Pingts noch?
Was ist eigentlich ein Ping? Die Frage beantwortet Mathias Kremp bei Spiegel Online so:
Für den Komfort bei Surfen noch wichtiger, dürfte freilich die mit HSUPA einhergehende Verkürzung der Ping-Zeiten sein. Dieser Wert legt fest, wie lange die Daten vom Handy zum Webserver und umgekehrt unterwegs sind. Das Resultat dürfte sein, dass etwa die Zeitspanne zwischen der Eingabe einer Internetadresse in den Browser und dem Aufbau jener Seite drastisch verkürzt wird.
Naja, ganz so falsch ist das nicht. Und bei den üblichen Gammel-Sites mit hunderten von einzelnen Elementen (Bilder, CSS, …) macht das durchaus einiges aus. Zum Beispiel braucht die Seite mit dem Artikel 112 Requests, die Startseite 127. Wenn(!) jedes Element nur 100 Millisekunden bräuchte, dann wären das schon über 12 Sekunden.
Alvar: Dein Browser lädt alle Elemente einer Webseite nacheinander?
Torsten: Nein, fast alle Browser laden immer einige Elemente parallel; aber nicht alle und es geht auch nicht bei allen, da anfangs nicht alle bekannt sind.
Aber da geht es ja auch um “mobiles” Internet, paralleles Laden der einzelnen Elemente sorgt aber dennoch nicht dafür, dass die Leitung mehr hergibt — sie wird (u.U.) nur besser ausgenutzt. Und wenn die zum Beispiel durch das Laden von irgendeinem großen Bild oder einer blöden Flash-Werbung blockiert ist, dann wird alles langsamer.
Das kann man auch gut an einem Beispiel sehen:
Zum Beispiel braucht bei mir die SpOn-Startseite 5,87 Sekunden, mit dem Flash-Kram, 127 Requests. Das macht im Schnitt 46 Millisekunden pro Objekt. DSL mit derzeit ca. 12000 kBit, ca. 22 ms Ping zum SpOn-Server.
Wenn ich über meine andere Leitung gehe die 256 kBit und 66 ms Ping-Zeit hat, dann dauert es 23,28 Sekunden, also knapp die vierfache Zeit. Die Leitung ist aber über vierzig mal (!) langsamer, die Ping-Zeit nur rund drei mal schlechter.
Mit GPRS wären es wohl einige Minuten … ;-)
Alvar: Du machst den gleichen Fehler wie SpOn. Der Ping-Wert ist keine Stellgröße, die die Surf-Geschwindigkeit festlegt, sondern lediglich ein begrenzt aussagekräftiger Indikator für die Verbindungsqualität.
Dass Deine zweite Leitung so viel länger lädt, liegt hauptsächlich an der geringeren Bandbreite. Hinzu kommen noch viele andere Faktoren vom Browser-Cache bis zum Peering der beteiligten Provider. Wenn Du diese Faktoren beseitigst, dann bleibt nichts übrig: Wenn Du zum Beispiel bei T-DSL Fastpath aktiviert hattest, hat sich beim Surfen nichts spürbar verändert.
Torsten, da hast Du mich falsch verstanden. Ich sagte nicht, dass die Ping-Zeit der Wert ist, der die “Surf-Geschwindigkeit” festlegt. Aber es ist ein Wert, der darauf *auch* Einfluß hat. Mit der Verbindungsqualität hat die Ping-Zeit weniger zu tun, die kann eher durch die Anzahl der verloren gegangenen Pakete analysiert werden.
Selbstverständlich spielen viele Faktoren eine Rolle dabei, dass meine zweite Leitung langsamer ist. Auch der Browser spielt eine Rolle bei der Gesamtgeschwindigkeit. Der Cache bei meinem Messungen übrigens nicht, ich kann schon richtig messen ;-)
Aber wenn die geringere Bandbreite der wesentliche Faktor wäre, dann müsste das Ganze rund 20-40 mal langsamer sein. Ist aber nur knapp vier mal langsamer.
Und T-DSL-Fastpath ist wieder eine andere Sache. Denn das verkürzt zwar die Latenz (Ping-Zeit), sorgt aber gleichzeitig für mehr Paketverlust, die Pakete müssen also häufiger nochmals verschickt werden und das kostet wiederum Zeit. Daher kann das unter dem Strich für eine geringere Leitungsgeschwindigkeit sorgen.
Dass die Latenz (Ping-Zeit) unabhängig vom Rest Einfluß hat lässt sich übrigens ganz gut nachweisen (als root unter OS X oder FreeBSD):
# ipfw pipe 1 config delay 100ms
# ipfw add 10 pipe 1 all from any to any
Mit einer Latenz von 100 Millisekunden braucht die SpOn-Startseite in seiner derzeitigen Version bei mir etwas mehr als 16 Sekunden, ohne extra-Latenz nur rund 4. 16 Sekunden, trotz hoher Bandbreite!
Mein Punkt ist: Der Ping-Wert ist das Ergebnis, kein Ausgangsfaktor.
Nur unter der Voraussetzung, dass Spiegel Online immer Deine komplette Bandbreite nutzt, um die Webseite auszuliefern.
Ja. Dein Laborexperiment klingt interessant, aber entspricht nicht meinen Beobachtungen in der Praxis.
Nun, eine hohe Latenz ist sowohl ein Ergebnis als auch ein Ausgangsfaktor einer langsamen Leitung. Die Ping-Zeit ist quasi der Messwert dafür.
Richtig ist eben, dass eine hohe Latenz (hoher Ping-Wert) insbesondere bei vielen Einzelobjekten eine merkbare Verlangsamung verursachen kann.
Und was das Experiment und Deine Beobachtungen anbelangt: wie gesagt sorgt Fastpath dafür, dass mehr Pakete verloren gehen können, da eine Fehlerkorrektur abgeschaltet wird, dadurch kann die Leitung wieder langsamer werden — deswegen ist das bei T-DSL (bei ADSL, nicht ADSL2 ) normalerweise ausgeschaltet.
Selbst T-Online sagt, dass durch Fastpath Websites mit vielen kleinen Elementen u.U. schneller geladen werden können: http://www.t-home.de/kleine-unternehmen/tariftabelle/fastpath
Ob man den Unterschied deutlich spürt oder nicht (und ob es überhaupt einen gibt) hängt von vielen Faktoren ab, daher kann man das nicht verallgemeinern. Sofern es aber bei HSUPA gegenüber HSDPA einen signifikanten Unterschied in den Ping-Zeiten gibt (ich weiß es nicht!), dann wird das bei entsprechenden Websites durchaus merkbar sein.
Das Zitat von SpOn ist zwar reisserisch übertrieben, aber prinzipiell nicht falsch.