These zur Medienzukunft

In einer Zeit wo Fakten in Über-Echtzeit auf uns einprasseln, wird der Faktenverwalter untergehen. Das Publikum sehnt sich nach Meinung, nach Nicht-Fakten und Bauchgefühl.

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1 Comments.

  1. Ach ja, ach nein.
    Dass „Fakten in Über-Echtzeit auf uns einprasseln“, ist IMHO keine Ursache. Menschen, die unter Truthiness-Symptomen leiden, sind ja eher die, die den Fakten chronisch und mühelos ausweichen. Das Phänomen, gegen allen Augenschein und gegen logische Plausibilität an einer Voreinstellung festzuhalten, ist als kognitive Dissonanz schon lange so schlagend und vielfach bewiesen, dass sich von daher grundsätzliche Zweifel an dem herleiten, was wir Menschen uns als Intelligenz zuschreiben. Wahrheit als Gefühl gab’s daher immer schon und wir lassen alle unser Leben von „gefühlten Wahrheiten“ mehr prägen, als wir uns je bewusst machen könnten.
    Neu ist das andere, was du ansprichst: Das mediale Umfeld. Der Zusammenbruch der Logik der Aufklärung als Grundkonsens der Medien ist in den USA in den vergangenen Jahren derartig geschürt worden, dass man dort ja schon eine Großdemo für die Rückkehr zu „sanity“ veranstaltet hat. Republikaner und Teaparty haben die Propaganda-Schraube – typisch für Krisenzeiten – eine volle Umdrehung weitergedreht und entdeckt, dass die Leute jeden Wahnsinn glauben und bejubeln, wenn er in die persönlichen Voreinstellungen passt. Die USA sind dafür sowieso empfänglich, weil sie eine lange Tradition an religiösen Eiferern haben – das sind die eigentlichen Vorbilder von Glen Beck etc., die jetzt das Eiferertum bis auf ehedem diskutierbare Positionen des konservativen Bürgertums ausgeweitet haben. „Eifern“ heißt vor allem emotionalisieren, wobei das eine Sache altbekannter rhetorischer Tricks und Angriffsformen ist. Die Medien ziehen mit, weil sie sehen, dass sie Emotionen brauchen, um Geschäft zu machen. „Faktenverwalter“ der alten Schule waren aber nicht so viel anders. Sie haben auch emotionalisiert. Das Publikum ist heute allerdings abgestumpfter und braucht immer stärkeres Herzrasen, um sich für eine Sache zu interessieren. Es sind gar nicht die Fakten, die auf „uns“ einprasseln, es sind die Emotionen. Im Durchschnitt dürften immer weniger Fakten gewusst werden. Was zunimmt sind, Bilder, Klickstrecken, Reiz- und Erregungsthemen … gefühlte Wahrheiten bis zum Überschreiten der Schwachsinnigkeitsschwelle …