Nachtrag: Kimble-Report

Wie nun einige bemerkt haben: Der Kimble-Report ist offline. Diese Dokumentation über das Treiben der Medienfigur war mein erstes eigenes Internet-Projekt. Dort hatte ich vor über 10 Jahren dargelegt, wie Medien über die Person Kim Schmitz und seine öffentliche persona Kimble berichteten und ständig versagten. Die Medien behandelten Schmitz immer wieder als Super-Hacker, der — so schrieben einige ernsthaft — das Kreditlimit von Kanzler Kohl gehackt und Greenpeace Millionenspenden zukommen gelassen habe. Kurz gesagt: Es gab ein Haufen bullshit und ich nahm mein kleines Schäufelchen, um ihn wegzubringen. Ich machte es schlichtweg, weil es sonst niemand getan hatte.

In den letzten Jahren habe ich öfters überlegt, ob ich die Seite komplett umarbeite oder abschalte — aus verschiedensten Gründen. Zum einen stammt die Seite aus den aus dem Jahr 2001, ich aktualisierte sie seit Jahren nicht mehr. Das Webdesign, das mir kostenlos zur Verfügung gestellt wurde, sieht entsprechend angejahrt aus. Viel wichtiger aber: Immer mehr Links in der Dokumentation führten ins Leere: Medien gingen pleite, stellten ihre Linkstrukturen um, löschten ihre öffentlichen Archive. Ich hab zwar von dem meisten Kopien, aber die kann ich nicht einfach publizieren. Zudem: Nach seinem demonstrativen Abgang nach dem Letsbuyit-Prozess war es still geworden um Kimble und Kim Schmitz. Die Medienfigur, mit der ich mich im Kimble-Report eigentlich beschäftigen wollte, war tot — oder wie sich nun herausstellt: im Winterschlaf. Zudem: Die Wikipedia hatte mittlerweile einen recht guten Überblick über die Geschichte von Kim Schmitz. Sprich: Der Kimble-Report hatte seine Schuldigkeit getan.

Ende letzten Jahres habe ich nochmal für heise und die taz Berichte über Kim Schmitz und Megaupload verfasst. Wenig später bekam ich ein Schreiben von einer Anwaltskanzlei, in dem mir so ziemlich alles verboten werden sollte. Selbst dass die Pleite von Dataprotect für den Gründer und Anteilseigner Kim Schmitz vorläufiges Ende einer geschäftlichen Glückssträhne war, wurde mir als unzulässige Äußerung angerechnet. Gar von Vorstrafen zu schreiben sollte absolut verboten sein.

In der Folge erhielt ich persönlich und die beteiligten Verlage drei einstweilige Verfügungen von drei verschiedenen Landgerichten, die mir auf Verlangen von Kim Schmitz (nicht:Dotcom) und Megaupload jeweils eine einzelne Äußerung verboten. Warum dafür drei verschiedene Gerichte bemüht wurden? Die einzige Erklärung, die mir plausibel erscheint: Ich sollte mit möglichst vielen Kosten und Prozessrisiken konfrontiert werden. Solche Rechtstreitigkeiten können schnell fünfstellige Beträge verschlingen. Selbst im Siegesfall waren die Aussichten, meine Anwaltskosten erstattet zu bekommen, gering.

Dankenswerterweise hielten die Verlage von heise online und taz zu mir und hielten mich von dem finanziellen Risiko der Streitigkeiten frei. Dank der hervorragenden und engagierten Arbeit meiner Anwälte wurden die einstweiligen Verfügungen eine nach der anderen erst außer Kraft gesetzt und schließlich gerichtlich abgewiesen. Das dauerte mehrere Monate und kostete einige Nerven. Wäre Kim Schmitz nicht im Januar festgenommen worden — vielleicht hätte ich mittlerweile mit einem Dutzend Einstweilige Verfügungen zu tun. Er hatte scheinbar unbegrenzte Mittel, die er mit seiner (geleasten) Millionen-Villa, seinem Fuhrpark, seinen Spenden für Feuerwerke medienwirksam dokumentierte. Ich hingegen habe mein Einkommen als freier Journalist. Wenn Schmitz oder Dotcom sich nun als Vorkämpfer für freie Rede im Internet inszeniert, ist die Absurdität kaum in Worte zu fassen.

Für den Kimble-Report bedeutete der Rechtsstreit das vorläufige und sofortige Aus. In einer Umgebung, wo ich jede selbstverständliche Äußerung nach zehn Jahren nochmal haarklein nachweisen müsste, kann ich das Projekt nicht führen. Wenn jemand mit Millionenvermögen alle juristischen Stränge zieht, stehen Erwägungen wie “Aber es stimmt doch” oder “Ich habe doch recht” leider hintenan. Zudem, wie oben geschrieben: Der Kimble-Report hatte seine Schuldigkeit getan. Wer mit den Reinkarnationen von “Kimble” zu tun hat, kann nun nicht mehr behaupten, er habe von nichts wissen können.

Ich darf mich an dieser Stelle bei allen bedanken, die zum Kimble-Report beigetragen und mich unterstützt haben. Ich hoffe, es hatte Euch so viel Spaß gemacht wie mir.

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36 Comments.

  1. Das ist zwar ärgerlich, aber letztendlich die richtige taktische Entscheidung.

    4. Tactical Dispositions

    1. Sun Tzu said: The good fighters of old first put themselves beyond the possibility of defeat, and then waited for an opportunity of defeating the enemy.

    2. To secure ourselves against defeat lies in our own hands, but the opportunity of defeating the enemy is provided by the enemy himself.

    3. Thus the good fighter is able to secure himself against defeat, but cannot make certain of defeating the enemy.

  2. “Selbst im Siegesfall waren die Aussichten, meine Anwaltskosten erstattet zu bekommen, gering.” Wieso das denn?

    • Versuch Mal Gerichtskosten in Neuseeland einzutreiben.

      • Und inwiefern schaffen es die Neuseeländer, Gerichtskosten in Deutschland einzutreiben ohne dass ein deutsches Gericht nochmal drüber schaut und insbesondere aufgrund mehrfacher Entschädigung in deinem Sinne zu urteilen?

      • Xub: Da war ich unpräzise. Die Anwaltskosten sind schwer über den halben Erdball einzutreiben.

  3. Du hattest deinen Spass. Aber wer zuletzt lacht, lacht am besten. Du wirst dich noch wundern Kleinz. Versprochen.

    • Dieser Kommentar kam übrigens von einer IP aus Neuseeland.

      • dot tilde dot

        ich lese aus dem kommentar den versuch einer drohung heraus.

        so etwas nutzloses habe ich schon lange nicht mehr gelesen.

        .~.

    • Hallo “dein freund”. Da du vor allem der Freund markiger Sprüche bist könnte ich hier mithalten. Auf deine Kosten allerdings. Der Spass von dem du sprichst ist ja noch nicht vorüber und ich möchte nicht vorgreifen, im Grunde gehts erst los und gehört zum Gesamtwerk/Ära Kimble ;)
      Nur soviel sei verraten…, der Absturz wird gewaltig und diesmal endgültig sein. Denn: Du arbeitest ja eifrig mit daran :D

      Dieser Kommentar hat eine US-IP und das kommt auch nicht von irgendwo “mein” freund! ;)

      • @Torsten – ich denke nicht das du gemeint warst. Der Beitrag von Fun4all gehört scheinbar wohl eher zu dem Shitstorm den Schmitz gegen sich verurscht hat bzw. das Medieninteresse an seiner Auslegung von Meinungs(un-)freiheit.
        Ich kannte das auch nicht, bis ich der Verlinkung in den Foren folgte und zur Dokumentation gelangte.
        Jetzt ist die Dokumentation erst richtig ins Licht des breiten öffentlichen Interesses gerückt.
        Klassischer Streisand-Effekt würde ich sagen.

      • wanderer: Mit “Ach Gottchen” habe ich nur den etwas dramatischen Tonfall von Fun4all kommentiert. “Der Absturz wird gewaltig und endgültig sein” klingt nach einem Endkampfszenario, eine Nummer kleiner tut es IMO auch.

  4. Moin. Kannte deine Seite nicht, hab dich grad in Flipboard gefunden.
    Meinen Segen hast du, guter Schlaf ist wichtiger als eine Seite unsicher am laufen zu halten.

    Respekt vor der bisher geleisteten Arbeit.
    Mike

  5. Ein Beibachter

    Das der Kimble dich hier in den Kommentaren bedroht, bestätigt das erbärmliche Bild, dass ich von dem Typen hatte.

  6. schade, wieder was verpasst. die wahre geschichte des dicken rumpelstilchens (ach wie gut dass niemand weiß, wie ich morgen wieder heiß…) hätt ich doch gern mal am stück gelesen.

  7. Moin,

    mag nicht jemand eine Offline-Version als Torrent zur Verfügung stellen? Und ggf. hier posten?

    Bye Ted

  8. “Auf wiedersehen und danke für den Fisch!” hat Kim damals schon nicht verstanden – er wird es aber vielleicht, irgendwann…

  9. Es gibt track.ccc.de und ein anonymes deutsches Imageboard mit dem Namen Krautchan wo dann auf /b/ auch zufällig mal ein Torrent file erscheinen könnte. Ich glaube nicht, dass Kim Schmitz anzeige gegen einen gewissen “Bernd” erstatten würde…

  10. Die “Legende” von Schmitz wird auch weiterhin von uns in die Welt hinaus getragen werden.

    Ich hab gerade gerichtlich mit einer ähnlichen Persönlichkeit zu tun, und werde mich ebenfalls nicht beugen.

  11. Ein anderer Thorsten

    Dieser Kimbel ist einfach nur peinlich. Wenn ich den und seine dekadente Art sehe …. eckelig. Ohne Geld wäre der ein Nichts. Gekaufte Freunde, echte hat der im Leben nicht.
    Ich hab die Seite früher oft gelesen … danke für die Mühe.

  12. Feigling.

  13. Der gute Kim Schmitz und seine Homestories bei RTL mit Jacht, Sekt und Püppchen hat mich in den Zeiten der Dotcom-Blase abgehalten, auch nur einen Cent in den Nemax zu investieren.
    Schon damals war klar, dass Kimi jeden Cent für seinen Astralleib benötigt und weniger für den Ausbau seiner Geschäftstätigkeiten.
    Leute wie er, nicht intelligent, aber mit einer gewissen Bauernschläue ausgestattet, sind der Tod unserer Wirtschaft.

    PS.: Ich hoffe, man darf das hier schreiben, ohne dass weitere Drohungen aus Neuseeland einfliegen.

  14. Schade. Die Website lieferte nicht nur Infos.
    Es war die witzige Sprache der Berichte.
    Besonders erheiternd war die Dokumentation des gesunden Hungers den Kimi wohl noch immer hat.
    Mahlzeit!

    • Besten Dank. Aber seinen Körperumfang habe ich gezielt nicht thematisiert — oder meintest Du den metaphorischen Hunger?

      • Das Detail nach dem ausgiebigem Abendessen in einem feinen Lokal:
        Kimi war dann nach … einer leckeren Bockwurst.
        Ich glaube es war in München. OK – in Bayern ist gut futtern!

      • karl: Ich habe nicht den Hauch einer Ahnung wovon Du sprichst.

  15. Die Diskussion ist glaube ich erledigt, stattdessen häufen sich die Spam-Kommentare. Deshalb habe ich die Kommentare nun geschlossen.