, so lange es ihre Amtszeit erlaubt. In einem Jahr haben wir uns mit Vorratsdatenspeicherung und Co abgefunden, dann ist der nächste Schritt gar nicht so schwer.

Pimpbook

Und wieder mal ein Aufreger in den USA: registrierte Sexualstraftäter bei Facebook. SpOn schreibt:

Blumenthal teilte den Medien mit, die Behörden hätten mindestens drei verurteilte und registrierte Sexualstraftäter auf Facebook ausgemacht. Chris Kelly, der Datenschutzbeauftragte von Facebook, bestätigte, man habe entsprechende “Aktivitäten registriert”.

Bei den aufgespürten Straftätern handle es sich wahrscheinlich nur die “Spitze des Eisbergs”, sagte Blumenthal. Die Verbrecher nutzten Facebook unter ihrem richtigen Namen und seien daher leicht zu entdecken gewesen. Es könnte jedoch noch Tausende weitere Straftäter geben, die unter einem Pseudonym registriert sind. Facebook solle seine Nutzerprofile daher wie MySpace nach denen von Sexualstraftätern durchforsten, forderte Blumenthal.

Nun - vielleicht sollte man noch erwähnen, dass nicht nur finstere Pädophile in solchen Datenbanken registriert werden, sondern auch Leute, die eine Prostituierte aufsuchen wollten und stattdessen auf einen Polizei-Lockvogel hereingefallen sind. Wir kennen das alles aus wahnsinnig lustigen US-Comedy-Serien - für die betroffenen ist es jedoch bitterer Ernst. Es wäre spannend zu erfahren, ob etwa auch Hugh Grant oder George Michael in einer solchen Datei erfasst waren.

Die Gesellschaft muss sich die Frage stellen: sind Netzwerke wie Facebook ein eingezäunter Kinderspielplatz oder Teil der gesellschaftlichen Realität wie ein Geschäftsviertel oder eine Tankstelle? Wenn man ein Portal, das sich zunehmend an Erwachsene richtet, den Regeln des Kinderspielplatzes unterwirft, schließt man Menschen von einem immer wichtigeren Lebensbereich aus. Führt man den Gedanken etwas fort, könnte man die Datenbank der Sexualstraftäter auch an Tankstellen übermitteln - denn der registrierte Sextäter könnte den Treibstoff ja nutzen, um zu einem Kind zu fahren und es zu missbrauchen.

Jugendschutz per VNC?

Ab und zu sind Leserkommentare doch interessant. Zu einem Stern.de-Artikel über jugendgefährdende Gruppen bei Schülervz fand ich diesen Kommentar eines Elternteils:

Kleine Schritte, große Wirkung…

auf dem Rechner meiner Tochter ist die Schutzsoftware “KISI” mit entsprechenden Filterschutz für Online-Unrat am laufen und bei Bedarf gehe ich via “VNC” und schau stichprobenmäßig was sie da online treibt. Fällt mir irgend etwas auf, lade ich sie zum Gespräch ein… es ist schön, ruhig schlafen zu können!!.

PS: Weitere denkwürdige Leserkommentare im gleichen Thread:

Freiheit bedeutet doch nicht, dass man Hitler gut finden kann. Ich bin auch frei und finde Hitler nicht gut… Das liegt allgemein an der Erziehung, am Mangel jeglicher Intelligenz, an der schlechten Aufklärung, an den Lehrern usw.

von ca 900´000 (!!) usern meinen, (nehmen wir an) 100 das sie sich aus der Masse abheben müssen… Soll ich ihnen noch ausrechnen wie viel das in Prozent ist? Das sind 0,0001 Prozent,

Beware of Viva

Im Fitnessstudio läuft fast immer Viva auf einem Bildschirm. Manchmal befürchte ich, dass der Fernseher explodieren könnte und sich einige Kubikmeter Silikon über Stepper, Ergometer und Crosstrainer ergießen.

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