Archive for the tag 'Blogs'

Kommentatoren, die bellen

Der Aufreger von gestern: Basic Thinking will die RSS-Feeds kürzen, um die Leser zur lukrativeren Webseitenwerbung zu führen. Jürgen Vielmeier gibt sich enttäuscht wegen der Publikumsreaktionen.

Der größere Teil der – zur Stunde – rund 80 Kommentatoren hat hingegen einen Abschied auf nimmer Wiedersehen angekündigt.

Ich hab mal die Probe aufs Exempel gemacht: gestern abend hatte Basic Thinking im Google Reader 10550 Abonnenten. Heute morgen sind es 10562.

(Ich gehöre zu keiner der Gruppen)

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Die Sendung mit dem Geld

Einer der spannendsten Podcasts ist für mich zur Zeit eine Sendung des National Public Radio: Planet Money.

Die Sendung startete Ende 2008, als die Finanzkrise begann sämtliche Schlagzeilen zu bestimmen. Aber das Team um Adam Davidson und Laura Conaway verfällt nicht in die übliche Panik-Berichterstattung, sondern geht engagiert daran, die Wirtschaft tatsächlich zu verstehen

Statt mit großspurigen Analysen und nicht vorhandener Kompetenz anzugeben, stellt Planet Money kleine, konkrete Fragen – und findet immer wieder interessante Antworten. So wird in dieser Folge geklärt, was hinter der vermeintlichen chinesischen Kapitalflucht verbirgt und wieso wir ein solches Problem haben, große Zahlen zu verstehen.

Die Sendung richtet sich explizit an Nicht-Experten – Leute, die bisher nichts über Zinsderivate, Konsumelastizitäten und Giralgelder wussten. Serviert wird das in einer Weise, die gleichzeitig sehr locker und doch ernsthaft ist. So wird der Korrespondent David Kestenbaum aus seinem Haus in New York zugeschaltet, die Volontärin Caitlin Kenney posiert in kleinen Inszenierungen mal als unzuverlässige Kreditnehmerin, mal als menschliche Geldzählmaschine. Manchmal möchte man wünschen, dass einige Investoren und Banker die Sendung hören, damit sie wieder eine Ahnung bekommen, was sie überhaupt machen, welche Konsequenzen ihre tägliche Arbeit für die Welt da draußen haben kann.

Die Wirtschaft, dieses komplexe Monster, das selbst Nobelpreisträger immer wieder überfordert, wird zerlegt und damit gezähmt. Wir müssen keine Angst vor der diesem unverständlichen Ungetüm haben, sind keine Opfer die nicht verstehen können, was passiert. Nein: wir können Fragen stellen. Und Antworten bekommen.

Planet Money arbeitet auch mit This American Life zusammen und hat die sehr hörenswerten Einstünder Bad Bank und The Giant Pool of Money produziert.

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FAZ: Danke für die Bitte

Seit dem Relaunch der FAZ-Blogs finde ich unter den dortigen Beiträgen einige Zeilen pure Höflichkeit.

Wenn Sie diesen Beitrag kommentieren möchten, bitten wir Sie, sich vorher anzumelden. Nutzen Sie dazu das Login-Feld oben im Kopf rechts. Dort können Sie sich auch neu registrieren, falls Sie noch kein Passwort haben.

Eigentlich ganz nett. Nur, dass man dieser Bitte nicht nicht nachkommen kann, ist dann weniger nett. Denn eigentlich ist es dann keine Bitte mehr.

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Widde-widde

Früher war es einfach: selbst wenn man die Lokalzeitung bis auf die letzte Zeile lesen wollte, konnte man noch ein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft sein – mit Beruf, Familie, Stammtisch und auslaufsbedürftigen Hunden.

Kaum hat man einen Internet-Anschluss, geht das nicht mehr. Alle zwei Minuten neue Nachrichten – und das gilt nur nur für sehr eng gefasste Zielgruppen wie portugiesische Apple-Fans. Die einzige Lösung: man muss, filter, filtern, filtern.

Was kommt also durch den Wahrnehmungsfilter? Wohin klicken wir? Interessante Neuigkeiten? Ein breites Spektrum der Nachrichten zu den Themen, die uns wirklich interessieren? Nein: wir suchen uns die Neuigkeiten aus, die uns in den Kram passen. Die unserer Meinung entsprechen. Ab und zu auch Nachrichten, die uns aufregen – aber nicht zu viel davon.

Mich erinnert das immer an einen Vers des Pippi-Langstrumpf-Lieds:

Ich mache mir die Welt,
Widde-widde wie sie mir gefällt.

Ein Beispiel dafür ist das Zentralorgan der Islamhasser: Pi-News. Dort hält man zwar (nicht wirklich) merkwürdige Beulen im Phaeton von Joerg Haider für berichtenswert – sucht man jedoch nach den wirklichen Ursachen des tödlichen Unfalls, die nicht mal von Haiders eigener Partei und Familie angezweifelt werden, bekommt man dieses Ergebnis:

Es ist nicht so, dass den Machern des Blogs die Trunkenheit ihres Idols entgangen wäre – Google fördert zahlreiche Blogkommentare hervor, die genau das thematisieren. Merkwürdigerweise keiner davon bei den Artikeln über Haider.

Widde-widde.

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Dailykos: Wieviel Schmutz darf sein?

Irgendwie schade: Daily Kos hat das Hammergerücht des Jahres gelöscht.

Kurzfassung: Der jüngste Sohn von running mate Sarah Palin sei in Wahrheit ihr Enkel. Die Gouverneurin habe die Schwangerschaft nur vorgetäuscht, um die Schwangerschaft ihrer damals 15jährigen Tochter Bristol zu verheimlichen.

Da lacht das Herz der muckraker, der Gossenjournalisten. Leider ist an der Story nicht so besonders viel daran: Belege gibt es nicht. Die Indizien sind im wesentlichen, dass die Gouverneurin auf einigen Fotos nicht schwanger aussah und drei Tage nach der Entbindung wieder gearbeitet habe. Dazu sei Bristol angeblich während der Zeit von der Schule verschwunden.

Sie Story ist einfach zu gut, um wahr zu sein, oder? Bei Dailykos hat die Story für richtig viel Streit gesorgt. Soll man sich mit diesem tabloid stuff gegen den politischen Gegner stellen? Wie schützt man die Kinder vor dieser Schlammschlacht?

Nun ist bei Dailykos wieder eine entschäfte Version der Story aufgetaucht. Interessant finde ich die zunehmend emotionalen Updates des Autoren:

**Update 2: Looking at the comments section makes my blood boil in anger and frustration. I’m not spreading a rumor first of all, second of all this is why we lose time and time and time again because we want ‘nobility’ in politics and we get shot in the face each time we try to play the ‘noble’ way with the Republicans. If this had been us the GOP operatives would have called a GOP strategist to seriously look into this charge and smear it all over a Democrats face and then beat us and we would then go back to our blogs and complain about how much the Republicans suck. The issue is not spread a rumor or smear her daughter, I am simply saying if you are lying governor tell the truth just tell the truth. Truth is all we want.

**Update 3: The same people attacking me now in the comments section probably called the National Enquirer story about John Edwards rubbish until he had to finally admit it. I know the National Enquirer is trash but they were certainly right about that, so please stop with the stupid comments about give it a rest and “Oh lord” and all of that bull shit, this woman is lying and creating a false narrative and I’m supposed to leave it alone, well to those of you who tell me to leave it alone I say FUCK YOU. I will not leave it alone, the last thing we need as Vice President is a liar who’d go to such extremes to cover something like this up, haven’t we had enough of that already over the last 8 years?

**Update: Folks! Is this really who the fuck I’ve been hanging out on this blog with??????? A bunch of people who want us to play nice, what the fuck is this about? This is a serious issue and if this were us the Freepers would be all over this and it would be on FOX news by Sunday Night like the madrassa story. This is our fucking problem, we want to play nice with somebody who wants to fucking kill us, they would smear this story all over our fucking faces had it been us. Regardless of what you think of Republicans they sure as hell know how to win elections and looking at the bull shit comments below I totally see why. “Stay on issues” “we’ll win on issues” John Kerry lost on isssues, Walter Mondale lost on issues and Michael Dukakis lost on issues. I’m not spreading rumors here I’m saying look into this very serious matter and stop fucking attacking me idiots.

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Spaßbremse

Ich wurde vergangene Woche durch eine Mail überrascht, dass mein Blog nebenan für den Preis “Superblogs” in der Rubrik “Spaß und gute Laune” nominiert wurde. Ich solle nur den Link auf die Wettbewerbsseite setzen, damit meine Leser für mich stimmen könnten.

Nachdem ich mir jedoch angesehen habe, wie lieblos und billig das Ganze umgesetzt wurde, habe ich mich gegen eine Verlinkung entschieden. In der Spaß-Rubrik müsste ich zum Beispiel mit einem Blog namens “Chats ohne Anmeldung” konkurrieren. Klingt nicht lustig? Ist es auch nicht, will es offenbar auch nicht sein, es handelt sich um Neuigkeiten über Chat-Seiten – wie der Name schon sagt. Das macht den Ausrichtern des Wettbewerbs aber nichts aus. Nicht konkurrieren müsste ich mit einem Blog namens “Altmetall”. Es wurde zwar nominiert, aber im Abstimmungs-Widget ist es nicht enthalten. Vergessen. Auch sonst erscheint mir der Wettbewerb nicht besonders qualitätsfördernd: So sind die nominierten Blogs auf der Abstimmungsseite erst gar nicht verlinkt.

Wenn man sich so wenig um den Ausgang kümmert, warum setzt man dann einen Blog-Preis aus? Wahrscheinlich aus dem selben Grund, aus dem mir ein Hoster vor ein paar Wochen einen billigen Wasserball zugeschickt hat. Die Blogger sollen mal wieder nur Backlinks liefern, die das Google-Ranking der edlen Spender verbessern werden.

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Sachlich über Hetze schreiben

Dominik Reinle hat auf wdr.de einen meiner Meinung nach gelungenen Artikel über das Blog “Politically Incorrect” veröffentlicht. Reinle schafft sachlich zu berichten, Worte wie “Hetzblog” zu vermeiden. Er lässt den Gründer Stefan Herre ebenso zu Wort kommen wie den ausgesprochenen Gegner Stefan Niggemeier. Besonders interessant finde ich die letzten beiden Absätze:

Zum Weltbild von PI gehört auch der “Klimaschwindel”, der in der gleichnamigen Rubrik behandelt wird. Stefan Herre ist der Meinung, dass in Wahrheit überhaupt kein Klimawandel stattfindet und schon gar nicht von Menschen verursacht ist. “Der Hype, der momentan gemacht wird, will nur vom Thema Islam ablenken”, ist Herre überzeugt.

Im November 2007 hat PI-Autor Jens von Wichtingen das Blog verlassen mit der Begründung, PI habe “sektenähnlichen Charakter”: “Man lebt in einer eigenen Welt. Gut und Böse, Schwarz und Weiß. Man nimmt Nachrichten vollkommen anders auf, man fühlt sich im Besitz der Wahrheit. Und alle die PI kritisieren haben unrecht. Gutgemeinte Ratschläge werden ignoriert, die anderen sowieso.” Stefan Herre weist den Sektenvorwurf zurück. Er behauptet, dass sein ehemaliger Weggefährte bei PI möglicherweise ausgestiegen ist, weil er bedroht wurde: “Er kam in die Schusslinie der Linken und vielleicht der Moslems.”

Ein gefälschter Klimawandel um vom Islam abzulenken. Auf den Gedanken muss man erst mal kommen.

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Trackback auf Umwegen

Im Welt-Podcast von Thomas Kausch bin ich auf ein Detail gestoßen, das mir bisher noch nicht aufgefallen war:

Trackback-Umleitung bei welt Online

Wenn ich das recht verstehe: man soll also nicht Welt Online direkt einen Pingback schicken, sondern einen Service namens Twingly nutzen. Auf dessen Webseite wird das Prinzip grafisch erläutert:

Twingly

Schön. Dafür dass man seine Blogeinträge von einem Drittanbieter sortieren lässt, bekommt man einen kleinen Orden verliehen – respektive einen Link von der Nachrichten-Webseite. Noch genauer: einen Link von den Blogs einer Nachrichten-Webseite – die “normalen” Artikel von Welt-Online haben dieses Feature zumindest derzeit nicht aktiviert.

Der tiefere Sinn erschließt sich mir nicht. Dient das Ganze der Spam-Kontrolle? Ausgelagerte Foren-Moderation auch an Sonn- und Feiertagen? Mysteriös ist auch der Twingly Screensaver. Aus der Produktbeschreibung:

Der Bildschirmschoner von Twingly visualisiert die globale Blog-Aktivität in Echtzeit. Vergessen Sie RSS-Reader, bei denen Sie nur sehen, was Sie interessiert.

Wenn ich sehen will, was mich nicht interessiert kann ich gleich Pro7 einschalten.

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Kommerz gegen Authenzität?

Im krit-Interview erklärt der Spiegelfechter Jens Berger einen der großen Trends der Blogger-Szene.

Wir stehen an der Schwelle einer Aufteilung des Netzes in Kommerz und Authentizität – da machen auch die Blogs keine Ausnahme. Vom Nutzer wird in Zukunft noch mehr Medienkompetenz zu erwarten sein als jetzt. Blogger sind nicht per se bessere Menschen, sie sind ein Querschnitt durch die Gesellschaft.

Dem Schluss mag ich zustimmen – wie könnte ich auch nicht? Aber der Ausgangsthese möchte ich doch stark widersprechen. Warum sollen Authenzität und Kommerz ein Gegensatz sein?

Nehmen wir den Alltag des Journalismus: Gerade die dümmsten und manipulativsten Pressemitteilung empfinde ich als äußerst authentisch. Die Verfasser glauben den Stumpfsinn, den sie per HTML-Mails und Word-Dokumenten in meine Inbox gießen. Im Gegenzug sind die bestbezahlten Edelfedern des Journalismus ebenfalls höchst authentisch. Ihre Texte spiegeln ihre Person wieder – zumindest sollen sie den Anschein erwecken. Zahlreiche Kolumnen in Hochglanz-Zeitschriften spiegeln gleichzeitig Höhepunkte der Authenzität und der Kommerzialität dar. Der unauthentische Nachrichten-Stil hingegen ist für die Schreiber nicht sonderlich lukrativ.

Für mich als Blog-Leser sind weder Authenzität noch Kommerzialität ein Eigenwert. Ich lese Blogs, weil sie gut geschrieben sind, weil sie interessante Einblicke geben und Fakten gut aufbereiten. Natürlich werde ich immer im Kopf behalten, wenn eine Firma ein Weblog führt. Oder wenn ein Blogger von einer Firma engagiert wurde, ihre Produkte vorzustellen. Aber das ist Ausdruck der oben erwähnten Medienkompetenz. Ein Auswahlkriterium ist es aber nicht.

Wie steht es mit der Authenzität? Um es polemisch zu sagen: Welche Blogger war schon authentischer als Callboy Torsten? Wer authentisch ist, erzählt vielleicht seine Wahrheit – das ist aber noch lange nicht meine Wahrheit.

Und hier sehe ich auch eher die kommende Aufteilung des Netzes. Das Netz wird nicht in authentisch und kommerziell unterteilt, sondern in Weltbilder. Der islamfeindliche Kommerzblogger wird vom islamfeindlichen Privatblogger zitiert, der höchst authentisch seinen eigenen kleinen Geist dazu addiert. Der leidenschaftliche Filmsauger wird nur Blogs lesen, die auch schön kräftig gegen die Film-Mafia wettern – auch wenn die Seite mit Provider-Werbung vollgekleistert ist. Dank der Vielzahl der Blogs, Communities, Foren und social-media-Diensten kann man viel einfacher unpassenden Fakten oder Gegenargumenten aus dem Weg gehen und hat trotzdem den Eindruck gut informiert zu sein.

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Bayern, wie ich es nicht kannte

In den Kommentaren von Stefan Niggemeiers Blog findet sich von diese Schilderung von Marcel, der sich mehrmals als “Halbtürke” charakterisiert.

Ich bin mir sicher, dass niemand von euch auch je ein gescheites Gespräch mit einem „Nazi” hatte. Ich lebe in einer bayerischen Kleinstadt, in der Türken und Nazis Tür an Tür wohnen, in der man miteinander redet und in der man sich sogar erklärt, warum man eine Gedankenrichtung ausgewählt hat. Nazi ist nicht gleich Nazi.

Wenn ihr mit einem Nazi in der Kneipe sitzt, ihr ihn fragt: „Scheiße, Mann, wieso bist du Nazi?!” Und er antwortet: „Weil ich keinen Bock habe in der Nacht von einer Gruppe betrunkener Türken zusammen geschlagen zu werden.” Was würdet ihr ihm denn da bitte antworten? Ich meine, er hat doch irgendwo recht.

Man wohnt miteinander, redet miteinander und zwischendurch ziehen Gruppen betrunkener Türken herum und schlagen Deutsche zusammen – außer Nazis. Bayern ist doch ein fremdes Land für mich.

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