Produktberichterstattung: Edelprostituierte
Produktberichterstattung ist immer eine Gratwanderung: Wann informiert man den Leser, wann rührt man schlicht die Werbetrommel? Die übliche Antwort: Man darf negative Seiten nicht verschweigen, muss das Produkt in einen Kontext setzen, .
Julia Jüttner vom Spiegel hat sich dem Produkt Edelprostituierte angenommen. Nach einer sehr knappen Einleitung zum Prostitutiionsskandal um den US-Gouverneur Elliot Spitzer kommt sie schnell zur Sache. Ganz im Dienste des Lesers listet Jüttner alle relevanten Informationen auf: die makellose Haut des Models, die Preise, die Zahlungsmodalitäten und die Legende(*), dass die Edelprostituierte nur aus Spaß einmal pro Monat - vielleicht auch zwei Mal - anschaffen geht. Es fehlt nur der Direktlink zur Bestellseite - den findet der solvente Kunde mit Google aber sofort.
Die negativen Seiten verschweigt Jüttner auch nicht. Hier sind sie in voller Länge:
Eine Selbstwahrnehmung, die Experten nicht teilen. “Frauen, die sich von Begleitagenturen vermitteln lassen, machen nichts anderes als andere Prostituierte auch: Sexarbeit”, sagt Veronica Munk von Amnesty for Women. “Egal, wie viel Geld die Callgirls nehmen.”
(*) Ausnahmen mag es geben. Aber solche Stories kann man ebensowenig glauben, wie die angebliche Bisexualität der Prostituierten. Illusion gehört nun mal zum Geschäft.