Archive for the tag 'demo'

Chip nein danke?

Guerilla-Werbung in der Demo-Berichterstattung?

Nein, ich glaube nicht ;-)

Demo-Mathe

Wenn eine Demo veranstaltet wird, gibt es selbst bei einfachen Tatsachen wie der Teilnehmerzahl gleich drei Wahrheiten.

Beispiel München:

Die Unterschiede sind normalerweise noch größer.

autonome Sympathisantenverwechslung

Autsch:

Mehrere Personen offenbar aus dem Umfeld der so genannten “autonomen Rechten” randalierten nach der Auflösung ihrer Kundgebung in einer Kölner Einkaufsstraße. Eine Gruppe habe extremistische Parolen gerufen, erklärte ein Polizeisprecher. Weitere Teilnehmer errichteten anschließend auf dem Weg zum Kölner Hauptbahnhof Straßenbarrikaden und randalierten mit Stühlen und Fahrrädern. “Wir haben insgesamt mehr als 70 Personen in Gewahrsam genommen”, erklärte Polizeisprecherin Maren Leißner.

Dabei wurde nach Angaben der Stadt auch ein Ratsherr der Fraktion Die Linke mitgenommen. Auslöser sei ein Missverständnis gewesen. Der Ratsherr Claus Ludwig habe die von der Polizei festgehaltenen Rechtspopulisten mit autonomen Linken verwechselt, die ebenfalls demonstriert hätten. Er habe sich irrtümlich für die rechte Gruppe eingesetzt, sagte die Pressesprecherin der Stadt, Inge Schürmann. Die Polizei habe ihn wegen des Vorwurfs der versuchten Gefangenen-Befreiung vorübergehend mitgenommen

“Der Putin macht es richtig.”

Bernhardt Honningfort hat sich nach dem G8-Gipfel bei den Anwohnern umgehört:

Reimers Schnitzel wird kalt. Wirt und Rentner dreschen mit Worten aufeinander ein wie einst Don Camillo und Peppone, der katholische Dorfpfarrer und der kommunistische Bürgermeister. “Willi, du hast doch keine Ahnung.” Sie sind beim Thema Fremdenverkehr angekommen, bei der Hoffnung von Harald Ringstorff, Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern, nach dem Gipfel kämen bestimmt mehr Urlauber, vor allem Polizisten aus Baden-Württemberg und Bayern, die die liebliche Ostseelandschaft kennen gelernt hätten. “Tourismus? Wenn ich die Bilder im Fernsehen gesehen hätte, würde ich woanders hinfahren”, sagt der Wirt.

Am vergangenen Dienstag hatten die G8-Gegner einen kleinen Infostand auf dem Marktplatz. Dafür, erzählt der Wirt, war ihnen von der Gemeinde ein Wasseranschluss gelegt worden. “Das ist doch die Höhe”, ruft er. “Die Markthändler warten seit zwanzig Jahren auf einen Wasseranschluss und kriegen ihn nicht. Dann kommen die und es klappt sofort.” Eine Frau vor dem Lokal sagt: “Der Putin macht es richtig.” Sie meint den Umgang des russischen Präsidenten mit Demonstranten.

Unschöne Parallelen

Bei Google Video findet sich eine erschütternde WDR-Reportage, die der These nachgeht, dass sich bei den Krawallen zum G8-Gipfel in Genua 2001 Politik und Polizei gezielt den Schwarzen Block schützten und koordinierten, während friedliche Demonstranten und Journalisten grundlos zusammengeknüppelt, Beweise gefälscht und Menschen schließlich sogar gefoltert wurden.

(via)

Was ich heute sage, ist heute zutreffend

Nachdem es nicht mehr zu dementieren war, hat jemand dem Polizei-Pressesprecher gesteckt, dass doch einer seiner Polizisten in Autonomen-Verkleidung enttarnt wurde. Obwohl er gestern noch das Gegenteil behauptet hat.

SpOn zitiert ihn:

Nachdem die Polizei heute bestätigte, dass ein getarnter Mitarbeiter vor Ort ermittelte, sagte Claasen zu SPIEGEL ONLINE: “Das ist ein neuer Sachstand. Was ich gestern gesagt habe, war gestern zutreffend. Was ich heute sage, ist heute zutreffend.”

Und was wird wohl morgen zutreffend sein? Steinewerfen als verfassungsgemäße Informationssammlung?

Ich hab ja gestern noch für möglich gehalten, dass es sich bei der ganzen Meldung um eine Ente handelt. Aber wenn der zuständige Sprecher erst falsch informiert und ganze zwei Tage nach dem Ereignis nur das Notwendigste zugibt, dann sind weitere Zweifel angebracht. Wenn man dazu dann noch die versammelten offiziellen Falschmeldungen der letzten Tage dazuzählt, ergibt das ein wirklich trauriges Bild von der Glaubwürdigkeit der Polizei.

Agent Provocateur oder nicht?

Bei SpOn findet sich ein lesenswerter Artikel zu der verwirrenden Informationslage in Heiligendamm. Demnach herrscht nicht nur unter den bunt zusammengewürfelten Demonstranten-Gruppen ein Wirrwarr von Gerüchten, auch die offiziellen Informationen scheinen auf eine Art Stille-Post-Kaskade zurückzugehen.

So weiß man auch einen Tag nach der vermeintlichen Enttarntung eines agent provocateur der Polizei nichts Genaues.

Ulf Claassen ist Sprecher der Polizei-Sondereinheit “Kavala”. Auch er habe inzwischen Informationen zu dem Vorfall mit dem “sogenannten Zivil-Polizisten” vorliegen, sagt Claassen SPIEGEL ONLINE, einen offiziellen Bericht dazu aus der zuständigen Einheit aber nicht. “Tatsache ist, dass wir keinen Beamten vermissen, es handelt sich also um keinen Kavala-Polizisten”, sagt der Polizeisprecher. So etwas gehöre seiner Meinung nach auch “nicht in einen Rechtsstaat, das wäre inakzeptabel und unverhältnismäßig”. Allerdings, was beispielsweise der Verfassungsschutz tue, darüber sei er nicht informiert. Ein Dementi klingt anders.

PS: Wo kaufen echte Autonome eigentlich ihre gebrauchte schwarze Kleidung? Und weisen sie sich untereinander aus? (Ja, ich schließe nicht aus, dass es gar kein Polizist war)

Anwaltlicher Notdienst rettet Polizei-Vandalen

Die Meldungslage in Heiligendamm lässt heftige Dementis erwarten, aber der obligatorische Verdacht der Autonomen, dass sich Polizisten als Provokateure betätigen hat reichlich Futter bekommen. Die Nachrichtenagentur ddp berichtet:

Am Sicherheitszaun um den G8-Gipfelort Heiligendamm ist die Situation am frühen Mittwochabend kurzzeitig eskaliert. Am Blockadepunkt Galopprennbahn wurde eine Person von mehr als einem Dutzend vermummter Demonstranten angegriffen. Möglicherweise handelte es sich um einen Polizisten, der in der Autonomen-Kleidung unter den Blockierern war.

Der Mann wurde von Kräften des anwaltlichen Notdienstes der Demonstranten aus der Notlage befreit und zur Linie der Polizisten gebracht, die ihn in ihre Reihen zogen. Wie ein Sprecher des Notdienstes bestätigte, hatten mehrere Demonstranten den Mann als Polizisten erkannt. Dieser sei der Auforderung, sich auszuweisen, nicht nachgekommen. Zu möglichen Verletzungen des Mannes wollte sich der Sprecher nicht äußern.

“Hört auf!”

Eine starke Szene sah ich heute im Wochenspiegel in der ARD:

wochenspiegel-g8

Friedliche Demonstranten versuchen vom Rand aus, vermummte Steinewerfer zum Aufhören zu bewegen. Die denken nicht dran, sondern schubsen einen der Rufer weg.

Was Rasterfahndung bedeutet

Die Süddeutsche Tod interviewt Friederike Hausmann, die zur Ikone wurde, als sie bei den Studentendemos vor 40 Jahren dem sterbenden Benno Ohnesorg beistand.

Ein sehr interessantes Interview - es erinnert daran, dass die heutigen Entwicklungen nicht so furchtbar neu sind. Am interessantesten fand ich folgende Textstelle:

SZ: Nach Ihrem Studium wurden Sie als Lehrerin nicht eingestellt - wegen Ihrer “Liga gegen den Imperialismus”-Mitgliedschaft und weil das Nummernschild Ihres Autos nahe verbotenen Demonstrationen notiert worden war.

Hausmann: Ich wollte Referendarin in Stuttgart werden, durfte aber nicht. In Hessen ging das, die Computer waren noch nicht gut genug vernetzt. Vor dem Zweiten Staatsexamen wurde mir aber gesagt: “Angestellt werden Sie sicher nicht.”

BTW: der Wikipedia-Artikel über Benno Ohnesorg braucht noch ein paar Quellenangaben.

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