Von Frauen und Damen
Nicole meinte mir gegenüber Mal, sie könne es nicht leiden, wenn man Nachnamen von Frauen einfach so hinschreibe – ohne “Frau”, ohne Vornamen, ohne Titel. Bei Männern ist dies hingegen üblich: Ist der volle Namen schon mal genannt, reicht bei der Wiederholung der nackte Nachname. Ist das neutral oder fehlt da ein Mindestmaß an Galanterie oder Stil? Wie geht man also in nachrichtlichen Texten mit Frauen um?
Kein Journalist hätte Gerhard Schröder in Nachrichten “Herr Schröder” genannt – bei seiner Nachfolgerin verhält es sich manchmal noch anders. So habe ich heute mittag bei den Nachrichten im Deutschlandfunk dies gehört:
Bundeskanzlerin Merkel rechnet beim G-8-Gipfel offenbar nicht mehr mit konkreten Vereinbarungen zum Klimaschutz. Wenn die USA sich nicht bewegten, würden andere Länder möglicherweise auch erst mal abwarten, sagte Frau Merkel dem Nachrichtenmagazin “Der Spiegel”.
Der Titel der “Dame” ist wohl anderen Berufsgruppen zugeordnet. Bei SpOn bin ich auf diese Textstelle gestoßen:
Nach Informationen des SPIEGEL erklärt eine Quelle des Landesverfassungsschutzes, dass bis zu neun Prostituierte über spezielle Zuhälter angeheuert und diskret ins Gebäude gebracht wurden. Belastet werden auch zwei bundesweit bekannte Politiker, denen unterstellt wird, sie hätten sich mehrfach in Leipziger Diensträumen mit den Damen getroffen.
Das ist wohl weniger ein Beispiel für den unterschiedlichen Gebrauch der Bezeichnungen Frauen und Damen als für den unterschiedlichen Beigeschmack der beiden zitierten Medien. Oder?
Man(n) geht mit der Nennung von Frauennamen wie üblich um: zuerst wird der Name einmal komplett genannt, dann gerne gekürzt. Die einzige korrekte Vorgehensweise, die wir Frauen auch für uns wünschen. Alles andere ist nervige bemühte Galanterie, die per se nur nach hinten losgehen kan.
Ob nun der Absatz zum Begriff „Dame“ (ursprünglich eine höfliche Umschreibung für „Frau“) in diesem Zusammenhang passt, weiß ich nicht, denn wann wurde in Nachrichten jemals eine weibliche Person als Dame angesprochen?
Mit dem Absatz „Dame“ würde SPON einer Berufgruppe, den Prostistuierten (umgangsprachlich übrigens ja auch „öffentliche Dame“ genannt) zugeordnet, kann ich nicht konform gehen. Nur weil eine Frau – ob freiwillig oder nicht – dem horizontalen Gewerbe nachgeht, muss man ihr nicht gleich versagen wollen, sie höflich als Dame anzusprechen. Immerhin werden diese Frauen auch mit dafür bezahlt, höflich mit ihren Freiern umzugehen.
Ansonsten ist der Spiegel, was die Behandlung von Frauen in deren Artikel angeht, tatsächlich hinterstes Niveau und kann einem in der Unbeholfenheit seiner Redaktion eigentlich nur gequältes Mitleid abringen. Ich wunderte mich neulich schon in dem Zusammenhang mit Frau Ruth Kirch sehr darüber.
creezy: Ich bevorzuge auch die Gleichbehandlung von Männern und Frauen in dieser Hinsicht – aber wie gesagt: von Frauen hab ich auch ab und an Widerspruch gehört. Deshalb fiel mir das heute mittag auch auf, als ich Radio hörte.
Peter: Kein Beigeschmack, eher eine kleine Spitze, auf die ich zufällig gestoßen bin – ich weiß gar nicht mehr über welche Links ich auf den SpOn-Artikel gestoßen bin. Der Spiegel war gerade bei dem Thema Prostitution früher sehr erfinderisch: ich erinnere mich an das schöne Wort “Gunstgewerblerin”. Das ist schon fast Lyrik.
Frau (von ahd. frouwa: „hohe Frau“, „Herrin“, über mhd. frouwe)
Dame (v. franz. dame „Herrin“, aus latein. domina „Hausherrin“)
Dass es immer noch Frauen (!) gibt, die lieber “Dame” anstatt als “Frau” bezeichnet werden wollen, weil sie des Eindrucks sind, “Herr und Dame” sei gleichrangig, nicht aber “Herr und Frau”, finde ich – eingedenk der Dämlichkeit (!) dieses Gedankens – äußerst bemerkenswert. :-)