Wozu Zensur gut ist
Im Law-Blog habe ich gelesen, dass die Online-Redaktion der Welt einen sehr launigen und negativen Debatten-Beitrag über Kai Diekmanns neustes Buch gelöscht hat, in dem Alan Posener den Bild-Chefredakteur zum Beispiel mit Dieter Bohlen verglich und die “erotischen” Fotos der BILD als “Wichsvorlage” bezeichnete. Naheliegende Vermutung: da beide Zeitungen im gleichen Verlag erscheinen, erschien der Verriss nicht opportun und wurde zurückgezogen.
Gängige Blogger-Routine: Man kramt in den Beiträgen des betroffenen Autors und sucht Zitate, die man gegen ihn verwenden kann, bzw die zum aktuellen Ereignis passen. Und in der Tat musste ich nicht lange suchen, um etwas zu finden das wie die Faust aufs Auge passt. Der Autor des gelöschten Diekmann-Verrisses erklärt in einem kürzlich erschienen Artikel wozu Zensur gut ist:
Manche Leute scheinen es darauf anlegen zu wollen, zensiert zu werden, damit sie sich nachher beschweren können über die undemokratischen Zustände bei Welt-Debatte. Man kann das als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Moderatoren sehen. Man kann das aber auch kindisch finden.
[...]
Das wäre ein Angriff ad hominem, und ich habe hier wiederholt klargestellt, dass ich solche Angriffe ablehne. Was ich aber tue, ist die Moderatoren zu bitten, den Angriff auf unsere Autoren zu entfernen und Herrn S. aufzufordern, zur Sachlichkeit zurückzukehren, andernfalls wir auf seine Anwesenheit hier verzichten müssen.
Wahre Worte, die wohl auch die Chefetage von Springer unterschreiben kann. Mehr noch: man hat ihnen wohl direkt Taten folgen lassen.
Alan Posener
Wir sind Papst!
Kai Diekmann hat ein Buch angekündigt. Der Titel, “Der große Selbstbetrug”, scheint zutreffender zu sein, als dem Autor lieb sein kann.
Kai Diekmann, Chefredakteur der Bildzeitung, hat ein Buch geschrieben. Was an und für sich nichts Besonderes ist. Dieter Bohlen hat auch ein Buch geschrieben.
Interessant ist jedoch der Inhalt. Diekmann sagt, so die Vorschau des Piper-Verlags, „was Sache ist“. Und zwar so:
„Meine Generation betrügt sich selbst. Wir wollen Reformen, aber ändern soll sich nichts. Wir erwarten ehrliche Politiker, wählen aber die mit den haltslosesten Versprechen. Wir fordern Freiheit, scheuen jedoch Verantwortung.“
Hey, das klingt nach ehrlicher Selbstkritik. Endlich. Ein Berufsleben lang haben diese Mittvierziger davon gelebt, auf die 68er einzudreschen, was sicher Spaß gemacht, ihnen jedoch weder intellektuelle Anstrengung noch moralischen Mut abverlangt hat. Jetzt ist Katerzeit angebrochen; jetzt wird Selbstkritik geübt, jetzt will man sich ehrlich machen; jetzt wird mal gefragt, was diese Generation, die Kinder der fetten Kohl-Jahre und ihrer „fröhlichen Restauration“, denn so viel besser gemacht haben als wir Kinder von Marx und Coca-Cola.
[...]
[Sorry, an dieser Stelle kürze ich ab. Ich habe kein Recht an dem Text, der spannendste Teil ist eh bekannt. - Torsten]