Archive for the tag 'Demokratie'

Wenn die soziale Revolution kommt

Irgendwie hat mir bei Facebook bisher die Killer-Applikation gefehlt. Toll, wir können Scrabble spielen. Wow. Super. *gäääähn* Kann man mit diesem ach so mächtigen Werkzeug eigentlich etwas anderes tun? Etwas bewegen? Gar verändern?

Nun - es scheint sich etwas zu tun:

Nach einem Aufruf im Internet-Forum Facebook hatten sich Hunderte der Demonstration der Arbeiter angeschlossen, Dutzende Organisatoren wurden anschließend verhaftet. Doch wenige Tage später war schon der nächste Aufruf da: Am Geburtstag des Präsidenten sollen die Leute zu Hause bleiben oder, wenn sie zur Arbeit müssen, schwarz tragen. “Wenn wir nicht rausgehen, können sie uns auch nicht verhaften”, sagt Ahmad Maher, einer der Initiatoren der Aktion. Ahmad ist 27 Jahre alt und kennt keinen anderen Präsidenten als Mubarak. Bislang war es schwierig für seine Generation, sich politisch zu engagieren. Natürlich gebe es viele, die schon lange eine Rolle bei der Reform des Landes spielen wollten, erzählt Ahmad. “Aber unglücklicherweise hat das Regime mit seinen Unterdrückungsmethoden die Jugendlichen eingeschüchtert. Facebook ist da eine gute Alternative, die Webseite bringt die Menschen zusammen.”

In Deutschland soll es eine StudiVZ-Gruppe immerhin zu einem Kissenschlacht-Flashmob gebracht haben. Allerdings wusste die Presse schon vorher Bescheid - also gilt’s nicht.

Wettstreit der Petitionen

Die vor zwei Monaten gestartete Petition zur Löschung der Mohammed-Bilder in der Wikipedia hat in diesem Moment 98437 Unterschriften gesammelt.

Die gestern gestartete Gegen-Petition hat bisher 103 Unterstützer gefunden.

Keine Wiederwahl für Wikipedia-Administratoren

In den letzten Wochen wurde es zu einer kleinen Schicksalswahl hochstilisiert: das Wikipedia-Meinungsbild zur Wiederkandidatur für Administratoren. Dabei ging es um die Frage ob die Administratoren der Wikipedia wie bisher auf unbestimmte Zeit ernannt werden oder nur für eine gewisse Zeitspanne.

Obwohl sich 50,68 Prozent der 586 Teilnehmer für eine Wiederkandidatur aussprachen, ist der Antrag gescheitert: Damit ein Meinungsbild erfolgreich ist, benötigen die Antragsteller eine Zwei-Drittel-Mehrheit.

TCP/IP und Demokratie

Ich lese grade:

…das Recht auf freie Meinungsäußerung in einem demokratischen Medium wie dem Internet auf diese Weise zu beschneiden….

Ist das Internet so viel demokratischer als - sagen wir mal - Lotto spielen oder Zebrastreifen?

Die FAZ ist eine Scheibe!

Thomas Thiel schreibt in der FAZ über die Entwurzelung des Wissens in der Wikipedia.

Die hier betriebene Demokratisierung der Wahrheitsfindung ist dem wissenschaftlichen Verstand, der dem esoterischen Expertengedanken verpflichtet ist, verdächtig: Die Erde wäre wohl heute noch eine Scheibe, wenn man das Urteil über ihre Oberflächenform einer Demokratie überlassen hätte.

Toller Satz. Genau, möchte man rufen - und dann setzt man hinzu: Ganz wie im Mittelalter!!

Aber bei den klugen FAZleserköpfen sollte gleich nach dem zweiten Ausrufezeichen der Denkimpuls einsetzen.

  • Man hat die Oberflächenform keiner Demokratie überlassen, und trotzdem hielt man die Erde für eine Scheibe.
  • Hätte man es demokratisch entschieden - was wäre die Folge gewesen? Wäre niemals jemand nach Amerika gefahren?

Nach diesem Gedankengang kann man die FAZ ruhig zur Seite legen. Denn dass Enzyklopädien grundsätzlich nicht wissenschaftlich zitiert werden, sollte den akademisch gebildeten Lesern längst bekannt sein.

Demokratie und Blogs

Eigentlich hatte ich die Diskussion des Medienquartetts im Deutschlandfunk wegen der bissigen Kritik von Stefan Niggemeier schon ad acta gelegt. Aber in den Kommentaren habe ich zwischen viel Rechthaberei einen interessanten Textausschnitt gefunden:

Das ist eine der grossen - finde ich - Lügen ans Publikum. Also, die ganze Suggestion der medialen Möglichkeiten im Internet trägt immer die schwingende Botschaft mit, das Internet ist demokratisch. Und alle nicken immer nur, wenn wir das hören. Aber ist denn das Internet demokratisch? Das Internet ist allen zugänglich. Das ist sehr gut. Man kann sehr viel damit anfangen. Aber Demokratie hat ja irgendwie auch was mit Ausübung von Herrschaft zu tun, von Organisierung und Strukturierung einer Gesellschaft über bestimmte Regeln und Verfahren. Und in dem Sinne ist das Internet überhaupt nicht demokratisch.

Das ist IMHO eine der spannendsten Fragen des Web 2.0, des scheinbar grenzenlosen Bürgerjournalismus und überhaupt: Welche Entscheidungsstrukturen entstehen in den neuen entkörperten Sozialnetzen, welche Einflüsse hat das Ganze auf unsere Gesellschaft? Vielleicht sollte man ab und zu doch den Blinden zuhören und sehen, ob wir etwas von Ihnen lernen können. Die Sendung spule ich jedenfalls auf meinen MP3-Player zum Konsum bei Gelegenheit.

Die Bundeskanzlerin bittet uns, Ihnen zu antworten.

Eine tolle Idee: Auf einer Webseite werden die drängendsten Fragen des deutschen Volkes zusammengetragen, an die Kanzlerin geschickt und die antwortet. Direkte Demokratie. Und Web 2.0. Und beta ist es auch.
Allerdings beginnen alle bisherigen Antworten damit:

Die Bundeskanzlerin bittet uns, Ihnen zu antworten.

An dem direkten Draht müssen wir wohl noch arbeiten.

Fake News als Hoffnung?

Ein Silberschein am Horizont? Die Etablierung einer stabilen Demokratie im Irak scheint keine großen Fortschritte zu machen - aber immerhin klappt der Import von Fernsehformaten wie der “Daily Show”.

Demokratie ist, wenn man trotzdem lacht?