Archive for the 'notiert' Category

Achtung! Sperrfrist!

Eben habe ich dies über einer Agenturmeldung entdeckt:

(Achtung: Sperrfrist 0900 - bereits durchbrochen)

Zum Glück nicht mein Ressort.

Platt und platter

Alexander Marguier hat eine Generalabrechnung - oder besser gesagt: einen Rant - über Alice Schwarzer geschrieben. Die Plattmacherin:

Als Alice Schwarzer vor kurzem in einem haarsträubenden Artikel Verständnis für die Machthaber in Burma zeigte und für deren Weigerung, nach dem Zyklon Nargis Katastrophenhelfer ins Land zu lassen (siehe Alice Schwarzer über die Erneuerung Burmas nach dem Wirbelsturm), forderte der „Spiegel“-Autor Matthias Matussek in einem offenen Brief ihren Rücktritt als Jurorin des Henri-Nannen-Preises. Die Frage ist weniger, ob sie darauf eingeht – das scheint bei ihrer Fähigkeit zu Selbstkritik ausgeschlossen. Sondern vielmehr, warum Alice Schwarzer überhaupt in ein Gremium aufgenommen wurde, das sich auf die Fahnen geschrieben hat, journalistische Bestleistungen zu prämieren.

Nun, immerhin reicht es noch zur FAZ-Autorin.

Was hilft gegen Datendiebstahl? Mehr Datenbanken!

Der Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter hat eine Erkenntnis:

“Die Telekom-Affäre ist eine Riesenchance für den Datenschutz, die wir nutzen müssen. Es ist doch offensichtlich, dass sensible Kundendaten bei privaten Unternehmen mehr als schlecht aufgehoben sind”, sagte BDK-Vorsitzender Klaus Jansen der Neuen Osnabrücker Zeitung.

Wer würde da nicht zustimmen? Der Lösungsvorschlag für das Dilemma ist hingegen weniger konsensfähig:

Jansen forderte laut dpa, sämtliche Verbindungsdaten in einem Sicherheits-Center unter Aufsicht von Datenschützern zu hinterlegen. Darauf könnten dann sowohl Unternehmen zu Abrechnungszwecken als auch der Staat zur Strafverfolgung streng kontrolliert zugreifen. Technisch sei ein solches Verfahren nach Ansicht von Experten kein Problem, sagte Jansen. “Die heutige Praxis einer sechsmonatigen Speicherung direkt beim Telefonanbieter öffnet Missbrauch Tür und Tor.”

Auf gut Deutsch: Wir verhindern Datenmissbrauch, wenn wir die Daten nicht nur in einer, sondern gleich in zwei Datenbanken speichern. Denn die Telekom hat ja im aktuellen Skandal nicht etwa auf die Vorratsdatenspeicherung zugegriffen, sondern auf die Abrechnungsdaten, die bei einem Telefonprovider nun mal anfallen müssen.

Um das Konzept von Jansen richtig würdigen zu können, übertragen wir es einfach mal in die physische Welt. Um Bankraub zu verhindern, wird in jeden Tresorraum eine zweite Tür eingebaut, deren Schlüssel bei der Polizei hinterlegt werden muss. Klingt das sinnvoll? Welcher Experte soll diesem Irrwitz eine problemlose Umsetzung prophezeit haben?

Ich gehe mal davon aus, dass Jansen bei seiner Betonung der Rolle des Datenschützers keinen besonderen Wert mehr auf einen kompetenten Richtervorbehalt legt. Wenn die Daten doch schon mal da sind, warum sollten rechtschaffene Diener des Rechtsstaates erst nach einem bürokratischen Hürdenlauf drauf zugreifen können?

DPA-Alarmglocken ohne Klöppel

Da hat sich die DPA mal wieder ein Ei ins Nest gelegt und einen wirklich, wirklich schlechten Artikel über private Sexbilder im Internet veröffentlicht.

Das fängt schon im ersten Absatz an.

“Erotische Fotos von sich und dem Partner - täglich fotografieren oder filmen sich etwa 2300 Jugendliche in Deutschland beim Liebesspiel. Was viele von ihnen nicht ahnen: «20 bis 30 Prozent dieser Aufnahmen landen früher oder später im Internet», sagt Torsten Gems, Vorstand des biometrischen Suchdienstes ProComb in Dortmund.

Aus oberflächlich journalistischer Sicht prima. Ein Experte kann tatsächlich das Problem genau quantifizieren. Schalten wir aber mal den Menschenverstand ein: Woher soll der gute Herr Gems so genau wissen, was in deutschen Schlafzimmern so geschieht, wenn es denn nicht veröffentlicht wird? Hat er eine repräsentative Umfrage gemacht? Wohl eher nicht. Denn Herr Gems ist nicht nur hochseriöser Experte, er verdient mit dem Problem auch Geld. Nicht weniger als 69 Euro kostet es, die Dienste von ProComb in Anspruch zu nehmen. Die Alarmglocken hätten sich hier schon deutlich melden sollen.

Aber das war ja nicht alles an Recherche. Schließlich hat man die DPA auch eine Bestätigung von der hoch angesehenen Internet-Seite internetvictims.de eingeholt, die sich total selbstlos um alle möglichen Internet-Opfer kümmert. Ähm, tja, dieser Leumundszeuge ist erst recht ein Grund misstrauisch zu sein.

Aber selbst wenn man nicht im Internet weiter recherchiert, hätten die Kollegen von DPA wenigstens die Webseite ihres Experten kritisch begutachten können. Dort wird nämlich mal eben angeboten, fünf Fotos aus dem Internet zu entfernen. Kostenlos. Einzige Einschränkung: das Urheberrecht muss verletzt sein. Solche Versprechungen sind nur eins: unseriös. Der Dienst könnte sich höchstens um die Entfernung bei einigen ausgewählten Diensten kümmern, beliebige Internetseiten kann man nicht einfach löschen. Da hätten bei der DPA alle Alarmglocken Sturm läuten müssen.

Der komplette Webauftritt von ProComb sollte jedem Journalisten wirklich übel aufstoßen. Nirgendwo wird erwähnt, dass die Erfolgsaussichten, aufgrund eines Amateur-Fotos (kein “skilled photo” erforderlich) erotische Filme im Internet zu finden bestenfalls mikroskopisch klein sind. Andere Belichtung, ungünstige Blickwinkel, Millionen sehr ähnlicher Menschen im Netz, dazu die Kapazitätsprobleme überhaupt einen relvanten Teil des Internets zu durchsuchen. Hätte ProComb da einen technischen Durchbruch erzielt, könnte sie den Erfolg sehr anschaulich demonstrieren. Stattdessen wird die “biometrische Suche” als Allheilmittel angepriesen. Einziger Beleg für die Wirksamkeit: ein paar anonymisierte, dafür aber um so euphorischere “Kundenreaktionen” auf einer Webseite ohne deutsches Impressum.

Rechteinhaber inaktiv

Eigentlich wollte ich grade einen Blog-Eintrag über diesen Artikel machen, in dem Wikipedia die Verbreitung von Pornographie vorgeworfen wird. Wie gut die Vorwürfe belegt sind, zeigt das Bild, das den Artikel illustriert: ein der Wikipedia entnommenes Foto einer nackten Stripperin, ihr Körper durch einen schwarzen Balken verdeckt. Und das können Kinder in Schulbibliotheken sehen. Shocking!

Doch ein Blick auf das Original zeigt, dass dieser schwarze Balken nicht jugendgefährdendes verdeckt. Man sieht zwar, dass die Frau nackt ist, das war es aber auch schon: die Brüste sind durch die langen Haare verdeckt, die Seitenansicht enthüllt auch keine primären Geschlechtsmerkmale. Dem Leser wird aber suggeriert, dass das Foto harte Pornographie zeigt, die Jugendliche gefährdet.

Es wäre schön gewesen, das jetzt bildlich gegenüberzustellen - natürlich mit korrekten Lizenzangaben. Geht aber nicht: in der Wikipedia ist als Autoren-Angabe nur ein Link zu dessen Flickr-Seite gesetzt. Die ist aber nicht mehr vorhanden:

Zappel Jazz ist nicht mehr bei Flickr aktiv.

Ob der User gesperrt wurde, weil er Rechte anderer verletzt hat? Keine Ahnung. Ein Link auf eine tote Seite ist wohl auch kaum im Sinne der GFDL. Der Autor ist unbekannt verreist. Ergebnis: Wir haben ein vermeintlich frei verfügbares Foto, das nicht mehr nutzbar ist. Und deshalb enthält auch dieser Beitrag kein Foto.

Und die Moral von der Geschicht’: Flickr-Links, die reichen nicht.

Wenn die soziale Revolution kommt

Irgendwie hat mir bei Facebook bisher die Killer-Applikation gefehlt. Toll, wir können Scrabble spielen. Wow. Super. *gäääähn* Kann man mit diesem ach so mächtigen Werkzeug eigentlich etwas anderes tun? Etwas bewegen? Gar verändern?

Nun - es scheint sich etwas zu tun:

Nach einem Aufruf im Internet-Forum Facebook hatten sich Hunderte der Demonstration der Arbeiter angeschlossen, Dutzende Organisatoren wurden anschließend verhaftet. Doch wenige Tage später war schon der nächste Aufruf da: Am Geburtstag des Präsidenten sollen die Leute zu Hause bleiben oder, wenn sie zur Arbeit müssen, schwarz tragen. “Wenn wir nicht rausgehen, können sie uns auch nicht verhaften”, sagt Ahmad Maher, einer der Initiatoren der Aktion. Ahmad ist 27 Jahre alt und kennt keinen anderen Präsidenten als Mubarak. Bislang war es schwierig für seine Generation, sich politisch zu engagieren. Natürlich gebe es viele, die schon lange eine Rolle bei der Reform des Landes spielen wollten, erzählt Ahmad. “Aber unglücklicherweise hat das Regime mit seinen Unterdrückungsmethoden die Jugendlichen eingeschüchtert. Facebook ist da eine gute Alternative, die Webseite bringt die Menschen zusammen.”

In Deutschland soll es eine StudiVZ-Gruppe immerhin zu einem Kissenschlacht-Flashmob gebracht haben. Allerdings wusste die Presse schon vorher Bescheid - also gilt’s nicht.

Embed as embed can

Embedded Reporter als alleinige Informationsquelle im Irakkrieg waren ein Fehler - das ist weitgehend Konsens. Wie sieht es mit eingebetteten Videos in der normalen Berichterstattung aus? Usability: OK. Nutzwert: meist nicht vorhanden. Rechtliches Risiko: so la la.

SpOn hat jetzt neben YouTube auch Google-Maps als zusätzliche integrierte Informationsquelle entdeckt. Im neuen Artikel ist eine Karte integriert mit dem genauen Standort des Hauses, in dem eine halbe Familie eingekerkert war.

Genau das Richtige für einen Ausflug am ersten Mai.

PS: Gleiche Idee auch bei Focus Online.

Zu entspannt

Zitat des Abends:

Ich war so entspannt, dass es mir schon unheimlich wurde.

Re:publica-Nachlese

Die re:publica ist vorbei, Zeit, eine kleine Zwischenbilanz zu ziehen.

  • An erster Stelle möchte ich mich für das positive Feedback bedanken (nicht nur das in Blogs). Nach dem Vortrag hatte ich eine ganze Reihe interessanter Gespräche, die mich motivieren, das Thema weiter zu verfolgen.
  • Ja, mein Vortrag war sicherlich ironisch, oberflächlich und ich konnte nicht sicherlich alle Aspekte abdecken. Ich hoffe aber, ich habe nicht nur unterhalten, sondern auch einige Denkanstöße gegeben.
  • Porno ist kein Witz! Obwohl die Pornographie zweifellos zur Netzkultur gehört, zeigt sich an vielen Stellen, dass nicht alle damit umgehen können. An dieser Stelle ein kleiner Verweis auf die Berichte von SWR2 Wissen (RTF) und Monitor. Die derzeitige Situation ist kein Idealzustand - ich sehe auch keine einfache Lösung.

Danke nochmal an die Organisatoren, die diese Konferenz auf die Beine gestellt haben, um so viele interessante Gesprächspartner auf einem Fleck zu versammeln. Gerne wieder.

NPOV und die Anti-Islamisten

Da ist er nun: der Anti-Islam-Film, für den sogar Domain-Namen gesperrt werden, hat nach langen, langen Ankündigungen seinen Weg ins Netz gefunden.

Nach einem kurzen Drüberschauen kann ich mit Gewissheit sagen: billigste Polemik. Geert Wilders hat für seinen “Kurzfilm” nicht mal eine Kamera in die Hand genommen - das Ganze ist ein Zusammenschnitt von Videos, der rein technisch und ästhetisch auf dem Niveau eines Hobby-Amiganers von 1998 liegt - vom Inhalt wollen wir mal schweigen.

Am Schluss hat Wilders aber einen kleinen Knalleffekt eingebaut: als Quasi-Impressum gibt er einen Wikipedia-Link an.

Liveleak Fitna

Das Kalkül ist eindeutig: Die Wikipedia kann man nicht so einfach sperren ohne für einen allgemeinen Aufschrei zu sorgen. Und mit seinem medialen Bohei hat sich Wilders ja einen Platz in der Wikipedia erkämpft. Falls Wilders für seine Polemik wieder einen Provider gefunden hat, müsste er zwangsläufig bei Wikipedia verlinkt werden - schließlich hat die Information der Leser hier höchste Priorität.

Der schwarze Peter liegt nun bei der Wikipedia: Die Seite wird offensichtlich instrumentalisiert. Was bedeutet das nun in Verbindung mit einem der Grundpfeiler der Wikipedia, dem neutralen Standpunkt? Ist es nun neutral, auf die Provokation nicht zu reagieren oder würde der NPOV gerade das verbieten? Muss die Wikipedia gegen den Film Stellung beziehen, um die eigene Neutralität zu betonen?

Das Ganze könnte ein Schuß ins Kontor sein. Kurzfristig hat die Wikipedia-Community aber eine harte Nuss zu knacken. Etwas entschäft wird das Problem dadurch, dass der angegebene Link nur auf eine Begriffklärungsseite verlinkt.

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