Ein Streiter für das Netz ist von uns gegangen

Eine sehr schlechte Nachricht hat mich soeben erreicht: Jörg-Olaf Schäfers ist tot.

Es fällt mir schwer die richtigen Worte zu finden. Sein Tod ist ein persönlicher Verlust und ein kaum zu schätzender Verlust für die deutsche Netzszene. Mit seinem unermüdlichen Engagement hat er den Weg für viele Entwicklungen bereitet, die in Artikeln immer wieder als Errungenschaften des Netzes gefeiert werden, als unvermeidliche Folgen des Medienwandels.

Doch die Wahrheit ist immer eine andere. Hinter den Kämpfen um Netzzensur, um vernünftige Sicherheitsmaßnahmen, um ein Stückchen Vernunft im alltäglichen Wahnsinn stecken Leute wie Jörg-Olaf. Wenn er ein Ziel auserkoren hatte, war er durch fast nichts zu stoppen. Er sammelte Informationen, dokumentierte und rief zur Aktivität auf. Doch so aktiv wie er konnte kaum jemand anderes sein. Er beließ es nicht dabei, sich lauthals zu beschweren und Verschwörung zu rufen, sondern arbeitete sich in komplizierte Materie ein, sichtete Sitzungsprotokolle, telefonierte mit Verantwortlichen und warb für seine Ziele. Für unsere Ziele. Mit unbändiger Energie hat er sich in den Kampf geworfen, gestritten und blieb doch immer wieder seine Idealen treu. Wer kann das noch von sich behaupten?

Wie lange wir uns kannten – ich weiß nicht mehr. In meiner Ecke des Netzes war er schon vor 10 Jahren nicht zu übersehen – damals noch oft unter seinem Kürzel “ix”. Ich sah ihn auf Mailinglisten, in Foren, im IRC. Wir sprachen über den WDR-Computerclub, über Politik, lästerten über Usenet-Zeiten und die gleichen dummen Sprechblasen, die wir von alten und neuen Politikern hörten. Irgendwann trafen wir uns auf der Verleihung des Big Brother-Awards in Bielefeld. Und trafen uns danach so einmal alle ein bis zwei Jahre. Aber immer war ein Chat-Fenster auf, in dem wir uns austauschen konnten. Ihn konnte ich immer um Rat fragen und wurde ernst genommen.

Es bleibt an dieser Stelle nur eins zu sagen: Jörg-Olaf, danke Dir für alles.

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14 Comments.

  1. Bin gerade fassungslos. Kannte ihn seit ich 2004 mit dem bloggen begann und er noch sein yamb führte. Ein bemerkenswerter, hochengagierter Mensch.

  2. Seine letzte FacebookFoursquare-Status-Meldung: “Es wurmt der Fröhlich, es zwittschert der Wurm. Wohl an, ein neuer Tag im Kreis meiner Liebsten!”

    Danke für alles, ixsylon.

  3. Ein schlimmer Verlust. Als Mensch- und als Stimme fürs Netz. Einer der wenigen Journalisten, mit dem man auch über Bande spielen konnte, wenn es in der Politik mal wieder all zu dämlich wurde. Unsere Bekanntschaft begann mit dem Kampf gegen Büssows Sperrverfügungen. Nur traurig.

  4. Jo wird mir fehlen!

  5. dot tilde dot

    wie schade, dass ich ihm nie für die viele arbeit danken kann, die er sich für unsere gemeinsame sache gemacht hat.

    .~.

  6. Dominik Boecker

    :,-(

    JOS wird (mir) fehlen…

  7. Man Olaf, wen soll ich jetzt noch lesen?

    Den krassen Humor gepaart mit messerscharfem Verstand kann niemand ersetzen.

    Mach’s gut JOS & keep on rockin’!

  8. Verdammt traurig, das tut echt weh. Ich kannte ice/ix mittlerweile auch schon 10-12 Jahre. Kennen gelernt haben wir uns damals als wir ein gutes Dreivierteljahr zusammen in der Redaktion einer Webseite saßen – dann folgten ueber ein halbes Jahrzehnt nahezu taeglicher IRC-Kontakt und spaeter noch ein paar kurze Episoden in denen wir gemeinsam bei dem ein oder anderen Blog beschaeftigt waren. Fuer mich war er ueber lange Jahre eine Art Mentor – wir waren nicht immer einer Meinung, aber er war immer bereit, sein Wissen und seine Einsichten zu teilen, und es hat sich eigentlich immer gelohnt, ihm dabei gut zuzuhoeren. Ich habe unheimlich viel von ihm gelernt. Ein großer Verlust.

  9. Auch wenn es pietätlos erscheinen mag: Wie ist er denn gestorben? Dies steht auf keiner Website.

    Dennoch: Ruhe in Frieden.

    • Dazu nur so viel: Jörg-Olaf hatte schon lange schwere gesundheitliche Probleme. Seine Familie hat derzeit andere Sorgen als Details im Internet zu posten.

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