Der mündige Blogleser?
Beim jüngsten Sautreiben in Kleinbloggersdorf - ich rede natürlich von der Blog-Nemesis Adical - ist mir dieses Zitat von Julian Finn aufgefallen:
Genau wie die Blog-Toplisten in stetiger Bewegung sind, wie es Aufstiege und Abstiege gab, ist es für ein sich unabhängig rühmendes Blog (oder einen wie auch immer gearteten ‘cast) kaum möglich auf Dauer Käuflichkeit und Leserzufriedenheit miteinander zu vereinbaren. Den Kanal wechseln, das Abonnement kündigen, all das ist in Zeiten von Massen von Medien statt Massenmedien zu einfach, als dass der mündige Leser noch ausgenutzt werden könnte.
Ist denn der mündige Leser gekauften Inhalten wirklich so abgeneigt? Schalten nicht immer noch Millionen die Film-CD-Gummibärchen-Dauerwerbung Wetten dass… ein? Liest keiner mehr die BILD-Zeitung? Wird nicht sogar der ALDI-Prospekt eifrig studiert? Der mündige Bürger pfeift in der Regel auf edle Prinzipien. Er will unterhalten werden, er will Sachen vorgekaut bekommen. Und für ein paar Cent ist seine Stimme bei Digg zu kaufen. Dass Blog-Leser da so furchtbar anders sind, kann man glauben oder auch nicht.
Der Unterschied ist, dass sich der der sich den gekauften Inhalt freiwillig zuführt sich auch selten darüber beschwert.
Im Gegensatz zu einer Zeit, wo man nur zwischen gekauftem Fernsehkanal 1 und gekauftem Fernsehkanal2 hin und her schalten oder zwischen Zeitung A und Zeitung B am Kiosk auswählen konnte, hat eine demokratisierte Medienlandschaft auch Alternativen parat. Erweckte also eines der Adical-Blogs den Verdacht, gekauft zu sein, hätte der geneigte Leser noch die Wahl seine Informationen aus vielen anderen nicht-gekauften Blogs zu beziehen. Das ist der große Unterschied dabei.
julian: Das ist mir alles etwas zu sehr Schwarz-Weiß-Malerei. Die guten lassen sich nicht kaufen, die schlechten lassen sich kaufen?
Ich kenne einige, die Blogs oder Seiten wie Slashdot als tatsächliche Alternative zu jeglichem anderen Medienkonsum ansehen. Deren Weltbild ist dadurch nicht demokratischer, sondern in den meisten Fällen eher beschränkt.
Denn gerade bei Blogs gibt es einen selbstverstärkenden Effekt. Da der Leser bekanntlich nur das lesen will, was er eh schon weiß und welcher Meinung er sowieso ist, sucht er sich Blogger aus, die der gleichen Meinung sind und sich für die gleichen Dinge interessieren. In der Folge nimmt er andere Standpunkte kaum noch wahr.
Es geht doch nicht um gut und böse.
Es geht darum dass der, der gekauften Inhalt nicht mag, ihn da wo er Angebot hat, auch nicht konsumiert. Und wenn Spreeblick schlecht wird weil die Werbemafia Artikel kauft, dann lesen halt weniger leute Spreeblick und mehr Leute ein Blog das ihrer Meinung nach “rein” ist.
Das ist theoretisch möglich. Mein Argument ist, dass “werbereinheit” in der Praxis für die meisten Leute eben keine besonders hohe Priorität hat.
[...] Zustimmnende trifft auch auf das, wie Torsten es formuliert: … jüngsten Sautreiben in [...]