Ich bin ja immer wieder überrascht, mit welcher Verve über Google Street View debattiert wird. Das ist für mich der Google-Service, der mein Blut am wenigsten in Wallung bringt.
Warum? Nun, zum einen gabs das Prinzip schon vor über zwei Jahren in Deutschland. Im Angebot e-rent.de sind Videostadtpläne abrufbar – ganz ohne Anonymisierung oder Proteste. Natürlich ist die Bildqualität schlechter – aber was genau ist der Schaden von Google Street View, den E-Rent nicht anrichtet?
Wer sich wirklich über Google aufregen will, sollte seinen Blick zum Beispiel auf Google Latitude und die anderen location based services richten und mal fragen, was individualisierte Geodaten sind und wie damit umgegangen wird. Zum Nachdenken: Wozu eine Vorratsdatenspeicherung, wenn man viel ausführlichere Bewegungsprofile per Gerichtsanordnung von Google bekommen könnte?

Google hat für mich schon genug Monopol auf dem Datenmarkt. Wenn Sie mit ihrer Google Street View – Aktion in Deutschland durchkommen, habe ich ernsthaft Angst vor Stalkern! Grüße
Angst vor Stalkern wegen Google Street View? Den muss mir mal jemand erklaeren. Was soll ein Stalker denn mit Google Street View anfangen?
Erst seit zwei Jahren? Die gleiche Datenschutzdiskussion gab es schon 1999, samt Gerichtsurteilen!
https://www.datenschutzzentrum.de/material/themen/gebaeude/gebdatei.htm
http://www.zdnet.de/news/print_this.htm?pid=2048587-39001020c
http://www.geografitti.de/?p=474
Diese kollektive Medienamnesie ist wirklich erstaunlich.
Und nicht nur diese Urteile gab es, sondern noch viele weitere! Eines sogar brandneu aus dem Januar 2010 mit sehr ausführlicher und auch sehr ausgewogener Begründung, die auch Interessen einer Häuserfoto-Gegnerin umfassend bewertet und trotzdem zu dem Schluss kommt, dass Häuserfotos im Internet zulässig sind. Wir haben in unserem Projekt dazu vier maßgebliche Urteile (auszugsweise) wiedergegeben: http://server137.time-o-rama.com/press.php?view=1&articleid=3
Aus persönlicher Erfahrung möchte ich noch hinzufügen, dass wir selbst in mehrere deutschen Städten ca. 15.000 Fotos gemacht haben und nirgends auf Ablehnung trafen. Selten hat mal einer gefragt, wozu wir fotografieren würden, aber wenn man den Menschen dann erklärt hat, was wir machen und was mit den Bildern passiert, waren bisher alle einverstanden. Ein Hausbesitzer hatte uns sogar ausdrücklich um ein Foto gebeten, als er merkte, dass wir sein Haus ausgelassen hatten.
Meine Erfahrung aus der Praxis ist also, dass erstens die Rechtslage eindeutig für Häuserfotos online ist und zweitens auch die beiweitem größte Masse der Bevölkerung dafür ist. An den Streetview Gegnern fällt hingegen auf, dass es häufig uninformierte Menschen sind, die Argumente erfinden aber keine echten Belege präsentieren für Behauptungen wie “Banken würden die Kreditwürdigkeit anhand der Häuserfotos einschätzen” oder “Einbrecher würden Raubzüge damit planen” usw. Man muss hoffen, dass die Presse doch mal etwas wirklichkeitsnäher darüber informiert, was Projekte wie unseres mit Häuserfotos im Internet eigentlich machen und dass daraus gar keine Risiken entstehen können.